Ein City Trip & ein entspannter Tag zu Hause

Am Samstag war ich alleine in der Stadt unterwegs, um mir die Stadt, die Läden und den Markt anzuschauen, ein wenig Zeit allein zu verbringen und die Sachen zu kaufen, die Juana mir aufgetragen hatte. Ich wollte nichts großartig anstrengendes machen, einfach nur ein bisschen Abstand gewinnen und rauskommen. Deswegen dachte ich mir, ein Trip nach Andahuaylas ist genau das Richtige. Kurze Anmerkung damit ihr nicht verwirrt seid: ich wohne und arbeite in San Jeronimo, einer kleinen Stadt die zwar zu Andahuaylas gehört aber halt ein bisschen außerhalb liegt. Man kann aber gut zu Fuß laufen oder für 50 Céntimos ein Taxi nehmen, es sind nur 1-2km bis nach Andhuaylas und die beiden Orte gehen sozusagen ineinander über. Ich hatte genügend Zeit und wollte eigentlich so spät wie möglich zurückkehren, deshalb bin ich gelaufen. Nachdem ich ganz in Ruhe alles erledigt und mich fertig gemacht hatte, bin ich dann so gegen halb elf losgelaufen und hab mir erst mal einen Smoothie gegönnt. In Andahuaylas angekommen bin ich dann erstmal ein bisschen über den Markt geschlendert. Da kann man von Essen, über Klamotten, Waschmittel, Naturheilmittel und Spielzeug einfach alles kaufen. Also wirklich alles. Ich bin aber nur etwas durch die Reihen gelaufen um zu schauen, und um nach einem Handtuch Ausschau zu halten, da mir gesagt wurde, ich muss mein eigenes kaufen. Da gab es aber nur so Strandtücher mit schrecklich hässlichen Mustern, weshalb ich noch nicht zuschlagen wollte. Danach war ich in einem Supermarkt und hab Waschmittel, Feuchttücher und Snacks gekauft um dann in einer Art Apotheke nach Deo zu fragen. Dazu muss man wissen, dass es hier an jeder Ecke Apotheken gibt, weil man Shampoo, Deo, Klopapier, Zahnbürsten und alle anderen Hygieneartikel nur in diesen Läden bekommt. Die Auswahl war nicht groß und es gab auch nicht wirklich das, was ich wollte. Aber was soll man machen… Also hab ich für 13,90 Soles ein Deo gekauft, das sind ca. 3,50€! Ich hatte aber nur 13,70 Soles klein und die Verkäuferin war , so dachte ich, so nett, mir die 20 Céntimos zu erlassen. Aus dem Laden draußen schau ich auf den Kassenbon und da steht doch tatsächlich 9,90 Soles!!! Wollte die mich knallhart abzocken die Alte. Ich also wieder rein in den Laden und gefragt, was das soll. Daraufhin habe ich auch tatsächlich 3 Soles wiederbekommen. Damit habe ich zwar immer noch zu viel bezahlt, aber mehr Aufstand wollte ich dann auch nicht machen. Aber echt eine Unverschämtheit, erst auf nett zu tun, als würde sie mir 20 Céntimos schenken, dabei aber 4 Soles zu viel verlangen. Nicht mit mir! hahaha 

Danach wollte mich eigentlich Jens anrufen, weshalb ich mich auf so einen Platz gesetzt habe um zu warten und ein bisschen soziale Kontakte zu pflegen. Der Anruf sollte sich jedoch um zwei Stunden verschieben, weshalb ich dann Mittagessen gegangen bin und mich danach auf den Plaza de Armas von Andahuaylas gesetzt habe. Die Sonne hat schön geschienen und ich habe eine Runde mit Jens telefoniert, der mir ein paar Tipps geben konnte, wie ich mich verhalten kann, da ich ja eigentlich für alles bezahlt habe, jetzt aber trotzdem noch voll viel selber zahlen muss.

Als ich aufgelegt habe saß plötzlich so ein alter Mann neben mir auf der Bank und hat mich auf die selbe Art wie schon viele andere angesprochen. Irgendwann wollte er aber zu viel wissen und ich bin seinen Fragen ausgewichen oder habe gar nicht mehr geantwortet. Irgendwann hat er dann angefangen von sich zu erzählen und mich gefragt, ob ich Angst vor den Leuten und ihm habe. Mit der Zeit wurde mir das Gespräch etwas unangenehm und ich wollte mich auf den Weg machen, weil ich noch einige Dinge besorgen musste. Als er mich dann auf meinem Weg begleiten wollte, habe ich ihn abgewimmelt und bin alleine losgezogen. Ich habe dann auch tatsächlich einen Stand mit Handtüchern gefunden, zwar wieder brutal hässlich, aber ich habe das Gefühl, hier gibt es einfach nichts anderes. Nachdem auch er mir erst ein völlig überteuertes Handtuch andrehen wollte habe ich gesagt, dass das doch ganz schön teuer sei, da hat er eingelenkt, er hätte da ja noch andere, die ungefähr nur die Hälfte gekostet haben. Also hab ich das mit dem am wenigsten schlimmen Muster rausgesucht und mitgenommen. Ich lass mich doch nicht noch mal über den Tisch ziehen. 

Danach habe ich auch noch die letzten Sachen besorgt, die ich gebraucht habe und habe mich, wieder zu Fuß, auf den Rückweg gemacht, da ich noch nicht so schnell wieder zu Hause sein wollte. Da war ich zwar schon wieder echt müde und erledigt, aber es war wie gesagt nicht allzu weit. Mitten auf dem Weg lag plötzlich ein alter Mann quer über dem Bürgersteig und niemand hat ihm geholfen. Alle sind einfach dran vorbei gefahren. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihm aufhelfen kann, aber er sprach nur Quechua und ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich war schon erleichtert, dass er noch lebte. Das tat mir genauso leid, wie all die Straßenhunde, die hier rumlaufen…

Zuhause habe ich wieder nicht mehr viel Spannendes gemacht, außer zum ersten Mal diese Woche mit meinen Eltern telefoniert (danke WhatsApp Calls!). Das tat echt super gut und ich muss sagen, ich war echt gut drauf an dem Tag und war echt gut gelaunt. Die Dusche war diesmal auch etwas gnädiger zu mir und hat mich verschont, sodass ich ohne Stromschlag davon gekommen bin. Das warme Wasser hat zwar wieder nicht funktioniert und es war wirklich sehr kalt, aber ich würde von mir behaupten, dass ich schon fast routiniert an die Sache rangegangen bin und nicht mehr so wimmern musste, wie die ersten beiden Male. Das Wasser kam auch wieder aus den für es vorgesehenen Löchern und nicht überall anders raus, sodass es ganz okay war. Man lernt hier wirklich einiges zu schätzen. Warmes Wasser, Sauberkeit, Klopapier und Wärme zum Beispiel. 

Wie sich herausgestellt hat, ist die Dusche hier wohl eine Dusche, die nur mit Strom warmes Wasser erzeugt, und zwar erst im Duschkopf selbst (der nebenbei aus Plastik ist). Deshalb muss man auch eigentlich für warmes Wasser so einen Knopf umlegen, wie bei einer Sicherung, und nach der Dusche wieder abschalten. Die grünen und gelben Kabel führen dann eben zum Duschkopf selbst, weshalb der unter Strom steht, was bekanntlich ziemlich unpraktisch ist, grade in Verbindung mit Wasser. Also keine spaßige Angelegenheit, weshalb mir jetzt verboten wurde, den Hebel auf warmes Wasser umzuschalten, um keinen Strom zu erzeugen. Würde aber ja eh nichts bringen, weil das Ding einen Kurzschluss erlitten hat, sodass es eh keinen Unterschied macht, weil es einfach immer kalt ist. Denn als ich gestern den Hebel vor dem Duschen auf Warm gestellt habe wollte ich ihn danach wieder umstellen, aber die Sicherung ist schon von alleine wieder zurückgesprungen.Naja, wenigstens kann ich überhaupt duschen…

Den Sonntag habe ich bis jetzt ganz ruhig verbracht, lag etwas länger im Bett, hab mit meinen Freunden und Familie geschrieben und telefoniert und Blogartikel geschrieben. Glücklicherweise hatte ich auch viel meine Ruhe, weil die Eltern irgendwie außer Haus waren. Also der Vormittag war total entspannt und ruhig, genau nach was mir war.  

Nur das Schwein der Familie musste heute leiden und es war furchtbar heute morgen im Bett zu liegen und die verzweifelten Schreie voller Angst und Schmerz zu hören, während sie versucht haben es aus dem Käfig zu zerren und zu schlachten. So ein Grunzen hab ich in meinem Leben noch nicht gehört und ich musste mir meine Ohren zu halten, weil das echt schlimm war mit anzuhören. Zum Glück konnte ich mich bei Leti ausheulen (DANKE DIR DAFÜR!), die mich etwas beruhigen konnte und einfach so verständnisvoll und trotzdem beruhigend und hilfreich auf meine Nachrichten geantwortet hat. Da habe ich nämlich wirklich nur alles schlechte abgeladen, das mir bis jetzt hier passiert ist, wahrscheinlich total zusammenhangslos und ungeordnet und sinnlos, aber es tat so gut es einfach nochmal rauszulassen und jemandem zu erzählen, der einen versteht und ermutigt und einfach so tolle und liebe Wort findet. Ich habe wirklich die besten Freunde der Welt!

Der Mittag gestaltete sich etwas chaotischer, nachdem ich zwei Anrufe von Juana erhalten habe, bei denen ich sie einfach nicht verstanden habe. Im ersten meinte sie meiner Meinung nach, ich solle alleine Mittag essen, es gäbe noch Kartoffeln und Avocado, weil sie nicht da seien. Ich also brav wie ich war um Avocado und Kartoffeln gegessen, da bekomme ich noch einen Anruf. Da hab ich gar nicht verstanden was sie von mir wollte. Ich dachte ich soll rauskommen und die Tür öffnen. Da war aber niemand, also hab ich weiter gegessen. Grade als ich fertig war kommen die drei nach Hause, Juana mit einem Teller VOLL mit einem Haufen Nudeln und einer Art Kartoffelsalat, den sie mir vor die Nase stellte und meinte, ich solle essen. Dabei war ich doch grade fertig! Ich habe die Welt nich mehr verstanden. Sie meinte, sie wollte, dass ich zu ihrer Mutter kommen sollte, um dort mit ihnen Mittag zu essen. Aber erstens, woher sollte ich wissen, wo die wohnt und zweitens. ist es einfach voll schwer auf Spanisch zu telefonieren, wenn die Verbindung schlecht ist und ich das einfach nicht verstehe was sie mir sagt. Warum kann sie mich nicht einfach vorher mal über ihre Pläne aufklären, mit mir KOMMUNIZIEREN!!!??? Das würde das Ganze viel einfacher machen. So habe ich halt überhaupt nicht verstanden was sie von mir wollte… Und ich musste nach meinem sehr sättigenden Mittagessen nochmal das essen, was sie mir hingestellt hatte. Echt kompliziert hier alles, auf der einen Seite soll ich alles Essen eigentlich selber bezahlen, auf der anderen Seite zwingen sie mich ständig dazu. 

Am Nachmittag habe ich mich auf jeden Fall wieder in mein Zimmer verzogen und einfach schön entspannt und mir Zeit für mich genommen. Ich habe Podcasts und Musik gehört, gemalt, geschrieben und Vokabeln gelernt. Einfach um zu entspannen und von den ständigen schlechten Gedanken abzukommen. Das tat mir echt gut und am Ende war ich sogar überraschend zufrieden mit meinen Kunstwerken. 

Zwischendurch wurde die Ruhe immer mal wieder durch einen Schrei unterbrochen und ich sollte irgendwas aufputzen und Bohnen von Boden aufsammeln oder der Frau beim ausmisten und aufräumen ihrer Kammer helfen. Gen Abend hab ich dann auch noch eine andere Matratze bekommen - weiß Gott warum, sie sprechen ja nicht mit mir außer in Befehlsform - aber wer denkt, hey wie genial, sorry, ich muss euch enttäuschen, es war eindeutig kein Upgrade sondern eher ein Downgrade (oder wie auch immer  man das nennt). Aber schlafen kann man trotzdem drauf, also alles gut. 

Am Abend wollte ich eigentlich grade ins Bett gehen, weil ich schon wieder so müde war, da haben sie angekündigt, dass ich mich schnell umziehen solle, da wir noch nach Andahuaylas fahren würde. Da war es allerdings schon acht Uhr abends und wer mich kennt weiß, dass ich da keine großen Spirenzchen mehr veranstalten will. Jedenfalls hab ich mich dann natürlich ganz brav innerhalb kürzester Zeit umgezogen, durfte dann aber noch ewig auf die anderen drei warten, die noch geduscht haben und sonst noch was alles. Es wurde also immer später, ich wusste nicht was wir da wollten in Andahuaylas, weil man meine Frage diesbezüglich nicht beantwortet hatte, und eigentlich wollte ich gar nicht mit. Einfach nur schlafen. Und dazu hatte ich noch Hunger, weil es kein Abendessen gegeben hatte. Schließlich klärte man mich dann auf, dass wir was essen gehen wollten und das gleiche Thema wie immer kam auf. Man erklärte mir, man würde in eine „Polleria“ gehen, also ein Hühnchen-Restaurant, wo es nur Hühnchen mit Pommes und Salat gibt und fragte mich, das isst du doch oder. Ich wieder, ja, aber ohne das Hühnchen. Wieder Kopfschütteln, Stöhnen und Augenrollen der anderen Partei. Meine Laune war im Keller. Eigentlich hatte ich wirklich gar keinen Bock mehr dahinzufahren und wäre lieber ohne Essen ins Bett gegangen, als erst nachts wieder nach Hause zu kommen und völlig übermüdet schweigend in einem Restaurant zu sitzen. Aber meine Bitte wurde nicht gehört und ich wurde mitgeschleift, auf der Transportfläche des Autos, auf der es arschkalt war. Und tatsächlich kamen wir auch erst um halb zehn wieder.

Bevor wir losgefahren sind haben wir noch einen Tee getrunken, bei welcher Gelegenheit mich meine Gastmutter fragte, ob es mir gefallen würde hier zu wohnen, weil ich so traurig aussehen würde und nicht viel reden würde und so was. Ich dachte mir so: „Ja du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Mir kamen fast wieder die Tränen, aber ich habe es grade so geschafft sie zurückzuhalten, denn das wollte ich mir nicht geben, jetzt vor ihr und den anderen beiden anzufangen zu heulen. Also hab ich gesagt, dass alles super ist und ich nur müde bin und ich nicht traurig bin. Ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt hat, aber wenn sie es eigentlich doch schon merkt und sieht und zu wissen scheint, dann sollte sie das halt erstens nicht vor allen anderen ansprechen und zweitens sich vielleicht mal in meine Lage versetzen.

Jedenfalls war das mein Wochenende, nicht besonders spannend.

Emily

 

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Kommentare: 1
  • #1

    oma (Mittwoch, 13 September 2017 12:23)

    meine libe emily, mit jedem tag wird es ein kleinsbißchen besser werden.

    "die welt ist ein buch.
    wer nie reist,
    sieht nur eine seite davon."

    Ich denk an dich und glaub an dich und deine kraft. sei lieb gedrückt von oma-hille.