Regenbogenberge, Ruinen und der Titicacasee

Wie schon angekündigt, ging es am Montag für mich zu den berühmten Regenbogenbergen auf dem App Vinicunca. Diese sind einige Stunden Busfahrt von Cuzco entfernt, weshalb ich bereits um 3:10 Uhr aufstehen musste. Es hieß, man würde mich zwischen 3:30 und 4:00 Uhr abholen, also wartete ich brav vor dem Hostel. Allerdings war es ziemlich kalt, dunkel und ich war müde, sodass ich ziemlich genervt war, als mich nach 4:00 Uhr immer noch niemand abgeholt hatte. Mir war diese Wartereri auf Cuzcos Straßen nicht so wirklich geheuer und ich rief die Agentur an. Die Frau am Telefon meinte, sie würden mich gleich holen und es würde nicht mehr lange dauern. Ich rief sie noch zwei weitere Male an, da ich, bis ich dann um 4:45 Uhr endlich aufgegabelt wurde, an der Vertrauenswürdigkeit der Agentur zweifelte und wirklich keine Lust mehr hatte um diese Uhrzeit so läge zu warten. Zudem treiben sich im Morgengrauen einige zwielichtige Personen auf den Straßen herum, denen man bevorzugterweise lieber aus dem Weg geht. So eine Gruppe von drei Männern schlich irgendwann auf der gegenüberliegenden Straßenseite an mir vorbei, eine halbe Stunde später kehrten sie auf derselben Seite auf der auch ich stand wieder zurück in die andere Richtung. Mir waren die Gestalten nicht ganz geheuer, vor Allem eben deshalb, weil sie so langsam liefen. Als sie also genau an mir vorbei liefen ging ich einen Schritt näher an meinen Rucksack heran, da ich ihnen nicht traute. Da hielten die Männer an und der eine fragte mich, was los sei. Ich meinte gar nichts, er solle mit einfach in Ruhe lassen und weitergehen. Das sagte ich zehn mal, er blieb aber einfach stehen und fragte, was los sei. Neben uns auf der Straße hielt ein Taxi an und beobachtete das Geschehen. Irgendwann schlich er dann doch weiter, der Taxifahrer ließ das Fenster runter und fragte, ob man mich überfallen hätte. Ich verneinte und meinte, es wäre nichts passiert. Er sagte, ich solle auf mich aufpassen. Aber mal ganz ehrlich, wenn was passiert wäre, dann hätte sein Zusehen auch nichts gebracht. Dafür wäre es dann auch zu spät gewesen. 

Naja, jedenfalls wurde ich dann glücklicherweise doch noch abgeholt und um 5:00 Uhr startete der Bus dann endlich in Richtung Regenbogenberge. Die Fahrt war echt ziemlich lange und der Bus nicht der neueste… Nach einem Frühstück ging die Fahrt dann noch weiter, bis wir um 9:15 Uhr endlich ankamen. Das Wetter war wunderschön und da ich immer noch erkältet bin und wir uns auf 5200m Höhe befanden, nahm ich mir für den steilen Aufstieg ein Pferd und ritt nach oben. Immer wieder musste ich absteigen und die steilsten Abschnitte selbst laufen und auch das finale Stück muss man auf eigene Faust erklimmen. Aber die Aussicht war der Hammer! Ich habe in meinem Leben noch nie so eine schöne Berglandschaft gesehen. Die Berge wirken wie gemalt, die Farben surreal. Es war wirklich beeindruckend und wunderschön. Oben auf dem Gipfel wurde die Aussicht nochmal getoppt. Es war zwar wirklich eisig kalt, meine Hände taten furchtbar weh und es fing irgendwann an zu schneien und zu gewittern, aber man wollte diesen Ort einfach nicht verlassen. Da ich nicht gelaufen war, blieb mir etwas mehr Zeit auf dem Gipfel, doch auch diese war viel zu kurz und ich wäre gerne noch weiter ins Valle Rojo gelaufen, doch dazu war keine Zeit. Das Gewitter klang außerdem gruselig nah und man sagte uns, wir sollen die Handys ausschalten und absteigen, es würde gefährlich werden. Auf den letzten Metern fing es noch heftig an zu regnen, sodass ich klatschnass und durchgefroren im Bus ankam. Bis zum Abend hin wurde ich nicht mehr so richtig warm, aber das Mittagessen tat sehr gut und nach der ewigen Busfahrerei war ich froh, in mein Bett gehen zu können. Es war aber ein einmaliges und hammermäßiges Erlebnis!

Der Dienstag war mein letzter Tag in Cuzco und ich besichtigte die in der Nähe auf einem Berg liegenden Ruinen Tambo Machay, Puka Pukara, Qenko und Sacsayhuamán. Die waren leicht mit Bus und zu Fuß erreichbar, sodass man sie alle an einem Tag erledigen konnte. Die ersten drei waren ziemlich klein, aber Sacsayhuamán ist riesig. Mittags fing es wieder an zu regnen, doch nachdem ich fertig mit Mittag essen war, war es wieder trocken und ich konnte mir die Ruinen in Ruhe ansehen und hatte schönsten Sonnenschein. Danach war ich noch am Christo Blanco, einer weißen Jesusstatue auf dem Berg mit Sicht auf Cuzco. Dort wurde ich von einer Gruppe angesprochen, ob ich mit ihnen Fotos machen könne. Das war an sich ja kein Problem, was aber gruselig war, war, dass die drei Mädels und der Mann aus Andahuaylas kamen und der Fotograf mich am Ende nach meiner Email Adresse fragte, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Ich war irgendwie verunsichert und gab deshalb eine falsche Email an… 

Zurück in der Stadt besorgte ich mir dann noch ein Busticket für den nächsten Morgen nach Puno und kehrte ins Hostel zurück.

Am Mittwochmorgen ging es dann - zufälligerweise mit einem anderen Pärchen aus dem Hostel zusammen - zum Busbahnhof und um 8:00 Uhr dann auf nach Puno. Im Bus konnte ich nach den ganzen letzten Tagen erstmal ein wenig relaxen, Schlaf nachholen und nichts tun. Das war echt richtig erholsam und toll, auch meine Beine haben sich über die Laufpause gefreut. So gegen 15 Uhr kam ich in Puno an und ließ mich direkt zum Cozy Hostel bringen, wo Carmen und ich schon das letzte Mal übernachtet hatte. Es ist einfach das schönste und gemütlichste Hostel, das ich kenne. Ich hatte diesmal kein Bett vorgebucht, nur vorher angerufen und so sparte ich nicht nur Geld, ich ließ mir auch offen, wann ich komme. Bis zum Tag davor stand ja noch nicht fest, wann ich tatsächlich weiterfahre. Also bekam ich ein Bett in einem 8-Bett-Zimmer, in dem aber nur ein anderes belegt war. Ich verbrachte den ganzen restlichen Nachmittag trotz schönem Wetter im Hostel, nutzte das WLAN und tat einfach mal nur sinnloses Zeug. Wie unglaublich gut das tat. Leider kam dann noch etwas Unschönes dazwischen, denn nachdem sich mein „deutsches“ Handy plötzlich komplett aufgehangen hatte und es nicht mal mehr ausging, war ich etwas verzweifelt… Da mein Laptop ja leider voll ist, konnte ich weder die Bilder sichern, noch ein Backup machen. Um das hinzubekommen, löschte ich allerdings die alten Backups, doch der Speicherplatz reichte trotzdem nicht. Die Bilder hatte es zwar importiert, sie nahmen also Platz weg, doch sie wurden nicht angezeigt. Jetzt sponn also nicht nur das Handy sondern auch noch mein Laptop. Ich wusste nicht mehr was ich machen sollte. Alle Fotos der letzten Tage waren darauf! Zusammen mit der Müdigkeit, meiner Erkältung, die ich immer noch mit mir herum schleppe, und der Anstrengung der letzten Wochen, war ich an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Ich wollte einfach nur nach Hause, ein funktionierendes Handy und eine Umarmung. Ich war echt fertig, rief meine Eltern mitten in der Nacht an und heute ohne triftigen Grund. Als ich mich dann wieder beruhigt hatte, suchte ich im Internet nach Flügen nach Lima. Mama meinte, es wäre vielleicht eine gute Idee sich mal ein paar Tage auszuruhen und zu erholen, zu einem Arzt zu gehen und eine externe Festplatte zu holen. Da Puno aber nicht weiter von Lima weg sein könnte, gab es nur die Möglichkeit zu fliegen, Busse fahren nicht direkt. Die Flüge von Cusco waren zwar deutlich billiger, doch von Juliaca aus zu fliegen würde mir einen Tag schenken und weniger kompliziert sein. Mein nicht funktionierendes Handy legte ich zur Seite und hoffte, dass es am nächsten Tag wieder funktionieren würde. Leider tat es das nicht. Als ich aufwachte hatte ich zwar einige Nachrichten, doch ich konnte es immer noch nicht bedienen. Als ich beim Frühstück saß, rief Papa an und hatte zum Glück die Lösung. Er war so lieb und hat recherchiert, wodurch ich einen Neustart durchführen konnte und danach alles wieder funktionierte. Mann war ich erleichtert und froh. 

Beruhigt konnte ich also aufbrechen und auf einen kleinen Hügel steigen, auf dem eine Statue des ersten Inkas Manco Capac, den Blick auf den See richtend, steht und von dem aus man einen wundervollen Panoramablick auf die Stadt und den See hat. Wie gesagt hatte ich auch großes Glück mit dem Wetter, sodass es auch wirklich sehr schön aussah und der See blau glitzerte. Außerdem sah ich mir die Kathedrale am Plaza de Armas von innen an, buchte einen Zwei-Tages-Ausflug zu den Inseln Amantaní, Taquile und Uros für die folgenden beiden Tage und quatschte mit Zuhause. Direkt nach dem Mittagessen machte ich mich dann noch auf den Weg nach Sillustani, einer Begräbnisstätte der Aymaras. Diese liegt mal wieder ziemlich außerhalb, zwischen Puno und Juliaca, mitten im Nirgendwo. Natürlich boten tausende von Reiseagenturen Ausflüge dorthin an, doch war es 1. eine spontane Entscheidung dort noch an diesem Nachmittag hinzugehen und 2. waren mir die Angebote alle zu teuer. Zudem hatte ich gelesen, dass zu den Stoßzeiten viele Menschen da sein würden und man dem bei einer gebuchten Tour somit nicht entgehen kann. Also nahm ich einen Kombi von Puno Richtung Juliaca, stieg aber schon vorher an einer Abzweigung aus. Dort standen einige Taxis, das eine war gerade dabei sich mit Passagieren zu füllen. Also stieg ich auch ein, der Fahrer sagte mir, es würde 10 Soles kosten. Anscheinend fehlten noch Mitfahrer (er meinte 3 würden noch fehlen, dabei war nur noch im Kofferraum neben zwei Kindern Platz…), also warteten wir eine Weile. Als niemand mehr dazukam, stieg er ein und meinte davor noch ganz nebenbei zu mir: „Für dich kostet es 5 Sollen mehr, es fehlen drei.“ Ich sah das gar nicht ein, warum nur ich mehr zahlen musste und warum überhaupt. Immerhin war es ja nicht meine Entscheidung gewesen loszufahren und er hatte zu mir 10 Soles gesagt. Ich dachte er meint es vielleicht nicht ernst, die anderen zahlten bestimmt nicht mal einen Bruchteil von meinem Preis. Als wir dann in Sillustani ankamen, drückte ich ihm einen Zehner in die Hand, doch er meinte tatsächlich zu mir, es würden 5 fehlen. Ich weigerte mich aber mehr zu zahlen und argumentierte so lange mit ihm rum, bis er beleidigt wegfuhr. Dummer Kerl, ehrlich. War mir dann auch egal, sein Gejammer von wegen er muss doch Sprit zahlen und wenigstens 2 Soles mehr konnten mein Herz auch nicht erweichen. Zufrieden mit meinem Verhandlungsgeschick ging ich also los, kaufte mir ein Ticket und begann durch die Ruinen zu laufen. Es war unglaublich heiß und die Sonne brannte, ich hatte keine Ahnung was die Steinhaufen sollten und fand es ehrlich gesagt nicht wirklich beeindruckend was ich da sah. Irgendwann quatschten mich zwei Männer an und wir kamen ins Gespräch. Der eine erklärte mir ganz begeistert den Nutzen der Türme, dass sie eine Art Grab darstellen, redete von den verschiedenen Formen der Steine und erklärte mir von Landschaft bis Mumienfunde alles. Obwohl sie aus der entgegengesetzten Richtung kamen, liefen sie nochmal mit mir zurück und klärten mich über alles auf was sie wussten. Wir unterhielten uns über alles mögliche, genossen den unglaublichen Blick auf die Laguna Umayo am Fuße des Hügels und schon machte der ganze Ausflug mehr Spaß. Nach einem Rundgang wollten sie noch etwas im Restaurant essen und fragten mich, ob ich ihnen Gesellschaft leisten wolle. Erst war ich nicht sicher, aber dann setzte ich mich einfach dazu, da sie mir anboten zusammen zurück zu fahren. Das klang gut, da ich mal wieder befürchtete nicht zurückzukommen… Aber solange wir auf das Essen warteten, fing es an zu regnen und die Zeit lief uns davon. Der Wachmann sagte mir, bis 17 Uhr würden Taxis kommen um einen zurück zur Straße zu bringen. Der Zeiger rückte immer näher an die 5 und ich wurde echt nervös. Als ich schon fast aufbrechen wollte und sagte, ich würde jetzt ohne sie gehen, verstand ich, dass sie gar nicht auf ein Taxi angewiesen waren, sondern mit einem Mietauto da waren. Ich konnte mich also entspannen, denn sie boten mir an mich zurückzunehmen. Es war also egal wann sie fertig wurden und ich kam zu 100% ohne weitere Komplikationen nach Puno. Und das kostenfrei! Man könnte behaupten, es wäre etwas riskant gewesen zu zwei wildfremden Männern ins Auto zu steigen, aber irgendwie hatte ich kein schlechtes Gefühl. Tatsächlich schienen sie sogar eher besorgt, gaben mir ihre Nummer, boten mir eine exklusive Stadttour in Lima an, empfohlen mir einen Arzt und setzten mich ganz in der Nähe von meinem Hostel ab. Nice Guys, muss ich wirklich sagen. 

Zurück im Hostel buchte ich mir dann einen Flug nach Lima, da ich mich eigentlich schon am Tag zuvor dazu entschieden hatte entgegen meiner ursprünglichen Pläne nach Lima zu fliegen und dort einige Tage auszuruhen und mich etwas zu sortieren. Sowohl technisch als auch gesundheitlich gesehen.

Am Freitagmorgen hieß es dann wieder früh aufstehen, denn um 7:45 Uhr sollte ich fertig sein um abgeholt zu werden. Es lief auch tatsächlich recht reibungslos und ich wurde von einem Typen abgeholt, kurz darauf folgte das Touristen-Shuttle, das mich aufgabelte und mit den anderen Insassen (aus Frankreich, Norwegen, den USA und Deutschland stammend) zum Hafen brachte. Dort bestiegen wir ein kleines Boot und wurden von unserem Tourguide sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch empfangen. Nach einer halben Stunde Vortrag seinerseits kamen wir auf den Islas Flotantes, den Inseln der Uros, an, die komplett aus Schilf bestehen. Sowohl die Insel selbst als auch die Häuser und Boote der dort lebenden Menschen ist aus Totora gemacht. Leider sind die Inseln durch den ganzen Tourismus nicht mehr wirklich ursprünglich und wirken aufgrund der ganzen Motorboote auch nicht mehr authentisch, aber im Nachhinein auch irgendwie klar. Trotzdem fand ich es schade, da ich mir wirklich eine naturverbundenere und isolierter lebende Gemeinschaft vorgestellt habe. Stattdessen sah man auch hier viel Plastikmüll und Restaurants. Die Einwohner empfinden einen wirklich unglaublich herzlich, wir durften einen Blick in ihre Häuser werfen und der „Präsident“ dieser Insel erklärte uns, wie man so eine Schilfinsel baut, die Traditionen der Einwohner und wir durften typisches Essen probieren. Aber leider hat man halt gemerkt, dass das ganze Programm nur für die Touristen entworfen wurde. Man durfte also in ihre Hütten blicken, hatte aber nicht den Eindruck ihr wirkliches Leben zu sehen, sondern eine Show. Versteht man was ich meine? Sie sangen für uns sowohl auf Spanisch, als auch auf Englisch und Aymara. Danach wurden wir auf einem mehr oder weniger traditionellen Boot zur Hauptinsel gefahren, wo man sich für 1 Sol einen Stempel in den Reisepass machen lassen konnte. Viel mehr hatte sie allerdings nicht zu bieten, außer man wollte sich was zu Essen kaufen oder aufs Klo gehen. Danach ging es dann für 3 Stunden mit dem Boot weiter zur Insel Amantaní, einer noch weniger touristischen Insel. Das Wetter war wirklich hervorragend und man hätte gut und gerne die Zeit auf dem Deck verbringen können, allerdings nutzten die meisten so wie ich die Zeit zum Schlafen. Als ich aufwachte war ich unglaublich hungrig, gefrühstückt hatte ich ja auch schon sehr früh. Als wir auf der Insel ankamen war es bereits 14 Uhr und uns stand noch ein steiler Aufstieg bis zum Haus unserer Gastfamilie für diese Nacht bevor. Wir wurden in Dreiergruppen aufgeteilt und von unserem äußerst freundlichen Gastvater Miguel empfangen. Mit mir kam ein deutsches Pärchen, von dem ich erst nicht so begeistert war. Sie sprachen kein Wort Spanisch und wirkten auch nicht sonderlich sympathisch auf mich, aber im Endeffekt verstanden wir uns wirklich gut und die Gespräche waren äußerst interessant, denn sie waren schon sehr viel gereist und konnten viel erzählen. Sie waren schon in den meisten asiatischen Ländern und viel im Nahen Osten unterwegs. Um 15 Uhr gab es dann endlich Mittagessen, ich war wirklich am verhungern, aber die Aussicht war wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich überhaupt die Ausdauer hatte bis zum Haus aufzusteigen. Die Zimmer hatten zwar keinen Strom, es gab kein Wasser und keine wirkliche Toilette, aber es war sauber und wirklich nett eingerichtet. Zudem war die Aussicht aus dem Fenster der Hammer und beim Aufwachen war der See das Erste, was man sah. Nach dem Essen ging es direkt weiter zum Treffpunkt, denn um 16 Uhr begann unsere Gruppe den Aufstieg zum Tempel Pachatata. Dieser war nicht ganz so hoch gelegen wie der Pachamama, doch es war trotzdem wortwörtlich atemraubend. Wenn man jedoch langsam ging und Pausen einlegte um die Aussicht zu genießen, ging es. Es war wirklich wunderschön und man war super stolz auf sich, als man oben auf dem Berg ankam. Auf dem Weg hatte ich drei Steine mitgenommen und nun war es Brauch, dreimal um den Tempel zu laufen und für jeden Stein einen Wunsch auszusprechen. Danach sollte man die Steine in die Mauer legen. Irgendwann begann die Sonne unterzugehen und der Himmel verfärbte sich wunderbar orange, rot und rosa. Wir beobachteten den Sonnenuntergang und die Landschaft um uns herum, während wir und unterhielten. Direkt nach dem Abstieg gab es auch schon wieder Abendessen und wir brachen im Dunkeln auf zum Tanzen, Musik hören und feiern. Dies fand in einem großen Raum statt und alle kamen entweder in Trachten oder Ponchos. Wir hatten uns für letzteres entschieden, weshalb wir es schön warm hatten, obwohl es wirklich sehr kalt wurde nachts. Die Musik war wirklich stimmungsvoll und die Band echt gut, sodass das Tanzen mit den Einheimischen zwar anstrengend war, aber großen Spaß gemacht hat. Normalerweise sollte das Fest von 20-22 Uhr gehen, aber es fing schon später an und es kamen auch lange nicht alle. Da wir drei ziemlich geschafft von dem Tag waren, verließen wir das Spektakel schon um 21:15 Uhr und gingen schlafen. Uns hatte man gesagt es gäbe um 7 Uhr Frühstück, weshalb wir unsere Wecker nicht zu früh gestellt hatten. Doch schon um 6:15 Uhr klopfte Miguel an unseren Türen und rief uns zum Frühstück… Das war eindeutig zu wenig Schlaf für mich, aber im Nachhinein hat es genau hingehauen mit der Zeit. Wir waren zwar vor der verabredeten Zeit wieder am Hafen, doch da anscheinend alle früher da waren, legten wir auch schon früher ab in Richtung Taquile. Dort ging es dann wieder einen sehr steilen Berg nach oben bis zum Hauptplatz der Insel. Da hatte leider alles geschlossen was man uns versprochen hatte, sodass man nicht viel machen konnte außer sich den Platz selbst anzuschauen und die Aussicht zu genießen. War zwar ein bisschen schade, aber trotzdem schön. Leider traf man hier überhaupt keine Menschen, die auf der Insel lebten, so wie es auf den anderen der Fall war. Es war sehr ruhig und ich hatte das Gefühl zwar die Insel zu sehen, aber nicht zu erleben. Weil man einfach niemandem begegnet ist... Aber cool war es trotzdem irgendwie auf der Insel zu sein, über die man im Spanischunterricht so viel gesprochen hat. Ich musste einfach ständig an unsere sämtlichen Vorträge denken und daran, wie viel wir recherchiert hatten, ohne Informationen über die Insel zu finden. 

Vom Plaza ging es dann weiter zu einer Art Restaurant, wo uns ein Inselbewohner die Herstellung ihres natürlichen Waschmittels zeigte, ein Tanz vorführte und unser Guide wieder viel erzählte. Ich muss sagen, ich war echt positiv überrascht von diesem Ausflug, denn mit so vielen Informationen und Organisation hatte ich nicht gerechnet. Aber der Guide und das Programm waren wirklich gut und es war ein richtig cooler Trip. Trotz der vielen Präsentationen in der Schule konnte ich noch eine Menge über Taquile dazulernen. 

Nach dem Mittagessen traten wir dann wieder den Rückweg an, den ich auch größtenteils verschlief. Am Nachmittag kamen wir in Puno an und wurden vom Shuttle-Bus an unseren Hostels abgesetzt. Dort hatte ich plötzlich statt einem Bettnachbarn ein volles Zimmer! Ich war total überrascht und es war auf einmal echt eng und auch nicht mehr so sauber im Bad. Da aber alle unterwegs waren, konnte ich duschen und in Ruhe am Handy chillen, bis zwei Mädels wiederkamen und mich fragten, wo ich herkam. Ich wusste, dass sie auch aus Deutschland kamen und so war es echt lustig, als sie mich auf Englisch ansprachen. Sie wohnen in der Nähe von Reutlingen und wir haben uns echt super gut verstanden. Wir haben noch ziemlich lange geredet und ich konnte ihnen ein paar Tips geben. Sie sind am nächsten Morgen nach Arequipa weitergefahren und wenn ich nicht schon meinen Flug gebucht hätte, hätte ich mich super gerne ihnen angeschlossen. Das hat mich echt ein bisschen traurig gemacht. Zwar habe ich ihnen beim Frühstück noch meine Nummer gegeben, aber bis jetzt haben sie mir noch nicht geantwortet… Ich hoffe, sie melden sich noch, denn wir wollten uns entweder in Lima oder in Deutschland nochmal treffen. Die zwei waren die ersten in meinem Alter, die auch gerade erst ihr Abi gemacht haben. 

Da ich ja leider nicht mit ihnen nach Arequipa konnte, verweilte ich noch bis um 11 Uhr im Hostel, checkte dann aus und machte mich auf den Weg nach Juliaca, wo ich übernachten wollte, um auf jeden Fall pünktlich am nächsten Morgen am Flughafen zu sein. Im Hostel, das ich mir rausgesucht hatte, war zum Glück auch noch ein Zimmer frei und ich verließ es nur um etwas essen zu gehen. Den ganzen Nachmittag verbrachte ich sinnlos mit YouTube Videos und Netflix, da das Internet einwandfrei funktionierte und das Bett super bequem war. Außerdem tat es unheimlich gut, einfach mal gar nichts zu tun und so richtig Zeit zu vergeuden. In Juliaca hätte es so oder so nichts zu sehen gegeben. Für den nächsten Morgen organisierte ich mir ein Taxi für 6:15 Uhr, da mein Flieger um 8:20 Uhr gehen sollte. Die Betonung liegt auf "sollte", aber davon im nächsten Artikel mehr...

Emily

Kommentar schreiben

Kommentare: 0