Krank sein ist ätzend

Die neue Woche startete ganz gewöhnlich. Es gab kein Frühstück und so mussten wir uns mit zwei trockenen Broten im CEDIF zufrieden geben. Die Kinder am Vormittag waren gewohnt anstrengend, wir konnten sie allerdings kurze Zeit gut mit Galgenmännchen beschäftigen und somit ein paar neue Englischvokabeln üben. Aber zu mehr hatten sie leider keine Lust. Irgendwie verlieren sie so schnell die Lust an etwas! Selbst wenn wir Memory spielen, hören sie teilweise einfach mitten im Spiel auf, weil sie keinen Spaß mehr  daran haben oder merken, dass sie verlieren. Bis auf einen kleinen Zwischenfall, in dem ich fast vom umkippenden Schrank begraben wurde, gab es keine größeren Vorkommnisse. 

Der Nachmittag dagegen war komplett sinnlos. Erstmal warteten wir ewig, bis überhaupt etwas geschah oder man uns sagen würde, was passiert. Wir stellten fest, dass die Kinder schon wieder direkt nach dem Mittagessen nach Hause geschickt wurden und es für sie keine Betreuung geben würde. Den Grund wussten wir allerdings noch nicht. Eine Schülerin fragte mich total süß als sie mich begrüßte, warum ich vergangene Woche geweint hatte und ob es wegen ihnen gewesen wäre. Total rührend, wie ich schon mehrmals darauf angesprochen wurde, ob sie etwas falsch gemacht hätten und wie es mir ginge. Irgendwann kam Juana schreiend die Treppe runtergerannt, zog etliche Handys ein und forderte alle Anwesenden dazu auf, doch gefälligst oben mitzuhelfen und fragte, warum wir alle nichts machen würden. Also stiefelten wir nach oben und begannen, die Steine und den Dreck, den wir einige Wochen zuvor mühsam nach oben geschleppt hatten, wieder nach unten zu befördern. Auch die Jugendlichen mussten ordentlich mit anpacken und Juana kannte kein Erbarmen. Sie schrie munter weiter und verteilte Befehle, während sie selbst in der Küche an ihrem Handy saß. Es war echt anstrengend, voll beladen ständig die Treppen hoch und runter zu laufen und die Luft war unglaublich staubig. 

Danach hieß es, Liz würde uns einen Tanz beibringen, den wir dann bei dem Treffen am Donnerstag mit den anderen CEDIFs vorführen müssten. Wir warteten ewig bis etwas geschah und als endlich der Großteil der Mitarbeiter versammelt war, begann die Diskussion, was wir vorführen wollen. Einen Tanz, ein Lied, ein Theater,… Man wurde sich nicht wirklich einig, keiner hatte Ideen oder Lust und die meiste Zeit wurde videoschauend am Handy verbracht. Nach einer Stunde waren wir nicht viel weiter und ich wollte einfach nur nach Hause, da es mir immer schlechter ging. Mir schmerzten alle meine Glieder, mein Kopf tat mir weh und mir war übel. Zudem war mir unglaublich kalt, ich war müde und hatte Husten bekommen. Eigentlich wollten Carmen und ich noch in ein Internet Café, doch dieses Vorhaben verwarfen wir, da wir uns beide nicht wirklich fit fühlten. Die Zeit verging nur schleppend, man saß die ganze Zeit nur rum und wartete, bis es 17 Uhr wurde. Bis dahin hatten wir zumindest mal beschlossen, auf was für ein Lied wir tanzen wollten und wer welche Rolle einnimmt. Ich bekam die glorreiche Rolle der „Novia“ zugeteilt. Mein Part war also die ganze Zeit in der Mitte zu tanzen, während die anderen um mich herum tanzen sollten. Ich war zwar nicht scharf auf diese Sonderrolle, aber gut. Ich war einfach nur froh, als es hieß, wir können nach Hause gehen. Sofort kochte ich Tee und wir schmissen uns beide ins Bett. Mir ging es gefühlt immer schlechter. Mir war unglaublich kalt und ich hatte heftige Kopfschmerzen. Ich ahnte schon, dass ich krank werden würde, wagte es aber nicht zu hoffen. Juana interessierte das nicht die Bohne und sie schrie, als sie wieder nach Hause kamen, mehrmals meinen Namen, nur um wieder irgendwelche Kommandos zu verteilen und ich quälte mich jedes Mal aus dem Bett. Carmen sah gar nicht ein mir zu helfen… Als wir zum Abendessen gerufen wurden, stellte dann auch meine Gastmutter fest, dass ich krank war und meinte, wie Carmen und ich es vorausgesagt hatten, dass es an der heißen Dusche am Abend liegen würde und daran, dass ich ja anscheinend nichts essen würde. 1. dusche ich nie warm und 2. esse ich ordentlich. Aber sie war der festen Überzeugung, dass es genau daran liegen würde und verbot mir, abends und mehr als einmal die Woche zu duschen… Großartig. Jetzt muss ich morgens duschen, ich hasse das und hab auch gar keine Lust, weiß Gott wann aufzustehen deswegen. Dann muss ich mit nassen Haaren auf die Arbeit… 

Auch erzählte sie uns aufs Neue davon, wie schlecht es ihr doch gehe und was ihr alles wehtun würde. Sie meinte, ich solle diese und jene Medikamente nehmen, doch ich wiegelte sie ab und meinte, Ibuprofen sei genau das Richtige. Die Peruaner haben glaube ich großen Spaß daran, sich zum Einen Krankheiten einzubilden und sie heraufzubeschwören und zum Anderen, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen und sich allerlei Medikamente und Tabletten einzuschmeißen. Sie fürchten sich wirklich alle sehr davor krank zu werden. Ich bin jedoch eher der Vertreter von möglichst wenigen Medikamenten und machte ihr klar, nicht dieses ganze Zeug zu kaufen. 

Carmen ging es wieder gut, ich dagegen sah glaube ich wirklich recht miserabel aus. Die Nacht schlief ich super unruhig und schlecht, wurde von Fieberträumen geplagt und am Morgen war mein Bettlaken quasi nicht mehr da und die Decken hingen sonst wo. Den Husten konnte ich mit einem Hustenbonbon ganz gut kontrollieren, doch alles andere machte die Nacht sehr lange. Am Morgen sah es nicht wirklich besser aus. Mir tat immer noch alles weh und ich wollte mich gar nicht bewegen. Ich hatte auch ziemlich sicher Fieber bekommen, wenigstens war aber die Übelkeit verschwunden, der das aufgezwungene Abendessen tags zuvor nicht wirklich gut getan hatte. Zum Glück konnte ich zu Hause im Bett bleiben und musste nicht arbeiten gehen. Das hätte ich beim besten Willen nicht überlebt. Ich verbrachte also den ganzen Tag in meinem Bett, lesend, schlafend und schreibend. Zu mehr war ich wirklich nicht in der Lage, auch wenn die anderen aus dem CEDIF wollten, dass ich nachmittags komme, um den Tanz einzustudieren. Mir war das bloße Existieren aber schon unangenehm und das Fieber ließ mich schrecklich schwitzen, ich hatte keine Kraft und meine Kopfschmerzen nervten mich ungemein. 

Die Nacht auf Mittwoch schlief ich genauso schlecht und fühlte mich am Morgen immer noch nicht besser. Jede Bewegung war zu viel und strengte mich dermaßen an, dass ich einfach nur liegen bleiben wollte. Doch Juana kannte kein Erbarmen und zwang mich regelrecht zum Arzt zu gehen. Also zog ich mich an und schleppte mich zum „Centro de la Salud“, da es mir immer noch nicht besser ging und mir Ibuprofen diesmal nicht wirklich zu helfen schien. Nur am Nachmittag waren die Schmerzen etwas erträglicher. In der Notaufnahme angekommen, schockierten mich zuerst einmal die altertümlichen Methoden, mit denen man hier noch arbeitete. Der Puls wurde mit Blick auf die Handyuhr gezählt, Blutdruck von 80 zu 70 als normal empfunden und die Waage noch per Hand ausgerichtet. Meine Körpertemperatur hatte sich dank der Ibu normalisiert, weshalb sie meinten, ich hätte kein Fieber. Nach dem Check der Krankenschwestern tauchten Juana und Liz auf, um mit mir und Carmen zu warten. Warum ich von allen drei begleitet wurde lässt sich mir nur so erklären, dass weder Juana noch Liz Lust hatten zu arbeiten und mein Aufenthalt beim Arzt eine gute Entschuldigung war. Somit wartete ich neben den beiden, die munter eine Modezeitschrift nach der nächsten durchblätterten oder mal wieder telefonierten. Carmen musste irgendwie auch nicht arbeiten, ich wollte nur in mein Bett. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich dann gerufen, um meine Patientenakte mit den notwendigen Daten auszufüllen und wurde wieder zum Warten verdonnert. Für Juana musste ich mich wirklich fremdschämen, da sie aufgrund mangelnder Geduld irgendwann durch den Ausgang in das Behandlungszimmer des Arztes gelaufen ist und meinte, ich müsse jetzt dran genommen werden. Dort redete man nicht mit mir, überprüfte aber die genau gleichen Körperfunktionen wie zwei Stunden vorher schon einmal die Schwester. Ein weiteres Mal wurde ich gebeten zu warten, wieder in einem anderen Raum. Es schien gar nicht voran zu gehen und wir saßen ewig in diesem Vorraum, der sich nicht wirklich leerte. Irgendwann verlor Juana wieder die Lust und schob mich zu dem Arzt ins Zimmer; sofort kam ich dran. Anstatt mich alleine mit ihm reden zu lassen, blieb sie einfach im Raum stehen und holte auch Carmen dazu. Ziemlich unverschämt meiner Meinung nach, was geht sie meine Diagnose an. Ich hatte ihr immerhin nicht erlaubt oder gebeten mit reinzukommen. Der Arzt war der Überzeugung, ohne ein Antibiotikum würde es niemals besser werden und ich könnte nicht gesund werden, wenn ich es nicht nehmen würde. Er stellte das Ganze ziemlich dramatisch dar. Ich hoffte, dem Antibiotikum noch entgehen zu können, indem ich einwarf, dass ich mit meiner Medikation an Antiepileptika ja nicht alles nehmen könne. Nachdem ich ihm den Namen meines Medikamentes aufgeschrieben hatte und er es gegoogelt hatte, meinte er, es wäre gar kein Problem und ich könne es bedenkenlos nehmen. Zweimal zwei Tabletten, fünf Tage lang, dazu Paracetamol bei Schmerzen und irgendein Zeugs gegen den Schnupfen (oder den Husten?), auch zweimal täglich für fünf Tage. Danach ließ Juana auch Carmen Platz nehmen, der eigentlich bis auf einer Erkältung nichts fehlte. Diese war dementsprechend verwirrt, bekam aber auch direkt 3 Tabletten verschrieben. In der dortigen Apotheke bekam ich das Antibiotikum und das Paracetamol in die Hand gedrückt und durfte endlich wieder nach Hause, Carmen und die anderen beiden gingen zur Arbeit. Interessehalber fragte ich meine Mutter, ob ich diese ganzen Medikamente überhaupt nehmen dürfe und nach einem Anruf in der Apotheke stand fest: der Arzt war noch unfähiger als gedacht. Er hatte mir doch tatsächlich ein Antibiotikum verschrieben, dass ich nicht nehmen durfte. Und auch das Zeug gegen den Schnupfen empfand sie als völlig sinnfrei. Den besorgten Peruanern erzählte ich natürlich, dass ich ganz fleißig meine Pastillen nahm. Ohne würde ich schließlich sterben! Carmen fragte ihre Eltern auch, was es mit ihren Medikamenten auf sich hatte. Das eine war in Deutschland verboten und das andere so gegen ziemlich alle üblen Krankheiten dieser Welt, aber nicht gegen eine Erkältung. Super erfolgreich also der Besuch im Krankenzentrum, ich weiß warum ich mich nicht von denen untersuchen lassen wollte…

(Heute ist Sonntag, ich habe die Grippe mit nicht mehr als 2 Ibuprofen und 2 Paracetamol überlebt, bin geheilt und wieder fit. Hier würde mir das keiner glauben.) 

Am Nachmittag wagte ich es doch tatsächlich angesichts angenehmer Außentemperaturen und sturmfreier Bude (bis auf Anghelo) zu duschen, da der letzte Kontakt mit der wundersamen Flüssigkeit namens Wasser schon einige Zeit zurück lag. Als Juana zurück nach Hause kam, kassierte ich dafür einen Riesenärger. Wie könne ich es wagen, sie hätte es mir doch verboten, es würde alles nur noch schlimmer machen… Anghelo, die dumme kleine Petze, hatte mich verpfiffen. War mir aber egal, ich war wieder sauber und ansehnlich. 

Carmen bekam auf der Arbeit meine Rolle der „Novia“ für den Tanz zugeteilt und durfte die Nachmittage übend verbringen. Juana erzählte anscheinend jedem, der es hören wollte oder nicht, dass ich doch tatsächlich gewagt hatte zu duschen und, was mich wirklich auf die Palme brachte, dass Carmen und ich unsere Unterwäsche nicht waschen würden! Wie dreist ist diese Frau eigentlich, was fällt der noch alles ein?! 

Was mich allerdings noch mehr nervte war die Befürchtung, wahrscheinlich nicht am Donnerstag mit auf den Ausflug nach Curahuasi gehen zu können. Am liebsten wäre ich wieder gesund gewesen, da ich wirklich ungern darauf verzichten wollte, er aber ja ungünstigerweise von der Vorwoche auf diese verlegt wurde. Ich hatte also schon vorsichtshalber damit begonnen mich mit dem Gedanken anzufreunden alleine zu Hause zu bleiben. 

In der Nacht auf Donnerstag hatte ich aber zum ersten Mal wieder gut geschlafen und wachte weniger gerädert auf. Ich war zwar immer noch weit entfernt von fit, aber im Vergleich zu den vergangenen Tagen ging es mir schon besser und ich wusste deshalb überhaupt nicht was ich machen sollte. Sollte ich zu Hause mit Juana bleiben und mich womöglich ewig darüber ärgern nicht dabei gewesen zu sein oder sollte ich mich, so schlecht wie es mir auch ging, mitschleppen. Ich wusste es nicht. Schlussendlich entschied ich mich dazu mitzufahren, wohlwissend, dass egal welche Entscheidung ich getroffen hätte, ich sie bereut hätte. Schon beim Frühstück wurde ich mit Fragen zu meinem Befinden überhäuft, dabei sah man mir an, dass es mir nicht gut ging. Im Bus warteten wir ewig vor dem CEDIF darauf, dass es alle mal schaffen würden einzusteigen. Ich bekam überhaupt keine Luft, weder durch die Nase noch durch den Mund, und war schon wieder todmüde. Ich stellte meinen Sitz also zurück und versuchte zu schlafen, ich war jetzt schon total fertig. Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich keine gute Idee sein würde mitzugehen, aber der Gedanke mit Juana zu Hause bleiben zu müssen, erschien mir noch schlimmer. Denn ob sie nun mitkam oder nicht stand bis zur allerletzten Minute nicht fest. Sie hatte sich glaube ich schon sechsmal umentschieden und sechs verschiedene Begründungen geliefert. Erst wollte sie mit, dann nicht, weil sie krank war und zu ihrer Tochter nach Cuzco wollte, dann doch mit, dann wieder nicht, weil kein Bock. Am Morgen verabschiedete sie sich sogar von uns und wünschte uns eine gute Reise. Am Mittwoch meinte sie noch die ganze Zeit zu mir, ich könne doch bestimmt mit bla bla. An dem Morgen, als ich dann vor ihr stand um zu gehen, meinte sie, es würde so doch nur schlimmer werden. Diese Frau kann sich einfach nicht entscheiden, immer sagt sie etwas anderes! Anfangs schien es also so, als wären uns zwei ruhige Tage vergönnt, doch in letzter Minute sprang sie noch inklusive Anghelo ins Auto und Carmen und ich entgleisten die Gesichter. Jetzt kam sie also tatsächlich doch mit und wir waren sie doch nicht los. Und sogar die Nervensäge war dabei. Er machte seinem Namen auch direkt alle Ehre und fing an zu singen, schreien, reden und laufen. Ich konnte es nicht fassen, nie konnte er leise sein. 

Die Fahrt ging also los, wir legten innerhalb kürzester Zeit schon etliche Stops ein um in der Apotheke was gegen Reiseübelkeit zu kaufen, Wasser zu besorgen oder oder oder. You name it… Als stände nicht schon lange genug fest, dass wir verreisen würden, wurde noch alles auf den letzten Drücker gekauft. Verstand ich nicht. 

In Kishuara hielten wir um das CEDIF dort anzuschauen und natürlich schon wieder Essen zu kaufen, ich stieg allerdings nicht aus. 

In Curamba wurde gestoppt um Fotos zu machen.

In Abancay wurde Frida aufgegabelt. 

Beim Mirador machten wir ein Häuschen um dort Mittag zu essen.

Kurz vorm Ziel wurde schon wieder Essen gekauft (und beim Abendessen nichts angetastet, sondern alles entweder weggeschmissen oder in Plastiktüten zum Mitnehmen verpackt, was meiner Ansicht nach einfach unhöflich ist).

Dann kamen wir endlich an!!! Nach etlichen Stunden Fahrt für eine Strecke, die man in 4,5 Stunden absolvieren könnte. Mittlerweile war es auch schon 17 Uhr abends und als wir im CEDIF ankamen, wurde erstmal wieder gewartet. Man traf sich für die Vorführungen in einer Art Hinterhof, doch dort wurde es ohne Licht irgendwann zu dunkel und man konnte die Vorführungen nicht mehr erkennen. So zogen wir um auf den Plaza de Armas, auf dem wenigstens einige Lichter brannten und verlagerten die Tänze auf die Straße, einige Schüler sangen. Der Tanz, den Carmen und Co. vorführten war göttlich, sie sah so albern in ihrer Verkleidung aus! Es war wirklich witzig und ich glaube auch bei den anderen kam sie gut an. Kurz bevor es losging stellte man irgendwie noch fest, dass der „Zapatero“ fehle und Juana meinte, ich könne den doch schnell machen und man solle es mir noch schnell zeigen. Ich wehrte nicht aber vehement dagegen, ich tanzte an diesem Abend nirgendwo. Was dachte die sich eigentlich dabei? Mir ging es echt nicht gut, inzwischen schmerzten auch meine Ohren wie verrückt, da sie aufgrund der verschlossenen Nase mit dem ganzen Druckausgleich nicht zurechtgekommen waren. Immerhin waren wir ja ständig bergauf und bergab gefahren. Außerdem war ich mittlerweile echt hundemüde. 

Kurz nach unserer Vorstellung entfernte man sich einfach von dem Getummel und brachte uns zurück ins CEDIF, wo es Abendessen gab. 

Nach einigen Reden wurde angefangen, ein Hostel zu suchen. Man wollte aber nicht mehr als 10 Sollen ausgeben, also war die Suche etwas schwieriger. Wir fanden dann doch noch was, Carmen und ich bekamen ein Doppelzimmer. Reneé fragte uns, ob es okay für uns sei, in so einem billigen Hostel zu schlafen und wir verstanden sein Problem gar nicht. Trotzdem sehr lieb von ihm uns anzubieten, auch in einem besseren schlafen zu können. Wir hatten damit aber kein Problem, es gab auch wirklich keinen Grund dafür. Die Betten waren sauber, das Gemeinschaftsbad ebenfalls. Mehr braucht man für eine Nacht ja auch nicht. 

Uns blieb nicht mehr Zeit, als die Zimmer zu begutachten, denn gleich darauf ging es wieder zu „heißen Quellen“. Fast wäre der Bus ohne uns losgefahren, denn als wir nach unten rannten, war dieser genau vor unserer Nase losgefahren und die Insassen machten sich bestimmt über meinen Auftritt lustig. Freundlicherweise kehrte er aber nochmal um und ließ uns einsteigen. Beim Abendessen schon fragte mich Anghelo, ob ich baden gehen würde und ich erwiderte, dass ich höchstwahrscheinlich schon ins Wasser gehen würde, wenn es denn warm sei. Diese unerhörte Information gab er natürlich unverfroren an seine Mutter weiter. 

Angekommen an den etwas entfernt liegenden Quellen, wurde ich aus meinem Schlaf gerissen und begutachtete die Schwimmbecken. Leider war das Wasser nur lauwarm, weshalb ich mich dagegen entschied ein erholsames Bad zu nehmen. Ich glaube kaum, dass es eine gute Idee gewesen wäre sich länger in diesem lauwarmen Wasser aufzuhalten, auch wenn die Luft warm war. Also legte ich mich in den Bus und schlief, mit einigen Unterbrechern, bis wir um 12:15 Uhr die Rückfahrt antraten. Da ich nicht gebadet hatte, musste ich auch nicht zahlen, aber Carmen war zu faul ihr Handtuch zu suchen, weshalb sie mich um meines bat, das ich gerade frisch gewaschen hatte. Widerstrebend gab ich es ihr, war aber schon etwas genervt, da ich jetzt kein Handtusch mehr hatte und es schon wieder waschen musste, nur weil sie ihres nicht suchen wollte. Das klingt jetzt vielleicht kleinlich, aber bei Handwäsche überlegt man sich dreimal was man wäscht und was nicht. Ist nämlich sauanstrengend. 

Schon schade, dass ich nicht mit gebadet habe, aber ich war so müde und einfach noch nicht fit, dass es wahrscheinlich besser so war, aber trotzdem irgendwie schade, dass ich die Gelegenheit verpasst habe. Anghelo fragte mich am nächsten Morgen direkt, ob ich mich gebadet hätte oder nicht, der kleine Spion… Juana schimpfte nur mit mir, ich hätte doch im Hostel bleiben sollen. 

Am Freitag wachte ich ziemlich gerädert und müde auf, was bei dem zerrütteten Schlaf auch nicht verwunderlich war, zudem war es auch noch sehr früh am Morgen. Ich fühlte mich, als wäre ein Zug über mich drübergerollt und wollte überhaupt nicht aufstehen. Doch mir blieb ja nichts anderes übrig, schließlich stand noch etliches auf dem Tagesprogramm. Also quälte ich mich in meine Klamotten und wartete ewig mit Carmen auf ein Zeichen, das zum Aufbruch aufrufen würde. Schließlich hieß es tags zuvor, es würde um 08:30 Uhr Frühstück geben. Aber selbst um diese Uhrzeit dachte noch keiner an ein Gehen. Also warteten wir, bis wir schließlich merkten, dass keiner mehr da war. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, hatte man uns nicht Bescheid gesagt. Wir spurteten also nach unten, doch von Stress war weit und breit nichts zu sehen. Im CEDIF war das Frühstück auch noch nicht fertig, also von dem her war unser spätes Eintreffen eh egal. Zu Essen gab es gefühlt alles, was man in der Küche noch gefunden hatte, alles nacheinender serviert. Zuerst trinkbaren Milchreis, dann Gemüsereis mit Hühnchen, dann Tamales Duces (irgendeine süße Maispampa mit Milch im Bananenblatt serviert), dann Uauas und zuletzt Brötchen. Ruth meinte beim Milchreis, den ich aufgrund Magenschmerzen und Übelkeit nicht anrührte, das sei das einzige, was es geben würde. Hahaha, dass ich nicht lache. Ruth merkt man ihre Verwandtschaft zu Juana deutlich an, denn sie ist nach ihr die zweitgrößte Lügnerin und auch ihr kann man KEIN einziges Wort glauben. Egal was sie sagt, es stimmt nicht. So meinte sie später zu Carmen, die sich ein Wasser kaufen wollte, dass es hier in den Tiendas 5 Sollen anstatt 3 kosten würde, da die Läden am Plaza teurer wären. Was hat sie bezahlt? Ich glaube, ich kann mir die Antwort sparen. Sie tut einfach immer so als hätte sie Ahnung und wüsste alles, dabei labert sie den ganzen Tag nur Stuss. Ich komme aber auch deshalb nicht so gut mit mir klar, da sie mir die ganze Zeit sagen will, was ich ich zu tun habe, aber sie ist eben doch nur die Putzfrau. Außerdem muss sie einen IMMER berühren, ich hasse das. Sie stützt sich auf einem ab, rempelt einen immer an, geht nicht an einem vorbei sondern rennt in einen rein, etc. Damit komme ich nicht klar. 

Jedenfalls setzte ich mich nach den Frühstück ins Auto, um ein bisschen meine Ruhe zu haben und mich auszuruhen, während die anderen an einer Versammlung teilnahmen, um Erfahrungen auszutauschen. Wie sich herausstellen sollte, gab es einfach nur zwei Präsentationen, eine über Finanzen und eine über die Statistiken. Das war es also, weshalb wir diesen Aufriss machten. Jedenfalls tat mir die Ruhe sehr gut und ich konnte mich wirklich mal entspannen. Der Fahrer brachte den Bus inklusive mir zum Reifenwechsel und danach wieder zum Hostel, um sich zu duschen. Ich wartete die ganze Zeit im Bus, schrieb eine Email und aß Mangos und Bananen. Irgendwann setzte sich der Fahrer zu mir und fragte mich einige Dinge, wir unterhielten uns ganz bis er meinte, so könne er Stunden verbringen… Das fand ich eine äußerst seltsame Äußerung und so antwortete ich auf seine Frage, ob ich zurückwolle, dass das doch keine schlechte Idee sei. Dort war die Besprechung auch schon zu Ende und der Bus setzte sich plötzlich erneut in Bewegung, mit Carmen und mir als unbeabsichtigte Passagiere. Keine Ahnung warum, aber Liz, Frida und Ruth kauften sich etwas zum Mittagessen auf dem Markt, danach kehrten wir auch schon wieder zurück zum CEDIF, wo es, oh Wunder, Mittagessen gab. Wir kamen natürlich zu spät und es tat uns sehr leid, aber wir konnten ja nicht wirklich was dafür. Verstanden, was die Aktion sollte, haben wir nicht wirklich. 

Danach machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg und ich hoffte, nicht schon wieder so viele Stopps einlegen zu müssen. Zum Glück zeigte der Fahrer diesmal in dieser Hinsicht Erbarmen und fuhr relativ zielstrebig durch, allerdings war sein Fahrstil nur als halsbrecherisch zu bezeichnen. Mit welchen Geschwindigkeiten er die Kurven nahm und an welchen ungeeigneten Stellen er zu überholen versuchte, war wirklich lebensgefährlich. So fanden Carmen und ich nicht wirklich unsere Ruhe und waren heilfroh, als wir lebend in Andahuaylas ankamen. Ich konnte es die letzten zwei Stunden fast nicht mehr aushalten, da mir mein Magen mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte und mir schlecht war und es unangenehm zu brodeln schien. Ich wollte am liebsten rausspringen und ein Klo aufsuchen, aber so einfach ging das natürlich nicht und ich musste mich zusammenreißen. Hinzu kam noch, dass uns Ruth von unseren Plätzen geschmissen hatte und Carmen und ich nun auf der hinteren Bank sitzen mussten, für die wir 1. zu groß waren, weswegen die Kopflehne sehr unangenehm war und 2. konnte man die Sitze nicht nach hinten lehnen. Zwar hatten vier Sitze für uns beide, doch das änderte nichts daran, dass wir einfach keinen Halt fanden. Irgendwann gabelte unser Fahrer dann noch irgendeine Fremde auf, die unbedingt mitgenommen werden musste und sich natürlich genau zwischen uns platzierte. Super war das. Eine Stunde vor zu Hause wurde mir so übel, dass ich schnell um eine Tüte bot, die man mir auch schnell durchreichte, doch mein Bauch beruhigte sich zum Glück wieder. Meine Kolleginnen hatten gegen Reiseübelkeit ja ordentlich vorgesorgt und sich etliche Pillen eingeworfen. Manchen schlug die Fahrt trotzdem ziemlich auf den Magen… (gut, sie sind alle zugegeben sehr wehleidig und quengeln gerne und viel).

Angekommen, durften wir nicht einmal mehr ins Bad und mussten die Toilette unter freiem Himmel benutzen (dadurch wird man natürlich gar nicht krank, besonders wenn man schon angeschlagen ist…). Zu viel mehr waren wir nicht mehr im Stande und so schmissen wir uns direkt ins Bett und verzichteten auf ein Abendessen, da uns beiden der Sinn nicht nach Nahrungsaufnahme stand. 

Am Samstagmorgen wachte ich unangenehm früh auf, obwohl Wochenende war und ich gerne ausgeschlafen hätte. Aber wenigstens ging es mir wieder gut, nur mein Magen war immer noch verstimmt. Was die Grippe jedoch anging, fühlte ich mich kuriert und gut. Nicht mehr fiebrig, keine Schmerzen mehr und auch nicht mehr so schlimm schlapp. Zu früh ertönte ein spitzer Schrei, der uns zum Frühstück aufforderte. Wir beide wären durchaus lieber im Bett liegen geblieben anstatt trockenes Brot zu frühstücken. Außerdem graute es uns vor dem langen Tag der bei einem Anfang um 7 Uhr auf uns wartete. 

Am Morgen wusch ich Wäsche und machte mich dann auf den Weg in ein Internet-Café, um endlich mal wieder Zugang zu funktionierendem WLAN zu haben. Schließlich wollte ich möglichst zeitnah ein Hostel für Kanada buchen, da ich nun endlich auch einen Flug für den 09.01.18 habe! Vorher ohne die Daten konnte ich natürlich auch nichts weiteres buchen. Aber nachdem das mit dem Visum geklappt hatte, konnte ich mich nach Flügen erkundigen und habe zum Glück ein Angebot erhalten, das nur die Hälfte von dem gekostet hat, mit was ich eigentlich gedacht hatte rechnen zu müssen. Da habe ich natürlich direkt zugeschlagen. Nun habe ich auch noch die Übernachtungen in einem  wunderschönen, luxuriösen Hostel gebucht und freue mich schon riesig darauf, dort zu übernachten. Des Weiteren wollte ich mich über die Vorausbuchung von Machu Picchu informieren, doch das scheint sehr kompliziert und verwirrend zu sein dorthin zu kommen. Zu einem akzeptablen Preis kommt man da natürlich nicht hin, aber deswegen haben mich die Preisunterschiede umso mehr verwirrt, wenn das Angebot doch nahezu dasselbe schien. Sehr unübersichtlich das Ganze und so richtig verstehe ich das auch noch nicht, wie das mit der Buchung jetzt funktionieren soll. Man kann nämlich nicht einfach ein Ticket kaufen und zack, biste drin. So läuft das da nicht leider. Eigentlich wollte ich sich noch skypen, aber Skype gab es nur auf arabisch, was mir die Orientierung etwas erschwerte und es mir unmöglich machte, mich anzumelden. So habe ich also meine Zeit im Internet verbracht, weniger produktiv als erhofft, aber was soll’s. Bei einem Preis von 0,25 Cent pro Stunde ließ sich das gerade so verkraften, dass ich die angedachte Stunde um eine halbe verlängern musste. Carmen war auch irgendwann dazugestoßen und nachdem auch sie fast zeitgleich fertig war, zogen wir wieder ab. Zum Mittagessen holten wir uns eine Art Riesenkrokette an einem Straßenstand, die wir schön länger mal probieren wollte. Sah aus wie eine frittierte Kartoffel, war aber gefüllt mit allerlei Zeugs (leider auch Fleisch, das ich mühsam rauspopeln musste…) und schmeckte echt gut. Machte mich nur nicht satt. Am Vormittag hatte ich mir in einer Juguería einen Saft aus Ananas, Apfel, Orange und Karotte bestellt, doch was ich bekam war Karottensaft mit einem halben entsafteten Apfel und einem Stück Rote Beete. Ich glaube es war gut gemeint, entsprach aber nicht so direkt meinem Wunsch nach einem Fruchtsaft… 

Da ich noch Obst einkaufen wollte, entschlossen wir uns dazu, dies auf dem Markt in Andahuaylas zu erledigen und so fuhren wir in die Stadt und kauften dort bei deutlich mehr Auswahl als in den Tiendas ein. Ein kurzer Regenschauer verwandelte die ganze Feria in ein einziges Matschfeld und meine mühsam geputzten weißen Chuck sahen schlimmer aus als vor der Wäsche. 

Zuhause wollte ich sehr gerne duschen, da ich es zuvor ja verboten bekommen hatte und es jedoch mal wieder für nötig empfand, mich zu säubern. Als ich fragte, ob ich duschen dürfe, eröffnete Juana mir, dass die Dusche kaputt sei und ich mir deshalb einen großen Eimer schnappen und diesen mit Wasser füllen müsse. Jetzt gibt es also nichtmal mehr eine Dusche… Zu meiner Überraschung war die Wäsche aber angenehmer als gedacht, weil man genau wusste, wo das Wasser nun hingeht und man sich nicht so sehr über das kalte Wasser erschrak. Der Eimer plus kleinerer Eimer zum über sich drüber schütten war also gar nicht so eine üble Methode sich zu waschen, es gibt echt Schlimmeres. 

Den Nachmittag verbrachten wir nur entspannend zu Hause in unserem Zimmer, machten nichts besonderes mehr. Um 20 Uhr hatte uns immer noch niemand zum Abendessen gerufen und wir fragten uns, ob es noch was geben würde. In der Küche bekamen wir tatsächlich etwas Reis und Kartoffeln ab. 

Am Sonntag schliefen wir richtig lange, Carmen durfte die Waschmaschine benutzen und

eigentlich wollten wir nach Pacucha fahren, doch das Wetter hielt nicht und genau zur Mittagszeit als wir aufbrechen wollten, fing es an zu regnen und wollte auch nicht mehr wirklich aufhören. Mir ging es wieder richtig gut, außer dem Husten ist nichts mehr übrig geblieben von der Grippe. Das war der erste Tag, an dem ich mich wieder zurück unter den Lebenden gefühlt habe und fit war. Nach einem Mittagessen hatte der Regen leider immer noch nicht nachgelassen und der Ausflug nach Pacucha machte keinen Sinn. Wir überlegten ewig was wir stattdessen machen konnten. Viele Ideen hatten wir nicht, uns fiel nur Kind, Internet-Café oder zuhause ein und letzteres wollten wir gerne vermeiden. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass wir im Internet unser Deutschland-Projekt, das wir mit den Kindern machen wollten, anfangen konnten. Also suchten wir Bilder raus und druckten sie aus, gestalteten einen Test und nutzten die verbleibende Zeit mit unnötigen Gogglereien. 

Das Wochenende war viel zu schnell wieder vorbei, auch wenn ich praktisch 6 Tage nicht gearbeitet hatte. 

Emily

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