Willkommen zurück "zu Hause"...

So, zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass meine Berichte immer so negativ klingen und das Bild vermitteln, es ginge mir hier total schlecht. Denn das tut es nicht. Im Großen und Ganzen geht es mir nämlich sehr gut und ich darf viele schöne Dinge erleben. Die Ereignisse, die ich hier immer schildere, sind auch tatsächlich so geschehen, ohne Verschönerung und ohne Verdramatisierung, aber ich habe das Gefühl, dass die negativen Eindrücke oft die positiven Erlebnisse überschatten. Das tut mir leid, da ich wirklich schöne Sachen erlebe und es mir an sich nicht schlecht geht, aber wenn ich alles aufschreibe was mich beschäftigt, dann kann ich es irgendwie besser verarbeiten und mit dem Ganzen abhaken. Ich selber möchte mich nämlich mehr auf die schönen Erlebnisse konzentrieren und lange davon zehren. In manchen Momenten gelingt es mir besser, in manchen schlechter. Aber ich versuche so oft es geht das Positive zu sehen, gebe Juana immer noch eine Chance, schenke ihr immer wieder ein Lächeln und eine Begrüßung und bleibe immer bei der Wahrheit. 

Auch habe ich das Bedürfnis, mich vor allem bei meinen Freunden zu bedanken, die das hier lesen (oder auch nicht ;D). Von euch erhalte ich die aufbauendsten und liebsten Nachrichten der Welt, die mich immer wieder bestärken und die mein Herz einen Hüpfer machen lassen. Ich bin so froh mit jedem Einzelnen von euch befreundet zu sein!

Jetzt aber zu den Geschehnissen der letzten paar Tage. Wie schon im letzten Artikel erzählt, kamen wir Mittwochmorgen von unserer Reise zurück und ich schlief so gegen 5 Uhr nochmal ein. Um 8:30 Uhr war ich dann vollends ausgeschlafen und stand auf, während Carmen noch im Land der Träume verweilte. Auch wenn das Bad und diesmal auch tatsächlich die Küche abgeschlossen waren, war es sehr angenehm in Ruhe aufstehen zu können, sein Zeug wieder auszuräumen und ein paar Dinge erledigen zu können. Da wir weder Tee kochen konnten, noch Teller, Tisch oder andere praktische Dinge zur Hand hatten, kauften wir uns eben das nötigste im Laden nebenan und frühstückten eher spät auf der Terrasse, die sonst eigentlich nur zum Wäsche aufhängen dient. Aber die Sonne schien so schön, das wollten wir auf jeden Fall ausnutzen. Mittags kam Juana ungewohnt früh nach Hause (wie sich herausstellte nur um die Wäsche abzuhängen), würdigte uns jedoch keines Blickes, sagte uns weder „Hallo“ noch fragte sie irgendetwas über unsere Reise. Als wir sie darauf ansprachen, warum die Küche zugeschlossen war, obwohl sie uns doch so oft versichert hatte, sie würde immer offen stehe, stellte sie uns nur vor vollendete Tatsachen und meinte, da ihr Nachbar am Sonntag überfallen worden sei, würde sie nun immer alles abschließen und nichts mehr offen lassen, sowie auch das kleine Fenster in der Tür, durch das wir immer nach drinnen kamen. Außerdem würde sie kein Geld mehr von Aprode erhalten und somit den Strom nicht bezahlen können, weshalb es ab dem nächsten Tag keinen Strom mehr geben würde. Die Sache mit dem Strom verunsicherte mich, aber ich wagte nicht zu hoffen, dass sie es so weit kommen ließe. Immerhin würden sie den Strom ja auch brauchen und wie ich gelernt habe, stimmt es nicht immer, was die Peruaner und vor allem meine werte Gastmutter sagen. Da sie mich aber schon so oft angelogen hatte, kaufte ich ihr die Story mit dem Überfall nicht ganz ab. Natürlich kann es gut sein, aber aus ihrem Mund stammende Geschichten glaube ich einfach nicht mehr. Carmen und ich wussten gar nicht, was wir dazu sagen sollten. Denn auch der Fernseher am Abend zeigte an, dass wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden zahlen würde, das Kabelfernsehen abgeschaltet werden würde. Wir mussten uns beide furchtbar aufregen und waren wütend, sowie verzweifelt. Wie kann man nur so gemein sein? Uns nicht mal darüber zu informieren? Es kann doch nicht sein, dass sie uns immer mehr streicht! Erst das Bad, dann Essen, dann den Eintritt ins Haus, dann Strom. Wie sollte es weiter gehen? Wir konnten uns ja wirklich mit vielem arrangieren, aber so langsam macht es einfach keinen Spaß mehr und verliert immer mehr an Lebensqualität. Und ohne Strom sowie ohne Küche konnten wir ja nichtmal am Wochenende selbstständig ein ordentliches Frühstück und Tee zubereiten, noch wäre es uns möglich, das Haus zu verlassen, da wir nicht wieder reinkommen würden. Denn Bescheid geben wohin sie gehen tun sie ja so oder so nicht. Völlig geschockt verließen wir nach dem Mittagessen im CEDIF das Haus, um in Andahuaylas bei der Paketstation vorbeizuschauen, ob mein Paket angekommen war. Das erste Postoffice schickte uns zu einem anderen, das aber erst in 1,5 Stunden aufmachen sollte. Völlig deprimiert entschieden wir uns dazu, erstmal Percy anzurufen, um ihm von den neusten Entwicklungen zu erzählen und dringend um eine andere Gastfamilie zu bitten. Er hatte zwar Verständnis, doch ungünstigerweise war er gerade in Piura, einer Stadt im Norden Perus, und nicht in Lima, sodass er Juana zwar anrufen würde, doch erstmal nicht viel machen konnte. Das Telefonat war so nichtssagend, dass wir danach eher noch schlechter drauf waren und dringend eine Abwechslung brauchten. Da wir beide nicht so schnell wieder nach Hause wollten, aber noch eine Stunde warten mussten, entschieden wir uns dazu, nochmal ins Kino zu gehen. Da schauten wir „Colonia“ an, einen Film über die Diktatur in Chile, der auf wahren Begebnissen beruhte und unglaublich schrecklich war. Er war so brutal und schockierend, was unsere Laune somit leider noch weiter drückte anstatt sie zu heben. Danach hatte wenigstens die Post geöffnet, doch leider war auch dort mein Päckchen nicht angekommen… Es schien, als würde an diesem Nachmittag nichts funktionieren. Zwar konnte ich meine Nummer hinterlassen, doch machte mich die Tatsache einfach richtig traurig, dass auch nach vier Wochen noch keine Spur von der Sendung zu sehen war. Also kehrten wir nach Hause zurück und mussten uns mit dem Gedanken anfreunden, morgen wieder arbeiten gehen zu müssen, da der Ausflug nach Curahuasi nicht stattfand. 

Unser erster Arbeitstag verlief ganz normal was die Arbeit betraf, die Kinder waren unverändert anstrengend. Doch Juana war bekloppter als je zuvor und trieb es an diesem Tag auf den Gipfel. Wir entschieden, mit Señor Reneé zu reden und ihn um Hilfe zu bitten. Auch Liz wirkte ernsthaft besorgt, nachdem ich ihr unsere Situation schilderte. Wir erklärten, dass es so, wie es momentan war, nicht weitergehen konnte und wir dringend eine neue Gastfamilie wollten. Wir schilderten einige Vorkommnisse und Reneé reagierte als erster wirklich verständnisvoll. Er meinte ebenfalls, dass sie keine einfache Person sei, anders als alle anderen sei und man sie nicht ändern könne. Wir erzählten von unseren Bemühungen, es ihr immer Recht zu machen und er versprach sofort, uns zu helfen und sich umzuschauen (bis heute ist aber leider immer noch nichts passiert). Nach dem Gespräch ging es mir irgendwie viel besser, denn ich hatte die Hoffnung, er würde tatsächlich etwas finden können. Denn er reagierte so lieb und nett wie noch nichtmal Aprode. 

Am Nachmittag sollte sich die Situation aber nochmal ordentlich ändern. Carmen und ich wurden von den zwei „Praktikantinnen“, die sich wie die größten Besserwisser verhalten, jeweils einer Gruppe Jugendlicher zugeteilt, weil alle anderen Mitarbeiter irgendwie etwas besseres zu tun hatten. Wir waren also jeweils alleine und ich hatte keine Ahnung, was ich mit ihnen anstellen sollte. Sie meinten zu mir, sie hätten alle keine Hausaufgaben und würden gerne ins Stadion gehen, doch Señor Reneé gestattete es uns nicht. Ich schrieb also Percy noch einmal, dass Juana zu uns gesagt hat, sie hätte keinen Anruf von ihm erhalten, obwohl er es uns ja versprochen hatte. Also gab ich ihm ihre Nummer und erhielt kurz darauf eine Nachricht von ihm, er hätte zwar mit ihr gesprochen, sie aber sehr schlecht verstanden, weswegen er das Gespräch verschieben müsse, bis er wieder in Lima ist. Ich dankte ihm trotzdem für den Versuch und dachte, damit wäre die Sache erledigt. Jedoch erhielt ich eine weitere Nachricht, in der er mir sagte, dass Juana ihm erzählt habe, ich würde unerzogen sein und auf unverschämte Weise Essen von ihr anfordern, das mir gar nicht zustehe. Denn am Wochenende müssten wir selbst für unser Essen aufkommen, ich jedoch würde auf eine sehr unerzogene Weise Essen von ihr fordern und verlangen, dass sie für mich kocht. Ich konnte gar nicht glauben was ich da las. So eine dreiste Lüge! Abgesehen davon, dass wir am Wochenende immer auf Ausflügen sind und IMMER essen gehen, weil wir nicht wissen, ob sie da sind und es was gibt, fand ich es eine bodenlose Frechheit zu behaupten, dass ich unerzogen wäre und unverschämt mit ihr reden würde. Mir fiel nichts besseres ein als zu antworten, dass es nicht der Wahrheit entspräche und ich noch nie so etwas gemacht hätte. Seine Antwort beruhigte mich keinesfalls, auch wenn er meinte, dann wäre sie eine Lügnerin und er mir versicherte, man würde nie wieder mit ihr zusammenarbeiten. Denn ich wusste einfach nicht, ob er mir glaubte und es bringt mir ja auch gar nichts, wenn sie in Zukunft nicht mehr mit ihr arbeiten werden. Ich leide immer noch unter der Situation und sie scheinen nicht wirklich etwas daran zu ändern. Zuletzt meinte er nur nochmal, ich solle mir keine Sorgen machen und er würde sie nochmal anrufen. Doch ich war total aufgelöst und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich schloss mich im Klo ein, aber mir wurde bewusst, dass ich mit jemandem darüber reden musste. Also lief ich tränenüberströmt zu Carmen, die völlig aufgelöst mit Liz angerannt kam und fragte, was passiert sei. Grob schilderte ich ihr, was Percy mir gerade geschrieben hatte und auch sie war fassungslos. Sie konnte so wenig wie ich nachvollziehen, was sie zu so einer dreisten Lüge gebracht hatte. Beide konnten wir uns an kein einziges Mal erinnern, wo wir auch nur am Wochenende zu Hause gegessen hätten, geschweige denn was von „ihren“ Lebensmitteln. Un noch weniger redeten wir unverschämt mit ihr. Wir waren beide total geschockt und wussten nicht wirklich, was wir tun sollten. Wir hatten beide Angst nach der Arbeit nach Hause zu gehen und wollten das Haus am liebsten gar nicht mehr betreten. Später fragte auch Liz nochmal, was passiert sei und ob es mir besser gehe, doch mir stiegen erneut die Tränen in die Augen. Meine Schüler waren mittlerweile mindestens so aufgelöst wie ich und verstanden die Welt nicht mehr. Sie gaben sich selbst die Schuld für meinen Tränenausbruch und einige von ihnen, sowie auch sämtliche Mitarbeiter, bekamen Wind davon und sprachen mich noch Tage danach darauf an. Jedenfalls nahm Liz mich nur in den Arm und versuchte mich zu beruhigen und mir zuzureden, dass sie mich kennen würden und wissen würden, dass ich nicht schlecht erzogen sei. Trotzdem gingen mir die Zeilen nicht mehr aus dem Kopf und beschäftigten mich noch lange. Warum war sie nur so gemein? Deshalb schrieb ich Percy am nächsten Morgen auch nochmal, erhielt aber keine Antwort. Juana erwähnte das Gespräch kein einziges Mal und zu unserer endgültigen Verwirrung, bot sie uns am kommenden Wochenende ständig Essen an, als sei es das normalste der Welt. Oder sie ließ uns Einkäufe für sich erledigen und tagein tagaus die Küche putzen, die wir teilweise ja nicht einmal betreten durften. Und trotzdem waren wir diejenigen, die jeden Morgen fegten und wischten.

Am Freitag hatten wir nachmittags eine Besprechung und es sollte festgelegt werden, ob die Exkursion in der folgenden Woche stattfinden sollte. Und tatsächlich hatte man es irgendwie hinbekommen diesen Trip zu organisieren. Ich habe zwar keine Ahnung wo wir schlafen werden, noch wie das Ganze ablaufen soll, aber jetzt steht es zumindest fest, dass wir vom 26.-27. fahren werden. Morgens um 7 geht’s los und am Freitagmittag machen wir uns schon wieder auf den Rückweg. Es bleiben also nicht viel mehr als 24 Stunden, um sich mit all den anderen CEDIFs auszutauschen und die vorbereiteten Programme vorzuführen. Viel mehr als das weiß ich allerdings auch nicht, da es den anderen wichtiger erschien, sich darüber zu unterhalten, was sie essen wollen würden. Nach etlichen Minuten hatte man also viel geredet, aber wenig beschlossen. Typisch für die Peruaner. Am Abend eröffnete Juana mir, dass sie nicht fahren würde, weil sie sich den Magen verdorben hätte und nach Cuzco fahren würde. Die anderen hatten ja schon angekündigt, dass sie selten an solchen Aktionen teilnahm, also überraschte es mich wenig. Ich freute mich, als wir endlich Feierabend hatten, denn obwohl ich nur zwei Tage arbeiten musste, war ich gut geschafft. 

Am Wochenende hatte ich eigentlich nicht sonderlich große Lust etwas zu unternehmen, ich wollte mich eigentlich nur ausruhen. Irgendwie war ich total geschafft. Zum Glück überredete Carmen mich dann trotzdem am Samstag etwas zu unternehmen und so entschieden wir uns dazu nach Kishuara zu fahren. Besser gesagt wollten wir nach Curamba, einer Inkastätte in der Nähe von Kishuara. Nachdem wir morgens ganz entspannt aufgestanden waren, kamen wir erst zur Mittagszeit los, denn mal wieder hatte der Bus über eine halbe Stunde Verspätung. Nachdem wir dann nach 1,5 Stunden Fahrt ankamen und mitten im Nirgendwo rausgeschmissen wurden, fragten wir uns zuerst einmal, wo den dieses archäologische Meisterstück sein sollte. Denn außer der kargen Langschaft war nicht viel zu sehen. Wir beschlossen also, einfach mal drauf los zu stapfen und nahmen den einzigen Trampelpfad, der zu sehen war. Schon nach wenigen Minuten tauchte dann auch tatsächlich zu unserer großen Freude die Ruine Curamba zu unserer Linken auf. Weit und breit war wirklich nichts anderes, keine Häuser oder andere Merkmale einer Zivilisation. Wir genossen die absolute Stille und erkundeten die Stufenpyramide, schossen ein paar Fotos und genehmigten uns Avocadobrote an diesem für die Inkas bestimmt heiligen Ort. Im Internet habe ich gelesen, dass es jedes Jahr am 22. Juni ein großes Fest dort geben soll. Und auch wenn es nicht viel mehr als diese eine Pyramide gab, so war es doch faszinierend und spannend, sie zu sehen. Immerhin bezweifle ich, dass viele Touristen es jemals zu Gesicht bekommen, da es wirklich sehr abgelegen liegt. Um einen besseren Blick von oben zu erhaschen, bestiegen wir dem am Rande liegenden Berg und blickten auf die Ruine hinab. Es war wirklich ein toller Ausblick! 

Der Rückweg gestaltete sich etwas komplizierter als gedacht, wie schon damals in Sondor. Meiner Meinung nach sollte man hier mal ein wenig an den Transportmitteln feilen, denn auch wenn man irgendwie überall hinkommt, ist es meistens doch sehr schwierig wieder wegzukommen. Man hatte uns vorher gesagt, wir müssten uns einfach an die Straße setzen und warten. Der nächste Bus würde uns mitnehmen. Doch nachdem wir gefühlt ewig gewartet hatten und mehrere Busse einfach an uns vorbeigefahren waren und uns nur doof zugehabt hatten, wuchs so langsam die Verzweiflung in mir. Die Sonne fing an unterzugehen, es war kalt und es wurden immer weniger Fahrzeuge, die an uns vorbeifuhren. Wir fingen also an in Richtung Kishuara zu laufen, um eventuell dort zu Fuß anzukommen und von dort aus dann ein Taxi oder einen Bus nehmen zu können. Mir war sehr wohl noch von de Hinfahrt bewusst, dass es bis Kishuara selbst mit dem Auto fast eine halbe Stunde war, doch in meiner Verzweiflung dachte ich ernsthaft, wir könnten es schaffen. Zum Glück hielt irgendwann dann doch noch ein gütiger Busfahrer an und nahm uns, zwar etwas widerwillig, da der Bus bereits voll war, bis nach Kishuara mit. Wir hätten es zu Fuß wirklich niemals geschafft. Dort fanden wir dann ein Auto inklusive Fahrer, das anscheinend nur zwischen Andahuaylas und Kishuara pendelt und uns somit nach Hause bringen konnte. Als er meinte, er würde „Jetzt“ losfahren, glaubte ich eigentlich gar nicht daran, da die Peruaner eine sehr wage Vorstellung von Zeit haben und oft auch erst losfahren, wenn das Auto voll ist, aber dieser Mann hielt tatsächlich sein Wort und wir fuhren direkt los. Und das auch noch günstiger als auf dem Hinweg! Ich war erleichtert und froh zu wissen, dass wir doch noch an diesem Abend nach Hause kommen würden. 

Bevor wir nach Hause zurückkehrten, aßen wir noch etwas in einem Restaurant, da Percy uns ja unmissverständlich klargemacht hatte, dass das Essen an den Wochenenden nicht im Deal enthalten sei und Juana sich ja darüber beschwert hatte. Wir wollte also nicht riskieren entweder nichts zu bekommen oder uns Ärger einzuhandeln. Außerdem kauften wir noch für den nächsten Tag Gemüse ein, da wir am Sonntag für alle kochen wollten (bzw. Juana schon zum tausendsten Mal danach gefragt hatte und wollte, dass wir deutsches Essen für sie machten). Als wir nach Hause kamen waren schon alle Türen geschlossen und so zogen wir uns direkt in unser Zimmer zurück. 

Da am Sonntag die Volkszählung durchgeführt wurde (die nur alle 10 Jahre stattfindet!), hatten alle Peruaner Ausgangssperre und durften von 7-17 Uhr ihre Häuser nicht verlassen. Somit hatten natürlich auch alle Läden geschlossen und es fuhren weder Taxis noch Busse. Also konnten wir nicht wirklich etwas unternehmen und blieben auch den ganzen Tag zu Hause. Mir graute schon die ganze Zeit davor, da ich ungern so viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte. Als ich mich dann doch dazu überwinden konnte aufzustehen, wurde ich nicht gerade herzlich begrüßt. Stattdessen fragte Anghelo noch vor einem Morgengruß, ob wir heute weggehen würde. Und Juana schalt uns, warum wir gestern Abend nicht zu Hause gegessen hatten. Es hätte doch extra etwas für uns gegeben bla bla. Ganz ehrlich, was erwartet sie denn nach ihrer Aktion? Wir trauen uns ja schon gar nicht mehr auch nur zu fragen, ob es etwas geben würde. Den Vormittag verbrachten wir auf jeden Fall damit, unsere Wäsche zu waschen, was dringend nötig war. Natürlich war aber auch dieses Vorhaben falsch, denn Juana meinte, sie würde sonntags Wäsche waschen, da können wir das nicht auch noch machen. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln bei solchen Aussagen… jedes Mal aufs Neue bin ich fasziniert, was sie sich ausdenkt, was wir wieder falsch machen würden. Denn als ich meine Wäsche aufhängen wollte, schimpfte sei erneut mit mir, weil ich das natürlich auch falsch gemacht hatte und klärte mich zudem noch auf, dass man ja Unterwäsche nicht mit Waschmittel wäscht sondern mit Seife. Und meine Schuhe müsse ich jede Woche waschen. Als ich sie dann einmal mit Juana ansprach, hielt sie mir einen Vortrag, ich dürfe sie nicht so nennen, sondern müsse immer SEÑORA Juana sagen und auch alle anderen Erwachsenen so ansprechen. Hat sie nicht immer wieder betont, ich sei wie eine Tochter für sie? Und dann muss ich sie mit Señora ansprechen? Naja, solche Aktionen bin ich ja mittlerweile gewöhnt, kann aber jedes Mal aufs Neue nicht fassen, was ich da höre. Den Nachmittag verbrachte ich lesend, am Abend kochten Carmen und ich zusammen. Doch außer Anghelo war niemand da und wir wussten nicht so recht, wann sie wiederkommen würden und ob sie dann etwas von unserem Essen haben wollen würden. Denn Anghelo meinte, es würden Gäste kommen und es würde nochmal Suppe geben. Deswegen erlaubte er uns auch nicht mal, etwas von den übriggebliebenen Kartoffeln und Yucas zu essen (heute ist Dienstag, sie liegen immer noch in der Küche…), denn die würden für die Suppe gebracht werden. Also gab es für Carmen und mich nur Gemüse. Anfänglich fand ich das etwas traurig, doch es war super lecker und endlich mal etwas anderes. Wir waren also rundum zufrieden. Nur hatten wir natürlich für 5 Personen gekocht und nicht für 2. Aber Anghelo wollte nichts und als dann mitten in unser Essen Juana reinplatzte, sagte auch sie, sie wolle nur probieren. Natürlich freuten wir uns, dass mehr für uns blieb (wir waren am Ende pappsatt), aber auf der anderen Seite war es nicht wirklich freundlich, uns erst zum Kochen zu bringen und dann nichts davon essen zu wollen. Wir kamen uns zumindest ein wenig verarscht wir. Ich verstehe einfach nicht was diese Frau von uns will. Nach Anghelos schlauen Kommentaren musste ich lachen, als Juana uns sogar Kartoffeln anbot und es natürlich keine Gäste an diesem Abend gab. Vielen Dank für die fachmännische Auskunft. Er ähnelt seiner Mutter in dem Verhalten sehr, wie man vielleicht merkt. Jedenfalls wollte ich dann abends wie immer noch duschen, doch nachdem man mir ja verboten hatte, ohne zu fragen ins Bad zu gehen, kündigte ich es diesmal vorher an. Daraufhin bekam ich nur zu hören, dass ich morgens und nicht abends duschen solle. Also hatte sich das zuerst einmal erledigt, doch eine halbe Stunde später ertönte ein schriller Schrei, dass sie noch nach Andahuaylas gehen würden und ich mich beeilen solle mit dem Duschen. Ich bekam somit doch noch die Gelegenheit, mich unter die kalte Dusche zu stellen und auch Carmen nutzte die Gelegenheit. Als wir danach Zähne putzten, sah ich schon, dass Carmen den Boden nicht gewischt hatte und es super dreckig und nass war. Aber da ich sie nicht herumkommandieren wollte, hielt ich meine Klappe. Um halb zehn lagen wir bereits im Bett und ich war schon fast eingeschlafen, da ertönte schon wieder ein spitzer Schrei und ich hörte meinen Namen. Ich solle doch gefälligst das Bad wischen. Zum ersten Mal musste ich mich wirklich über Carmen ärgern, da ich Juanas Zorn abbekam und erneut das Bad wischen durfte, während sie nichts unternahm und  nur meinte, sie hätte es ja gewischt. Also ich fand es schon ein bisschen mies, aber ich konnte eh nichts machen, da Juana mir nicht glaubte, als ich sagte, dass ich es bereits gesäubert hätte. 

Leider war das Wochenende damit auch viel zu schnell schon wieder rum und ich war froh, den Tag überstanden zu haben. Außer den gewohnten Zurechtweisungen hatten wir es doch ganz gut überstanden. Zwar schickte sie uns über den Tag verteilt noch gefühlt zehnmal los um irgendwas zu kaufen, aber auch das war ja nichts Neues.

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