Muss das sein?!

Die neue Woche startete etwas ruhiger als sonst, denn Juana beauftragte Carmen und mich damit, Bilder auszudrucken und auszumalen, um sie dann im Essenssaal aufzuhängen. Wir verstanden zwar beide nicht, warum nicht die Kinder die Bilder ausmalen durften, aber ich war eigentlich auch ganz froh über die entspannte Aufgabe. 

Nachdem sie also einfach ohne mich zur Arbeit losgegangen sind, war ich schon etwas angesäuert, aber mir war schon nach dem ersten Tag klar, dass sie Carmen auf jeden Fall viel lieber mochten als mich. Also stiefelte ich ihnen hinterher und schloss zu ihnen auf, Juana verlor aber kein Wort darüber, dass sie einfach gegangen ist. Nachdem wir dann mit den Kindern gefrühstückt und Hausaufgaben gemacht hatten, wollten wir eigentlich grade mit Liz nach draußen gehen, da die Sonne wunderschön schien und es ausnahmsweise mal etwas wärmer war. Aber da kam uns dann unsere Gastmutter in die Quere und meinte, wir sollen eben Bilder ausdrucken und anmalen, am besten mit irgendeiner Message wie : „Seid leise!“ oder so. Also haben wir schon eine Ewigkeit vor den PC verbracht um die passenden Bilder zu finden und danach zu kolorieren. Zwar echt entspannend und ich konnte mich auch gut mit ihr unterhalten, aber ich merkte trotz der umanstrengenden Arbeit, dass ich nicht ganz fit war. Ich war immer noch müde und so langsam und schlapp. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn einfach jede Bewegung so unglaublich anstrengend ist und man einfach keine Kraft hat? So fühl ich mich irgendwie seit letzten Donnerstag. Meine Wehwehchen bessern sich aber schon so langsam aber sicher, zum Glück! Nach dem Mittagessen hatten wir dann mal wieder relativ lange nichts zu tun um dann gesagt zu bekommen, dass wir weiter die Bildchen ausmalen sollten. Was wir natürlich auch brav gemacht haben, bis uns einige Schüler unterbrachen und für eine Mathe Aufgabe um Hilfe baten. Danach scharten sich die Kinder nur so um uns und mir wurde ganz heiß, ich mag das irgendwie nicht, wenn tausende Menschen um mich rum stehen und mir viel zu Nahe kommen. Hier gibt es einfach so viele Menschen, die sehr auf Körperkontakt aussinnt, was ich einfach nicht bin. Jedenfalls kam danach dann auch noch der Junge wieder zu mir, mit dem ich schon öfter Englisch gemacht hatte, der aber trotz seiner 17 Jahren kein Wort verstehet und es dementsprechend schwierig ist, ihm etwas zu vermitteln. Ich verstand mal wieder überhaupt nicht, was er von mir wollte, aber war beruhigt, dass auch Carmen es nicht besser wusste. Das Problem war, dass nicht mal er mir erklären konnte, was er von uns wollte. Am Ende, nach einer Ewigkeit später, hatten wir die Aufgabe für ihn dann wenigstens halb gelöst, aber so wirklich schlauer war er glaube ich nicht. Er kann halt einfach kein Wort Englisch, weshalb es echt schwierig ist, mit ihm die schon etwas fortgeschrittenen Aufgaben zu lösen.

Um 17:10 Uhr durften wir dann auch endlich nach Hause und haben uns dann eigentlich bis es Abendessen gab die ganze Zeit unterhalten. Es war eigentlich echt nett und ich muss sagen, bis jetzt habe ich schon viele Gemeinsamkeiten zwischen uns festgestellt. 

Das Abendessen verlief nicht ganz so prickelnd, zumindest nicht für mich. Ich fühle mich ein bisschen gemobbt von meiner Gastfamilie und muss sagen, dass es wirklich unverschämt ist, ihre Abneigung mir gegenüber so deutlich zu zeigen, während man merkt, wie sehr sie für Carmen schwärmen. Das ist überhaupt nichts gegen sie, sondern eher mal wieder gegen meine werte Gastfamilie. Zum hunderttausendsten Mal wollten sie mich zum Fleischessen animieren und betonten immer wieder, wie super es doch sei, dass Carmen Fleisch esse und dass ich mir ein Beispiel an ihr nehmen solle. Und ihr Spanisch sei auch so viel besser, und generell ist sie sooo viel toller. Ich dagegen wurde mal wieder nur dumm angemacht und als Victor meinte, er komme morgen und schaue sich die Bilder an, meinte Juana so, dass wolle Emily nicht. Dabei hatte ich ja gar nichts gesagt, und so ging das die ganze Zeit weiter. Ich wurde wie die miesepetrige dumme Emily dargestellt, die verhungern wird, und auch nicht gefragt, ob ich mit auf irgend so einen Ausflug wolle. Sie meinten, sie machen noch einen Spaziergang nach Andahuaylas und fragten Carmen, ob sie mitwolle, nur mich fragten sie nicht. Später meinte dann meine Gastmutter, ich wolle ja eh nicht, sondern lieber früher ins Bett gehen. Ich kam mir wirklich verarscht vor. Auch einfach nur die Tatsache, dass sie die ganze Zeit mit ihr reden, sie alles mögliche fragen und so weiter und an mir einfach null Interesse zeigen und mich auf ein Vegetarier-Dasein reduzieren. Selbst wenn ich zwei Teller voller Reis esse sind sie immer noch unzufrieden und mir ist kotzübel. Ich hab das Gefühl, ich kann es ihnen einfach nicht recht machen, egal wie ich es mache. Das  merke ich auch schon an der Art, wie unterschiedlich sie mit mir und Carmen umgehen. Mich mögen sie einfach nicht so sehr und sind anscheinend super froh, dass sie jetzt da ist. Davor war ich den ständigen Vergleich zu den vorigen Freiwilligen ja schon gewohnt, aber so werden wir hakt ständig miteinander verglichen und das ist echt mies. 

Manchmal kann sie echt nett sein, aber manchmal ist sie auch einfach nur richtig gemein und braucht sich gar nicht wundern, warum ich manchmal nicht gut auf sie zu sprechen bin... Mal sehen wie es sich weiter entwickelt...

Emily

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Kommentare: 3
  • #1

    Jasmin (Donnerstag, 28 September 2017 00:06)

    Oh man Emily, das tut mir leid zu hören! das ist so ein mieses und kindisches verhalten vor allem von deiner gastmutter.
    bitte versuch dich nicht all zu sehr davon runterziehen zu lassen. von mir und vielen anderen hier würst du für dein vegetariers-dasein gefeiert und du findest es ja auch die bessere ernährungsweise und dann lass es dir ja nicht von denen so schlecht reden!
    und außerdem feiere ich dich generell auch noch für dein dasein und für dein tollsein!
    und du bist stark und lass dich davon nicht unterkriegen!
    ich denke sie sind vielleicht nur verunsichert von dieser anderen lebensweise, die ihnen so fremd scheint, und so reagieren so mit solch großer ablehnung darauf..
    umarme und denke an dich!:*

  • #2

    Oma (Donnerstag, 28 September 2017 22:47)

    Liebe emily, ganz liebe grüße, schade, daß es noch immer nicht viel besser wird.
    Ich denk an dich und wünsche dir viel Kraft und auch Freude an den dingen die dir gelingen. du schaffst es, da bin ich sicher. Hab dich lieb Oma- hille

  • #3

    Julia (Montag, 02 Oktober 2017 16:52)

    Hallo liebe Emily, ach je, da ist wohl momentan Durchhaltevermögen gefragt sowie "modell Teflonpfanne" ;-) Ich drücke dir die daumen, dass du so manches nicht so nahe an dich heranlässt und darauf vertraust, dass auch wieder bessere zeiten kommen werden und alles seines sinn hat - und wenn nur, seine Lebenserfahrung zu erweitern... Bleib dir auf jeden Fall treu, denn es gibt genug menschen, die dich genau so mögen wie du bist! Herzliche Grüße, Julia