Meine Reise hat begonnen!

Oh je, jetzt hab ich seit fast zwei Wochen nicht mehr geschrieben und es ist so viel passiert, dass ich es noch gar nicht alles verarbeiten konnte… Seit einer Woche bin ich jetzt schon unterwegs in und um Cuzco! Ja, richtig gehört. Ich habe es ENDLICH geschafft und habe die drei Monate in Andahuaylas hinter mich gebracht - erfolgreich. Ich habe trotz Verzweiflung und fehlender Motivation bis zum Ende durchgehalten. Tatsächlich fiel mir der Abschied sogar ein bisschen schwer am Ende und ich war zugegeben schon ein wenig traurig. Aber über meine letzte Woche kommt noch ein Artikel, jetzt möchte ich euch doch erstmal von all meinen Erlebnissen in den vergangenen sieben Tagen erzählen. 

Am Freitag, dem 17.11., meinem letzten Arbeitstag, habe ich mich abends um 20 Uhr direkt in den Bus gesetzt und auf den Weg nach Cuzco gemacht. Von der Busfahrt hatte ich nicht viel erwartet, doch ich hatte einen Platz ganz hinten gebucht und konnte somit meinen Sitz ganz nach hinten lehnen, hatte richtig viel Beinfreiheit und auch die Temperatur war angenehm. So lässt es sich wirklich gut reisen. In Cuzco hatte ich mir auch schon im Voraus die ersten beiden Übernachtungen organisiert, sodass ich nach meiner Ankunft am frühen Morgen sofort meinen Rucksack irgendwo abstellen konnte, mich noch ein bisschen aufs Ohr legen konnte und ein Frühstück serviert bekam. Da die Fahrt unerwartet angenehm war und ich erstaunlicherweise überhaupt nicht müde war, zog ich direkt um 8 Uhr morgens los in Richtung Zentrum, das zum Glück nur ein paar Blöcke von meinem Hostel entfernt liegt. Zuerst kümmerte ich mich um die Abholung meiner Zugtickets nach Machu Picchu und zurück und einen Stadtplan, da ich komplett planlos durch die Straßen lief und zudem keine Ahnung hatte, was man sich alles ansehen kann. Doch auch der hilf mir nicht sonderlich weiter, da die Öffnungszeiten so oder so immer falsch sind und ich ständig vor verschlossenen Museen und Kirchen stand. Zu den Orten, für die man das Touristenticket braucht, wollte ich auch noch nicht gehen, weil ich mir das erst später organisieren wollte. Also lief ich kreuz und quer durch die Straßen, besichtigte die Kirche San Francisco, von dessen Dach man einen sagenhaftem Blick auf die Stadt hat. Das Wetter war wirklich sagenhaft, die Sonne schien und die Temperaturen waren angenehm. Zumindest am Vormittag… Am Nachmittag war ich Museum von Machu Picchu, der Casa Concha, und danach im Museum der Kirche Santa Catalina. Als ich gerade dabei war mir dieses anzusehen, hörte ich schon, wie es anfing zu regnen und es immer lauter auf das Dach prasselte. Aber ich dachte mir nichts dabei, denn ich hatte so oder so mit Regen gerechnet und meistens hören die Schauer ja auch nach kurzer Zeit wieder auf. Auch als das Wasser die Wände runterlief und mir hin und wieder ein Tropfen auf den Kopf fiel, machte ich mir nichts aus der Sache. Doch als ich das Museum verlassen wollte, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es schneite!!! Bzw. hagelte und regnete es, irgendwie alles gleichzeitig. Jedenfalls war das kein gewöhnlicher Regen, es kam runter wie als würde man Eimer mit Wasser ausleeren. Ich konnte das Museum also nicht verlassen. Die Straßen waren leer, keine Menschen und keine Fahrzeuge waren zu sehen. Es war wirklich heftig. Dazu donnerte es wie bescheuert und ich bekam wirklich ein wenig Angst, obwohl mir Gewitter wirklich nichts ausmachen. Aber ihr habt noch nie einen Donner in Peru gehört! Die sind so laut, dass man unwillkürlich zusammenzuckt. Da es in diesem Land leider auch keine Gullis oder ähnliches gibt, sodass die Wassermengen abfließen können, war alles innerhalb kürzester Zeit überschwemmt - und zwar wirklich. Das Wasser stand knöcheltief auf den Straßen und es hörte gar nicht mehr auf zu regnen, die Straßen waren weiß. So etwas hatte es anscheinend in Cuzco noch nie bzw. schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. So sagte man mir zumindest. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, wagte ich es nach draußen und kehrte so schnell wie möglich ins Hostel zurück. Machen konnte man so oder so nichts mehr. Bis ich dort war, war ich trotz Schirm klatschnass und unglücklicherweise war auch mein Zimmer überflutet… Mein Rucksack, den ich auf dem Boden gelassen hatte, war durchnässt und das Wasser stand auch hier ordentlich hoch. Die liebenswürdige Herbergenbesitzerin machte sich also daran, das Wasser mithilfe von einem Besen und einer Kehrschaufel Stück für Stück aus dem Zimmer zu schaffen. Das trocknete meinen Rucksack zwar nicht, aber wenigstens konnte ich wieder in meinem Zimmer herumlaufen. Obwohl ich einen Schlafsaal bezahle, war ich alleine im Zimmer und ich konnte meine Sachen auf den anderen zwei Betten zum Trocknen auslegen. Am nächsten Tag waren diese auch wieder einigermaßen trocken. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich also in meinem Zimmer und las, was Besseres fiel mir nicht ein, da auch das WLAN nicht zu funktionieren schien. Wenigstens konnte ich am Morgen eine heiße Dusche nehmen, denn die war reichlich überfällig… Anscheinend war ich aber doch müder als gedacht und schlief irgendwann über meinem E-Book ein und wachte erst um 21:37 Uhr wieder auf, völlig verwirrt, zog mich um, putzte Zähne und legte mich wieder hin. Komischerweise habe ich bisher in keiner der Nächte, in der ich jetzt nicht in Andahuaylas übernachtet habe, länger als 5 Uhr schlafen können. Ich habe wirklich wenig Schlaf abbekommen, aber meine Müdigkeit hält sich immer noch in Grenzen. Teilweise lag es natürlich daran, dass ich so früh aufstehen MUSSTE, aber auch wenn ich eigentlich länger liegen bleiben könnte, wache ich immer super früh auf. So also auch am Sonntag, weshalb ein langer Tag vor mir lag. Ich frühstückte in Ruhe und dachte, ich komme früh los. Doch dann traf ich einfach die anderen aus Abancay, die gerade beim Frühstück saßen und an diesem Wochenende auch in Cuzco waren. Es war echt witzig sie hier zu treffen und ich habe mich echt gefreut, sie noch einmal zu sehen. Denn eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, sie alle bei der Alpaka-Adoption ein letztes Mal wiederzutreffend, doch da diese ja ausfiel, haben wir uns so trotzdem nochmal gesehen. Wir haben ein bisschen geredet und uns dann alle auf den Weg gemacht. Am Sonntag ging ich etwas zielstrebiger los, besichtigte zuerst die Jesuitenkirche La Compañia, danach die Kathedrale und die Kirche La Merced, in der gerade Messe war und man sich so hereinschmuggeln konnte. Studenten erhalten hier immer krasse Rabatte und wo immer es geht, behaupte ich einfach, ich sei Studentin und manchmal kann ich mir so die Hälfte des Preises sparen, aber manchmal wollen sie auch deinen Studentenausweis sehen. Ich probier es aber immer, manchmal klappt es. Für die Kathedrale habe ich mir so ein Kombi-Ticket für vier Kirchen geholt, da das im Vergleich viel billiger war und so besuchte ich alle vier an diesem Tag. Darin enthalten waren eben die Kathedrale, die aus der Triumphkirche, der Sagrada Familia und der eigentlichen Kathedrale besteht, die Kirche San Cristobal, San Blas und der Palacio Arzobispal. Auf dem Weg zur Iglesia de San Cristobal kam ich gerade nach einem ziemlich anstrengenden Aufstieg an einem großartigen Aussichtspunkt an und wurde von einem Typen von der Seite angequatscht, den ich gar nicht wahrgenommen hatte. Er meinte: „Nice Sweater.“, ich verstand aber: „Nice weather.“ und so fing ich an über das tolle Wetter zu schwärmen, bis er meinte, er meine meinen Pulli… So fing dann unser Gespräch an und wir unterhielten uns echt gut. Er hieß Connor, kommt aus Seattle und reist für ein paar Monate durch Südamerika. Er war mir echt sympathisch und wir redeten so lange, bis seine Bekannten auftauchten, auf die er eigentlich schon die ganze Zeit gewartet hatte und von denen er dachte, sie hätten ihn versetzt. Er fragte mich, ob ich mit ihnen mitfahren wolle, sie würden ein paar coole Orte besuchen und um 18 Uhr wieder zurück sein. Doch da ich am nächsten Tag früh in Richtung Machu Picchu aufbrechen würde, wollte ich nicht zu spät zurückkehren und den peruanischen Zeitangaben darf man einfach nie trauen. So lehnte ich schweren Herzens ab, denn ich fand es echt schade. Aber das Ganze war mir einfach zu unsicher. Also lief ich weiter den Berg hinauf, bis zu der Kirche, bei der ich die nächsten kennenlernte. Ein supernettes Pärchen aus Zürich, mit dem ich mich auch bestimmt eine Stunde unterhielt. Sie sind bis nächsten Sommer auf Weltreise, haben in Kuba gestartet und sind nun in Peru. Er, Spanier und Koch von Beruf, und sie, Helena, hatten lustigerweise ebenfalls ihr Ticket für Machu Picchu am Dienstagvormittag und so verabschiedeten wir uns mit dem Wissen, uns dort auf jeden Fall wiederzusehen. Das Wetter hielt an diesem Tag zum Glück und es war echt warm und schön sonnig. Am Abend organisierte ich alles für meinen Vier-Tages-Trip ins Heilige Tal der Inkas und quatschte mit den anderen in meinem Hostel. Ich dachte ja, da es so billig ist, wären viel mehr Backpacker in meinem Alter dort, doch bisher sind alle viel älter und ich habe auch überall anders eigentlich noch niemanden in meinem Alter getroffen. Es waren ziemlich viele coole Leute da, ich habe das Gefühl, ich begegne nur Menschen, die Monate oder Jahre unterwegs sind und schon die halbe Welt gesehen haben. Entweder sie sind auf Weltreise oder durch ganz Südamerika unterwegs und wie gesagt alle älter. Aber es gibt mehrere Frauen, die alleine sind, auch wenn man mich immer mit großen Augen anschaut. Es ist zudem total verwirrend auf einmal wieder so viel Englisch zu sprechen, da ich total im Spanischen drin bin und jetzt aber Leute aus der ganzen Welt treffe, weshalb eigentlich immer Englisch gesprochen wird. Am Anfang waren im Hostel einige Motorräder im Innenhof abgestellt und das eine war über und über mit Flaggen beklebt. Der Fahrer kommt aus dem Swaziland, seine Freundin aus Südafrika, sie leben in London und sind schon seit 1 Jahr und 4 Monaten mit dem Motorrad durch Süd- und Mittelamerika unterwegs, haben alle Länder und die coolsten Orte gesehen. Aber sie waren auch schon gefühlt überall anders. Also richtig krass und mega interessant mit denen zu reden, sie waren auch richtig nett. Die Anderen waren auch total offen und so hat man immer mit irgendwem Smalltalk gehalten. 

Am Montag ging es dann früh los, um 6:20 Uhr stand mein Taxi vor der Tür, um mich nach Poroy zum Zug zu bringen. In diesem Luxuszug hatte ich anfangs einen Vierer für mich und so konnte ich mich ausbreiten. Im Vierer neben mir saßen zwei Pärchen, die sich direkt angeregt zu unterhalten anfingen. Irgendwann warf ich mal einen Kommentar rein und so wurde ich ab und zu Teilnehmer der Gesprächsrunde und hörte ihnen eigentlich die ganze Zeit zu, was echt unterhaltsam und interessant war. Das eine Pärchen bestand aus einer Brasilianerin und ihrem neuseeländischen Freund, das andere aus einer Kalifornierin und einem indisch aussehenden Mann, der für Apple arbeitet. Also sehr spannende Kombi! Ebenfalls sehr freundlich und so war es nicht langweilig. Zudem war die Landschaft, durch die wir fuhren, unglaublich schön und veränderte sich ständig. Nachdem wir Ollantaytambo passiert hatten und die drei freien Plätze mit zwei schon etwas betagteren New Yorkerinnen inklusive Guide besetzt wurden, kamen wir irgendwann in den Regenwald. Die Berge ragten fast senkrecht neben den Gleisen nach oben, doch so genau war es nicht zu erkennen, da die Pflanzen alles komplett überwucherten. War ich froh, dass ich im Zug saß und nicht lief… So einen Vier-Tages-Trek würde ich nie überstehen. Man kann die Landschaft gar nicht wirklich in Worte fassen, aber es war wunderschön und auf jeden Fall absolut sein Geld wert! In Aguas Calientes angekommen war es, zu meiner Überraschung, warm und schwül, doch nach kurzer Überlegung ja nur logisch. Wir waren ja schließlich im Regenwald… Dort legte ich meine Sachen in meinem Hostel ab, das mir eher wie ein Hotel vorkam. Der Besitzer war sehr freundlich und schien sehr glücklich, mal mit jemandem Spanisch sprechen zu können. Ich hatte ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und sogar einer BADEWANNE!!! OMG! Ich konnte es nicht glauben, so ein Luxus. Nachdem ich mich gestärkt hatte spazierte ich einmal durch das Dörfchen und traf wieder das Pärchen aus der Schweiz. Es gibt nicht wirklich viel zu sehen in Aguas Calientes, aber das machte nichts. Ich nutzte das WLAN im Hostel, telefonierte eine Runde mit zu Hause und nahm ein warmes Bad, wie geil! 

Die Landschaft und die Natur ist so faszinierend, dass dieser Ort eigentlich ein Schandfleck ist und überhaupt nicht da reinpasst. Wisst ihr was ich meine? Senkrecht nach oben schießende Berge, dessen Gipfel so weit oben in den Wolken sind, dass man seinen Kopf Richtig in den Nacken legen muss um sie zu sehen und dann mittendrin im Tal, wo eigentlich Regenwald sein sollte, so ein doofer touristischer Ort. Zum Glück habe ich mittlerweile ein Händchen dafür entwickelt, wenigstens den Touri-Restaurants aus dem Weg zu gehen. Ich finde immer ein Restaurant mit Einheimischen, in denen ein Mittagsmenü 5-10 Soles kostet (also 1,25€-2,50€). Nur ein einziges Mal wurde ich abgezockt… arghhh! 

Am Dienstag klingelte mein Wecker um 3:30 Uhr, da ich mich direkt um 4 Uhr in die Schlange für den ersten Bus Richtung Machu Picchu einreihen wollte. Ein Glück habe ich das gemacht! Ich war auch wie gesagt gar nicht müde, nur unfähig zu realisieren, dass ich tatsächlich in wenigen Augenblicken in Machu Picchu sein würde. Gott sei Dank habe ich die 24$ investiert und bin da hoch gefahren… Die, die gelaufen sind, kamen völlig fertig und verschwitzt dort oben an. Mir hat das Laufen in der Zeit von 6-12 Uhr schon gereicht. Am frühen Morgen war es unglaublich neblig und man hat kaum die Hand vor Augen gesehen. Nach einer Stunde des Herumirrens hab ich mich also einer Gruppe mit Guide angeschlossen und meinen Rucksack abgegeben, der war einfach viel zu schwer. Die Führerin war wirklich klasse und während wir uns alles ansahen und es erklärt bekamen, klärte der Himmel auf und es wurde beinahe unerträglich heiß. Die ganzen Treppen waren so schon anstrengend. Die Gruppe war auch ganz lustig, sie bestand aus zwei Franzosen und einer Familie aus Kanada mit zwei kleinen Kindern, die für ein Jahr durch Amerika reisen und zwei Peruanern. Bunt gemischt, aber sehr interessant, die Frau hat alles super erklärt und auch gut verständliches Spanisch gesprochen. 

Danach blieb noch genug Zeit um alleine herumzulaufen und die typischen Panoramafotos zu schießen. Es war einfach so eine unglaublich geniale Sicht! Wenn ich meine Bilder anschaue, kann ich nicht glauben, dass ich sie gemacht habe. Sie sehen aus wie aus dem Internet und selbst als ich da war, musste ich mir immer wieder bewusst machen, dass ich tatsächlich dort war. Mir kamen die Tränen vor Glück als ich es ansatzweise begann zu realisieren. Dieses ganze Erlebnis lässt sich für mich einfach nicht in Worte fassen, es war unbeschreiblich! Ich war danach so glücklich, es war wirklich perfekt und etwas ganz Besonderes, das ich nie vergessen werde. Kein Bild kann einfangen, was man in dem Moment, wenn man wirklich dort ist, fühlt. Die Wirkung ist einfach so anders, so intensiv! 

Auch da traf ich die Schweizer wieder, fuhr aber alleine wieder zurück, da ich fix und alle war. Mir war so heiß, mein Rucksack zu schwer, ich hatte Durst und meine Füße wollten nicht mehr. Ich aß was und setzte mich danach an den Bahnhof, um auf meinen Zug nach Ollantaytambo zu warten. Das ging ziemlich flott und obwohl ich die niedrigere Klasse als auf dem Hinweg gebucht hatte, war es trotzdem immer noch krass edel! Es war zwar unglaublich laut, aber das lag an einer Gruppe von Mittzwanzigern, die zu viel Bier intus hatten… Wenigstens konnte ich nochmal die Landschaft genießen. In Ollantaytambo angekommen schleppte ich mich zum Hostel, nahm eine (leider arschkalte) Dusche und schlief schon wieder über meinem Handy ein. um 21 Uhr wachte ich wieder auf, putzte Zähne und schlief wieder ein. So ein Mist.

Am Mittwoch konnte ich mal wieder nicht lange schlafen, wartete also bis es Frühstück gab und freute mich über den Sonnenschein. Irgendwie wusste ich gar nicht, dass es im Heiligen Tal so heiß ist… Ich hatte viel zu viele Klamotten dabei. Am Tisch gesellten sich noch drei andere Mädels zu mir, wir unterhielten uns und es war mal wieder echt lustig. Danach trennten wir uns, denn für zwei ging es an dem Tag nach Aguas Calientes, für die andere nach Cuzco. Ich besichtigte die Ruinen von Ollantaytambo, die wirklich riesig sind und sehr beeindruckend. Zudem sehr gut erhalten. Am Nachmittag bestieg ich den gegenüberliegenden Berg, auf dem ein paar Ruinen kostenlos besichtigt werden können. Ebenfalls sehr schön, aber auch anstrengend der Aufstieg, vor allem bei der Hitze. Dort traf ich ein französisches Pärchen, mit denen ich beinahe den nächsten Tag verbrachte hätte, da wir alle über die gleichen Orte nach Cuzco zurückwollten. So hätten wir uns ein Taxi teilen können, aber sie wollten mir zu spät los. War aber trotzdem nett mit ihnen zu quatschen, auch wenn die Verständigung etwas holprig war. Mittags im Hostel unterhielt ich mich mit einem sehr netten Australier, der schon seit elf Monaten durch Südamerika reist und ebenfalls einen Stopp in Abancay und Andahuaylas eingelegt hat. 

Abends spazierte ich noch durch die sehr sehenswerten kleinen Gässchen von Ollantaytambo. Die Stadt ist noch sehr ursprünglich und die Architektur wunderschön. 

Am nächsten Morgen nahm ich einen Kleinbus nach Urubamba, von wo aus ich nach Ramal de Maras fuhr. Dies ist eine Abzweigung, die als Art Umsteigepunkt zum kleinen Dorf Maras dient und auf der Hauptstraße Richtung Cuzco liegt. Dort warteten einige Kleinbusse und alle stürzten sich sofort auf mich. Der eine Fahrer verlangte mir einfach zu fiel und schien auch nicht ganz zu verstehen, was ich vorhatte. Als ich es ihm dann klar gemacht hatte, wollte ich mir aber noch andere Angebote einholen. Die waren aber eher schlechter und so sprach ich noch im letzten Moment zu dem ersten Fahrer in den Bus, der dann auch mit meinen vorgeschlagenen Preis einverstanden war. Im Bus saß noch eine weitere Frau und zwei Männer. Die zwei Herren stiegen irgendwo auf dem Weg aus und so waren wir nur noch zu dritt. Irgendwann hielt der Fahrer an und wir warteten eine halbe Stunde auf die Frau, die irgendwas in einem der Häuser erledigen wollte. Danach ging es endlich nach Moral, einer beeindruckenden kreisförmigen Terrassenanlage der Inkas. Der Fahrer gab mir eine halbe Stunde Zeit und meinte, er würde dann auf mich warten. Etwas verärgert hetzte ich dann in 30 Minuten durch die Anlage, doch der Fahrer war nicht zu sehen. In mir stieg die Panik auf. Ich dachte, wenn ich nicht pünktlich bin, fährt er ohne mich los. Jetzt hatte ich Angst, dass er sich einfach ohne mich aus dem Staub gemacht hatte. Inklusive meinem Rucksack. Meine Wertsachen hatte ich zwar bei mir, aber mein Ladekabel und natürlich alle Klamotten waren da drin. Abgesehen davon waren wir mitten im Nirgendwo… Die Angestellten waren so super lieb und versuchten mich zu beruhigen, da ich komplett aufgelöst war. Ich hatte natürlich weder Namen noch sonst etwas vom Fahrer. Ich wusste nicht mal welche Farbe der Bus hatte… Ein Mitarbeiter brachte mich mit einem Quad zu einem anderen Parkplatz, doch auch da waren sie nicht. Ich lief wie eine Verrückte über den Parkplatz, doch er war einfach nicht da. Der Ticketkontrolleur konnte sich  zum Glück an den Fahrer erinnern und meinte, sie wären zu einem Ort gefahren, von dem sie nur auf dieser Straße zurückkehren konnten. Also wartete ich fast eine halbe Stunde bis endlich der Wagen auftauchte! Mann war ich erleichtert! Der Frau auf dem Beifahrersitz tat es total leid und sie erklärte mir den Grund ihrer Verspätung, aber mein Puls beruhigte sich erst nach einer Weile wieder, als wir bei den Salineras de Maras ankamen. Das sind von den Inkas angelegte Salzterrassen, ich hab gelesen es sind über 3000! Noch heute kratzen Einheimische das Salz dort ab und es wird als besonders gesundes Salz verkauft. Der Berg ist anscheinend sehr salzhaltig und das Wasser, das dort einer Quelle entspringt, ist auch total salzig. In der Trockenzeit verdunstet dann das ganze Wasser und das Salz bleibt getrocknet zurück. Faszinierend, da diese Anlage komplett weiß ist und quasi mitten in fast rötlich schimmernden Bergen auftaucht. Die Dame, deren Name übrigens Carmen ist, begleitete mich durch die Salzterrassen und wir fuhren zum Ramal de Maras zurück. Zufälligerweise wollte sie auch nach Cuzco, also meinte sie, können wir zusammen fahren. Dort nahmen wir den nächsten Bus und stiegen auf dem Weg in Chinchero aus, einem kleinen, trotz der vielen Touristen noch sehr ursprünglichen Dorf aus und aßen erstmal zu Mittag. Danach besuchten wir auch dort die Ruinen und die Kirche, in der gerade eine Beerdigung stattgefunden hatte. Diese Kirche war die schönste, die ich bisher hier besichtigt hatte! Sie war nämlich viel originaler und schlichter. Nicht so viel Gold und so. Auch die Ruinen waren super interessant und glücklicherweise nicht so überlaufen, aber ich kam fast nicht die Stufen hoch und runter, weil mir meine Beine so weh taten… Zudem noch mein Rucksack und ich schlich nur umher. Es war so anstrengend nachdem ich die letzten Tage schon so viel gelaufen war, Treppen gestiegen bin und generell viel unternommen hatte. Trotzdem war es die Anstrengung absolut wert und es war sehr schön. 

Wieder mit dem Bus kehrten wir nach Cuzco zurück und ich war heilfroh, als ich endlich zurück im Hostel war! Carmen und ich tauschten noch Nummern aus, sie hatte gefühlt schon meine nächsten drei Tage geplant und bot mir direkt an, mit ihr am Freitagabend erst durch Cuzco zu laufen und danach in ihr Haus nach Pisaq zu fahren und dort zu übernachten. Oder sie schlug vor mich mit auf ihre Reisen zu nehmen. Sie war wirklich sehr nett, hilfsbereit und offen und wir unterhielten uns auch gut. Ich weiß gar nicht warum sie das alles tat und mich den ganzen Tag begleitete, denn sie hatte ab 19 Uhr Nachtschicht im Krankenhaus. Aber zudem arbeitet sie noch für eine NGO und war deshalb in dem Dorf hinter Moral unterwegs. Auch wenn ich ihr Angebot nicht angenommen habe, da ich an einem anderen Tag nach Pisaq möchte, war sie mir sehr sympathisch und es war wirklich ein schöner Tag, an dem ich viel gesehen habe. 

Im Hostel habe ich nun ein noch größeres Zimmer für mich alleine, diesmal im Obergeschoss. Wenn es also regnen sollte, bin ich zum Glück nicht mehr betroffen. Aber bis jetzt ist das Wetter wunderschön und auf meiner Seite. 

Das ist jetzt zwar noch lange nicht alles, aber wenigstens ein kleiner Einblick in das, was ich die letzten Tage unternommen habe. Es waren wirklich fantastische Tage und großartige Erlebnisse! Auch wenn das Geld auf Reisen viel schneller verschwindet als ich dachte, obwohl ich ja wirklich darauf achte… Aber es lohnt sich sowas von., Peru ist einfach so schön und ich bin so dankbar für diese Reise!

Emily

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Kommentare: 2
  • #1

    Mama (Samstag, 25 November 2017 07:47)

    Nur ein Wort
    Genial

  • #2

    Carmen (Sonntag, 26 November 2017)

    Tja, mit Carmens kommt man halt gut aus. ;) Ich bin begeistert von dem Bericht! Und ich freue mich, dass es dir auf Reisen so gut geht. Genieß es und nimm alles mit!