Gefühlsupdate

Am Montag hat die neue Arbeitswoche gestartet und es gab auch eigentlich nichts neues, was die Arbeit angeht. Außer, dass eigentlich der ganze Nachmittagsunterricht ausfiel, weil eine Besprechung mit allen Mitarbeitern anstand und sogar extra zwei Menschen von außerhalb deshalb kamen, die das Ganze geleitet haben und nicht wirklich begeistert klangen. Soweit ich das richtig verstanden habe war auf jeden Fall die Unpünktlichkeit ein großes Problem für sie und noch irgendwas anderes, aber ich habe keine Ahnung. Während des Meetings haben ungefähr hundert Handys geklingelt, aber das schien irgendwie niemanden zu stören. Es gab auf jeden Fall ein paar Probleme so wie ich das verstanden habe und der arme Chef, Señor Renee, wurde für alles verantwortlich gemacht, dabei ist der so ein Lieber. Sogar ich wurde am Ende von der Frau von außerhalb begrüßt und herzlich Willkommen geheißen.

Am Morgen hatte mir auch Señor Percy, also der Präsident von Aprode Peru geschrieben und mich gefragt, wie es mir gehe. Da habe ich ganz ehrlich geantwortet und gesagt, dass es die erste Woche nicht so cool war und es einige Probleme gab. Ich habe ihm die Situation grob geschildert und er war direkt total besorgt und meinte, er würde mit der Gastmutter telefonieren und das klären und auch Señor Renee anrufen; wir würden für alles eine Lösung finden. Also wirklich super lieb von ihm und ausnahmsweise ging das alles wirklich schnell und er hat sofort reagiert. Das fand ich schon wirklich lieb und ich muss sagen, dass ich ihm das gar nicht zugetraut hätte, aber er wirklich an meinem Wohlergehen interessiert ist. Er konnte mir dann auch über WhatsApp direkt ein paar Fragen beantworten und mir z.B. sagen, dass ich eigentlich für kein Essen oder Wasser mehr bezahlen muss. Also war meine Info schon korrekt und auch am Telefon später mit meiner Gastmutter hat er es ihr so gesagt (denke ich mal), aber als wir danach geredet haben, hat sie sich das wieder anders zurechtgelegt und gemeint, da sie an den Wochenenden nicht da ist, sondern irgendwo auf dem Feld ist, muss ich da irgendwo auf der Straße essen gehen. Und mein Wasser bezahle ich auch immer noch selber. Weil man soll es nicht glauben, aber das ist hier erstens teurer als alles andere und zweitens, besitzen die einfach keinen Milliliter Trinkwasser in ihrem Haushalt. Aber ich habe keine Lust mehr mit der über sowas zu diskutieren, weil es eh nichts bringt und ich zu sehr Angst vor ihr habe. Über alles andere wollte er eben mit ihr am Telefon reden und ich entschloss mich am Montag Abend auf den Rat einiger Freunde hin, mit ihr persönlich zu sprechen und zu sagen, dass ich mich unter Anderem deshalb so ausgeschlossen gefühlt habe und traurig war, weil sie die ganze Zeit Quechua sprechen und ich nichts verstehe. Daraufhin meinte sie wie immer, ich sei wie eine Tochter mehr für sie und sie wolle nicht, dass ich mich schlecht fühle, aber für sie wäre da natürlich so normal wie für mich Deutsch, aber sie würde sich ab sofort bemühen langsamer zu sprechen. Und sie meint, Quechua reden sie, damit ihr Sohn das lernt, weil man das anscheinend sprechen muss, wenn man hier einen Job bekommen will. Und deshalb wollen die jetzt, dass ich auch Quechua lerne. An sich habe ich damit ja kein Problem, aber erstmal will ich Spanisch lernen und zum Anderen ist Quechua einfach so verdammt schwer, ich konnte mir bis jetzt noch keinen einzigen Satz merken. Trotzdem klang sie ganz einsichtig und verständnisvoll, weshalb ich mich dazu entschloss, der Familie und der ganzen Situation nochmal eine zweite Chance zu geben und einen Neustart zu versuchen. Ich habe mir einfach gedacht, dass ich mir selber nicht die ganze Zeit alles durch meine schlechte Laune vermiesen lassen will, sondern positiv an das ganze rangehen will, lächeln und gut gelaunt. Außerdem will ich mir die drei Monate schon gar nicht von ihr, also der Gastmutter, versauen lassen und mich davon abbringen lassen, weshalb ich eigentlich hier bin und was mir ja auch Spaß macht. Also bin ich mit einem guten Gefühl, neuer Energie und positiven Gedanken aus dem Gespräch gegangen (zum Glück habe ich das Gespräch gesucht, bevor der Anruf von Percy kam, da sie danach eher verärgert war, weil ich ihm gesagt hatte, dass es mir die erste Woche nicht gut ging).  

Am nächsten Tag habe ich Señor Percy dann auf jeden Fall direkt geschrieben, dass ich eben mit ihr geredet habe und sie einsichtig klang, er schrieb mir jedoch am Abend, dass er eine andere Familie suchen will, weil er nicht will, dass es mir schlecht geht. Ich will aber gar nicht in eine andere Familie und das nicht, weil es hier so schön ist, sondern weil ich zu große Angst habe, dass die neue Familie noch schlimmer sein könnte. Immerhin weiß man es vorher nie und schlimmer geht immer, wie man so schön sagt. Da finde ich mich doch lieber mit der jetzigen Situation ab. Außerdem könnte ich Señora Juana dann auf der Arbeit nicht mehr unter die Augen treten, ich hätte zu große Angst, das sie total beleidigt ist, immerhin arbeiten wir in der gleichen Einrichtung. Abgesehen davon, müsste ich mich dann nochmal an eine neue Unterkunft gewöhnen, wo ich mich ja gerade erst nach zwei Wochen hier eingelebt habe. Bevor ich aber antworten konnte, kam auch schon meine Gastmutter zu mir ins Zimmer gestiefelt um mit mir zu reden. Offensichtlich hatte sie gerade den Anruf von Percy erhalten. 

Sie sagte mir, er hätte erzählt, dass es mir schlecht ginge und er eine andere Familie suchen wolle. Ich sagte ihr, dass ich nicht gesagt habe, dass ich in eine andere Familie will, sondern lediglich gefragt habe, wofür genau ich jetzt bezahlt habe, dass das mal klar ist und ehrlich geantwortet habe, dass die erste Woche aus verschiedenen Gründen dezent beschissen war. Sie war sichtlich aufgebracht, aber ich konnte sie beruhigen und wir konnten auf einen Nenner kommen. Sie meinte, wie immer, ich solle nicht nicht schlecht fühlen oder traurig sein und mit ihr reden, wenn mich was stören würde und wir würden jetzt einfach jeden Tag kommunizieren, damit keine Missverständnisse entstehen. Ich war eigentlich echt zufrieden mit der gesamten Situation, weil sich meine Einstellung verändert hatte und ich einfach offener und positiver gestimmt war und die ganzen Probleme jetzt mal geklärt waren, zumindest in der Theorie und ich musste nur noch abwarten, wie sich die ganze Sache entwickelt. Weil eigentlich hatte das Gespräch und die Telefonate nichts an dem Verhalten ihrerseits geändert, sondern lediglich meine Einstellung hatte sich verändert. Señora Juana dagegen wirkte eher geknickt, vielleicht weil man ihr mal gesagt hatte, dass einiges schief läuft. Aber ich weiß es nicht, sie fand es auf jeden Fall nicht so lustig, dass man an ihr Kritik geübt hatte und ich Hilfe bei der Organisation gesucht hatte. Ich habe das Gefühl, dass seitdem ich das alles angesprochen habe und es versuche zu klären, damit es mir besser geht (das ist ja was sie laut eigener Aussage will), indem ich mir Hilfe bei anderen hole, geht es mir besser und ich bin besser gelaunt, sie dagegen eher schlechter, ist genervter und verhält sich ganz komisch mir gegenüber. 

Auch gab es auf einmal eine neue WhatsApp Gruppe mit den Leuten von Aprode Peru und mir, wo man sich wieder um mein Wohlergehen informieren wollte und mir versicherte, ich könne immer schreiben, wenn es ein Problem geben sollte.

Außerdem wurde ich gebeten, Fotos von meiner Arbeit und den Kindern zu schicken, was diese natürlich super fanden. Die finden mein Handy nämlich absolut faszinierend und haben sich bereitwillig fotografieren lassen, für gemeinsame Selfies posiert, aber auch alleine sehr lustige Fotos geschossen. Also konnte ich die direkt an Edwin weiterleiten, der auch mein Ticket von der Reise von Lima nach Abancay haben wollte. Da ich das aber schon in mein Reisetagebuch geklebt hatte, habe ich einfach gesagt, dass ich es nicht mehr habe. Ups…

Außerdem waren wir am Vormittag noch mit den Kindern im Stadion, sie haben gespielt, die Mädels haben mit meinem Handy Fotos gemacht und sich meine Bilder angeschaut (bestimmt schon zum dritten Mal) und ohne zu fragen im Internet YouTube Videos angeschaut und mein Internet aufgebraucht… Bei der Gelegenheit habe ich Liz von meiner Familie erzählt, ihr Fotos gezeigt, von meinem Aufenthalt in Lima berichtet und so weiter. Ich kann wirklich gar nicht sagen wie glücklich ich bin, dass ich mit ihr zusammen arbeiten kann. Sie ist einfach so unglaublich lieb, herzlich und fürsorglich. Sie ist die Einzige, bei der ich das Gefühl habe, dass sie es wirklich ernst meint, wenn sie mich fragt, wie es mir geht, dass ich mich immer bei ihr melden kann und über alles mit ihr reden kann. Sie war immerhin auch die erste, die mir sofort ihre Nummer gegeben hat und sich wirklich richtig mit mir unterhält. Sie hat mir sogar angeboten, dass wir auch mal was zusammen unternehmen können, ich brauche sie nur anzurufen oder wenn ich mich alleine oder traurig fühle, kann ich immer zu ihr kommen. Ist das nicht lieb? Jedenfalls hab ich ihr an dem Morgen auch von den Schwierigkeiten erzählt und sie meinte, dass Señora Juana ein bisschen schwierig ist und ich mich aber nicht runterziehen lassen soll, sondern z.B. mit ihr oder Señor Renee darüber reden soll und ich mich auf keinen Fall schlecht fühlen soll. Und wenn es gar nicht mehr gehen würde, solle ich die Familie wechseln, sie würde mir immer dabei helfen, eine bessere zu suchen. Danach hat sie auch immer wieder gesagt, dass sie es besser finden würde, wenn ich zu einer anderen Gastfamilie ziehen würde.

Da am Donnerstag ja schon wieder Feiertag ist und ich überlegt hatte, zu den irgendwo in der Nähe liegenden Lagunen zu gehen, habe ich sie gefragt, wo die liegen würden und sie hat direkt gemeint, wir können zusammen gehen und sie würde mich begleiten. Ich hab mich wirklich so krass gefreut und war total happy! Weil ich alleine nicht hätte gehen können, da ich keine Ahnung hatte, wo die ist und weil ich das einfach so unglaublich lieb von ihr finde! Auch habe ich ihre anscheinend sehr gute Freundin Rita kennengelernt, die ebenfalls Lehrerin im CEDIF ist, die ich aber an dem Dienstag zum ersten Mal gesehen habe. 

Der Mittwoch startete nicht so dolle, da ich Señora Juana von dem Ausflug am nächsten Tag erzählte, sie jedoch ganz anders reagierte, als ich erwartet hätte. Zum Einen offenbarte sie mir, dass sie doch nicht zu diesem anderen katholischen Fest gehen würden, von dem sie mir erzählt hatte und zum Anderen, verbot sie mir jegliche Unternehmungen mit meinen „Kollegen“ vom CEDIF. Sie verbot mir also nicht nur den Ausflug mit Liz zu den Lagunen, sondern auch alles andere. Sie meinte ich darf mich weder mit ihnen treffen, noch etwas mit ihnen unternehmen noch irgendetwas anderes machen, das nicht mit der Arbeit zu tun hat. Sie fragte mich sogar, was ich mit Liz gesprochen hatte. Sie meinte, es hätte Probleme mit anderen Freiwilligen vor mir gegeben, die etwas mit den Kolleginnen von der Arbeit gemacht haben und sie wolle nicht, dass ich irgendetwas mit denen mache. Außerdem hätte sie die Verantwortung für mich und wolle keine Probleme, irgendwelche hohen Tiere der Stadtverwaltung oder so hätten auch ein Problem damit. Ich dürfe nur etwas mit ihr unternehmen und müsse so etwas immer mit ihr machen. Ich war damit am Boden zerstört, da ich mich wirklich so sehr auf diesen Ausflug gefreut hatte und sie mir diese klitzekleine Freude jetzt auch zerstört hatte. Außerdem hieß das ja nicht nur, dass wir nicht zu der Lagune können, sondern dass ich gar nichts mit Liz machen darf. Dabei war sie doch die einzige, die mir angeboten hatte, dass ich immer zu ihr kommen könne, sie immer anrufen könne und wenn ich mich alleine oder traurig fühle, sie immer für mich da ist und wir gerne Ausflüge machen können, sie mir ihre Familie vorstellen will, wir zusammen kochen oder einen Film schauen können. Ich sagte auch Señora Juana, dass es mir doch gar nicht möglich ist, andere Personen kennenzulernen außer die auf der Arbeit. Sie ließ sich trotz meiner Tränen nicht von ihrer Meinung abbringen und meinte, sie würde jemanden von der Stadt engagieren, um mich nach Pacucha zu begleiten. Sie nannte noch ein paar andere blöde Gründe, weshalb sie es mir nicht erlauben würde und ich konnte sie mit nichts umstimmen.

Total geknickt ging ich also zur Arbeit und berichtete Liz von dem Gespräch. Diese meinte, sie würde mal mit Señor Renee, also dem Chef vom CEDIF sprechen, weil das überhaupt keinen Sinn machen würde und alle Freiwilligen vorher auch schon Ausflüge machen durften. Das Ganze war mir sehr unangenehm, aber auf der anderen Seite ist es einfach so schön zu wissen, dass sie hinter mir steht und sich für ich einsetzt. Ich kann ihr wirklich gar nicht genug danken! Und ich bin echt froh, dass sie das gemacht hat, da sich die ganze Situation dadurch geändert hat.

Im Laufe des Vormittags rief mich dann Señor Renee in sein Büro und fragte mich, wie es mir gehe. Ich berichtete ihm grob davon und er meinte, er hätte mit meiner Organisation gesprochen und es gäbe überhaupt kein Problem damit, dass ich mit Liz zu den Lagunen fahren will. An Wochenenden und Feiertagen kann ich machen, was und mit wem ich will. Sie kann mir da gar nichts verbieten, ich müsse mich lediglich mit ihr absprechen, wann ich zurückkomme. Auch er bot mir seine Unterstützung an und versicherte mir, ich könne mich immer bei ihm melden, wenn etwas ist. Auch wolle er mit meiner Gastmutter sprechen und ihr sagen, dass sie mir diese Sachen nicht verbieten kann. Ich war ihm und Liz echt unglaublich dankbar. Zum Einen einfach, weil es mir die Hoffnung auf schöne Tage und die Freude zurückgab und zum Anderen zeigte, dass ganz viele Leute wirklich daran interessiert sind, dass es mir gut geht und mir helfen. Dem Plan für Donnerstag stand also nichts mehr im Wege und ich war echt erleichtert. Bis jetzt kann ich immer noch nicht verstehen, warum meine Gastmutter mir das verbieten wollte und ich bin froh, das Liz nachgehakt hat und ich ihr somit zeigen konnte, dass sie mich nicht komplett kleinkriegt. Und natürlich war es sehr angenehm, dass nicht ich das Gespräch mit ihr führen musste.

Ich war also wieder guter Dinge, meine Gastmutter dagegen wirkte sichtlich geknickt und mitgenommen. Sie ging mir offensichtlich absichtlich aus dem Weg, redete noch weniger mit mir als sowieso schon und sah echt total fertig aus. Sie schaute mir nicht mehr in die Augen und sprach mein Vorhaben oder das Gespräch auch nicht mehr an. Ich war nach dem Gespräch mit meinem Chef viel glücklicher, mir ging es viel besser und ich war besser gelaunt, aber sie schien es nicht gewohnt zu sein, ihren Willen nicht durchsetzen zu können. Ich schätze mal, dass sie es gewohnt ist, dass man immer das macht, was sie befiehlt und dass noch niemand vor mir sich so für seine Rechte eingesetzt hat. Aber zum Glück hat mir Liz dabei geholfen, weil alleine hätte ich mich nicht getraut, aber es ist ein gutes Gefühl gewesen, ihr zu zeigen, dass ich mich gegen sie durchsetzen kann und nicht einfach kleinmachen lasse. Ich bin immerhin keine Bedienstete, die man durch die Gegend scheuchen kann. 

Obwohl ich sagen muss, dass ich sie wahrscheinlich nie super nett finden werde, tat sie mir fast ein bisschen leid. Aber auf der anderen Seite war sie auch selber Schuld. Wer so einen Mist abzieht, der muss auch mit den Konsequenzen leben und vor Allem akzeptieren, dass sie mir nicht allen Spaß verderben kann und mir nicht alles verbieten kann, was sie will. 

Am Abend sprach sie dann doch noch ganz knapp den Ausflug an und meinte, wenn ich nach 5 Uhr zurückkommen würde, würde sie mich nicht mehr reinlassen. Ich könne also bis dahin wegbleiben, aber sie wolle nicht, dass ich später wiederkomme. Okay, akzeptiert. Auch wenn es ein wenig affig war. 

Immer wenn ich Liz von den Aktionen erzähle, schüttelt diese auch nur den Kopf und lacht, weil es so blöde ist. Sie schrieb mir auch knallhart, dass sie eine böse bzw. schlechte Person sei und ich mir keinen Kopf machen solle.  

Am Donnerstag hatte ich mich dann also um 10 Uhr mit ihr verabredet und bin deshalb morgens, nachdem ich wie immer um 6 Uhr von dem doofen Gockel aufgeweckt wurde, noch im Bett liegen geblieben. Als ich aufgestanden bin um zu frühstücken war allerdings weit und breit niemand zu sehen. Mir hatte man also nicht Bescheid gesagt, dass man das Haus verlassen würde und dass ich alleine sein würde (obwohl sie wussten, dass ich wach war, weil sie mich schon gesehen haben). Und es war nicht nur so, dass ich alleine war, leider war auch die Küche und das Haus abgeschlossen. Ich konnte also weder ins Bad noch was frühstücken. Also bin ich erstmal einkaufen gegangen und das Frühstück fiel etwas spärlich aus, da ich ja weder Messer, noch irgendwas anderes wie Schüsseln hatte. Dafür habe ich aber die leckersten und süßesten Bananen meines Lebens erwischt und auch die Mandarinen waren richtig süß und saftig und das Brot war noch warm. In der Hinsicht also ein Volltreffer.

Kurz bevor ich dann aufbrechen wollte, kamen meine Gasteltern nach Hause und Señora Juana meinte, die Küche wäre doch die ganze Zeit offen gewesen. Aber woher sollte ich wissen, dass das Schloss, das an der Tür hing, kaputt ist und sich öffnen lässt?! Naja, egal. Über so Aktionen kann ich nur noch lachen und ungläubig den Kopf schütteln. 

Um 10 Uhr ging es dann also los, meine Gasteltern waren auch wieder weg, keine Ahnung wo sie waren, denn man verriet es mir nicht. Liz traf ungefähr mit 20 Minuten Verspätung am Treffpunkt ein, aber für die Peruaner ist das ja noch fast überpünktlich. Mit einer Mischung aus Taxi und Bus sind wir dann nach Pacucha gefahren, das gar nicht so weit von uns entfernt liegt. Pacucha ist der Ort, in dem die Lagune liegt. Allerdings stellt man sich wirklich was anderes unter dem Wort Lagune vor, ich zumindest. Denn was wir dort antrafen war zwar ein wunderschöner See, aber auch nicht mehr. Das kleine Örtchen war wie ausgestorben, weil alle auf diesem „Fiesta del Señor Huanca“ waren. Es waren also so gut wie keine Menschen oder Autos zu sehnen. Wir sind dann praktisch den ganzen Tag eigentlich nur ein klein bisschen am Seeufer entlanggelaufen, haben auf der Wiese gelegen und geredet und tausende von Fotos gemacht. Liz ist ganz heiß auf Fotos und wollte mich mit allem Möglichen ablichten und hat auch immer zwanzig mal abgedrückt. Leider ist sie eine nicht sonderlich begabte Fotografin und die Fotos, die sie von mir geschossen hat, konnten mich nicht ganz zufrieden stellen, aber es war trotzdem nett. Irgendwann im Laufe des Vormittags gesellte sich dann auch noch irgendein Freund von ihr zu uns, dessen Namen ich allerdings vergessen habe. Es war eigentlich echt entspannt, dass wir so ziemlich die einzigen Menschen weit und breit waren, es war echt ruhig und die Stunden gingen ziemlich schnell vorbei.  Wir haben über Gott und die Welt geredet, am Handy entspannt und in einem ultra verwinkelten Restaurant zu Mittag gegessen. 

Liz hat immer wieder versucht mich zu überzeugen, dass es besser wäre, die Familie zu wechseln, aber ich will das wirklich nicht. Ich hab da einfach zu sehr Angst, dass eine neue Familie noch schlimmer ist oder dass die Frau mir die Arbeit dann versaut, immerhin arbeite ich mit ihr zusammen in der gleichen Einrichtung. Und jetzt habe ich mich an die Situation gewöhnt und komme ganz gut damit klar. Ich würde sagen, seit Donnerstag fühle ich mich viel besser und  könnte behaupten, dass ich mich eingelebt habe und hier angekommen bin. Die Familie ist zwar immer noch nicht wie ein Zuhause für mich, aber ich muss nicht mehr weinen und bin einfach nicht mehr so traurig. Ich habe bessere Laune und komme besser mit Allem klar. Liz schreibt mir auch immer wieder auf WhatsApp wie es mir geht und dass ich mich immer bei ihr melden kann. Krass fand ich trotzdem, dass auch sie meine Gastmutter nicht leiden kann und sagt, sie wäre ein schlechter Mensch. Anscheinend kapselt sie sich auch auf der Arbeit von all den anderen Kollegen ab und ist nie bei gemeinsamen Aktionen dabei. Sie kommt also auch nicht wirklich gut mit ihr klar und hat auch gemeint, sie kann genau nachvollziehen, dass es wahrscheinlich nicht so angenehm ist bei ihr zu wohnen. Immer wenn ich von ihr erzähle, kann sie mir kaum glauben, meint aber, so etwas wäre ihr zuzutrauen. Es tut aber gut zu wissen, dass ich ihr immer davon erzählen kann und sie mir zuhört und auch meint, dass es nicht normal ist. Ich versuche einfach mir das Ganze nicht so sehr zu Herzen zu nehmen, das klappt auch immer besser und manchmal muss man sich auch einfach wehren und sich nicht alles gefallen lassen. Zum Glück bin ich immer den Ganzen Tag auf der Arbeit und nur abends bei ihnen. 

Am Donnerstag bin ich auf jeden Fall trotzdem pünktlich vor fünf nach Hause gekommen und war um halb fünf da, allerdings war nur der Sohn zu Hause. Als ich dann gehört habe wie die anderen gekommen sind, habe ich gar nicht eingesehen Bescheid zu sagen, dass ich wieder da bin, da man mir auch nicht gesagt hatte, dass man wieder da ist geschweige denn zu sagen, wo man war. Also habe ich mich direkt ins Bett gelegt und geschlafen, ich war eh schon sehr müde. Am nächsten Morgen gab es deswegen natürlich Ärger, aber das war mir auch egal. Wenn niemand zu Hause ist kann ich auch niemandem sagen, dass ich wieder da bin. Und wenn man mir nichts sagt, dann mache ich das sicher auch nicht. Basta.

Am Freitag auf der Arbeit hat man mir auch erzählt, dass meine Gasteltern doch auf dem Fest waren, obwohl sie zu mir gesagt haben, dass sie da nicht hingehen würden, weil Anghelo Schule hat und sie arbeiten gehen. Also haben sie mir einfach dreist ins Gesicht gelogen, was ich schon sehr unverschämt fand, aber gut, wenn’s unbedingt sein muss…

Ihr braucht euch also nicht mehr um mich zu sorgen, mir geht es echt schon viel besser! Vielleicht werden auch in Zukunft nicht ehr ganz so häufig Blogposts kommen, so wie diesen Woche, da ich kaum Zeit finde zum Schreiben und auch nicht jeden Tag so viel Neues passiert. Aber ich weiß es noch nicht...

Emily 

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Kommentare: 5
  • #1

    Ate (Montag, 18 September 2017 09:40)

    Liebe Emily, es freut mich zu hören, dass Du jetzt nette Leute kennengelernt hast und sie Dich auch unterstützen. Ich wünsche Dir viel Vergnügen beim Erkunden Deiner Umgebung. Lass Dich weiterhin nicht unterkriegen. Liebe Grüsse Ate

  • #2

    Mama (Montag, 18 September 2017 13:56)

    Ich bin stolz auf dich

  • #3

    Oma-Hille (Dienstag, 19 September 2017 12:14)

    Hab einen guten tag heute, ich denk an dich, alles wird gut werden. liebe Grüße für dich, Oma.

  • #4

    Jasmin (Montag, 25 September 2017 00:38)

    Ich bin auch sehr stolz auf dich. gut, dass du über diese komischen aktionen lachen kannst.

  • #5

    czytaj więcej (Freitag, 17 November 2017 14:53)

    telepać