Machu Picchu buchen ist wirklich kompliziert...

Weil viele mich fragen wie es mir so geht, hier ein Update zu meiner nicht enden wollenden Krankheitsstory. Meinen Kopfschmerzen des vergangenen Sonntags half es sehr, einfach von mittags bis zum Montagmorgen durchzuschlafen. So konnte ich wieder zur Arbeit starten, denn es ging mir wieder gut. Ein bisschen schwach und langsam fühlte ich mich, aber das lag glaub eher an der unfreiwilligen Diät, die ich die letzten Tage eingelegt hatte. Mein Magen hat sich aber tatsächlich wieder vollständig erholt, dafür ist aus anfänglichem Hüsteln ein ordentlicher Husten geworden. Das ist aber verkraftbar. Also abgesehen davon geht es mir gerade ganz gut. :)

So, nun zu den Geschehnissen der letzten Woche. Gefühlt ist einiges passiert, denn die Woche war ziemlich stressig. Nicht wegen der Arbeit, sondern wegen allem, was drum herum passiert ist. Unsere Stunden im CEDIF verbrachten wir nämlich ab 13 Uhr nur wartend am Handy. Von Mittwoch bis Freitag gab es für die Kinder am Nachmittag mal wieder gar keine Betreuung. Auch Montag wurden sie eine halbe Stunde später nach Hause geschickt, da Liz’ Geburtstag gefeiert wurde. Von jedem Mitarbeiter wurde 1 Sol eingesammelt und Inka-Cola und Torte gekauft. Ihr wurden Glückwünsche ausgesprochen und gesungen, auch ein Geschenk gab es. Sogar die Kinder wollten am Vormittag unbedingt ein Geschenk für sie kaufen, total goldig. So bekam sie knallpinken Nagellack, ein kitschiges Armband und eine Kette mit passenden Ohrringen. Liz hatte ja sehr gut darauf geachtet, dass wirklich jeder von ihrem Geburtstag Bescheid weiß. Mich beschäftigte an diesem Tag viel mehr, dass das WLAN, das ich nach dem Wochenende im Nirgendwo so dringend brauchte, nicht funktionierte und sich auch keiner darum zu kümmern schien. Bis auf Montag, wo das WLAN nicht funktionierte, nutzten wir aufgrund des Mangels an Arbeit das Internet aus und verbrachten den ganzen Nachmittag an unseren Mobilfunkgeräten. Nur am Dienstag sollten wir eine halbe Stunde lang auf eine Gruppe aufpassen. Am Mittwoch konnte ich so endlich mit meinen Eltern telefonieren! Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Verbindung zustande kommt, aber es klappte richtig gut, wir hatten sogar Bild. Es tat mir unglaublich gut nach etlichen Wochen mal wieder mit Zuhause zu telefonieren. Unter anderem hatte sich nämlich das Problem ergeben, dass mein Laptop mir am Dienstag offenbarte, dass nur noch ca. 2 GB Speicherplatz übrig seien. Na super… denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen vollen Speicher, da ich ja noch lange nicht fertig bin mit Fotografieren. Also hab ich irgendwelche Filme gelöscht, die ich anscheinend drauf hatte, was mir 10 GB mehr Speicher verschaffte. So ein Mist ehrlich, jetzt muss ich mir hier noch eine Festplatte besorgen, wo ich dich überhaupt keine Ahnung von sowas habe… Am Donnerstag wollte ich mit Jasmin telefonieren, doch da klappte es mit der Verbindung lange nicht so gut. Leider waren uns nur einige Minuten vergönnt, danach brach die Verbindung immer wieder ab und meine Witze verhallten irgendwo zwischen Peru und Deutschland… So ein Müll. 

Naja, zurück dazu, warum die Woche so hektisch war. Dies rührte daher, dass unsere Kollegen plötzlich von einem unglaublichen Ehrgeiz gepackt wurden, was Fußball angeht. Sie verabreden sich ja des Öfteren mal Freitagnachmittag nach der Arbeit zu einer Partie, doch diese Woche sollten wir plötzlich mitkommen und sie wollte außer Donnerstag jeden Tag spielen gehen. Das war mir eindeutig zu viel. Am Montag war ich noch dabei, aber zugegeben, es machte mir nicht wirklich sonderlich viel Spaß. Die Peruaner können einfach nicht verlieren, was dazu führte, dass ordentlich gefoult wurde und besonders Ruth mit einer nicht unbedeutenden Aggression spielte. Regelmäßig schrie irgendwer vor Schmerzen auf oder lag auf dem Boden. Ich berührte so gut wie nie den Ball, was zum Einen daran lag, dass ich irgendwie immer am falschen Ort stand und zum Anderen daran, dass wenn er mal auf mich zuflog, ich den Ball trotz hochgerissenem Bein nicht traf. Einwurf wurde mir auch nicht zugetraut, stattdessen wurde immer geschrien, ich hätte den Ball noch berührt. War nicht der Fall, das hätte ich gewusst. Aber egal. Irgendwann verließ mich die Motivation und ich drehte mich nur noch verzweifelt im Kreis. Ich bin einfach nicht gemacht für diese Sportart. Bis ich reagiert habe ist die Chance schon lange wieder rum. Ich hörte immer nur immer ärgerlicher werdende Rufe mit: „Emily!!! Renn! Schieß!“ und so weiter. Am Ende gewann mein Team trotzdem, keine Ahnung wie, und ich war der Lacher des Tages. Wenigstens hatte ich unverletzt überlebt, die anderen kamen die ganze Woche entweder gar nicht mehr zur Arbeit oder klagten ständig über irgendwelche Schmerzen. Unglaublich wie wehleidig die sind. Die Miete des Platzes wurde nicht, wie zu vermuten wäre, gerecht unter allen aufgeteilt, nein, die Verlierer mussten jeder 3 Sollen zahlen, die Gewinner nur einen. Mein Glück, auch wenn ich nicht viel dazu beigetragen hatte. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich die nächsten Tage nicht schon wieder Lust auf dieses Massacker hatte. Am Dienstag hieß es, würden wir gegen ein anderes Team speilen. Carmen hatte auch nicht so große Lust und so schlichen wir uns nach der Arbeit heim. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine Zeit, denn ein Blogartikel war längst überfällig. Ich konnte mich so schon an manche Dinge nicht mehr erinnern. Zuerst dachten wir, wir wären dem Spiel entkommen, doch da hatten wir nicht mit unseren Kollegen gerechnet. Es kam tatsächlich noch ein Anruf von Liz, in dem sie meinte, wir sollen ganz schnell kommen. Zum Glück konnte ich sie abwimmeln, auch wenn sie etwas beleidigt wirkte. Am nächsten Tag erschein sie erst mittags auf der Arbeit, am Donnerstag gar nicht… Mittwoch ging Carmen tatsächlich wieder mit, ich entschuldigte mich, da ich mich dringend um meine baldige Reise nach Cuzco kümmern wollte. Ich habe nämlich nun die Bestätigung von Aprode bekommen, dass ich nicht zuerst nach Lima zurückkehren muss. Somit kann ich direkt losreisen. Mein erstes Ziel: Cuzco. Dafür buchte ich Machu Picchu (Yeahhh!!! Ich gehe nach Machu Picchu!) vor, meine Übernachtungen und die Züge, die mich dahinrinnen sollten. Die Stadt Auges Calientes, von wo man nach Machu Picchu startet, ist nämlich ausschließlich per Zug zu erreichen. Also verbrachte ich 1 1/2 Stunden im Internet-Café, da die Buchung alles andere als unkompliziert ist und die Planung der Abfolge der unzähligen Sehenswürdigkeiten rund um Cuzco eine logistische Meisterleistung ist. Dazu kommt, dass das erlaubte Gepäck im Zug 5 kg nicht überschreiten darf. Unglaublich, oder?! Jedenfalls dachte ich dann, dass ich alles zusammenhatte und war super glücklich. Ich müsste nur noch in Cuzco an einem Schalter meine Zugtickets abholen und pünktlich überall auftauchen. So einfach war es dann doch nicht wie sich herausstellen sollte. Zudem hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil ich innerhalb so kurzer Zeit, so viel Geld ausgegeben hatte! Das teuerste war mit Abstand die Zugfahrt und ich fühlte mich richtig schlecht. Auf der anderen Seite freue ich mich aber einfach riesig darauf! Ein bisschen Angst schwingt aber auch mit… Ich hoffe einfach, dass alles klappt. Ich weiß einfach nicht wie das so ist alleine rumzureisen.

Am Donnerstag stand dann ein Großputz unseres Zimmers an, ein Telefonat mit Jens, der auch mal Bescheid wissen wollte, wie es so aussieht und wann ich wieder bei ihnen reinschneie. Es ist einfach so unglaublich, was die alles für mich tun und bei ihnen kann ich mir zu 100% sicher sein, dass ich wirklich immer kommen kann und herzlich empfangen werde. So wurde ich auch zu Weihnachten eingeladen und quasi dazu gezwungen, das Fest mit ihnen zu verbringen, was mich wirklich unglaublich froh und glücklich macht. So muss ich Weihnachten nicht alleine verbringen. Immerhin kann ich schon keinen Adventskalender haben, bin an meinem Geburtstag alleine, mir steckt keiner was an Nikolaus in meine Schuhe, ich kann auf keinen Weihnachtsmarkt gehen und so weiter. Schon traurig irgendwie… Aber ich hab noch eine gute Nachricht am Donnerstag erhalten. Mein verschollen geglaubtes Paket ist bei Jens angekommen und wartet nun dort auf mich. Izzy ist schon ganz neugierig und möchte unbedingt das Päckchen öffnen. Anfangs war ich wegen der Einladung zu Weihnachten ein wenig unsicher, da ich mich nicht aufdrängen wollte. Immerhin kommt auch Jens Tochter Svenja aus Deutschland und ich werde dieses Familienfest total sprengen. Aber Jens und auch Milli versichern mir immer wieder, dass ich dort wie zu Hause bin und quasi zur Familie gehöre. Ich kann ihnen gar nicht genug danken. So habe ich zwar weniger Zeit zum Reisen, kann aber „nach Hause“ kommen nach so einer langen Reise. 

Am Freitag war dann ja theoretisch wieder Fußball angesagt, aber um 16 Uhr, als die Arbeit fast zu Ende war, hieß es, wir sollen alle nach Andahuaylas kommen um Chicha zu verteilen. Carmen und ich waren höchst unmotiviert, bekamen aber von den anderen die Anweisung, mit zu müssen. Dort angekommen sagte uns Reneé, dass wir nicht mithelfen müssten. Na super, hatte ich mir schon gedacht. Aber gut, so konnte ich mein Ticket nach Cuzco kaufen und Carmen ein Buch ergattern. 

Meine SIM-Karte hat diese Woche irgendwie rumgesponnen und es hat ständig Geld abgezogen und gesagt, mein Internet wäre alle, obwohl ich es gerade erst aufgeladen hatte und kaum benutzt hatte. Jetzt funktioniert es glaub wieder, hoffe ich zumindest. Die Trulla im Claro Laden konnte mir jedenfalls nicht weiterhelfen. 

Um 22:15 Uhr spielte am Freitagabend außerdem Peru gegen Neuseeland, was ein riesiges Event war. Schließlich geht es um die Qualifizierung zur WM in Russland. Bisher konnten sie ja nicht wirklich glänzen, was sich auch bei diesem Spiel nicht ändern sollte. Es ging 0:0 aus, womit die Chancen für Peru schwinden, denn es war das Auswärtsspiel und ich habe mir sagen lassen, dass Tore dort mehr zählen. Am Mittwoch spielen sie ein weiteres Mal, dieses Mal entscheidet sich wirklich, ob es für sie zur WM geht oder nicht. Wir haben das Spiel übrigens nicht gesehen, da es so spät war und wir keinen Fernseher ein unserem Zimmer haben und unsere Gastfamilie es bei sich im Zimmer ansah. Aber egal, mir war schlafen eh wichtiger. Und unser Fußballtreffen fiel aufgrund des Chichaverteilens auch aus. Mir war’s recht. 

So, jetzt versteht ihr vielleicht, weshalb meine Woche so stressig war. Jeden Tag war ich bis 17 Uhr auf der Arbeit (auch wenn es oft nichts zu tun gab) und jeden Tag war irgendein Programm danach, sodass ich den ganzen Tag auf Achse war. 

Juana habe ich dafür weniger gesehen, da sie die ganze Woche nicht auf Arbeit war und laut eigener Aussage auch nächste Woche noch Urlaub hat. Anscheinend plagen sie heftige Kopfschmerzen, weshalb sie die ganze Woche zu Hause blieb und nur bei ihrer Versicherung und irgendwelchen Ärzten war. Sie meinte, sie hätte noch nie Urlaub gehabt und jetzt würden sie sie dazu zwingen sich auszuruhen. Der Arzt meinte wohl, sie solle sich drei Monate ausruhen… Jedenfalls beklagt sie sich rund um die Uhr über ihre Kopfschmerzen und kam somit nicht auf die Arbeit. An Mittwochabend hat sie dafür wieder für meine Erheiterung gesorgt. Beim Abendessen erzählte ich von meinen getätigten Buchungen, woraufhin sie anfing zu erzählen, dass sie mich vermissen würde wenn ich weg wäre und wenn Carmen gehen würde wäre es noch schlimmer. Ich solle sie immer anrufen auf meiner Reise und ihre erzählen wo ich so bin. Am Besten sollte ich auch noch ihre Tochter in Cuzco besuchen und kennenlernen. Ich bin froh, wenn ich weg bin, da werde ich sie sicher nicht anrufen. Eher blockiere ich ihre Nummer. Also was sie da von sich gelassen hat war wirklich zum schießen… Als ob sie mich vermissen würde? Die ganzen drei Monate hat sie nicht interessiert was ich mache oder wie es mir geht und jetzt auf einmal soll ich sie immer anrufen, obwohl es sie gar nichts mehr angeht. Auch wenn sie im Moment wirklich nett ist und es echt gut erträglich ist hier. Manchmal würde ich sie echt gerne mögen, sie kann richtig liebevoll gucken. Aber bei dem was sie sich alles geleistet hat, ist das echt schwer. Ich hasse sie nicht, aber ich brauche sie nicht länger als nötig in meinem Leben. Man sagt ja immer, man soll sich von allen negativen Personen, die einem Kraft rauben, fern halten. Und sie war schon viel zu lange zu präsent. Trotzdem, in letzter Zeit war sie wirklich ganz nett, wir durften essen, duschen etc. und haben auch nicht ganz alles falsch gemacht. Dafür ist ihr Sohn umso schlimmer geworden. Der lügt, dass sich die Balken biegen. Nachdem wir ein paar Tage WLAN hatten und es praktisch 24/7 an war, wurde heute bei meinem Handy angezeigt, dass das Passwort geändert wurde. Als ich ihn darauf ansprach, war das WLAN sogar an und Carmen konnte es nutzen. Mir sagte er aber, es gäbe keines mehr und NEIN, das Passwort wurde nicht geändert. Als ich ihn nochmal darum bat mir das Passwort einzugeben, sagte er wieder es gäbe keins. Auf weiteres Nachfragen meinte er dann nur irgendwann, er wüsse es nicht, da sein Vater es geändert habe. So ein Pisser, ehrlich. Auch als Carmen und ich beim Frühstück saßen kam er irgendwann reingeschneit und schrie mich an: „Emily, du hast das ganze Brot aufgegessen!“ Dabei hatte ich gerade mal zwei gegessen, Carmen dagegen bestimmt vier. Aber ich wurde angemeckert. Er meint immer er wäre der Schlauste. Als Juana dann kam meinte sie nur, wir sollen neues kaufen gehen. Sie gab uns Geld und die Sache war erledigt. Ich weiß also ehrlich nicht was er hat. 

Samstagabend erzählte Juana uns irgendwelche Gruselgeschichten von der Freiwilligen vor uns, was sie für eine schlechte Gastmutter hatte und wie sehr sie geweint und gelitten hat. Ich glaube, sie wollte uns irgendwie sagen, dass wir es gut bei ihr haben. Aber ich weis einfach nicht, wie viel ich davon glauben kann. Außerdem hasse ich es mit der vorigen Freiwilligen verglichen zu werden. Aber sie wollte gar nicht mehr aufhören zu erzählen, eine Stunde hat sie geredet. Zudem meinte sie noch, dass sie alle am Freitag mit mir nach Cuzco fahren würden, da ihre Nichte dort ihren Abschluss vom Studium feiert. Aber da sie auch am Samstag nach Pampachiri wollten und es natürlich nicht gemacht haben, glaube ich nicht, dass es soweit kommt. Zwar müssen wir auch immer mehr im Haushalt übernehmen, sodass sie eigentlich kaum noch was macht, aber wenigstens trägt sie uns das in einem netteren Ton auf. Zu Küche putzen, kochen, einkaufen und Geschirr spülen kam jetzt auch noch ihre Wäsche auf- und abhängen und Bad putzen. Aber in einer Woche wird sie mal merken, was ich alles für sie gemacht habe. Sie macht praktisch gar nichts mehr außer uns herumzukommandieren und ständig irgendwo hin zu fahren. Andahuaylas, sagt sie immer. Es ist zudem wirklich UNGLAUBLICH wie viel Wäsche diese Familie produziert. Die wäscht jeden Tag so viel Wäsche, das können die drei theoretisch gar nicht alleine schmutzig machen. Aber es hört nicht auf. 

Eine Sache hat mich wieder geärgert diese Woche. Denn sie meinte so: „Stimmt’s, wir haben noch nie Sachen von euch angefasst?“ und hat mit einem „Nein, natürlich nicht!“ genau die Antwort erhalten, die sie hören wollte. Dabei hat sie doch erst Mitte der Woche einfach unsere halbe Ananas gegessen, die Carmen und ich gekauft haben und im Kühlschrank gelagert hatten. Kein Wort darüber, kein Fragen. Ich wollte sie eigentlich unbedingt darauf ansprechen, weil ich es unmöglich finde, aber ich habe mich dann doch nicht getraut. 

Viele fragen auch wie es so mit Gabriele ist, der neuen Freiwilligen. Ein paar Eckdaten: sie ist 57 Jahre alt, ebenfalls Vegetarierin, laktoseintolerant, verträgt kein Weizen, bleibt vier Wochen, spricht kein Spanisch und ist Geologin, die sich ein Jahr Urlaub gönnt. Zudem ist sie eine sehr komplizierte Persönlichkeit. Sie lebt bei einer anderen Gastfamilie, was ich ja glaube ich schon erzählt hatte. Da sie kein Spanisch spricht ist die Kommunikation mit den Kindern etwas schwierig, aber trotzdem will sie ihnen die ganze Zeit Deutsch beibringen, anstatt ihnen englische Wörter zu zeigen… Sie ist also nicht wirklich eine Hilfe, Donnerstag und Freitag war sie auch schon krank und somit gar nicht auf der Arbeit. Samstag war sie trotzdem in Sondor, übrigens ohne uns zu fragen, ob wir vielleicht mitwollen. (Fand ich ein bisschen mies, wir haben sie schließlich auch direkt mit nach Pampachiri genommen.) Generell redet sie auch den ganzen Tag ziemlich viel und glaubt alles besser zu wissen. Deswegen gab es am Mittwoch auch schon eine kleine Auseinandersetzung mit ihr. Sie ist so eine Person, die was Essen angeht sehr kompliziert ist und in ein Restaurant spaziert und nicht etwas von der Karte aussucht, sondern erstmal zum Koch läuft und dem ihren Wunsch aufdrückt. Irgendwas ohne alles. Reis isst sie nämlich auch nicht, was das Essen in Peru etwas schwierig macht. Im CEDIF wird halt nicht extra für uns zwei Vegetarier gekocht, da gibt es halt einfach das, was es gibt. Wenn das Fleisch extra ist, lassen die Köchinnen es schon immer weg. Wenn es halt im Eintopf drin ist, dann muss man es halt rauspopeln. Sie findet das aber nicht in Ordnung und hätte gerne, dass sie für sie etwas ohne Fleisch zubereiten. Ihr Argument war, weil man das Fleisch ja sonst wegschmeißen müsse. Dabei interessiert es sie auch überhaupt nicht, dass sie jeden Mittag ihren kompletten Reis wegschmeißt und morgens nie ihr Brötchen isst, anstatt einfach zu sagen, dass sie weniger oder das gar nicht haben will. Sowas nervt mich. Man kann doch nicht erwarten, dass sich alle einem anpassen, wenn man in eine Einrichtung kommt, wo hunderte von Leuten bekocht werden und zudem noch alle Allesesser sind. 

Naja, jedenfalls gibt es im CEDIF die bescheuerte Regel, dass alle Kinder aufessen müssen. Am Mittwoch hatte Betza, eines der Kinder, alles gegessen, nur die paar Erbsen und Karotten übrig gelassen. Deshalb sagte ich ihr, sie solle auch das Gemüse essen, sie wüsse, dass das nicht ginge. Sie weigerte sich aber strikt und keine Methode half. Gabriele sah uns nur zu und ging einfach irgendwann. Als sie weg war, fing Betza an zu weinen und meinte, ihr würde das Essen schmecken, sie möge nur nicht essen. Ihre Mutter würde sie schlagen, wenn sie Gemüse isst. Nachdem wir sie beruhigen konnten und ihr versicherten, dass ihr hier nichts passieren würde, aß sie ganz von alleine ihr Gemüse… Gabriele bekam das alles ja nicht mehr mit. Später kam sie zu uns und meinte, sie fände es sehr hart, wie wir mit ihr umgegangen wären und ob man uns auch so erzogen hätte. Und dann meinte sie doch tatsächlich: „Genau mit so einem Verhalten zieht man magersüchtige Kinder groß.“, fände sie nicht gut und ging. Mir blieb der Mund offen stehen. 1. wie konnte sie sich anmaßen über unser Verhalten zu urteilen, wenn sie doch selbst gar nichts machte; 2. sie war nicht bis zum Ende da und hat gar nicht alles mitbekommen; 3. weiß sie nicht, wie es im CEDIF abläuft und wir die Kinder unter anderem deshalb zum Aufessen bringen wollen, damit sie keinen Riesenärger von Frida oder sonst wem bekommen und 4. WTF? Wir erziehen magersüchtige Kinder??? Ist die dumm? Das hat mich echt gewurmt. 

In der Mittagspause habe ich wie beschrieben eben mit meinem Eltern telefoniert und musste natürlich erstmal in ein riesiges Fettnäpfchen treten. Ganz zum Schluss von unserem Gespräch kamen wir auch Gabriele und ich erzählte meiner Mutter schockiert von dem Vorfall, ohne zu wissen, dass Gabriele mich beim Telefonieren belauschte. Meine Mutter meinte dann am Telefon irgendwas davon wie alt sie sei und dass sie eben so ein Öko sei. Ich sagte dann, ich könne nicht über sie reden, weil ich nicht wüsse, ob sie mich hört oder gleich um die Ecke kommt. Da schoss sie an, verabschiedete sich und ging einfach mit den Worten: „Ich bin übrigens diese Gabriele.“. Sie grinste in mein Handy zu meinen Eltern und zischte davon. Mir war das so unglaublich peinlich und unangenehm, das kann man sich gar nicht vorstellen! Warum muss auch immer mir sowas passieren? Ich hab mich so über mich selber geärgert, aber auch über Gabriele, die diese Situation durch ihre dumme Aussage am Mittag ja irgendwie provoziert hatte. Jedenfalls war es mir so unangenehm und ich bereute so sehr was ich gesagt hatte, dass ich ihr auf WhatsApp schrieb und mich entschuldigte. Lange kam keine Antwort, doch irgendwann meinte sie, wir würden am nächsten Tag nochmal drüber reden. Aber da war sie ja krank und so kam es nie dazu. Ich wusste nur nicht, wie sie mit der Situation umgehen würde und ob sie es wie eine erwachsene Person nehmen könne. Erst schien es so, doch am Freitag schickte sie mir zuerst ein Bild mit dem Spruch: „Was den einen nährt, bringt den anderen um.“, den ich schon nicht ganz in dem Zusammenhang verstand und auch nicht wusste, was ich darauf antworten solle. Kurze Zeit später kam dann noch hinterher: „Die waren den meisten von uns schon um Einiges voraus.“ OHA! Was soll das denn heißen? Ich habe nicht darauf geantwortet… 

Soviel zu Gabriele und meinen Erlebnissen mit ihr… So ein Mist ey. Ich hab mich richtig über mich selbst geärgert. Naja, kann man jetzt auch nicht mehr rückgängig machen, aber in einer Woche muss ich sie nie wieder sehen. 

Ja, nur noch eine Woche!!! Bzw. jetzt wenn der Artikel online geht sogar nur noch viel weniger als eine Woche und die drei Monate sind schon rum. Ich kann dann endlich anfangen zu reisen und muss mich nie wieder über Juana oder Aprode ärgern. Die nerven mich nämlich so dermaßen, das könnt ihr mir gar nicht glauben. Eigentlich stand dieser Sonntag, der 12.11., schon ewig als Datum für die Alpakaadotion fest. Edwin hatte diese organisiert und uns ganzen Freiwilligen versprochen, an diesem Tag nach Huancabamba zu fahren, um dort jeder einzelne Pate von einem Baby-Alpaka zu werden. Mit Urkunde und allem drum und dran. Wir hätten sie taufen dürfen, wären auf dem Laufenden gehalten worden, wie es sich so entwickelt und hätten mach seiner ersten Schur ein Kleidungsstück aus seiner Wolle bekommen. Wir haben uns alle riesig darauf gefreut und ich war richtig froh, gerade noch dabei sein zu können. Mitte der Woche fragten dann mehrere von uns, wann er kommen würde und so weiter. Keiner erhielt jemals eine Antwort. Am Samstag eröffnete er uns dann, dass er nicht kommen würde und die Adoption verschoben werden würde. Ich war nicht nur sauer und enttäuscht sondern auch richtig traurig, weil ich somit nicht dabei sein werde, obwohl er es mir versprochen hatte und ich mich echt gefreut hatte. Aber er hat mir auch versprochen eine neue Gastfamilie zu finden… Diese blöde Organisation macht einfach nicht ihren Job und kümmert sich überhaupt nicht um uns. Deswegen bin ich auch noch nicht sicher, ob ich zum Abschlussseminar erscheinen werde. Wenn es mir nicht in meinen Zeitplan passt, dann gar nicht. Wenn die sich nicht an Vereinbarungen halten, sehe ich nicht ein warum ich das tun sollte. Ich kann nur jeden vor VoluNation und Aprode Peru warnen! Beides sind Halunken. Und Edwin ist der Größte. Er redet viel, tut nichts, verspricht alles, hält nichts. 

Den extra freigehaltenen Sonntag verbrachten Carmen und ich, da es regnete und zum Chillen einlud, lange im Bett und dann auch nur entspannend zu Hause. 

Am Samstag dagegen konnte ich richtig viel erledigen. Zuerst wuschen wir Tonnen von Wäsche. Ich checkte nochmal meine Unterlagen für Cuzco und wunderte mich, warum immer noch nicht das Geld für Machu Picchu abgebucht wurde. Auf meinem Ausdruck stand nämlich, dass die Zahlung innerhalb von 3 Stunden erfolgen müsse, sonst würde die Reservierung verfallen. Ich dachte halt, über die Kreditkarte würde es automatisch abgebucht werden. Wurde es aber nicht. Also rief ich dort an und die Frau sprach Englisch mit mir, was mich komplett überforderte. Ich bin so an das Spanische gewöhnt, mir fallen so spontan gar keine englischen Wörter ein. Alles in meinem Kopf war durcheinander. Jedenfalls konnte sie mir sagen, dass meine Reservierung tatsächlich verfallen war und ich es nochmal machen müsse oder ich könne meinen Eintritt auch noch einen Tag vorher in Cuzco kaufen. Das war mir aber eindeutig zu riskant. Ich war richtig niedergeschlagen… Es ist wirklich sehr kompliziert mit dieser Machu Picchu Buchung. Ich glaube sie wollen gar nicht, dass man kommt. Gegen 12 Uhr waren wir dann auf der Bank um unsere großen Scheine in kleine wechseln zu lassen und ich stellte fest, dass sie noch eine ganze Stunde offen hatte. Also ergriff ich die Chance, zog Carmen in das gegenüberliegende Internet-Café und machte erneut eine Reservierung. Diesmal wusste ich dank der Dame am Telefon, dass ich die Rechnung innerhalb von drei Stunden bezahlen musste und das am besten bei der Banco de la Nación machte und nicht per Kreditkarte, weil sie da wohl sehr zimperlich seien. Also sprintete ich mit meiner neuen Reservierung zurück zur Bank und bezahlte dort direkt meine Rechnung in bar. Die Frau am Schalter blickte mich mit großen Augen an und ich dachte schon, sie sagt mir, es ist nicht möglich dort zu bezahlen. Sie sah aus als hätte sie das noch nie gemacht und keine Ahnung. Nach einem kurzen Telefonat ging es dann doch und ich konnte zurück im Internet-Café mein schlussendliches Ticket ausdrucken. So hatte mich das Ganze weniger als eine Viertelstunde gekostet, aber wenn man nicht weiß, wie es funktioniert, ist es fast unmöglich an sein Ticket zu kommen. Ich war heilfroh und erleichtert, dass ich dort überhaupt angerufen hatte und herausgefunden hatte, dass meine Reservierung verfallen war. Sonst wäre ich ohne ein Ticket dagestanden… 

Danach war ich auf jeden Fall sehr glücklich und erleichtert. Wir fuhren am Nachmittag nach Andahuaylas und ich besorgte einige Geschenke zum Abschluss. Für Liz Lidschatten, für Anghelo einen Fidget Spinner, da er auf sinnlose Spielzeuge steht, für Juana einen Schlüsselanhänger mit irgendeinem Christusspruch und Schaumküsse und für die Kinder Lollis mit Leuchtstab. Die aus Kressbronn mitgebrachten Karten habe ich auch schon geschrieben, jetzt kann ich mich verabschieden. Danach waren wir noch im Kino und haben uns „How to be Single“ auf Spanisch angeschaut. Überraschenderweise war er echt relativ schwer zu verstehen im Vergleich zu „Pitch Perfect“ und „Colonia Dignidad“. War aber trotzdem gut, ich mag das Kino hier. 

Ich habe im Moment riesigen Spaß daran zu planen und zu überlegen, was ich machen möchte, wenn ich im Januar wiederkomme. Es gibt so viele Dinge, die ich im Moment vermisse… Diese Woche hatte ich aufgrund des ganzen Rumsitzens ziemlich Heimweh, aber mir hilft es zu überlegen, was ich alles vorhabe. Dazu gehören natürlich meine Freunde wiedersehen und so banale Dinge wie einkaufen mit Mama, aber auch einige neue Filme anzusehen, Klamotten shoppen, Praktikum machen, und so weiter. Zudem glaube ich endlich zu wissen, was ich studieren möchte. Der Studiengang heißt Internationale Beziehungen und verbindet alles, was mich interessiert und klingt einfach perfekt! Ich bin absolut begeistert. Außerdem kann man damit genau die Berufe machen, die ich mir vorgestellt habe. Es ist an keiner Privatuni, perfekt! Mein Traumstudium glaube ich also endlich gefunden zu haben, was die Vorfreude irgendwie noch größer macht. 

Jetzt bin ich aber trotz einiger Bammel erstmal gespannt auf meine Reise durch Peru und freue mich riesig, die Sehenswürdigkeiten, die ich bisher nur von Bildern kenne, endlich in echt anschauen zu können! Fünf Wochen habe ich Zeit bis Weihnachen. Ich hoffe das reicht…

Morgen geht’s also los, die letzten fünf Tage brechen an. Ich kann es gar nicht glauben, es ging so unglaublich schnell rum. In einem Monat habe ich Geburtstag!!! Und dann ist bald das Jahr vorbei, krass! 

Traurig, dass die Zeit hier schon vorbei ist, bin ich auf jeden Fall nicht, denn die Arbeit mit Kindern ist einfach nichts für mich habe ich festgestellt. Sie können zwar manchmal echt süß sein, aber meistens gehen sie mir eher auf die Nerven und regen mich auf, weil sie mich weder ernst nehmen, noch auf mich hören noch motiviert sind. Ich könnte einfach ausarten wenn sie sich nicht  bemühen oder sich dumm stellen und ich ihnen ihre Hausaufgaben quasi diktieren muss und sie es trotzdem falsch aufschreiben. Oder wenn sie mich nur auslachen, ignorieren oder anlügen. Es macht einfach keinen Spaß und ich bin, so leid es mir tut, echt jeden Tag unmotiviert und hab gar keine Lust auf die vier Stunden mit den Kindern am Vormittag. Sie sind einfach nur rotzfrech und hören überhaupt nicht auf das, was Carmen und ich sagen. Ich hab mir die Arbeit mit ihnen irgendwie auch anders vorgestellt, aber leider hat es mir nicht so großen Spaß gemacht und ich bin froh, wenn mein letzter Arbeitstag vorbei ist. 

Emily 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ate (Donnerstag, 16 November 2017 21:45)

    Liebe Emily,
    Du kannst so stolz auf Dich sein, wie Du die Zeit bisher gemeistert hast.
    Ich wünsche Dir eine total schöne und aufregende Zeit beim Bereisen der vielen Sehenswürdigkeiten. Ich freue mich schon auf Deine weiteren Berichte.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Vergnügen und alles Gute.
    Alles Liebe, Deine Ate