Mit dem Bus durch die Anden

Am Samstagabend war es endlich so weit! Die Reise nach Andahuaylas ging los - endlich, nach zwei Wochen in Lima. So langsam wollte ich nämlich wirklich wissen was mich erwartet; wie meine Gastfamilie ist, wo ich leben und arbeiten werde und wie die Arbeit ist. Immerhin waren die Wochen bei Jens ja echter Luxus, den konnte ich in den kleinen Städtchen mitten im Nirgendwo nicht erwarten. Nachdem auch Abfahrtszeit sich tausend mal geändert hat und man sich schließlich darauf verständigt hat, dass man sich um vier am Büro trifft, hieß es für mich am Vormittag packen und die letzten Stunden noch entspannen und genießen. Außerdem war ich natürlich für die Reise Proviant einkaufen, um den ich wirklich wirklich sehr froh war. 

Man muss sagen, die peruanischen Reisebusse sich wirklich unerwartet komfortabel. Man hat echt viel Beinfreiheit, mehr als in jedem Flugzeug, es gibt (eigentlich) eine Klimaanlage, man bekommt eine dicke Decke und es wird sich echt Mühe gegeben, die Reise angenehm zu gestalten. Man kann sich das so ein bisschen wie beim Fliegen vorstellen, denn vorher muss man auch durch einen Mini-Sicherheitscheck und sein Gepäck aufgeben; bei Übergewicht muss nachgezahlt werden. 

Ich war wirklich unglaublich nervös, weil die anderen natürlich nicht um vier Uhr wie verabredet am Büro auftauchten, sondern eine halbe Stunde zu spät. Mir ging echt die Düse und ich habe den Bus schon ohne uns abfahren gesehen. Immerhin fehlte auch noch Edwin, der uns auf der Fahrt begleiten sollte und die Taxis waren auch noch nicht da. Totales Chaos also und da selbst der Präsident der Organisation nervös war, waren wir umso mehr verunsichert. Naja, fragt mich nicht wie, aber schlussendlich haben wir es dann doch noch pünktlich zum Busbahnhof geschafft, nachdem wir uns irgendwie mit in drei Taxis gequetscht haben (wir waren was weiß ich wie viele Menschen plus Gepäck für die doppelte Menge an Personen). Am Bahnhof war dann tatsächlich sogar noch Zeit für Fotos - natürlich muss das sein - und wir mussten ewig warten, weil sich die Abfahrt ja doch etwas verzögerte. 

Optimistisch gestimmt aufgrund des unerwarteten Komforts ging also die Fahrt um ungefähr halb sieben los, obwohl man uns gesagt hatte, er würde um fünf abfahren. Nach der ersten halben Stunde wurden auch schon erneut Passagiere aufgenommen und es war echt deprimierend, weil man immer noch in Lima war, aber schon gefühlt ewig in dem Bus rumsaß und sich aber nicht von der Stelle bewegt hat. 

Leider war die Fahrt dann doch nicht ganz so angenehm und mir war die ganze Zeit schlecht, es war unmenschlich heiß (27°!!!) und ich konnte überhaupt nicht schlafen, weil jede Position weh tat.  Pausen gab es übrigens nicht, dafür aber wenigstens ein funktionierendes Klo an Board. Also so richtig dolle war es nicht, aber mein Proviant hat mich gerettet. Wie zu erwarten kamen wir natürlich auch verspätet in Abancay an (halb zwölf muss es ungefähr gewesen sein) und mit uns war absolut nichts mehr anzufangen. Müde, hungrig, ungeduscht, viel zu warm angezogen und mit üblen Kopfschmerzen kamen wir also in dem neuen Zuhause der anderen an. Da empfing uns Sarah, eine weitere Freiwillige, die schon einen Monat in Peru ist. Leider wurde aber aus den Duschen für alle nichts, da das Wasser leer war und das bedeutete: kein Wasser mehr, weder für die Klospülung, noch die Dusche noch das Waschbecken. Man konnte also nicht mal Hände waschen, aber gut. Ich hatte derweil ganz andere Probleme, da sich herausstellte, dass die ursprünglich gedachten 183 Tage Aufenthaltesrecht nur 90 sind und ich somit ein Visumsproblem habe. Das ganze Drama jetzt detailliert niederzuschreiben würde den Rahmen sprengen und ich habe auch gar keine Lust mich erneut darüber zu ärgern, deswegen lass ich das. Ich war auf jeden Fall froh, dass Sarah das gleiche Problem hat und mit der gleichen unfähigen Organisation hierher gekommen ist. 

Nach dem Mittagessen war ich komplett fertig mit der Welt, meine Kopfschmerzen nackten mich komplett aus die Sonne knallt hier in diesen Höhen wie verrückt, weshalb ich mich trotz angenehmen Temperaturen in mein Zimmer verzogen habe und etwas in mein Reisetagebuch geschrieben habe. 

Ich bin auch echt früh ins Bett gegangen, weil ich einfach nicht mehr konnte und wollte und habe darauf verzichtet, mit den anderen IceAge 4 zu schauen, was meiner Meinung nach kein sonderlicher Verlust war.

Am nächsten Morgen bin ich unangenehm früh aufgewacht und habe eigentlich auf Wasser gehofft, aber das gab es leider immer noch nicht. Eigentlich wollte Edwin auch um 9 Uhr fertig sein mit dem Abliefern der Anderen an ihren Arbeitsstellen, um mit mir nach Andahuaylas zu fahren. Aber daraus wurde natürlich auch nichts. Clara, Linda und ich warteten also, ohne zu wissen wann er auftauchen würde. Wir warteten, und warteten und warteten. Eigentlich wollte er die beiden um halb neun abholen, da sie ja auch zu Arbeit mussten, aber um halb zwölf war er immer noch nicht wieder da. Ich war schier am Verhungern, weil wir auch nicht das Hausverlassen konnten, um was zu kaufen, da wir ja nicht wussten, wann er kommen würde und ich keinen Schlüssel hatte.Eigentlich sollten die beiden nämlich auch ihrer Arbeit essen. Wir haben uns also mit Kartenspielen vergnügt und ich habe irgendwann entschieden, mit dem Schlüssel von Clara loszuziehen um Wasser und Obst zu kaufen. Das hat uns auf jeden Fall mal ein Stück weitergebracht. Ich habe, nachdem es dann auch wieder Wasser gab, mich dann doch zu einer Dusche entschieden, obwohl ich kein Handtuch dabei hatte und mir eines ausleihen musste, dass nach gestunken hat, als hätte man zuvor damit den Hund abgetrocknet. Aber gut, besser eiskaltes Wasser und ekliges Handtuch als gar nichts. Danach hab ich angefangen bei Edwin Terror zu machen und ihm Nachrichten zu schreiben. Als er dann meinte er kommt in einer halben Stunde, rechneten wir aber nicht wirklich damit, was sich auch bewahrheiten sollte. Irgendwann gegen halb eins kam er dann, die anderen waren anscheinend auf dem Markt, weil gestreikt wurde und nicht gearbeitet und uns hat man einfach nicht Bescheid gesagt. Ich bin dann auf jeden Fall mit Edwin was Essen gegangen, die anderen beiden haben auf ihre Arbeit verzichtet und sind beleidigt in die Stadt losgezogen und wir konnten endlich die Fahrt antreten. Die hat natürlich auch länger als gedacht gedauert, was sonst. War auch wieder ziemlich heiß, diesmal ziemlich eng und ungemütlich, aber wenigstens bin ich mal endlich in Andahuaylas angekommen. 

Da hat mich Edwin dann abgeladen, nachdem es glaube ich ein paar Missverständnisse gab (hab nicht alles verstanden), weil die Gastmutter nicht mal wusste, dass ich an dem tag ankomme. Ihr hat niemand Bescheid gesagt. Ich hatte aber irgendwie verstanden, dass es Probleme gab mit vorherigen Freiwilligen und sie mich nicht haben will oder so. Auf jeden Fall hatte ich dann einfach mega Angst, ich war müde, verstand nichts und mir war einfach nur zum Heulen zumute. Ich weiß immer noch nicht, was das Problem war, aber ich durfte auf jeden Fall da bleiben ;P Der Sohn Anghelo hat mich auch direkt super herzlich empfangen und mir alles gezeigt, was meine Aufgaben sind und so weiter. Den Vater verstehe ich dagegen überhaupt nicht, der nuschelt richtig krass und die Mutter verstehe ich auch nur, wenn sie langsam spricht. 

Jedenfalls haben sie mir dann noch mein Zimmer gezeigt, das echt riesig ist. Ich habe ein Bett mit ganz vielen Decken, drei Stühle und tausend Kisten und Eimer mit irgendeinem Zeug drin, das mich aber nicht weiter stört. Was mich viel mehr stört ist der dumme Gockel, der jeden Morgen um kurz vor sechs anfängt zu krähen. Naja, jedenfalls gibt es manchmal sogar WLAN und warmes Wasser. Also alles gut, auch wenn man das Bad nicht als viel mehr als eine Nasszelle bezeichnen kann. Es hat nichtmal eine Tür, nur einen Vorhang, wenn man duscht steht das ganze Bad unter Wasser und irgendwie hat man nicht mal Platz um seine Klamotten und sein Handtuch irgendwo hinzustellen. Das Klo ist sozusagen fast unter dem Waschbecken und dieses wiederum hängt fast in der Dusche, da die Dusche ja fast alles ist. Gut egal, ich lebe sogar komfortabler als die drei selbst, denn die wohnen zusammen in einem Zimmer, nur mit Vorhängen voneinander abgetrennt. 

Am Dienstag fängt dann die Arbeit an, ich berichte wieder.

Emily

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Mama (Donnerstag, 07 September 2017 13:21)

    Oh wie spannend.... :)