Keine neue Familie...

Am Mittwoch habe ich ja meinen Bericht mit der Unwissenheit abgeschlossen, was Edwin herausfinden würde und ob er überhaupt eine andere Familie finden könne. Über WhatsApp kontaktierte er mich am Abend noch und sagte mir, er würde doch nicht wie geplant am Abend wieder zurück nach Abancay fahren, sondern noch in Andahuaylas bleiben um uns eine neue, nette Familie zu suchen. Am Donnerstagmorgen allerdings erfuhr ich von ihm, dass er sich doch auf dem Weg gemacht hatte, da er Freitag in Lima sein musste. Er hatte natürlich keine neue Bleibe gefunden, meinte aber er hätte mit Juana gesprochen… Über was und ob es was gebracht hat weiß ich nicht. Er versprach, in zwei Wochen wiederzukommen. Doch das nützt mir wenig, da meine Zeit da schon fast rum ist. Also werden Carmen und ich uns wohl damit abfinden müssen, die ganzen drei Monate bei Juana und Co. zu verbringen. Aber wir werden das schon schaffen, zusammen ärgert es sich besser. Wenigstens gibt es wieder Essen für uns! Das ist schonmal eine große Verbesserung. Allerdings bin ich es wirklich nicht mehr gewohnt abends mehr als eine dünne Suppe zu essen und so macht ein ordentliches Abendessen mit Reis und irgendwas meinem Magen ganz schön zu schaffen. Aber wer weiß wie lange diese Phase der Güte anhält, deswegen nutze ich die lieber mal aus. Auch wenn die Auswahl limitiert ist und es zum Beispiel für uns nur altes Brot gibt und nicht das frische und auch keine Avocado oder Marmelade mehr freut man sich doch schon über alles, was es überhaupt für uns gibt. 

Am Donnerstag ging es Carmen gesundheitlich zwar schon besser und die Kopfschmerzen waren weg, aber die war immer noch müde und schlapp und blieb deshalb nochmal zu Hause um sich auszuruhen. Ich war also alleine auf der Arbeit und da Juana der festen über war, sie habe Fieber, scheuchte sie mich wie wild durch die Gegend und ließ mich alles machen, was an Arbeit anfiel. Ich hätte auch ohne ihre Anweisungen Carmens Teller mit abgewaschen, das ist ja kein Problem. Aber so wie sie es immer rüberbringt ist es lediglich unverschämt. Außerdem tut sie immer als wären wir blöd und könnten und wüssten nichts. Als ich dann an einem Abend Carmen einen Tee. Ringen sollte und die Tasse zu Boden viel, schimpfte sie mit mir als hätte die nur darauf gewartet, dass mir so etwas passiert. Sie fragte mich, die wievielte Tasse es sei, die ich kaputt machte und als ich meinte die einzige und dass es mir Leid täte, schüttelte sie mir abwertend den Kopf. 

Außerdem verbot sie uns öfter als dreimal pro Woche zu duschen, was ich aber so oder so nicht tat. Und am Freitag betonte sie erneut, dass sie in der Familie doch alles teilen würden. Dass ich nicht lache…. Carmen und ich mussten einfach beide nur lachen über so einen blöden Spruch. 

Am Freitag ging es ihr zum Glück wieder gut und sie konnte wieder mit auf die Arbeit kommen. Es schüttete wie aus Eimern und war plötzlich super kalt geworden. Es war schon ziemlich spät fürs Frühstück, aber als wir gerade alle am Tisch saßen und anfangen wollten zu essen, schickte Juana mich nochmal los um frisches Brot zu kaufen. Warum konnte sie nicht einmal selbst gehen? Stattdessen musste ich durch den Regen rennen und Brot kaufen, von dem ich nachher dann nur ein verkokeltes abbekam, das nicht nach mehr als Ruß schmeckte. Alle anderen saßen derweil ganz gemütlich im Trockenen. Und als wäre das nicht schon genug, brachte sie uns noch einmal zum Aufregen. Carmen und ich putzten gerade (wohlgemerkt draußen im Regen) unsere Zähne, während sie sich ihre Haare flechten ließ, als gerade dass Müllauto am Haus vorbeifuhr. Wenn das der Fall ist, muss immer gerannt werden und alle Mülleimer an die Straße gebracht werden. Carmen war gerade fertig mit Zähneputzen als die markante Musik ertönte. Da schrie Juana, Carmen solle sich beeilen und ganz schnell den Mülleimer rausbringen. Ich stand noch mit der Zahnbürste im Mund am Waschbecken, als sie dann auch mich anscheuchte, ich solle den Mülleimer aus dem Bad holen und vorbringen. Und das SCHNELL! Ich, genervt und mit einer Zahnbürste im Mund, musste also den Mülleimer, in den jeder sein Klopapier warf, an die Straße bringen und den Müllmännern in die Hand drücken. Es war nicht nur eklig, sondern wir mussten uns einfach beide so darüber ärgern, dass sie sich in aller Ruhe die Haare flechten ließ und uns herumscheuchte, während ich sogar noch am Zähneputzen war. Zu dem Zeitpunkt war es dann schon zu spät um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, doch Juana wies mich noch an eine neue Mülltüte aus der Küche zu holen und in den Mülleimer zu stecken. Ich wusste allerdings nicht wo sie die Tüten verstaute und so stand ich verloren in der Küche, bis sie mir eine Tüte in die Hand drückte und mich rügte, ob das denn so schwer sei und dass es doch ganz schnell ginge. Sie schnappte sich ihre Handtasche und ging zur Arbeit, um nicht noch später zu kommen, während ich dann noch mit ihrem Auftrag beschäftigt war. Wie dreist war das denn? Wir kamen wegen ihr also zu spät und sie ließ uns ihre Arbeit machen, damit sie früher als wir kamen. Wenn es so schnell geht, dann kann sie es doch auch eben selber machen. 

Ansonsten war der Freitag aber relativ entspannt, da es am Nachmittag gar nichts zu tun gab und wir komplett vergeblich nach der Mittagspause und CEDIF zurückkehrten. Bei der Putzorgie standen wir nur blöd in der aufgewirbelten Staubwolke rum und danach verabschiedeten sich nach und nach recht früh alle Mitarbeiter. Nur uns sagte man nicht Bescheid, ob wir gehen konnten oder nicht und wurden auch von Juana einfach sitzen gelassen. Ganz nebenbei stellte sich noch heraus, dass der Ausflug nach Curahuasi anscheinend nicht stattfinden würde, man uns aber nicht darüber informiert hatte. Da das aber nur zwei Mädels meinten, die für zwei Wochen da sind, gegen wir immer noch die Hoffnung, dass es doch nicht ausfällt. Wir hatten uns so auf eine freie Woche gefreut und wollten Donnerstag und Freitag einfach nicht arbeiten. Da Señor Reneé aber irgendwie auch verschwunden war könnten wir nicht nachfragen. Tags zuvor sagte er mir aber noch, dass es Donnerstag losginge und wir Freitag wiederkommen würden. Ich bin also leicht verwirrt. Und auch etwas angesäuert, da wir scheinbar nicht wirklich als Mitarbeiterinnen angesehen werden und an keiner besprochen teilnehmen dürfen. Dabei arbeiten wir mal mit Abstand am meisten und die anderen beiden, die für zwei Wochen gekommen sind, dürfen ja irgendwie auch teilnehmen. Wir werden stattdessen mit den Kindern alleine gelassen und nicht einmal über die Ergebnisse informiert. Am Freitag sagte man uns zudem, dass man uns Bescheid sagen würde, wenn das Mittagessen fertig sei. Wir fragten uns schon warum wir nicht einfach wie immer um 12 Uhr hochkommen durften. Als ich nach oben schaute sah ich, wie sich alle Mitarbeiter inklusive der Köchin am Tisch versammelt hatten und aßen. Wie unverschämt war das denn! Die Kinder mussten warten und hatten somit, da es immer später wurde, immer weniger Zeit zum Essen, während sich die Verantwortlichen in ihrer Arbeitszeit ein Festmahl gönnten. Es wurde nämlich nicht das normale Mittagessen aufgetischt, sondern allerlei besondere Sachen. Und Carmen und ich waren natürlich wieder nicht mit von der Partie und mussten dann, nachdem es schon ziemlich spät war, an einen anderen Tische ausweichen und die Kinder schon wieder anweisen, schneller zu essen. 

Am Morgen gab es dagegen einen, meiner Meinung nach sehr amüsanten, Zwischenfall. Wie jeden Morgen putzten sich die Senioren am Waschbecken ihre Zähne, doch irgendwie schien das Wasser sich nicht mehr abstellen zu lassen. Vielleicht durch den starken Regen, ich hab keine Ahnung. Auf jeden Fall hielt einer der Opis irgendwann sogar den Zudrehhahn in der Hand und das Wasser schoss ungebremst aus dem Wasserhahn und ließ sich nicht mehr abstellen. In kürzester Zeit war also der Boden geflutet, alle Senioren nass, das Wasser spritzte in alle Richtungen und machte auch alle umliegenden Wände klatschnass. Keiner wollte sich der Fontäne unbedingt nähern und ich musste einfach nur lachen, hatte aber auch keine Ahnung wie man das Wasser abstellen könnte. Carmen wagte sich irgendwann vor um den Stecker des Fernsehers zu ziehen, die Kinder schrien vor Aufregung und ich rief, sie solle den Wäschekorb der da irgendwie rumstand über den Hahn stülpen. So lief das Wasser wenigstens teilweise ins Waschbecken und man konnte sich wieder dem Spektakel nähern. Carmen war klatschnass und auch die Untermieter standen schon auf der Matte, da ihnen das ganze Wasser in die Wohnung lief. Mit der Zeit war dann das ganze CEDIF versammelt und versuchte das Wasser abzustellen, was aber nicht möglich war. Irgendwie konnte der Hahn dann wieder angebracht werden und die Fontäne versiegte, aber es war alles nass und sehr witzig gewesen. 

Am Abend um 8 ging dann unsere Reise nach Puno mit Zwischenstopp in Cuzco los... 

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Kommentare: 1
  • #1

    Oma Ruth (Mittwoch, 18 Oktober 2017 14:45)

    Liebe Emily, Es ist unglaublich, was Menschen sich alles ausdenken können. Ich bewundere Dich, Halt durch, es kann nur besser werden. Sei gedrückt Deine Oma Ruth