7 Stunden später bin ich auch nicht viel schlauer...

Mein Schädel brummt wie verrückt, ich bin todmüde und nicht besonders schlauer als zuvor, obwohl ich den ganzen Tag in dem Büro der NGO verbracht habe und mich 7 Stunden ausschließlich auf Spanisch habe beschallen lassen. Es war echt mega anstrengend und frustrierend zugleich, weil ich von all dem, was Ana, die Projektkoordinatorin, mir und Stalin, einem anderen Freiwilligen aus Piura, einer Stand im Norden Perus, erzählt hat kaum etwas verstanden habe. Von antworten ganz zu schweigen. Ich war einfach total überfordert und kam mir total blöd vor. Denn natürlich hat Stalin einwandfrei Spanisch gesprochen und hatte kein Problem Anas Worten zu folgen und auch meine Versuche, sie zu bitten etwas langsamer zu sprechen, haben nicht viel Wirkung gezeigt. Die ganzen Spielchen und Übungen, Aufgaben und Informationen waren für ihn auf Spanisch natürlich kein Problem, denn auch wenn er nach Deutschland für seine Freiwilligenarbeit geht, durfte er alles auf Spanisch machen so wie ich ebenfalls, aber mein Spanisch reicht halt einfach noch nicht um Tabu oder irgendwelche Karateübungen zu erklären. Das war echt frustrierend und ich war teilweise echt verzweifelt. (Kurze Anmerkung: er lernt aber gerade etwas Deutsch und hat am Anfang ein bisschen mit mir geredet und mir seinen Instagram-Account gezeigt, die peruanische Landkarte und seine Heimatstadt, seine deutschen Freunde von vorherigen Projekten, denn er hat schon Erfahrung mit Freiwilligen Arbeit und ist auch schon 27, und so weiter und sofort. Also er war schon echt nett, aber ich war einfach mit allem total überfordert, weil auch alles so neu war, ich kannte niemanden und mir wurden einfach komplett unerwartet Aufgaben gestellt, über die ich mir vorher gerne Gedanken gemacht hätte). Z.B. sollten wir erst Ideen sammeln, was wir mit den Kindern für Projekte starten wollen und diese dann in einen Work-Plan eintragen, sodass sie wissen, was wir so die ganze Zeit mit den Kindern treiben. Und das hieß nicht, Ball speilen ist mein Projekt, sondern wir sollten schon für jede Woche irgendwelche speziellere Dinge planen, wie Wettkämpfe oder so was. Darauf war ich einfach überhaupt nicht vorbereitet und so spontan ist mir auch nicht wirklich was eingefallen, geschweige denn wusste ich, wie man das alles auf Spanisch sagt. Glücklicherweise spricht ein so ein Praktikant ein bisschen Englisch und hat mir dann bei der Erstellung des Plans geholfen, aber trotzdem war es echt schwer, sich ordentliche Ideen einfallen zu lassen. Ich dachte das kann man so auf sich zukommen lassen.

Jedenfalls war ich dann echt deprimiert und total fertig nach dem ganzen Quatsch und wusste auch immer noch nicht viel mehr über meine Gastfamilie, das Projekt und die Fahrt nach Andhuaylas, ich kannte die anderen Freiwilligen noch nicht, hatte keine Handynummern von irgendwem und war einfach total... keine Ahnung, einfach so überfordert und ratlos. Ich bin einfach nicht viel schlauer, aber sie wollen mir noch eine Email mit allen wichtigen Informationen schicken. Ich hoffe das passiert dann auch demnächst und dann ml sehen.

Jetzt ist dieser Eintrag irgendwie total traurig geworden, was er eigentlich gar nicht sein sollte, weil die Leute da echt nett sind und mich allein die Tatsache, dass die Organisation existiert, echt beruhigt hat, hahaha. Mir geht es aber echt richtig gut hier, mir gefällt es super, bei Jens zu wohnen ist der Glücksfall überhaupt und ich bin echt positiv gespannt auf das, was mich erwartet. Die Sprachprobleme sind ja ganz normal und ich denke, das wird mit der Zeit auch schnell besser. Ich gebe mir auch echt Mühe und notiere mir ganz viele neue Wörter um sie mir zu merken. Ich bin auch echt froh darüber, dass ich hier so viel erleben darf und mir schon so viel anschauen konnte. 

Es soll auch gar nicht so rüberkommen, als fände ich diese Ungewissheit so schlimm, die stört mich eigentlich am wenigsten und hat mich auch heute gar nicht so fertig gemacht. Es war glaub einfach anstrengend, weil alles auf Spanisch war und so schnell geredet wurde. Das war das Hauptproblem, warum ich mich neben Stalin so schlecht gefühlt habe. Dass die so unorganisiert und langsam in allem sind finde ich echt nicht so schlimm, ich vertraue denen da, dass die das ordentlich hinbekommen, immerhin haben die das ja schon ein paar Mal gemacht. Auch wenn man die meisten Informationen eigentlich nur bekommt, wenn man zum fünften Mal nachfragt hahaha.

so, damit Ende ich das ganze hier und sage nur: mir gehts super, macht euch keine Sorgen, es war nur anstrengend und eventuell klingt der gane Artikel deshalb so melodramatisch, weil ich ihn erst heute (am Samstag) schreibe, weil ich es davor einfach nicht geschafft habe und meine Erinnerung nicht mehr ganz frisch ist und ich den tag jetzt mit den anderen danach vergleichen kann. Das Hirn trickst einen ja immer ein bisschen aus mit dem, was man so in Erinnerung behält und was für Gefühle man mit dem tag verbindet wenn man so rückblickend draufschaut.

Also bis denne, 

Emily

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Kommentare: 1
  • #1

    oma (Samstag, 02 September 2017 23:36)

    ps.
    das leben ist wie eine schactel pralinen,
    man weiß nie was man bekommt.
    ferst gump

    das hab ich vorhin vergessen. es passt doch gut zu deinem bericht. LG oma.