Alleine reisen hat Vor- und Nachteile

Oh Mann oh Mann, dieser Vier-Tages-Trip hat mich echt total fertig gemacht! Es war wirklich unübertrefflich, aber nun, nachdem ich jeden Tag mindestens 15.000 Schritte laufe und mein Handy was von 80 Stockwerken sagt, schmerzen meine Oberschenkel wie verrückt und schon in Chinchero musste ich mich die Treppen hoch zwingen. Dazu kommt, dass sich zu meinem anhaltenden Husten wieder Schnupfen gesellt hat… Aber ich möchte einfach keinen Tag tatenlos verstreichen lassen, also bin ich am Freitag trotzdem losgezogen. 

Zuerst habe ich mir einen Ausflug zu den Regenbogenbergen für den kommenden Montag gebucht; ich freue mich so! Ich hoffe, die Agentur ist vertrauenswürdig… Das heißt zwar mal wieder früh aufstehen und viel Berg hoch laufen, aber auch wenn die Esel teuer und „langweilig“ sind, werde ich mir mit 100 prozentiger Sicherheit einen mieten. Außerdem habe ich meine Wäsche in einen Waschsalon gebracht und wieder eine Dusche mit warmem Wasser genommen. Wie wohltuend das sein kann habe ich wirklich gelernt zu schätzen. Es gibt fast nichts Angenehmeres. 

Da ich es wirklich ruhig angehen wollte für diesen Tag war ich zuerst im Museo Histórico Regional, das wirklich ganz gut gemacht und ganz interessant war, aber was viel viel besser war, war das Museo Inka. Das ist zwar nicht im Boleto Turistico enthalten, aber der Eintritt lohnt sich wirklich. Es war das beste Museum, in dem ich hier in Cuzco war. Außerdem war ich noch im Museum der La Merced, einer ziemlich wichtigen Kirche hier mit gigantischer Monstranz. Die Kirche hatte ich schon zu sehen bekommen, aber da ich mal wieder einen Studentenrabatt abstauben konnte, bin ich reingegangen. Am Nachmittag bin ich dann schon etwas früher zurück zum Hostel gegangen und habe relaxt.

Am Freitag war ich dann in Qorikancha, einer Kirche, Kloster und Inka-Ruine in einem. Diese Kirche ist ziemlich bekannt und auch wirklich faszinierend wenn man überlegt, dass die Spanier einfach ihre blöde Kirche auf die Reste des wichtigsten Tempels der Inkas gebaut haben und diese heute auch immer noch zu erkennen sind. Ansonsten war es aber nicht so besonders. Am Nachmittag war ich dann noch auf dem Monument des Inkas Pachacutec, von dem aus man einen Rundblick auf die ganze Stadt hat. Während des Aufstiegs gibt es noch ein bisschen über die Gründung Cusco zu lesen, was auch sehr interessant war. Den Abend habe ich wieder im Hostel entspannt.

Am Sonntag dann war ich in Pisac, einem Örtchen 30 km entfernt von Cuzco. Die Busfahrt dahin lief wie geschmiert, hatte ich gar nicht erwartet. Der Bus sah ziemlich klapprig aus, aber ich habe auch nur 3 Soles bezahlt. Ich dachte, jetzt müsste ich erstmal warten bis er sich füllt, aber wir fuhren ziemlich zügig los und so kam ich gut in Pisac an. Ich hatte gelesen, dass es hier sonntags ziemlich voll sein würde, aber das war es überhaupt nicht. Da die Ruinen auf einem Berg liegen und der Aufstieg nicht ohne ist wollte ich ein Taxi nehmen, aber keine 30 Soles dafür zahlen. Zum Glück fand ich eine andere Alleinreisende aus der französischen Schweiz, Delphine, die auch nach oben wollte und so konnten wir uns die Kosten teilen. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen und es war echt gut, dass sie Deutsch verstand. Es war unerträglich heiß und ich schleppte mich von Stufe zu Stufe. Keine Ahnung warum die Inkas ihre Dörfer immer auf diese verflixten Berge bauen mussten… Die Anlage war riesig und ständig ging es hoch und runter, um Kurven, durch Tunnel etc. Es war echt nicht ohne, ich schwitzte und war total erledigt. Ich weiß nicht, ob ich auch nur im Ansatz alles gesehen habe, weil die Wegbeschreibung und Beschilderung so verquer war, dass wir einfach auf gut Glück einem Weg gefolgt sind, der uns (glaube und hoffe ich) an allem Wichtigen vorbeigeführt hat und auf dem Markt im Tal endete. Der Abstieg war ziemlich rutschig und ich war froh als wir angekommen waren und uns auf dem Markt erstmal was zu Essen kauften. Ich habe im Nachhinein gemerkt, dass ich gar nicht so viele Fotos von dieser wirklich gigantischen und gut erhaltenen Festung gemacht habe, weil ich so damit beschäftigt war nicht zu sterben. Nein Spaß, aber es war echt anstrengend. Ich habe mir am Samstag auch erstmal sowas wie Voltaren geholt und das scheint echt gegen die Schmerzen zu helfen, hatte ich auch nicht erwartet. 

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas über den Markt, der der größte der Gegend sein soll, und ich hätte mal wieder so viel kaufen können! Hab ich aber nicht. Die Atmosphäre auf dem Markt, dieses geschäftliche Treiben, hat mir wirklich richtig gut gefallen und ich hätte noch ewig herumschlendern können. Aber gegen 14 Uhr haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht, meine Füße nahmen mir das auch nicht übel. Danach erledigte ich noch ein paar Besorgungen und kehrte dann wieder ins Hostel zurück. Immerhin geht es Montag früh los! Ich bin so aufgeregt!

Generell läuft wirklich alles gut hier und das, was ich mir bis jetzt vorgenommen oder geplant habe hat auch geklappt. Darüber bin ich wirklich sehr dankbar! Hinterher ist man zwar immer schlauer und weiß, wie man es hätte einfacher oder günstiger hätte gestalten können, aber ich bin immer dahin gekommen wo ich wollte und auch wieder zurück, was ziemlich erstaunlich ist. Mittwoch plane ich weiter nach Puno zu fahren, dann habe ich alles gesehen, was mir wichtig war.

Viele fragen mich auch, wie es so ist alleine zu reisen. Ich muss sagen, dass es natürlich genial ist immer genau das machen zu können, was man will. Und das auch zu dem Zeitpunkt zu dem man es will. Man kann alles so gestalten wie es einem gefällt und muss sich niemandem anpassen. Aber auf der anderen Seite kann es manchmal auch ziemlich einsam sein. Mir fällt es schwer all die Erlebnisse zu verarbeiten, weil ich niemandem davon erzählen kann. Generell fehlen mir gute Gespräche, ab und zu eine Umarmung, meine Freunde und meine Familie. Klar lernt man Leute kennen, aber diese Gespräche sind nur oberflächlich und der Kontakt nur von kurzer Dauer. Nach einem Tag verabschiedet man sich wieder und sieht sich wahrscheinlich zum letzten Mal. Nachdem ich jetzt quasi drei Monate nie alleine war, da ich mir ja mit Carmen ein Zimmer geteilt habe und mir ab und an mal wirkliche Ruhe gewünscht habe, fehlt sie mir jetzt schon. Das Reden, Lachen und Teilen der Erlebnisse. Und ihr zu Hause, ihr fehlt mir auch. Ich freue mich wirklich auf Lima, wenn ich zu Jens gehe, da weiß ich, dass ich willkommen bin. Das Hostel hier ist zwar auch super, aber man kommt halt nicht nach „Hause“. Ein weiterer Nachteil ist, dass man sich nie Kosten teilen kann… Aber im Großen und Ganzen versuche ich einfach jeden Moment zu genießen und alles mitzunehmen was geht. Alleine zu reisen hat schon etwas und es gefällt mir auch wirklich gut, aber man lernt einfach manche Dinge zu schätzen und Vor- und Nachteile kennen. Man lernt ja jeden Tag dazu. Und man lernt jeden Tag wie ihr meinen Erzählungen entnehmen könnt eine Menge neuer Leute kennen, was auch richtig cool und spannend ist. Es macht Spaß sich mit Menschen aus aller Welt auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu hören. 

Ich geh jetzt warm duschen, also macht’s gut!

Emily

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