Weihnachten in Lima

So, jetzt kam wirklich sehr sehr lange nichts mehr von mir, aber hier ging es drunter und drüber und ich habe einfach keine ruhigen Stunden gefunden um einen ordentlichen Artikel zu verfassen. Doch so langsam habe ich gehört werden einige nervös, wofür allerdings keinerlei Grund besteht. Mir geht es super und es geht mir so gut wie schon lange nicht mehr. Meine Erkältung ist (schon etwas länger) endlich (!!!) weg und die ganzen anderen Wehwehchen sind auch endlich Geschichte. Ich fühle mich wieder mehr wie ich selbst. Außerdem habe ich hier in Lima gerade eine super Zeit und kann mich nicht beschweren.

Von meinem Trip nach Arequipa, Nazca und Ica (zu dem noch ein Artikel kommen wird) bin ich am Dienstag, den 19.12., um Mitternacht zurückgekehrt und wurde direkt Herzlich empfangen. Izzys Ferien hatten soeben begonnen und sie hat ihr zweites Schuljahr mit herausragenden Noten abgeschlossen, sodass sie mir am nächsten Morgen stolz ihr Zeugnis präsentierte. Jens hatte einen Zahnarzttermin und bot mir an, mich mitzunehmen und an einem Museum rauszulassen. Allerdings lag ich noch im Bett und wollte dort auch bleiben, hatte also überhaupt keine Lust mich schnell zu duschen, zu Frühstücken und fertig zu machen. Also lehnte ich ab, auch wenn ich wirklich gerne in das Museum gegangen wäre. Er war sichtlich enttäuscht und verwirrt, aber auf den Stress hatte ich grad gar keine Lust. Er meinte, er würde mit Izzy um 12 Uhr wiederkommen. Natürlich war das nicht der Fall, stattdessen kamen sie erst um 14:30 Uhr, zu welchem Zeitpunkt ich schon fast verhungert war. Ich wartete mit dem Essen auf sie, um 13:30 Uhr hieß es och eine Stunde, dann noch 15 Minuten... Naja, schlussendlich kamen sie dann ja doch noch wieder. Für den Nachmittag hatte ich mich mit Carmen verabredet, die am vergangenen Freitag auch endlich aus Andahuaylas wegkonnte und in Lima auf die Ankunft ihrer Familie wartete, mit der sie bis Januar durch Peru reisen wird. Eigentlich wollten wir uns schon früher treffen, aber aufgrund des verspäteten Mittagessens kam ich erst sehr spät von zu Hause los. Mit dem Bus fuhr ich zum Parque Kennedy, dem Zentrum Miraflores, um mich dort mit Carmen zu treffen und eine Free Walking Tour durch Barranco, das Künstlerviertel Limas, zu machen. Ich kam zehn Minuten zu spät, aber immer noch rechtzeitig für Peru. Über das Wiedersehen mit Carmen habe ich mich riesig gefreut und wir hatten so viel zu erzählen! Wir beide hörten gar nicht mehr auf zu reden und legten nur eine Pause ein, wenn die nette Frau, die uns herumführte, etwas zu sagen hatte. Die Führung begann eine Stunde später, nachdem wir nochmal ewig herumgestanden haben und den Bus nach Barranco genommen haben. Dort war es wirklich wunderschön, von der Architektur her mit den vielen bunten Fassaden in Verschiedenen Stilen, aber auch die Atmosphäre gefiel mir sehr. Es wirkte etwas alternativ und bohl-mäßig, genau wie ich es liebe. Es gab viele Cafés und Bars und Kleinkünstler, die ihre Gemälde oder Schmuck verkauften. Außerdem gab es viele Grafittis an den Wänden, Mauern oder in Tunneln, aber nicht die hässliche Art von Graffiti, sondern das, was man dort sehen konnte, war richtige Kunst. Abstrakte Gemälde mit teilweise tiefsinnigen Bedeutungen. Über den Weg, der zum Meer führt, gibt es eine Brücke und die Legende besagt, wenn man sie zum ersten Mal sieht darf man sich etwas wünschen, aber der Wunsch geht nur in Erfüllung, wenn man beim Überqueren die Luft anhält. Natürlich habe ich es auch ausprobiert. Nachdem die Tour schon nach einer Stunde wieder zu Ende war, entschieden wir uns noch dazu, ein bisschen durch das Viertel zu laufen, den Sonnenuntergang am Meer anzuschauen und die Stimmung zu genießen. Als es schon dunkel wurde, suchten wir uns einen Bus zurück zum Parque Kennedy, wo Carmen ihr Hostel hatte, und ich dann noch einen anderen nach Hause. Die Suche nach einer Haltestelle gestaltete sich etwas komplizierter als gedacht, aber am Ende haben wir es gefunden und ich machte mich auf den langen Heimweg, denn der Verkehr erlaubte es dem Bus nicht wirklich voranzukommen. So braucht ich ewig und ich verpasste es auch noch rechtzeitig auszusteigen, aber schließlich und endlich kam ich dann doch zu Hause an. Dort war niemand, denn Izzy hatte mit ihrer Turngruppe einen Auftritt und für mich gab es keine Karte mehr, sodass ich nicht mitkonnte und außerdem wollte ich ja auch Carmen treffen. So war es für alle die optimale Lösung. Nach der Show trafen sich Izzy, Mili und Jens noch mit Freunden in einem Restaurant, sodass sie erst spät heimkehrten. Ich war da schon im Bett, fand es aber toll, mal einen Abend alleine zu sein. Ich habe gegessen und Netflix geschaut, danach bin ich ins Bett gefallen. 

Am Donnerstagmorgen kam Svenia, Jens Tochter aus erster Ehe, hier in Lima an und war natürlich erstmal sehr müde. Trotzdem gingen wir los auf den Minimarkt, tranken einen Smoothie und kauften Obst und Gemüse ein. Mittags gab sollte es Sushi geben, also musste auch dafür der Reis vorbereitet werden. Für die Feiertage wurden dann noch einige Sachen aus dem Supermarkt benötigt, die man auf dem Markt nicht bekommen kann, also ging es auch dort noch hin. Da dieser Laden nicht nur Lebensmittel im Sortiment hat, sondern auch alles andere, was das Herz begehrt, wie Spielzeug, Schreibwaren, Klamotten und Haushaltswaren, entschied ich mich dazu meine Chance zu ergreifen und Weihnachtskarten sowie ein Geschenk für Svenia zu suchen. Glücklicherweise wurde ich auch recht schnell fündig und entschied mich für einen Planer für 2018 und eine Tasse mit I love Coffee. Denn ich wusste, dass Svenia Kaffee sehr gerne mag und ich dachte mir, einen Kalender kann man immer gebrauchen. In einem anderen kleinen Laden auf dem Weg fand ich dann noch Geschenkpapier und Tüten und so hatte ich alles beisammen. Ich war für Weihnachten gerüstet! Das Geschenke-Shopping ist gar nicht so leicht, wenn man nirgends alleine und unbeobachtet hinkommt. Aber ich habe es hingekriegt! Tschacka!

Jens hatte dann glaube ich keine Lust das Sushi zu rollen und so beauftragte er Svenia und mich damit, alles klein zu schneiden. Ich rollte, teils mit Izzys Unterstützung, die Rollen und Svenia schnitt sie klein. Perfektes Teamwork war das! Es war zwar wieder sehr spät als wir fertig waren, aber es schmeckte richtig gut! Danach wollte ich mich nochmal mit Carmen treffen, da das die letzte Möglichkeit war. Am Abend würden ihre Eltern landen und sie wollte sie gerne vom Flughafen abholen. Deshalb hatten wir nur sehr wenig Zeit, aber es war trotzdem nett. Sie brachte mir die Urkunde vom CEDIF mit und ich brachte sie zur Bushaltestelle. Svenia hatte ich angeboten uns Gesellschaft zu leisten, aber sie war zu müde und wollte lieber zu Hause bleiben. Izzy war aufgrund der Nervosität und Schlafmangel ebenfalls sehr müde und quengelig, sodass wir alle früh ins Bett gingen. 

Am Freitag passierte den ganzen Tag eigentlich nicht so viel. Morgens sind Svenia und Izzy zu Starbucks aufgebrochen, um einen Kaffee trinken zu gehen. Ich wollte eigentlich noch nachkommen, doch weil ein Missverständnis auf das nächste kam, stand ich am Ende vor Starbucks, ohne dass ich auf die beiden traf und musste wieder umdrehen. Dort waren sie zwei Minuten vor mir auch wieder angekommen. Wie sich herausstellte, war auf Izzys Orientierungssinn nicht wirklich zu vertrauen und die beiden haben sich verlaufen. Am Ende waren sie zwar in einem Starbucks, aber in einem anderen, viel weiter entfernteren. Und ich hatte Svenias Nachricht, dass ich nicht mehr loslaufen müsse, zu spät gesehen... Naja, passiert. ;P

Am Abend ist Mili dann noch mit Svenia und mir auf einen "Weihnachtsmarkt" gegangen. Im Prinzip war es sowas wie eine Messe. In einer riesigen Halle waren unzählige kleine Stände aufgebaut und man konnte von Klamotten, bis zu Schuhen, Schmuck, Pflegeprodukten, Spielzeug und Essen alles kaufen. Nicht wirklich weihnachtlich, aber sie hatten schöne Klamotten. Irgendwie habe ich in letzter Zeit total Lust darauf bekommen, verschiedene Dinge zu kombinieren und mehr mit Mode zu machen, aber im Moment bleibt mir nur die Wahl zwischen weißem oder schwarzem Top... 

Am Samstag sind Mili, Izzy, Svenia und ich am Vormittag zum Larcomar gefahren, einem Shoppingcenter an der Küste, und ein wenig durch die Läden geschlendert um festzustellen, dass Svenias Lieblingsläden verschwunden sind. Also sind wir in einen ihrer Favoriten um die Ecke gegangen und haben uns dann in ein nettes Café in der Nähe gesetzt. Irgendwann kam Jens noch dazu, dem hatte mili wohl gesagt wo wir waren und er war daraufhin mit dem Bus nachgekommen. In einem Supermarkt besorgten wir dann noch die letzten Sachen für das Weihnachtsessen und für die Kekse, die Svenia und ich am Nachmittag backen wollten. Peanut Butter Chocolate Cookies hatten wir uns vorgenommen. Laut Pinterest auch super einfach und schnell. Die Mengen wurden nach Svenias Augenmaß abgemessen und wir improvisierten eigentlich alles. Irgendwann wollte Izzy dann auch noch mitmachen. Der Teig war tatsächlich recht schnell gemacht, nach einer Kostprobe aber für viel zu süß empfunden. Also wurden irgendwie weitere Zutaten hinzugefügt bis wir einverstanden waren. Was aber ewig dauerte, war das Plätzchen ausstechen und backen, denn in den Ofen, dessen Temperatur man nicht regeln kann, passten nur wenige Kekse auf einmal und wir mussten sechsmal 15-20 Minuten warten und aufpassen, dass sie nicht verbrannten. Kein Blech verbrannte uns und wir waren ziemlich stolz auf unser Endergebnis. Es waren tatsächlich Kekse draus geworden. Am Ende überzogen wir sie noch mit Schokolade und besprenkelten sie mit gehackten Erdnüssen und unser Meisterwerk war vollbracht. Svenia, die auch gerne backt, meinte, es wären die schönsten Plätzchen, die sie je gebacken hat. Gut ausgesehen haben sie auch tatsächlich, aber mir waren sie viiiel zu süß. Alle anderen fanden sie aber super, was mich sehr gefreut hat. Wir waren jedenfalls ultra stolz drauf, nach dieser dreistündigen Aktion aber auch fertig für den Tag.

Der Sonntag, 4. Advent und Heiligabend, fühlte sich erstmal gar nicht an wie Weihnachten. Alles lief seinen gewohnten Gang und wir unternahmen erstmal nichts. Ich versuchte verzweifelt mit Mama und Papa zu telefonieren, was das WLAN aber nicht zuließ. Ehrlich gesagt machte mich das echt richtig traurig und ich wollte es irgendwann auch einfach nicht mehr probieren, weil es mich sonst nur noch mehr frustriert hätte. Es war echt scheiße mit niemandem reden zu können, immerhin war es Weihnachten und ich wollte mit meiner Familie wenigstens reden, aber es klappte einfach nicht. Um die Mittagszeit herum machten wir uns alle zusammen auf zum Bio-Markt. Davor gingen wir aber in einer super unscheinbaren und nicht wirklich ansprechenden Cevicheria Mittag essen. Zuerst wollte Mili, dass ich mir auf dem Bio-MArkt etwas zu essen kaufe, weil sie dachte, es gäbe nur Fisch in der Cevicheria. Dort fanden wir aber nichts, also sagte ich, ich hätte eigentlich auch kein Problem damit, einfach nach den Beilagen zu fragen. Ceviche kommt ja immer mit Mais, Bohnen, Süßkartoffeln und Salat. Also gesellten wir uns zu den anderen, die schon bestellt hatte. Tatsächlich hatten sie sogar eine vegeane Platte im Angebot. Ich war begeistert, denn es gab darauf alles was ich liebe. Süßkartoffeln, Yuca, Mais, Bohnen, Avocado, Salat, Chifles... und dazu das leckerste Dressing! In Wirklichkeit war es das Dressing vom Ceviche, das eigentlich fast nur aus Limettensaft und Chili besteht. Aber irgendwas haben die da noch reingetan, denn es war sooo gut! Es war das beste Essen was ich hier in Peru hatte. Allerdings war ich danach auch gesättigt für die nächsten drei Tage gefühlt. Dumm nur, dass heute ja Weihnachten war. Oder gut, denn so bekam ich keinen Hunger, bis es um 22 Uhr endlich Abendessen gab. Der Nachmittag ging irgendwie ziemlich schnell rum und auch der Abend war schnell zur Nacht geworden. Ich hatte es irgendwie doch noch hinbekommen, wenigstens ein bisschen mit meinen Eltern zu telefonieren und zu schreiben, was mich sehr glücklich gemacht hat. Auch wenn dieses Weihnachten wirklich etwas doof war, was die Verteilung unserer Familienmitglieder anging. Ich war hier in Peru, Mama und Joni in Berlin und Papa und Opa in Kressbronn, weil Opa krank geworden ist. Aber ich glaube am Ende hatten wir doch alle ein ganz schönes Fest, ich zumindest. Svenia machte mir abends noch die Haare, um 21 Uhr trudelte Milis Papa schließlich mit einer Stunde Verspätung ein. Izzy war super aufgeregt und konnte es gar nicht mehr abwarten, die Geschenke aufmachen zu dürfen. Eigentlich wurde ihr versprochen, dass wir um 9 Uhr essen würden, aber das Essen war noch nicht fertig und so konnte sie nicht wie erhofft um 22 Uhr die Geschenke auspacken. Während dem Warten auf das Essen fing sie irgendwann an zu weinen und durfte ein Geschenk schon vorher aufmachen. Das ließ ihre Augen wieder leuchten und ihr Gesicht strahlen. Sie griff sich natürlich das größte und darin war eine Puppe, die sie sich gewünscht hatte und die sprechen, krabbeln und pinkeln kann. Sie war begeistert und sofort wieder glücklich. In meinen Augen ein furchtbares Ding und Svenia und ich konnten nicht anders, als uns über die Puppe aufzuregen, aber Izzy war direkt in ihrer Mutterrolle drin und schleppte "Lucicita" überall mit hin. 

Nach dem Essen halfen wir Mili beim Abwasch, sodass wir alles schnell aufgeräumt hatten und zur Bescherung übergehen konnten. Im Prinzip waren alle Geschenke für Izzy und sie war hellauf begeistert. Meiner Meinung nach hat sie zu viel bekommen, aber alle waren glücklich und das ist was zählt! Svenia freute sich sehr über mein Geschenk und auch ich fand ihres für mich super süß! Sie hat sich total viele Gedanken gemacht. Und das nicht nur um meines, sondern auch für ihre Schwester, ihren Papa und Mili hatte sie super süße Dinge ausgesucht. Ich hoffe, sie hat sich nicht vernachlässigt oder übergangen gefühlt, weil ich dabei war und Jens immer seine "drei Töchter" zu uns sagt. Das ist nämlich das letzte was ich will. Über den Gutschein für den Freizeitpark haben sie sich glaube ich auch sehr gefreut, ich habe eine dicke Umarmung bekommen und es schien, als würden sie sich freuen. Ich war mir nämlich nicht mehr so sicher am Ende, da es nichts wirklich für Mili und Jens war. 

Ich persönlich bekam mehr, als ich mir jemals erträumt hätte. Neben Svenias Geschenk bekam ich von den Jaspers einen Schal aus Alpaka-Wolle, weil sie wussten, wie sehr ich die Muster liebe, dass ich nicht viel Platz habe und es in Kanada kalt wird. Ist das nicht süß! Leider war die Farbe jetzt nicht ganz so der Volltreffer, denn der Schal ist in allen Regenbogenfarben gestreift, aber zum Glück kann man ihn umtauschen. Svenia hat auch einen bekommen und war von den Farben auch etwas überwältigt. Jens wollte uns damit aber nur auf nette Art und Weise dazu bringen, mehr Farben zu tragen. 

All das kommt aber bei Weitem nicht an das heran, was meine Eltern für mich gemacht haben. Sie haben mir mit Abstand das schönste Geschenk der Welt gemacht, das schönste, was ich jemals bekommen habe und den Wert aller Geschenke dieser Welt übertrifft. Ich hätte niemals damit gerechnet und habe gar nichts erwartet, und dann haben sie mich einfach damit überrascht: ein ganz persönliches Video mit Bildern, Videos und Nachrichten von Zuhause, meiner Familie, Willy und meinen Freunden, die sie extra angeschrieben haben und die ihnen Videobotschaften oder Bilder und Nachrichten geschickt haben. All das in ein fast siebenminütiges Video zusammengeschnitten. Ich war sowas von geflasht, meine Gefühle zu dem Zeitpunkt lassen sich gar nicht in Worte fassen. Erst war ich einfach nur gerührt und überrascht, fand es super süß. Dann musste ich weinen, als ich gesehen habe, dass sie auch meine Freunde involviert hatten, und dann lachen, weil es zum Teil einfach nur witzig war. Danach war ich Komplett sprachlos und glücklich, was Schöneres hätte es nicht geben können für mich. Und so unerwartet! Ich fühlte mich nun gestärkt, hätte so noch weitere 5 Monate fortbleiben können, da das Video mein Heimweh um einiges linderte. Ich konnte es gar nicht glauben, was sie da für mich, extra für mich, gemacht hatten. Anscheinend war es auch nicht so einfach, das Video hier nach Lima zu senden und dann auf dem Fernseher abzuspielen. Es hat wohl ewig gedauert und alle mussten mithelfen, aber es war der Hammer. Mir war es nur unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen und so etwas Besonderes zu bekommen. Obendrauf habe ich auch noch einen paragliding Flug bekommen, den ich machen wollte, seit ich das erste Mal in Lima war. Beinahe hätte es noch einen Streit gegeben, Als ich gerade dabei war, Svenias Geschenk zu öffnen. Denn Jens wollte da schon das Video abspielen, alle anderen waren der Meinung, dass es später besser wäre. Ich ignorierte das einfach, weil ich mir selbst die Überraschung nicht ruinieren wollte und auch nicht ganz verstand worum es ging. Svenia wäre verständlicherweise traurig gewesen, wenn ihr Geschenk somit untergegangen wäre. Schlussendlich ist ja alles gut gegangen und ich hätte glücklicher nicht sein können. Nach der Bescherung spielte Izzy mit ihren Geschenken und um Mitternacht schauten wir dem Feuerwerk zu. So ein großes Feuerwerk habe ich noch nie gesehen, so viele Böller auf einmal! Es war echt schön und wir umarmten uns alle und wünschten frohe Weihnachten. Danach wurde noch bis 2 Uhr zusammengesessen, bis wir schließlich alle ins Bett gingen. Ich schrieb noch mit meiner Mutter, die schon wieder wach war, konnte meine Augen irgendwann aber nicht mehr offen halten. 

Ich hatte überhaupt nicht mehr damit gerechnet, aber es war ein wunderschönes Weihnachten, auch wenn es ganz anders war. Was einfach so schön ist, ist wie liebevoll mich alle hier aufgenommen haben und mich wie ein Familienmitglied behandeln. Ich fühle mich wie Zuhause, nur in meinem peruanischen Zuhause. Ich habe alle wirklich sehr sehr lieb gewonnen! 

Am Montag war hier wie in Deutschland auch ein Feiertag und da es sehr spät geworden war, haben wir alle ziemlich lange geschlafen und sind sehr entspannt in den Tag gestartet. Zum Mittagessen kamen Milis älteste Schwester und ihre Mutter, die noch mehr Geschenke für Izzy mitbrachten. Zu der sprechenden Puppe gesellte sich nun noch eine bestimmt einen Meter große Puppe, weshalb Isabella ab dem Zeitpunkt nur noch mit Mutter spielen beschäftigt war. Für den Nachmittag hatte sich auch noch Milis andere Schwester angekündigt, die ihre Kinder mitbringen würde und so entschieden Svenia und ich an den Malecón zu fahren und uns dort Fahrräder auszuleihen. Ich meinte schon im Bus, dass ich mir zum einen vorstellen könnte, dass es menschenleer ist oder aber, dass die Hölle los ist. Und tatsächlich war es so so voll dort, was bestimmt auch an dem schönen Wetter lag. Die Sonne schien, es war super warm und gefühlt halb Lima war am Malecón unterwegs. Es machte fast keinen Spaß dort spazieren zu gehen, weil es so überfüllt war und man sich immer seinen Weg durch die Menschenmassen bahnen musste oder abbremsen musste, weil die vor einem so langsam liefen. Wir fanden zwar den Fahrradverleih, waren uns aber einig, dass wir es lieber auf einen anderen Tag verschieben würden. Ich glaube, es hätte keinen Spaß gemacht und wir hätten bestimmt ständig absteigen und anhalten müssen oder hätten aus Versehen ein Kind umgefahren. Das wollte ich dann doch nicht riskieren. Also setzten wir uns in einen Starbucks und kühlten uns ein bisschen ab. Danach liefen wir am Meer entlang Richtung Süden bis wir nach Barranco kamen. Es war ein recht langer Spaziergang, aber mit der Zeit wurde es leerer und wir hatten ja keine Eile. Wir unterhielten uns ab und zu, aber manchmal liefen wir auch nur schweigend in unseren Gedanken vertieft nebeneinander her und genossen den Sonnenuntergang über dem Meer. Es war wirklich sehr entspannt und tat gut, mal wieder so lang ziellos spazieren zu gehen, ganz ohne Stress und Hektik. Der Nachmittag verging im Fluge und in Barranco selbst verbrachten wir nicht wirklich viel Zeit, wir nahmen nur einen Bus, der uns eigentlich in der Nähe von Zuhause absetzen sollte. Allerdings landeten wir am völlig anderen Ende der Stadt und mussten so zu Fuß zum Parque Kennedy laufen, um von dort einen Bus direkt nach Hause nehmen zu können. Es war schon dunkel und wir hatten beide keine Lust mehr zu laufen, aber uns blieb nichts anderes übrig. Jens schrieb eine Millionen Mal die gleiche Nachricht mit dem Namen der Station, an der wir aussteigen mussten, dabei wusste ich das alles schon. Ich konnte ja auch nichts dafür, dass der Busfahrer mir Müll erzählt hatte. Im Zentrum von Miraflores fanden wir tatsächlich sofort den richtigen Bus und stiegen ein. Anfangs hatten wir noch einen Sitzplatz, aber für eine ältere Dame gaben wir diese auf und stellen uns in den völlig überfüllten Gang. Dort quatschte uns ein Mann an und verwickelte uns in eines dieser ätzenden Gespräche, die man mit Fremden führt. Da es dunkel war, war es schwer zu erkennen, wo wir aussteigen mussten und ich war immer wieder am Umgebung studieren. Leider mussten wir an genau derselben Haltestelle raus wie der Mann, von dem wir unieigentlich schon verabschiedet hatten. Seine Fragen wurden nämlich immer merkwürdiger und aufdringlicher. Er begleitete uns einige Meter bis er meinte, er würde eigentlich in der anderen Richtung wohnen. Dann fragte er uns, ob wir Sport machen würden und wir antworteten beide einfach nur mit Nein. Aber was dann kam war der Gipfel: er fragte uns doch tatsächlich, ob er uns BEIDE mal zu einem Abendessen ausführen dürfe. Ich direkt so: „NEEE!“ und Svenia noch etwas netter: „Wenn wir uns nochmal wiedersehen sollten vielleicht…“ Ihhhhh, was dachte der sich denn bitte dabei und warum müssen Peruaner immer so komisch sein? Der Typ war echt eklig und wir beschleunigten unsere Schritte, um uns schnell von ihm zu entfernen. 

Für den Dienstagvormittag hatten wir etwas ganz besonders cooles geplant. Izzy, Svenia und ich wollten Surfen gehen! Ich hatte das zwar schon lange vor hier in Lima zu machen, aber ich dachte nicht wirklich, dass man eine reelle Chance hat, beim ersten Mal irgendetwas hinzubekommen. Ich freute mich trotzdem riesig drauf, Svenia war etwas aufgeregt und Izzy sich nicht wirklich sicher, ob sie das wirklich machen wollte. Natürlich wollte sie, aber als wir dann um kurz nach zehn bei dem Zelt der Surfschule ankamen, war es ihr doch nicht geheuer und sie entschied sich dagegen. Svenia und ich dagegen zogen uns einen Neoprenanzug an, was wirklich nicht so einfach ist. Währenddessen änderte Isabella doch nochmal ihre Meinung und wollte jetzt doch auch ins Wasser. Also bekam auch sie einen Anzug und irgendwann begann die „Theorie“. Svenia und ich waren zusammen mit einem anderen Jungen in einem Team und bekamen zu dritte einen Surflehrer. Izzy hatte ihren persönlichen, der auch mit ihr auf einem Brett liegen würde. Wir bekamen gezeigt, wie wir aufstehen mussten, übten dieses einige Male auf dem Trockenen und er warnte uns vor einigen Gefahren. Danach ging es auch schon an die Bretter und auf ins Meer. Wie gesagt hätte ich wirklich niemals damit gerechnet irgendwas hinzubekommen, da ich mir Surfen immer so schwer vorgestellt habe, aber es hat so einen riesigen Spaß gemacht! Am liebsten wäre ich nie wieder aus dem Wasser gegangen. Ich habe es tatsächlich direkt von Anfang an geschafft auf dem Brett zu stehen und zu surfen, während die anderen immer beim Aufstehen herunterfielen. Es war so ein geniales Gefühl auf dem Brett zu stehen und von den Wellen in Richtung Strand getragen zu werden. Leider sind wir nie sehr weit ratsgepaddelt, weswegen der Surfspaß immer schnell zu Ende war und ich alles wieder Zurückpaddeln musste. Dieser Teil war der anstrengendste von Allem, meine Arme schmerzten schon nach Kurzem, aber mich konnte nichts aufhalten. Ich wollte einfach immer wieder so schnell wie möglich zurück raus aufs Meer um es erneut zu probieren. Ich war absolut glücklich und auch wenn ich unglaublich viel Salzwasser geschluckt habe an diesem Morgen, einmal jemand über mich drüber gefahren ist und es mich etliche Male unter den Wellen begraben hat, war es so genial! Ich habe es geliebt auf dem Brett zu sitzen und mich von den Wellen schaukeln zu lassen, habe die Schmerzen ignoriert und meinen Armen immer weiter befohlen zu paddeln und es einfach genossen, dort zu sein. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, aber es hat so viel Spaß gemacht und ich konnte einfach nicht aufhören zu strahlen. Mein Surflehrer Oskar war glaube ich auch etwas stolz auf mich, denn er meinte die ganze Zeit, ich wäre wirklich am SURFEN! Er scherzte, warum ich ihn angelogen hätte, dass ich noch nie gesurft sei. Aber es war ja die Wahrheit. Ich war einfach nur begeistert und sprudelte fast über vor Glück! Izzy sah ich schon nach kurzer Zeit wieder am Strand neben Jens warten und auch Svenia verließ relativ schnell wieder das Wasser. Ich dagegen hoffte, es möge nie zu Ende gehen. Ich bin rausgepaddelt bis Oskar meinte, jetzt reiche es. An Land konnte ich fast nicht auf den groben Steinen stehen, hatte keine Energie mehr und mir tat alles weh. Aber es störte mich nicht, denn die Schmerzen war es absolut wert gewesen. Ich überlege jetzt schon, wo ich als nächstes hingehen kann, um einen richtigen Kurs machen zu können…

Nach einem Abstecher zum Markt um Obst zu kaufen (und mir freies Obst zum Kosten abzustauben, denn ich musste unbedingt was essen) kamen wir wieder nach Hause und ich befreite mich von dem ganzen Sand und Salz, das an mir klebte. Mir tat wirklich meiner ganzer Körper weh, ich spürte Muskeln, von deren Existenz ich nichtmal wusste. Vor allem meine Arme und Schultern, meine Beine und mein Po schmerzten, aber auch an den Stellen, wo man auf dem Brett auflag taten weh, ich habe bis heute noch blaue Flecken. Trotzdem hatte ich am Nachmittag irgendwie noch Lust etwas zu unternehmen und auch den anderen ging es so. Also fuhren wir alle zusammen zum Jockey Plaza, einem Einkaufscenter hier in Lima, um für Jens nach T-Shirts zu suchen und ein bisschen Bummeln zu gehen. Svenia bekam endlich eine SIM-Karte für ihr Handy und konnte in ihre Lieblingsläden gehen. Ich glaube sie geht sehr gerne shoppen und so fackelten Jens und ich ihr mehr oder weniger nur hinterher. Mit der Zeit tat mir mein Hinterteil und meine Beine einfach so sehr weh und ich war so müde, dass ich mich zu jeden Schritt zwingen musste. Svenia war aber in ihrem Element und es wurde immer später. Mili und Izzy waren in der Spielzeugabteilung, denn dort wollte sie (zwei tage nach Weihnachten) schon wieder nach mehr Ausschau halten. Denn nun wünscht sie sich Klamotten für ihre Puppe Baby Alive, der sie sogar Klamotten selbst bastelt… Am Ende, als ich dachte, wir hätten es endlich geschafft und mein Magen sich meldete, setzten wir uns noch in ein Café und Izzy bekam 15 Minuten in einem Bällebad spendiert. Danach ging es aber tatsächlich endlich nach Hause, wir hatten mittlerweile 21 Uhr. Ich war super müde, aber auch sehr zufrieden, denn der Tag war super schön gewesen.

Am Mittwoch gingen Jens, Svenia und ich auf den Inka Markt, einen riesigen Markt voller Souvenirläden, bei dem ich auch schon ganz am Anfang war. Dort tauschten wir den Schal ums, den Svenia und ich zu Weihnachten bekommen hatten. Denn Jens hatte welche in allen Regenbogenfarben für uns ausgesucht, weil er meinte, wir sollen mehr Farbe tragen, wir würden zu konservative Farben tragen. Nach ewigem Hin und Her konnten wir uns entscheiden, welchen wir mitnehmen wollten und brachen auch für Mili noch einen mit. Svenia fand noch ein Souvenir für ihren Freund und seine Mutter, ich kaufte einen Traumfänger. 

Auf dem Rückweg hielten wir an einem Spa an und fragten, ob sie Zeit für uns hatten. Glücklicherweise waren sie gerade nichts sehr beschäftigt und so gönnte sich Svenia eine Pediküre und eine Maniküre und ich eine einstündige Massage. Hier zahlt man für eine Stunde nur ein Viertel von dem, was man in Deutschland bezahlen würde und Ate wollte mir eh mal eine spendieren. Die Gelegenheit musste ich also ausnutzen! Es war super angenehm und ich war danach so entspannt, wie schon lange nicht mehr. Sie massierte den ganzen Körper und ich dachte die ganze Zeit, ich muss unbedingt mal einen vhs-Kurs machen, um das zu lernen. Es ist echt genial! Svenia war auch zufrieden mit ihren Nägeln, was für den Preis auch super war. Wir haben es uns also richtig gut gehen lassen an dem Tag. 

Für den Abend hatten wir einen Spieleabend geplant und so fingen wir um 20 Uhr an, „Wer bin ich?“ zu spielen, bis wir keine Lust mehr hatten. Danach spielten wir noch „Stadt, Land, Fluss“, und ich muss sagen, beide Spiele waren einfach super lustig, da wir immer in Deutsch, Englisch und Spanisch spielten und alles durcheinander war. Wir hatten alle echt riesigen Spaß. Nur mit Jens zu spielen ist wirklich sehr anstrengend… er redet immer viel zu viel und gerade bei „Wer bin ich?“, wo man nur mit Ja oder Nein antworten darf, hat er alles viel zu sehr auseinandergenommen. Izzy sollte z.B. mal eine Tomate erraten und er antwortete bei der Frage, ob sie lebendig sei, mit Ja… So kommt die doch nie auf eine Tomate! Und bei der Größe oder Kategorisierung von Tieren nahm er es immer viel zu ernst. Trotzdem war es sehr lustig und ich habe sogar beide Male gewonnen.  

Was wir vormittags gemacht haben weiß ich nicht mehr, aber ich kann mich noch erinnern, dass ich mit den schlimmsten Schmerzen meines Lebens gerechnet habe. Aber ich muss sagen, mein Körper tat mir nicht so sehr weh wie erwartet. Ich hatte zwar Muskelschmerzen und blaue Flecken, aber im Großen und Ganzen war es auszuhalten. Am Tag zuvor war es viel schlimmer, direkt nach dem Surfen, als alle Muskeln erschöpft waren. Am Nachmittag hatten sie sich etwas erholt, aber nach der Shoppingtour war es ganz schlimm. Ich dachte wirklich als wir dort waren bei jedem Schritt, ich sterbe. 

Am Donnerstag waren wir (ohne Mili, die muss als einzige arbeiten) vormittags in einem sehr netten Café in Miraflores, das von außen sehr unscheinbar wirkte, von innen aber super schön gemütlich eingerichtet war und allerlei vegane Gebäcke anbot. Ich mochte es dort sehr, auch die anderen Menschen wirkten sehr interessant. Einer war am lesen (ein richtiges Buch), vor ihm auf dem Tisch lag ein Notizbuch und ein anderer saß an seinem MacBook und genoss einen veganen Orangenkuchen. Es war wirklich klein, aber fein. Danach machten wir noch einen Abstecher zum Schokoladenmuseum und zum Markt, um wieder Obst und Gemüse zu kaufen. Zuhause fingen Svenia und ich dann direkt an zu kochen, denn wir wollten zum Mittagessen Pizza machen. Den Teig machte Svenia selber, wir bereiteten Salat zu und schnitten alle Dopings klein. Nachdem der Teig geruht hatte und wir ihn ausgerollt hatten, konnte jeder seine Pizza belegen wie er wollte. Auf unser Ergebnis waren wir ziemlich stolz und es schmeckte auch sehr lecker. Sie sahen echt perfekt aus! Mit Svenia macht kochen echt Spaß, auch wenn wir anders an die Dinge rangehen. Bis jetzt haben wir aber schon ziemlich viel gekocht und gebacken und es hat immer alle begeistert. Am Nachmittag waren wir beide im Museum Larco, einem sehr guten Museum hier in Lima, das eine unglaublich riesige Sammlung an Fundstücken der verschiedenen präkolonialen Kulturen ausstellt. Es war echt interessant und beeindruckend, wie gut die Vasen, Teppiche und Schmuckstücke noch erhalten sind. In einem separatem Lager sind über 45.000 Fundstücke ausgestellt! Das ist echt eine Menge! Zusätzlich gibt es noch eine Ausstellung über die Darstellung von Erotik in den damaligen Kulturen und das war zugegeben die absurdeste aber auch witzigste Ausstellung, die ich je besucht habe. Unglaublich, was die für Flaschen und Vasen gefertigt haben… Außerdem war der Garten des Museums wunderschön, mit unzähligen Blumen in verschiedenen Farben und Kakteen, Bäumen und Sträuchern. Er sah fast verwunschen aus und ist ein Traum für jedes Eigenheim. Da hätte ich einen ganzen Tag verbringen können. Während wir im Museum waren, besuchten die anderen drei Milis Schwester, die dort ganz in der nähe wohnt.

Am Abend waren wir noch zusammen in einer Bar namens „eka“, wo an diesem Abend ein super cooles Event stattfand, das Mungo Lingo hieß. Am Eingang bekommt jeder einen Aufkleber mit der Flagge seines Heimatlandes und zusätzlich noch die deren Sprache man noch spricht. Ich hatte also die Deutschlandflagge, die der USA und Peru. Svenia Südafrika, Deutschland und Peru, auch wenn sie eigentlich noch Französisch spricht. Es kommen Leute aus aller Welt dahin und die Idee ist, dass man sich so auf allen möglichen Sprachen mit fremden Menschen unterhalten kann, die alle offen und gesprächig sind. Tatsächlich wurden wir auch direkt als wir den ersten Fuß in die Bar setzten von einer Gruppe Peruanern angesprochen. Da die aber ein bisschen komisch wirkten und das Gespräch ziemlich stockte, entschuldigte sich Svenia und wir holten uns etwas zu trinken. Sobald man nicht mehr in ein Gespräch verwickelt war, kam auch schon der nächste und quatschte einen an. Allerdings herrschte an dem Abend deutlicher Männerüberschuss und zudem war der Großteil peruanisch bzw. aus Lima. Das mag ja auf den ersten Blick nicht schlecht erscheinen, aber Peruaner sind in ihrer Art sich mit Fremden zu unterhalten sehr aufdringlich und hartnäckig. Da unsere Kennenlernstory, Svenias Leben und mein Aufenthalt sehr kompliziert ist zu erklären und für Aussenstehende total verwirrend ist, haben wir uns irgendwann einfach Geschichten ausgedacht und Fake-Namen gegeben. Das war echt lustig und hat mich in so manche Bredouille gebracht. Leider waren aber unsere Gesprächspartner alle seeehr komisch und wir haben niemanden getroffen, der uns sympathisch war oder mit dem das Gespräch rundlief. Irgendeiner von uns musste irgendwann leider immer auf Klo, ein neues Getränk bestellen, etc…  Was uns beide störte war, dass viele von ihnen uns einfach von Anfang an zu nahe kamen, wir sind beide keine Fans davon und rückten immer weiter weg von ihnen. Manche waren auch schon zu betrunken und richtig seltsam, alles in allem also leider ein kleiner Reinfall, was die Besucher anging. Das Highlight des Abends war unser Gespräch zu zweit, das aber auch irgendwann von zwei Typen unterbrochen wurde. Die Idee finde ich nach wie vor genial, aber ich glaube, wir hatten ein bisschen Pech mit den anderen Besuchern. Svenia war schon einmal bei so einem Event, auf dem sie zwei Freunde gewonnen hat. Uns begegneten leider nur komische, eklige oder unsympathische Peruaner, mit denen das Gespräch irgendwann einfach versiegte, es jedoch keiner beenden wollte. Um Mitternacht waren wir beide müde und entschieden uns nach Hause zu gehen. Dort versuchten wir 10 Minuten lang die Tür zu öffnen, was irgendwie unmöglich war, bis ich es plötzlich doch geschafft habe. Nachdem wir uns dann noch eine Stunde in der Küche unterhalten hatten, gingen wir endlich schlafen.

Am Freitagvormittag wollten Svenia und ich es eigentlich nochmal mit den Fahrrädern probieren, aber als wir mit Jens und Izzy am Malecon ankamen, war es leider schon zu spät. So tranken wir nur etwas in einem Café, das auf einen Felsen der Klippe gebaut wurde. Man hatte einen genialen Blick auf das Meer (auch wenn es immer bewölkt ist) und war umrahmt von etlichen Pflanzen und der Küste. Am Nachmittag brauchte ich unbedingt mal eine Pause nach dem ganzen Programm der letzten Tage und zum Glück ging es Svenia auch so. Jens war beim Zahnarzt und so blieben wir tatsächlich am Nachmittag zu Hause. Ich hatte Zeit für diesen Artikel und konnte etwas ausruhen. Abends passten wir auf Izzy auf, denn Jens und Mili gingen zusammen ins Kino und schauten Star Wars. Es freute mich, dass sie die Gelegenheit nutzten, dass Svenia und ich auf Isabella aufpassen konnten, denn sonst ist es für sie ja nicht möglich. Es wurde Eis gekauft und es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Wir entschieden uns dazu, einen Film zu schauen. Die Wahl fiel auf „Ein Zwilling kommt selten allein“, was mein absoluter Lieblingsfilm war als ich klein war. Und zufälligerweise ist es auch Izzys Lieblingsfilm und so war es nicht schwer, sich zu einigen. Am Ende schlief ich fast auf dem Sofa ein und so m achten wir uns fertig und gingen schlafen. 

Was wir heute machen weiß ich nicht, aber mal sehen. Ich weiß, der Bericht ist jetzt sehr lange geworden, aber ich hatte einfach keine Zeit zu schreiben. Die anderen Wochen kommen noch.

Krass ist, dass ich in weniger als drei Wochen schon wieder zu Hause sein werde! Drei Wochen sind so wenig und jetzt ging die Zeit doch noch ziemlich schnell rum. Zwischendurch wollte ich nämlich sehr gerne nach Hause, aber jetzt denke ich mir, dass ich gar nicht mehr genug Zeit habe um Alles das zu machen, was ich noch vorhabe. Es ist so bald, dass ich nach Hause zurückkomme, Weihnachten ist schon wieder rum und Neujahr steht vor der Tür. Krass, dass 2017 schon wieder fast zu Ende ist, auch wenn super viel dieses Jahr passiert ist! Ich freue mich schon, euch alle bald wiederzusehen! 

Emily

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It feels like home - back in Lima!

Am Montgmorgen wachte ich schon um 4 Uhr auf und konnte nicht mehr schlafen, weil ich so nervös war, dass ich den Flug verpassen könnte. Gegen 5 Uhr checkte ich meine Emails und - ich hatte es schon im Gefühl - tatsächlich hatte ich zwei Nachrichten von meiner Airline bekommen. Mein Flug wurde gecancelt und statt um 8:20 flog ich jetzt um 11:50 Uhr… Das frühe Aufwachen war also vergeblich, ich musste mein Taxi umbestellen, viele Stunden mit Warten überbrücken und Jens Bescheid geben, dass er mich später erwarten müsse. Und ich dachte nach dem Online Check-In am Tag zuvor könne nichts mehr schief gehen. Zum Glück gab es aber noch eine Verbindung am selben Tag! Warum konnte der blöde Flieger nicht einfach wie geplant abheben? Da ich nicht so lange im Hostelzimmer bleiben durfte, kam ich relativ früh am Flughafen an, wo es ein kleines Frühstück gab und ich dann stundenlang wartete… Das Boarding war eigentlich für 11:05 Uhr angesetzt, doch um 11:45 Uhr, fünf Minuten vor dem geplanten Abflugszeitpunkt, saß ich immer noch in der Wartehalle am Gate… Ich hatte echt keine Lust mehr zu warten, vor Allem weil ich nicht wusste wie lange noch. Die Peruaner und ihre Pünktlichkeit sowohl ihre Aussagen zur Zeit kannte ich ja mittlerweile, aber es war trotzdem nervig. Ich war zudem auch einfach müde und wollte nur nach Lima. Nachdem ich einen Angestellten gefragt hatte, wann wir denn boarden würden, sagte er mir, in Lima wäre viel Verkehr und wir müssen erst auf eine Landeerlaubnis warten. Aber in 10 Minuten würden wir einsteigen können und bestimmt auch pünktlich kommen. Ich war also nicht wirklich schlauer, aber tatsächlich tat sich nach einer Viertelstunde etwas und wir hoben um 12:30 Uhr endlich ab. Die meiste Zeit vom Flug verschlief ich wieder und als wir um 13:45 Uhr (statt 13:24 Uhr) endlich landeten, war ich heilfroh! Mein Gepäck war ebenfalls mitgekommen und Hernán, ein Fahrer und Bekannter von Jens, wartete bereits auf mich. Wir fuhren einmal quer durch Lima, dieses Mal jedoch bei Sonnenschein und viel schönerem Wetter als im August, vorbei am Meer bis nach Hause. Dort erwarteten mich schon Jens und Izzy, die mich herzlichst empfingen. Jens lag im Bett von Izzy, ich fühlte mich sofort wie zu Hause, da alles ganz entspannt war. Ich bekam leckeres Mittagessen, öffnete endlich das Paket von zu Hause und ging später noch mit Jens ordentlich Obst und Gemüse einkaufen sowie einen frischen Saft trinken. 

Den Rest der Woche verbrachte ich wirklich nichtstuend und entspannend. Vormittags waren Mili beim Arbeiten und Izzy in der Schule, meistens stand auch nachmittags noch etwas auf dem Programm. So hatte ich viel Zeit für mich, fuhr ein paar Mal mit Jens zum Einkaufen, Ministerium, Friseur etc oder holte Izzy von der Schule ab. Also nichts spannendes. Am Donnerstagabend hatte Izzy einen Tanzauftritt in ihrer Schule, weshalb wir selbstverständlich alle (inklusive Oma und Cousine) um 19:30 Uhr im Auditorium der Schule anwesend waren und uns die Show ansahen. Es war wirklich goldig und mit viel Liebe gemacht, die Kinder führten verschiedene Tänze in Trachten auf und spielten Cajón. Spät erst kamen wir wieder zurück, aber Izzy war ganz happy und ich freute mich, sie gesehen zu haben. Davor war sie ganz nervös und schon die Tage davor sehr geschäftig dabei ihre Proben zu organisieren. Wirklich putzig. Was lustig war, war die Rede vom Direktor der Schule, denn da war sogar mein Spanisch besser und mit weniger Akzent behaftet. ;D

Heute, Freitag, ist Feiertag und ich glaube der Bruder von Mili kommt zum Mittagessen vorbei. Wir werden grillen, mal sehen was danach noch passiert. Eventuell gehen wir ins Kino, das fände ich echt cool! 

Eine kleine Anmerkung am Rande: es ist wirklich super komisch die Weihnachtszeit im Sommer zu verbringen! Hier ist es richtig warm, aber wenigstens gibt es einige weihnachtliche Plakate, ein paar Weihnachtsbäume und Dekorationen in der Stadt (Lima ist echt viel schöner im Sommer und gefällt mir dieses Mal echt richtig gut muss ich sagen) und Jens und Izzy haben die Wohnung mit ganz viel Weihnachtsdeko geschmückt. Das ist schön zu sehen, auch wenn es sich einfach nicht wie Dezember und Weihnachten anfühlt. Mein Kopf ist noch im August, wahrscheinlich auch, weil die letzten Monate so schnell rumgegangen sind. Nikolaus wird hier gar nicht gefeiert, das war schon etwas schade, aber verkraftbar. Heilig Abend wird anscheinend auch überhaupt nicht besinnlich gefeiert, sondern richtig Party gemacht. Da bin ich mal gespannt drauf. Ein kleiner Trost sind meine zwei elektronischen Adventskalender, die meine Nostalgie etwas dämpfen. Sooo süß von Mama und Ate, aber ich habe auch lange genug genervt… Ich freue mich aber auch Svenja, Jens’ Tochter, kennenzulernen. Vielleicht will sie mit mir an der Küste paraglyden, das habe ich mir nämlich fest vorgenommen. Am Samstag oder Sonntag fahre ich jedenfalls weiter nach Arequipa und von da aus dann mit einigen Zwischenstopps zurück nach Lima, sodass ich vor dem 24. wieder hier ankomme. Nach der Woche kann ich hoffentlich auch erholt und mit neuer Energie starten.

Emily

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Regenbogenberge, Ruinen und der Titicacasee

Wie schon angekündigt, ging es am Montag für mich zu den berühmten Regenbogenbergen auf dem App Vinicunca. Diese sind einige Stunden Busfahrt von Cuzco entfernt, weshalb ich bereits um 3:10 Uhr aufstehen musste. Es hieß, man würde mich zwischen 3:30 und 4:00 Uhr abholen, also wartete ich brav vor dem Hostel. Allerdings war es ziemlich kalt, dunkel und ich war müde, sodass ich ziemlich genervt war, als mich nach 4:00 Uhr immer noch niemand abgeholt hatte. Mir war diese Wartereri auf Cuzcos Straßen nicht so wirklich geheuer und ich rief die Agentur an. Die Frau am Telefon meinte, sie würden mich gleich holen und es würde nicht mehr lange dauern. Ich rief sie noch zwei weitere Male an, da ich, bis ich dann um 4:45 Uhr endlich aufgegabelt wurde, an der Vertrauenswürdigkeit der Agentur zweifelte und wirklich keine Lust mehr hatte um diese Uhrzeit so läge zu warten. Zudem treiben sich im Morgengrauen einige zwielichtige Personen auf den Straßen herum, denen man bevorzugterweise lieber aus dem Weg geht. So eine Gruppe von drei Männern schlich irgendwann auf der gegenüberliegenden Straßenseite an mir vorbei, eine halbe Stunde später kehrten sie auf derselben Seite auf der auch ich stand wieder zurück in die andere Richtung. Mir waren die Gestalten nicht ganz geheuer, vor Allem eben deshalb, weil sie so langsam liefen. Als sie also genau an mir vorbei liefen ging ich einen Schritt näher an meinen Rucksack heran, da ich ihnen nicht traute. Da hielten die Männer an und der eine fragte mich, was los sei. Ich meinte gar nichts, er solle mit einfach in Ruhe lassen und weitergehen. Das sagte ich zehn mal, er blieb aber einfach stehen und fragte, was los sei. Neben uns auf der Straße hielt ein Taxi an und beobachtete das Geschehen. Irgendwann schlich er dann doch weiter, der Taxifahrer ließ das Fenster runter und fragte, ob man mich überfallen hätte. Ich verneinte und meinte, es wäre nichts passiert. Er sagte, ich solle auf mich aufpassen. Aber mal ganz ehrlich, wenn was passiert wäre, dann hätte sein Zusehen auch nichts gebracht. Dafür wäre es dann auch zu spät gewesen. 

Naja, jedenfalls wurde ich dann glücklicherweise doch noch abgeholt und um 5:00 Uhr startete der Bus dann endlich in Richtung Regenbogenberge. Die Fahrt war echt ziemlich lange und der Bus nicht der neueste… Nach einem Frühstück ging die Fahrt dann noch weiter, bis wir um 9:15 Uhr endlich ankamen. Das Wetter war wunderschön und da ich immer noch erkältet bin und wir uns auf 5200m Höhe befanden, nahm ich mir für den steilen Aufstieg ein Pferd und ritt nach oben. Immer wieder musste ich absteigen und die steilsten Abschnitte selbst laufen und auch das finale Stück muss man auf eigene Faust erklimmen. Aber die Aussicht war der Hammer! Ich habe in meinem Leben noch nie so eine schöne Berglandschaft gesehen. Die Berge wirken wie gemalt, die Farben surreal. Es war wirklich beeindruckend und wunderschön. Oben auf dem Gipfel wurde die Aussicht nochmal getoppt. Es war zwar wirklich eisig kalt, meine Hände taten furchtbar weh und es fing irgendwann an zu schneien und zu gewittern, aber man wollte diesen Ort einfach nicht verlassen. Da ich nicht gelaufen war, blieb mir etwas mehr Zeit auf dem Gipfel, doch auch diese war viel zu kurz und ich wäre gerne noch weiter ins Valle Rojo gelaufen, doch dazu war keine Zeit. Das Gewitter klang außerdem gruselig nah und man sagte uns, wir sollen die Handys ausschalten und absteigen, es würde gefährlich werden. Auf den letzten Metern fing es noch heftig an zu regnen, sodass ich klatschnass und durchgefroren im Bus ankam. Bis zum Abend hin wurde ich nicht mehr so richtig warm, aber das Mittagessen tat sehr gut und nach der ewigen Busfahrerei war ich froh, in mein Bett gehen zu können. Es war aber ein einmaliges und hammermäßiges Erlebnis!

Der Dienstag war mein letzter Tag in Cuzco und ich besichtigte die in der Nähe auf einem Berg liegenden Ruinen Tambo Machay, Puka Pukara, Qenko und Sacsayhuamán. Die waren leicht mit Bus und zu Fuß erreichbar, sodass man sie alle an einem Tag erledigen konnte. Die ersten drei waren ziemlich klein, aber Sacsayhuamán ist riesig. Mittags fing es wieder an zu regnen, doch nachdem ich fertig mit Mittag essen war, war es wieder trocken und ich konnte mir die Ruinen in Ruhe ansehen und hatte schönsten Sonnenschein. Danach war ich noch am Christo Blanco, einer weißen Jesusstatue auf dem Berg mit Sicht auf Cuzco. Dort wurde ich von einer Gruppe angesprochen, ob ich mit ihnen Fotos machen könne. Das war an sich ja kein Problem, was aber gruselig war, war, dass die drei Mädels und der Mann aus Andahuaylas kamen und der Fotograf mich am Ende nach meiner Email Adresse fragte, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Ich war irgendwie verunsichert und gab deshalb eine falsche Email an… 

Zurück in der Stadt besorgte ich mir dann noch ein Busticket für den nächsten Morgen nach Puno und kehrte ins Hostel zurück.

Am Mittwochmorgen ging es dann - zufälligerweise mit einem anderen Pärchen aus dem Hostel zusammen - zum Busbahnhof und um 8:00 Uhr dann auf nach Puno. Im Bus konnte ich nach den ganzen letzten Tagen erstmal ein wenig relaxen, Schlaf nachholen und nichts tun. Das war echt richtig erholsam und toll, auch meine Beine haben sich über die Laufpause gefreut. So gegen 15 Uhr kam ich in Puno an und ließ mich direkt zum Cozy Hostel bringen, wo Carmen und ich schon das letzte Mal übernachtet hatte. Es ist einfach das schönste und gemütlichste Hostel, das ich kenne. Ich hatte diesmal kein Bett vorgebucht, nur vorher angerufen und so sparte ich nicht nur Geld, ich ließ mir auch offen, wann ich komme. Bis zum Tag davor stand ja noch nicht fest, wann ich tatsächlich weiterfahre. Also bekam ich ein Bett in einem 8-Bett-Zimmer, in dem aber nur ein anderes belegt war. Ich verbrachte den ganzen restlichen Nachmittag trotz schönem Wetter im Hostel, nutzte das WLAN und tat einfach mal nur sinnloses Zeug. Wie unglaublich gut das tat. Leider kam dann noch etwas Unschönes dazwischen, denn nachdem sich mein „deutsches“ Handy plötzlich komplett aufgehangen hatte und es nicht mal mehr ausging, war ich etwas verzweifelt… Da mein Laptop ja leider voll ist, konnte ich weder die Bilder sichern, noch ein Backup machen. Um das hinzubekommen, löschte ich allerdings die alten Backups, doch der Speicherplatz reichte trotzdem nicht. Die Bilder hatte es zwar importiert, sie nahmen also Platz weg, doch sie wurden nicht angezeigt. Jetzt sponn also nicht nur das Handy sondern auch noch mein Laptop. Ich wusste nicht mehr was ich machen sollte. Alle Fotos der letzten Tage waren darauf! Zusammen mit der Müdigkeit, meiner Erkältung, die ich immer noch mit mir herum schleppe, und der Anstrengung der letzten Wochen, war ich an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Ich wollte einfach nur nach Hause, ein funktionierendes Handy und eine Umarmung. Ich war echt fertig, rief meine Eltern mitten in der Nacht an und heute ohne triftigen Grund. Als ich mich dann wieder beruhigt hatte, suchte ich im Internet nach Flügen nach Lima. Mama meinte, es wäre vielleicht eine gute Idee sich mal ein paar Tage auszuruhen und zu erholen, zu einem Arzt zu gehen und eine externe Festplatte zu holen. Da Puno aber nicht weiter von Lima weg sein könnte, gab es nur die Möglichkeit zu fliegen, Busse fahren nicht direkt. Die Flüge von Cusco waren zwar deutlich billiger, doch von Juliaca aus zu fliegen würde mir einen Tag schenken und weniger kompliziert sein. Mein nicht funktionierendes Handy legte ich zur Seite und hoffte, dass es am nächsten Tag wieder funktionieren würde. Leider tat es das nicht. Als ich aufwachte hatte ich zwar einige Nachrichten, doch ich konnte es immer noch nicht bedienen. Als ich beim Frühstück saß, rief Papa an und hatte zum Glück die Lösung. Er war so lieb und hat recherchiert, wodurch ich einen Neustart durchführen konnte und danach alles wieder funktionierte. Mann war ich erleichtert und froh. 

Beruhigt konnte ich also aufbrechen und auf einen kleinen Hügel steigen, auf dem eine Statue des ersten Inkas Manco Capac, den Blick auf den See richtend, steht und von dem aus man einen wundervollen Panoramablick auf die Stadt und den See hat. Wie gesagt hatte ich auch großes Glück mit dem Wetter, sodass es auch wirklich sehr schön aussah und der See blau glitzerte. Außerdem sah ich mir die Kathedrale am Plaza de Armas von innen an, buchte einen Zwei-Tages-Ausflug zu den Inseln Amantaní, Taquile und Uros für die folgenden beiden Tage und quatschte mit Zuhause. Direkt nach dem Mittagessen machte ich mich dann noch auf den Weg nach Sillustani, einer Begräbnisstätte der Aymaras. Diese liegt mal wieder ziemlich außerhalb, zwischen Puno und Juliaca, mitten im Nirgendwo. Natürlich boten tausende von Reiseagenturen Ausflüge dorthin an, doch war es 1. eine spontane Entscheidung dort noch an diesem Nachmittag hinzugehen und 2. waren mir die Angebote alle zu teuer. Zudem hatte ich gelesen, dass zu den Stoßzeiten viele Menschen da sein würden und man dem bei einer gebuchten Tour somit nicht entgehen kann. Also nahm ich einen Kombi von Puno Richtung Juliaca, stieg aber schon vorher an einer Abzweigung aus. Dort standen einige Taxis, das eine war gerade dabei sich mit Passagieren zu füllen. Also stieg ich auch ein, der Fahrer sagte mir, es würde 10 Soles kosten. Anscheinend fehlten noch Mitfahrer (er meinte 3 würden noch fehlen, dabei war nur noch im Kofferraum neben zwei Kindern Platz…), also warteten wir eine Weile. Als niemand mehr dazukam, stieg er ein und meinte davor noch ganz nebenbei zu mir: „Für dich kostet es 5 Sollen mehr, es fehlen drei.“ Ich sah das gar nicht ein, warum nur ich mehr zahlen musste und warum überhaupt. Immerhin war es ja nicht meine Entscheidung gewesen loszufahren und er hatte zu mir 10 Soles gesagt. Ich dachte er meint es vielleicht nicht ernst, die anderen zahlten bestimmt nicht mal einen Bruchteil von meinem Preis. Als wir dann in Sillustani ankamen, drückte ich ihm einen Zehner in die Hand, doch er meinte tatsächlich zu mir, es würden 5 fehlen. Ich weigerte mich aber mehr zu zahlen und argumentierte so lange mit ihm rum, bis er beleidigt wegfuhr. Dummer Kerl, ehrlich. War mir dann auch egal, sein Gejammer von wegen er muss doch Sprit zahlen und wenigstens 2 Soles mehr konnten mein Herz auch nicht erweichen. Zufrieden mit meinem Verhandlungsgeschick ging ich also los, kaufte mir ein Ticket und begann durch die Ruinen zu laufen. Es war unglaublich heiß und die Sonne brannte, ich hatte keine Ahnung was die Steinhaufen sollten und fand es ehrlich gesagt nicht wirklich beeindruckend was ich da sah. Irgendwann quatschten mich zwei Männer an und wir kamen ins Gespräch. Der eine erklärte mir ganz begeistert den Nutzen der Türme, dass sie eine Art Grab darstellen, redete von den verschiedenen Formen der Steine und erklärte mir von Landschaft bis Mumienfunde alles. Obwohl sie aus der entgegengesetzten Richtung kamen, liefen sie nochmal mit mir zurück und klärten mich über alles auf was sie wussten. Wir unterhielten uns über alles mögliche, genossen den unglaublichen Blick auf die Laguna Umayo am Fuße des Hügels und schon machte der ganze Ausflug mehr Spaß. Nach einem Rundgang wollten sie noch etwas im Restaurant essen und fragten mich, ob ich ihnen Gesellschaft leisten wolle. Erst war ich nicht sicher, aber dann setzte ich mich einfach dazu, da sie mir anboten zusammen zurück zu fahren. Das klang gut, da ich mal wieder befürchtete nicht zurückzukommen… Aber solange wir auf das Essen warteten, fing es an zu regnen und die Zeit lief uns davon. Der Wachmann sagte mir, bis 17 Uhr würden Taxis kommen um einen zurück zur Straße zu bringen. Der Zeiger rückte immer näher an die 5 und ich wurde echt nervös. Als ich schon fast aufbrechen wollte und sagte, ich würde jetzt ohne sie gehen, verstand ich, dass sie gar nicht auf ein Taxi angewiesen waren, sondern mit einem Mietauto da waren. Ich konnte mich also entspannen, denn sie boten mir an mich zurückzunehmen. Es war also egal wann sie fertig wurden und ich kam zu 100% ohne weitere Komplikationen nach Puno. Und das kostenfrei! Man könnte behaupten, es wäre etwas riskant gewesen zu zwei wildfremden Männern ins Auto zu steigen, aber irgendwie hatte ich kein schlechtes Gefühl. Tatsächlich schienen sie sogar eher besorgt, gaben mir ihre Nummer, boten mir eine exklusive Stadttour in Lima an, empfohlen mir einen Arzt und setzten mich ganz in der Nähe von meinem Hostel ab. Nice Guys, muss ich wirklich sagen. 

Zurück im Hostel buchte ich mir dann einen Flug nach Lima, da ich mich eigentlich schon am Tag zuvor dazu entschieden hatte entgegen meiner ursprünglichen Pläne nach Lima zu fliegen und dort einige Tage auszuruhen und mich etwas zu sortieren. Sowohl technisch als auch gesundheitlich gesehen.

Am Freitagmorgen hieß es dann wieder früh aufstehen, denn um 7:45 Uhr sollte ich fertig sein um abgeholt zu werden. Es lief auch tatsächlich recht reibungslos und ich wurde von einem Typen abgeholt, kurz darauf folgte das Touristen-Shuttle, das mich aufgabelte und mit den anderen Insassen (aus Frankreich, Norwegen, den USA und Deutschland stammend) zum Hafen brachte. Dort bestiegen wir ein kleines Boot und wurden von unserem Tourguide sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch empfangen. Nach einer halben Stunde Vortrag seinerseits kamen wir auf den Islas Flotantes, den Inseln der Uros, an, die komplett aus Schilf bestehen. Sowohl die Insel selbst als auch die Häuser und Boote der dort lebenden Menschen ist aus Totora gemacht. Leider sind die Inseln durch den ganzen Tourismus nicht mehr wirklich ursprünglich und wirken aufgrund der ganzen Motorboote auch nicht mehr authentisch, aber im Nachhinein auch irgendwie klar. Trotzdem fand ich es schade, da ich mir wirklich eine naturverbundenere und isolierter lebende Gemeinschaft vorgestellt habe. Stattdessen sah man auch hier viel Plastikmüll und Restaurants. Die Einwohner empfinden einen wirklich unglaublich herzlich, wir durften einen Blick in ihre Häuser werfen und der „Präsident“ dieser Insel erklärte uns, wie man so eine Schilfinsel baut, die Traditionen der Einwohner und wir durften typisches Essen probieren. Aber leider hat man halt gemerkt, dass das ganze Programm nur für die Touristen entworfen wurde. Man durfte also in ihre Hütten blicken, hatte aber nicht den Eindruck ihr wirkliches Leben zu sehen, sondern eine Show. Versteht man was ich meine? Sie sangen für uns sowohl auf Spanisch, als auch auf Englisch und Aymara. Danach wurden wir auf einem mehr oder weniger traditionellen Boot zur Hauptinsel gefahren, wo man sich für 1 Sol einen Stempel in den Reisepass machen lassen konnte. Viel mehr hatte sie allerdings nicht zu bieten, außer man wollte sich was zu Essen kaufen oder aufs Klo gehen. Danach ging es dann für 3 Stunden mit dem Boot weiter zur Insel Amantaní, einer noch weniger touristischen Insel. Das Wetter war wirklich hervorragend und man hätte gut und gerne die Zeit auf dem Deck verbringen können, allerdings nutzten die meisten so wie ich die Zeit zum Schlafen. Als ich aufwachte war ich unglaublich hungrig, gefrühstückt hatte ich ja auch schon sehr früh. Als wir auf der Insel ankamen war es bereits 14 Uhr und uns stand noch ein steiler Aufstieg bis zum Haus unserer Gastfamilie für diese Nacht bevor. Wir wurden in Dreiergruppen aufgeteilt und von unserem äußerst freundlichen Gastvater Miguel empfangen. Mit mir kam ein deutsches Pärchen, von dem ich erst nicht so begeistert war. Sie sprachen kein Wort Spanisch und wirkten auch nicht sonderlich sympathisch auf mich, aber im Endeffekt verstanden wir uns wirklich gut und die Gespräche waren äußerst interessant, denn sie waren schon sehr viel gereist und konnten viel erzählen. Sie waren schon in den meisten asiatischen Ländern und viel im Nahen Osten unterwegs. Um 15 Uhr gab es dann endlich Mittagessen, ich war wirklich am verhungern, aber die Aussicht war wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich überhaupt die Ausdauer hatte bis zum Haus aufzusteigen. Die Zimmer hatten zwar keinen Strom, es gab kein Wasser und keine wirkliche Toilette, aber es war sauber und wirklich nett eingerichtet. Zudem war die Aussicht aus dem Fenster der Hammer und beim Aufwachen war der See das Erste, was man sah. Nach dem Essen ging es direkt weiter zum Treffpunkt, denn um 16 Uhr begann unsere Gruppe den Aufstieg zum Tempel Pachatata. Dieser war nicht ganz so hoch gelegen wie der Pachamama, doch es war trotzdem wortwörtlich atemraubend. Wenn man jedoch langsam ging und Pausen einlegte um die Aussicht zu genießen, ging es. Es war wirklich wunderschön und man war super stolz auf sich, als man oben auf dem Berg ankam. Auf dem Weg hatte ich drei Steine mitgenommen und nun war es Brauch, dreimal um den Tempel zu laufen und für jeden Stein einen Wunsch auszusprechen. Danach sollte man die Steine in die Mauer legen. Irgendwann begann die Sonne unterzugehen und der Himmel verfärbte sich wunderbar orange, rot und rosa. Wir beobachteten den Sonnenuntergang und die Landschaft um uns herum, während wir und unterhielten. Direkt nach dem Abstieg gab es auch schon wieder Abendessen und wir brachen im Dunkeln auf zum Tanzen, Musik hören und feiern. Dies fand in einem großen Raum statt und alle kamen entweder in Trachten oder Ponchos. Wir hatten uns für letzteres entschieden, weshalb wir es schön warm hatten, obwohl es wirklich sehr kalt wurde nachts. Die Musik war wirklich stimmungsvoll und die Band echt gut, sodass das Tanzen mit den Einheimischen zwar anstrengend war, aber großen Spaß gemacht hat. Normalerweise sollte das Fest von 20-22 Uhr gehen, aber es fing schon später an und es kamen auch lange nicht alle. Da wir drei ziemlich geschafft von dem Tag waren, verließen wir das Spektakel schon um 21:15 Uhr und gingen schlafen. Uns hatte man gesagt es gäbe um 7 Uhr Frühstück, weshalb wir unsere Wecker nicht zu früh gestellt hatten. Doch schon um 6:15 Uhr klopfte Miguel an unseren Türen und rief uns zum Frühstück… Das war eindeutig zu wenig Schlaf für mich, aber im Nachhinein hat es genau hingehauen mit der Zeit. Wir waren zwar vor der verabredeten Zeit wieder am Hafen, doch da anscheinend alle früher da waren, legten wir auch schon früher ab in Richtung Taquile. Dort ging es dann wieder einen sehr steilen Berg nach oben bis zum Hauptplatz der Insel. Da hatte leider alles geschlossen was man uns versprochen hatte, sodass man nicht viel machen konnte außer sich den Platz selbst anzuschauen und die Aussicht zu genießen. War zwar ein bisschen schade, aber trotzdem schön. Leider traf man hier überhaupt keine Menschen, die auf der Insel lebten, so wie es auf den anderen der Fall war. Es war sehr ruhig und ich hatte das Gefühl zwar die Insel zu sehen, aber nicht zu erleben. Weil man einfach niemandem begegnet ist... Aber cool war es trotzdem irgendwie auf der Insel zu sein, über die man im Spanischunterricht so viel gesprochen hat. Ich musste einfach ständig an unsere sämtlichen Vorträge denken und daran, wie viel wir recherchiert hatten, ohne Informationen über die Insel zu finden. 

Vom Plaza ging es dann weiter zu einer Art Restaurant, wo uns ein Inselbewohner die Herstellung ihres natürlichen Waschmittels zeigte, ein Tanz vorführte und unser Guide wieder viel erzählte. Ich muss sagen, ich war echt positiv überrascht von diesem Ausflug, denn mit so vielen Informationen und Organisation hatte ich nicht gerechnet. Aber der Guide und das Programm waren wirklich gut und es war ein richtig cooler Trip. Trotz der vielen Präsentationen in der Schule konnte ich noch eine Menge über Taquile dazulernen. 

Nach dem Mittagessen traten wir dann wieder den Rückweg an, den ich auch größtenteils verschlief. Am Nachmittag kamen wir in Puno an und wurden vom Shuttle-Bus an unseren Hostels abgesetzt. Dort hatte ich plötzlich statt einem Bettnachbarn ein volles Zimmer! Ich war total überrascht und es war auf einmal echt eng und auch nicht mehr so sauber im Bad. Da aber alle unterwegs waren, konnte ich duschen und in Ruhe am Handy chillen, bis zwei Mädels wiederkamen und mich fragten, wo ich herkam. Ich wusste, dass sie auch aus Deutschland kamen und so war es echt lustig, als sie mich auf Englisch ansprachen. Sie wohnen in der Nähe von Reutlingen und wir haben uns echt super gut verstanden. Wir haben noch ziemlich lange geredet und ich konnte ihnen ein paar Tips geben. Sie sind am nächsten Morgen nach Arequipa weitergefahren und wenn ich nicht schon meinen Flug gebucht hätte, hätte ich mich super gerne ihnen angeschlossen. Das hat mich echt ein bisschen traurig gemacht. Zwar habe ich ihnen beim Frühstück noch meine Nummer gegeben, aber bis jetzt haben sie mir noch nicht geantwortet… Ich hoffe, sie melden sich noch, denn wir wollten uns entweder in Lima oder in Deutschland nochmal treffen. Die zwei waren die ersten in meinem Alter, die auch gerade erst ihr Abi gemacht haben. 

Da ich ja leider nicht mit ihnen nach Arequipa konnte, verweilte ich noch bis um 11 Uhr im Hostel, checkte dann aus und machte mich auf den Weg nach Juliaca, wo ich übernachten wollte, um auf jeden Fall pünktlich am nächsten Morgen am Flughafen zu sein. Im Hostel, das ich mir rausgesucht hatte, war zum Glück auch noch ein Zimmer frei und ich verließ es nur um etwas essen zu gehen. Den ganzen Nachmittag verbrachte ich sinnlos mit YouTube Videos und Netflix, da das Internet einwandfrei funktionierte und das Bett super bequem war. Außerdem tat es unheimlich gut, einfach mal gar nichts zu tun und so richtig Zeit zu vergeuden. In Juliaca hätte es so oder so nichts zu sehen gegeben. Für den nächsten Morgen organisierte ich mir ein Taxi für 6:15 Uhr, da mein Flieger um 8:20 Uhr gehen sollte. Die Betonung liegt auf "sollte", aber davon im nächsten Artikel mehr...

Emily

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Alleine reisen hat Vor- und Nachteile

Oh Mann oh Mann, dieser Vier-Tages-Trip hat mich echt total fertig gemacht! Es war wirklich unübertrefflich, aber nun, nachdem ich jeden Tag mindestens 15.000 Schritte laufe und mein Handy was von 80 Stockwerken sagt, schmerzen meine Oberschenkel wie verrückt und schon in Chinchero musste ich mich die Treppen hoch zwingen. Dazu kommt, dass sich zu meinem anhaltenden Husten wieder Schnupfen gesellt hat… Aber ich möchte einfach keinen Tag tatenlos verstreichen lassen, also bin ich am Freitag trotzdem losgezogen. 

Zuerst habe ich mir einen Ausflug zu den Regenbogenbergen für den kommenden Montag gebucht; ich freue mich so! Ich hoffe, die Agentur ist vertrauenswürdig… Das heißt zwar mal wieder früh aufstehen und viel Berg hoch laufen, aber auch wenn die Esel teuer und „langweilig“ sind, werde ich mir mit 100 prozentiger Sicherheit einen mieten. Außerdem habe ich meine Wäsche in einen Waschsalon gebracht und wieder eine Dusche mit warmem Wasser genommen. Wie wohltuend das sein kann habe ich wirklich gelernt zu schätzen. Es gibt fast nichts Angenehmeres. 

Da ich es wirklich ruhig angehen wollte für diesen Tag war ich zuerst im Museo Histórico Regional, das wirklich ganz gut gemacht und ganz interessant war, aber was viel viel besser war, war das Museo Inka. Das ist zwar nicht im Boleto Turistico enthalten, aber der Eintritt lohnt sich wirklich. Es war das beste Museum, in dem ich hier in Cuzco war. Außerdem war ich noch im Museum der La Merced, einer ziemlich wichtigen Kirche hier mit gigantischer Monstranz. Die Kirche hatte ich schon zu sehen bekommen, aber da ich mal wieder einen Studentenrabatt abstauben konnte, bin ich reingegangen. Am Nachmittag bin ich dann schon etwas früher zurück zum Hostel gegangen und habe relaxt.

Am Freitag war ich dann in Qorikancha, einer Kirche, Kloster und Inka-Ruine in einem. Diese Kirche ist ziemlich bekannt und auch wirklich faszinierend wenn man überlegt, dass die Spanier einfach ihre blöde Kirche auf die Reste des wichtigsten Tempels der Inkas gebaut haben und diese heute auch immer noch zu erkennen sind. Ansonsten war es aber nicht so besonders. Am Nachmittag war ich dann noch auf dem Monument des Inkas Pachacutec, von dem aus man einen Rundblick auf die ganze Stadt hat. Während des Aufstiegs gibt es noch ein bisschen über die Gründung Cusco zu lesen, was auch sehr interessant war. Den Abend habe ich wieder im Hostel entspannt.

Am Sonntag dann war ich in Pisac, einem Örtchen 30 km entfernt von Cuzco. Die Busfahrt dahin lief wie geschmiert, hatte ich gar nicht erwartet. Der Bus sah ziemlich klapprig aus, aber ich habe auch nur 3 Soles bezahlt. Ich dachte, jetzt müsste ich erstmal warten bis er sich füllt, aber wir fuhren ziemlich zügig los und so kam ich gut in Pisac an. Ich hatte gelesen, dass es hier sonntags ziemlich voll sein würde, aber das war es überhaupt nicht. Da die Ruinen auf einem Berg liegen und der Aufstieg nicht ohne ist wollte ich ein Taxi nehmen, aber keine 30 Soles dafür zahlen. Zum Glück fand ich eine andere Alleinreisende aus der französischen Schweiz, Delphine, die auch nach oben wollte und so konnten wir uns die Kosten teilen. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen und es war echt gut, dass sie Deutsch verstand. Es war unerträglich heiß und ich schleppte mich von Stufe zu Stufe. Keine Ahnung warum die Inkas ihre Dörfer immer auf diese verflixten Berge bauen mussten… Die Anlage war riesig und ständig ging es hoch und runter, um Kurven, durch Tunnel etc. Es war echt nicht ohne, ich schwitzte und war total erledigt. Ich weiß nicht, ob ich auch nur im Ansatz alles gesehen habe, weil die Wegbeschreibung und Beschilderung so verquer war, dass wir einfach auf gut Glück einem Weg gefolgt sind, der uns (glaube und hoffe ich) an allem Wichtigen vorbeigeführt hat und auf dem Markt im Tal endete. Der Abstieg war ziemlich rutschig und ich war froh als wir angekommen waren und uns auf dem Markt erstmal was zu Essen kauften. Ich habe im Nachhinein gemerkt, dass ich gar nicht so viele Fotos von dieser wirklich gigantischen und gut erhaltenen Festung gemacht habe, weil ich so damit beschäftigt war nicht zu sterben. Nein Spaß, aber es war echt anstrengend. Ich habe mir am Samstag auch erstmal sowas wie Voltaren geholt und das scheint echt gegen die Schmerzen zu helfen, hatte ich auch nicht erwartet. 

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas über den Markt, der der größte der Gegend sein soll, und ich hätte mal wieder so viel kaufen können! Hab ich aber nicht. Die Atmosphäre auf dem Markt, dieses geschäftliche Treiben, hat mir wirklich richtig gut gefallen und ich hätte noch ewig herumschlendern können. Aber gegen 14 Uhr haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht, meine Füße nahmen mir das auch nicht übel. Danach erledigte ich noch ein paar Besorgungen und kehrte dann wieder ins Hostel zurück. Immerhin geht es Montag früh los! Ich bin so aufgeregt!

Generell läuft wirklich alles gut hier und das, was ich mir bis jetzt vorgenommen oder geplant habe hat auch geklappt. Darüber bin ich wirklich sehr dankbar! Hinterher ist man zwar immer schlauer und weiß, wie man es hätte einfacher oder günstiger hätte gestalten können, aber ich bin immer dahin gekommen wo ich wollte und auch wieder zurück, was ziemlich erstaunlich ist. Mittwoch plane ich weiter nach Puno zu fahren, dann habe ich alles gesehen, was mir wichtig war.

Viele fragen mich auch, wie es so ist alleine zu reisen. Ich muss sagen, dass es natürlich genial ist immer genau das machen zu können, was man will. Und das auch zu dem Zeitpunkt zu dem man es will. Man kann alles so gestalten wie es einem gefällt und muss sich niemandem anpassen. Aber auf der anderen Seite kann es manchmal auch ziemlich einsam sein. Mir fällt es schwer all die Erlebnisse zu verarbeiten, weil ich niemandem davon erzählen kann. Generell fehlen mir gute Gespräche, ab und zu eine Umarmung, meine Freunde und meine Familie. Klar lernt man Leute kennen, aber diese Gespräche sind nur oberflächlich und der Kontakt nur von kurzer Dauer. Nach einem Tag verabschiedet man sich wieder und sieht sich wahrscheinlich zum letzten Mal. Nachdem ich jetzt quasi drei Monate nie alleine war, da ich mir ja mit Carmen ein Zimmer geteilt habe und mir ab und an mal wirkliche Ruhe gewünscht habe, fehlt sie mir jetzt schon. Das Reden, Lachen und Teilen der Erlebnisse. Und ihr zu Hause, ihr fehlt mir auch. Ich freue mich wirklich auf Lima, wenn ich zu Jens gehe, da weiß ich, dass ich willkommen bin. Das Hostel hier ist zwar auch super, aber man kommt halt nicht nach „Hause“. Ein weiterer Nachteil ist, dass man sich nie Kosten teilen kann… Aber im Großen und Ganzen versuche ich einfach jeden Moment zu genießen und alles mitzunehmen was geht. Alleine zu reisen hat schon etwas und es gefällt mir auch wirklich gut, aber man lernt einfach manche Dinge zu schätzen und Vor- und Nachteile kennen. Man lernt ja jeden Tag dazu. Und man lernt jeden Tag wie ihr meinen Erzählungen entnehmen könnt eine Menge neuer Leute kennen, was auch richtig cool und spannend ist. Es macht Spaß sich mit Menschen aus aller Welt auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu hören. 

Ich geh jetzt warm duschen, also macht’s gut!

Emily

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Meine Reise hat begonnen!

Oh je, jetzt hab ich seit fast zwei Wochen nicht mehr geschrieben und es ist so viel passiert, dass ich es noch gar nicht alles verarbeiten konnte… Seit einer Woche bin ich jetzt schon unterwegs in und um Cuzco! Ja, richtig gehört. Ich habe es ENDLICH geschafft und habe die drei Monate in Andahuaylas hinter mich gebracht - erfolgreich. Ich habe trotz Verzweiflung und fehlender Motivation bis zum Ende durchgehalten. Tatsächlich fiel mir der Abschied sogar ein bisschen schwer am Ende und ich war zugegeben schon ein wenig traurig. Aber über meine letzte Woche kommt noch ein Artikel, jetzt möchte ich euch doch erstmal von all meinen Erlebnissen in den vergangenen sieben Tagen erzählen. 

Am Freitag, dem 17.11., meinem letzten Arbeitstag, habe ich mich abends um 20 Uhr direkt in den Bus gesetzt und auf den Weg nach Cuzco gemacht. Von der Busfahrt hatte ich nicht viel erwartet, doch ich hatte einen Platz ganz hinten gebucht und konnte somit meinen Sitz ganz nach hinten lehnen, hatte richtig viel Beinfreiheit und auch die Temperatur war angenehm. So lässt es sich wirklich gut reisen. In Cuzco hatte ich mir auch schon im Voraus die ersten beiden Übernachtungen organisiert, sodass ich nach meiner Ankunft am frühen Morgen sofort meinen Rucksack irgendwo abstellen konnte, mich noch ein bisschen aufs Ohr legen konnte und ein Frühstück serviert bekam. Da die Fahrt unerwartet angenehm war und ich erstaunlicherweise überhaupt nicht müde war, zog ich direkt um 8 Uhr morgens los in Richtung Zentrum, das zum Glück nur ein paar Blöcke von meinem Hostel entfernt liegt. Zuerst kümmerte ich mich um die Abholung meiner Zugtickets nach Machu Picchu und zurück und einen Stadtplan, da ich komplett planlos durch die Straßen lief und zudem keine Ahnung hatte, was man sich alles ansehen kann. Doch auch der hilf mir nicht sonderlich weiter, da die Öffnungszeiten so oder so immer falsch sind und ich ständig vor verschlossenen Museen und Kirchen stand. Zu den Orten, für die man das Touristenticket braucht, wollte ich auch noch nicht gehen, weil ich mir das erst später organisieren wollte. Also lief ich kreuz und quer durch die Straßen, besichtigte die Kirche San Francisco, von dessen Dach man einen sagenhaftem Blick auf die Stadt hat. Das Wetter war wirklich sagenhaft, die Sonne schien und die Temperaturen waren angenehm. Zumindest am Vormittag… Am Nachmittag war ich Museum von Machu Picchu, der Casa Concha, und danach im Museum der Kirche Santa Catalina. Als ich gerade dabei war mir dieses anzusehen, hörte ich schon, wie es anfing zu regnen und es immer lauter auf das Dach prasselte. Aber ich dachte mir nichts dabei, denn ich hatte so oder so mit Regen gerechnet und meistens hören die Schauer ja auch nach kurzer Zeit wieder auf. Auch als das Wasser die Wände runterlief und mir hin und wieder ein Tropfen auf den Kopf fiel, machte ich mir nichts aus der Sache. Doch als ich das Museum verlassen wollte, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es schneite!!! Bzw. hagelte und regnete es, irgendwie alles gleichzeitig. Jedenfalls war das kein gewöhnlicher Regen, es kam runter wie als würde man Eimer mit Wasser ausleeren. Ich konnte das Museum also nicht verlassen. Die Straßen waren leer, keine Menschen und keine Fahrzeuge waren zu sehen. Es war wirklich heftig. Dazu donnerte es wie bescheuert und ich bekam wirklich ein wenig Angst, obwohl mir Gewitter wirklich nichts ausmachen. Aber ihr habt noch nie einen Donner in Peru gehört! Die sind so laut, dass man unwillkürlich zusammenzuckt. Da es in diesem Land leider auch keine Gullis oder ähnliches gibt, sodass die Wassermengen abfließen können, war alles innerhalb kürzester Zeit überschwemmt - und zwar wirklich. Das Wasser stand knöcheltief auf den Straßen und es hörte gar nicht mehr auf zu regnen, die Straßen waren weiß. So etwas hatte es anscheinend in Cuzco noch nie bzw. schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. So sagte man mir zumindest. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, wagte ich es nach draußen und kehrte so schnell wie möglich ins Hostel zurück. Machen konnte man so oder so nichts mehr. Bis ich dort war, war ich trotz Schirm klatschnass und unglücklicherweise war auch mein Zimmer überflutet… Mein Rucksack, den ich auf dem Boden gelassen hatte, war durchnässt und das Wasser stand auch hier ordentlich hoch. Die liebenswürdige Herbergenbesitzerin machte sich also daran, das Wasser mithilfe von einem Besen und einer Kehrschaufel Stück für Stück aus dem Zimmer zu schaffen. Das trocknete meinen Rucksack zwar nicht, aber wenigstens konnte ich wieder in meinem Zimmer herumlaufen. Obwohl ich einen Schlafsaal bezahle, war ich alleine im Zimmer und ich konnte meine Sachen auf den anderen zwei Betten zum Trocknen auslegen. Am nächsten Tag waren diese auch wieder einigermaßen trocken. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich also in meinem Zimmer und las, was Besseres fiel mir nicht ein, da auch das WLAN nicht zu funktionieren schien. Wenigstens konnte ich am Morgen eine heiße Dusche nehmen, denn die war reichlich überfällig… Anscheinend war ich aber doch müder als gedacht und schlief irgendwann über meinem E-Book ein und wachte erst um 21:37 Uhr wieder auf, völlig verwirrt, zog mich um, putzte Zähne und legte mich wieder hin. Komischerweise habe ich bisher in keiner der Nächte, in der ich jetzt nicht in Andahuaylas übernachtet habe, länger als 5 Uhr schlafen können. Ich habe wirklich wenig Schlaf abbekommen, aber meine Müdigkeit hält sich immer noch in Grenzen. Teilweise lag es natürlich daran, dass ich so früh aufstehen MUSSTE, aber auch wenn ich eigentlich länger liegen bleiben könnte, wache ich immer super früh auf. So also auch am Sonntag, weshalb ein langer Tag vor mir lag. Ich frühstückte in Ruhe und dachte, ich komme früh los. Doch dann traf ich einfach die anderen aus Abancay, die gerade beim Frühstück saßen und an diesem Wochenende auch in Cuzco waren. Es war echt witzig sie hier zu treffen und ich habe mich echt gefreut, sie noch einmal zu sehen. Denn eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, sie alle bei der Alpaka-Adoption ein letztes Mal wiederzutreffend, doch da diese ja ausfiel, haben wir uns so trotzdem nochmal gesehen. Wir haben ein bisschen geredet und uns dann alle auf den Weg gemacht. Am Sonntag ging ich etwas zielstrebiger los, besichtigte zuerst die Jesuitenkirche La Compañia, danach die Kathedrale und die Kirche La Merced, in der gerade Messe war und man sich so hereinschmuggeln konnte. Studenten erhalten hier immer krasse Rabatte und wo immer es geht, behaupte ich einfach, ich sei Studentin und manchmal kann ich mir so die Hälfte des Preises sparen, aber manchmal wollen sie auch deinen Studentenausweis sehen. Ich probier es aber immer, manchmal klappt es. Für die Kathedrale habe ich mir so ein Kombi-Ticket für vier Kirchen geholt, da das im Vergleich viel billiger war und so besuchte ich alle vier an diesem Tag. Darin enthalten waren eben die Kathedrale, die aus der Triumphkirche, der Sagrada Familia und der eigentlichen Kathedrale besteht, die Kirche San Cristobal, San Blas und der Palacio Arzobispal. Auf dem Weg zur Iglesia de San Cristobal kam ich gerade nach einem ziemlich anstrengenden Aufstieg an einem großartigen Aussichtspunkt an und wurde von einem Typen von der Seite angequatscht, den ich gar nicht wahrgenommen hatte. Er meinte: „Nice Sweater.“, ich verstand aber: „Nice weather.“ und so fing ich an über das tolle Wetter zu schwärmen, bis er meinte, er meine meinen Pulli… So fing dann unser Gespräch an und wir unterhielten uns echt gut. Er hieß Connor, kommt aus Seattle und reist für ein paar Monate durch Südamerika. Er war mir echt sympathisch und wir redeten so lange, bis seine Bekannten auftauchten, auf die er eigentlich schon die ganze Zeit gewartet hatte und von denen er dachte, sie hätten ihn versetzt. Er fragte mich, ob ich mit ihnen mitfahren wolle, sie würden ein paar coole Orte besuchen und um 18 Uhr wieder zurück sein. Doch da ich am nächsten Tag früh in Richtung Machu Picchu aufbrechen würde, wollte ich nicht zu spät zurückkehren und den peruanischen Zeitangaben darf man einfach nie trauen. So lehnte ich schweren Herzens ab, denn ich fand es echt schade. Aber das Ganze war mir einfach zu unsicher. Also lief ich weiter den Berg hinauf, bis zu der Kirche, bei der ich die nächsten kennenlernte. Ein supernettes Pärchen aus Zürich, mit dem ich mich auch bestimmt eine Stunde unterhielt. Sie sind bis nächsten Sommer auf Weltreise, haben in Kuba gestartet und sind nun in Peru. Er, Spanier und Koch von Beruf, und sie, Helena, hatten lustigerweise ebenfalls ihr Ticket für Machu Picchu am Dienstagvormittag und so verabschiedeten wir uns mit dem Wissen, uns dort auf jeden Fall wiederzusehen. Das Wetter hielt an diesem Tag zum Glück und es war echt warm und schön sonnig. Am Abend organisierte ich alles für meinen Vier-Tages-Trip ins Heilige Tal der Inkas und quatschte mit den anderen in meinem Hostel. Ich dachte ja, da es so billig ist, wären viel mehr Backpacker in meinem Alter dort, doch bisher sind alle viel älter und ich habe auch überall anders eigentlich noch niemanden in meinem Alter getroffen. Es waren ziemlich viele coole Leute da, ich habe das Gefühl, ich begegne nur Menschen, die Monate oder Jahre unterwegs sind und schon die halbe Welt gesehen haben. Entweder sie sind auf Weltreise oder durch ganz Südamerika unterwegs und wie gesagt alle älter. Aber es gibt mehrere Frauen, die alleine sind, auch wenn man mich immer mit großen Augen anschaut. Es ist zudem total verwirrend auf einmal wieder so viel Englisch zu sprechen, da ich total im Spanischen drin bin und jetzt aber Leute aus der ganzen Welt treffe, weshalb eigentlich immer Englisch gesprochen wird. Am Anfang waren im Hostel einige Motorräder im Innenhof abgestellt und das eine war über und über mit Flaggen beklebt. Der Fahrer kommt aus dem Swaziland, seine Freundin aus Südafrika, sie leben in London und sind schon seit 1 Jahr und 4 Monaten mit dem Motorrad durch Süd- und Mittelamerika unterwegs, haben alle Länder und die coolsten Orte gesehen. Aber sie waren auch schon gefühlt überall anders. Also richtig krass und mega interessant mit denen zu reden, sie waren auch richtig nett. Die Anderen waren auch total offen und so hat man immer mit irgendwem Smalltalk gehalten. 

Am Montag ging es dann früh los, um 6:20 Uhr stand mein Taxi vor der Tür, um mich nach Poroy zum Zug zu bringen. In diesem Luxuszug hatte ich anfangs einen Vierer für mich und so konnte ich mich ausbreiten. Im Vierer neben mir saßen zwei Pärchen, die sich direkt angeregt zu unterhalten anfingen. Irgendwann warf ich mal einen Kommentar rein und so wurde ich ab und zu Teilnehmer der Gesprächsrunde und hörte ihnen eigentlich die ganze Zeit zu, was echt unterhaltsam und interessant war. Das eine Pärchen bestand aus einer Brasilianerin und ihrem neuseeländischen Freund, das andere aus einer Kalifornierin und einem indisch aussehenden Mann, der für Apple arbeitet. Also sehr spannende Kombi! Ebenfalls sehr freundlich und so war es nicht langweilig. Zudem war die Landschaft, durch die wir fuhren, unglaublich schön und veränderte sich ständig. Nachdem wir Ollantaytambo passiert hatten und die drei freien Plätze mit zwei schon etwas betagteren New Yorkerinnen inklusive Guide besetzt wurden, kamen wir irgendwann in den Regenwald. Die Berge ragten fast senkrecht neben den Gleisen nach oben, doch so genau war es nicht zu erkennen, da die Pflanzen alles komplett überwucherten. War ich froh, dass ich im Zug saß und nicht lief… So einen Vier-Tages-Trek würde ich nie überstehen. Man kann die Landschaft gar nicht wirklich in Worte fassen, aber es war wunderschön und auf jeden Fall absolut sein Geld wert! In Aguas Calientes angekommen war es, zu meiner Überraschung, warm und schwül, doch nach kurzer Überlegung ja nur logisch. Wir waren ja schließlich im Regenwald… Dort legte ich meine Sachen in meinem Hostel ab, das mir eher wie ein Hotel vorkam. Der Besitzer war sehr freundlich und schien sehr glücklich, mal mit jemandem Spanisch sprechen zu können. Ich hatte ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und sogar einer BADEWANNE!!! OMG! Ich konnte es nicht glauben, so ein Luxus. Nachdem ich mich gestärkt hatte spazierte ich einmal durch das Dörfchen und traf wieder das Pärchen aus der Schweiz. Es gibt nicht wirklich viel zu sehen in Aguas Calientes, aber das machte nichts. Ich nutzte das WLAN im Hostel, telefonierte eine Runde mit zu Hause und nahm ein warmes Bad, wie geil! 

Die Landschaft und die Natur ist so faszinierend, dass dieser Ort eigentlich ein Schandfleck ist und überhaupt nicht da reinpasst. Wisst ihr was ich meine? Senkrecht nach oben schießende Berge, dessen Gipfel so weit oben in den Wolken sind, dass man seinen Kopf Richtig in den Nacken legen muss um sie zu sehen und dann mittendrin im Tal, wo eigentlich Regenwald sein sollte, so ein doofer touristischer Ort. Zum Glück habe ich mittlerweile ein Händchen dafür entwickelt, wenigstens den Touri-Restaurants aus dem Weg zu gehen. Ich finde immer ein Restaurant mit Einheimischen, in denen ein Mittagsmenü 5-10 Soles kostet (also 1,25€-2,50€). Nur ein einziges Mal wurde ich abgezockt… arghhh! 

Am Dienstag klingelte mein Wecker um 3:30 Uhr, da ich mich direkt um 4 Uhr in die Schlange für den ersten Bus Richtung Machu Picchu einreihen wollte. Ein Glück habe ich das gemacht! Ich war auch wie gesagt gar nicht müde, nur unfähig zu realisieren, dass ich tatsächlich in wenigen Augenblicken in Machu Picchu sein würde. Gott sei Dank habe ich die 24$ investiert und bin da hoch gefahren… Die, die gelaufen sind, kamen völlig fertig und verschwitzt dort oben an. Mir hat das Laufen in der Zeit von 6-12 Uhr schon gereicht. Am frühen Morgen war es unglaublich neblig und man hat kaum die Hand vor Augen gesehen. Nach einer Stunde des Herumirrens hab ich mich also einer Gruppe mit Guide angeschlossen und meinen Rucksack abgegeben, der war einfach viel zu schwer. Die Führerin war wirklich klasse und während wir uns alles ansahen und es erklärt bekamen, klärte der Himmel auf und es wurde beinahe unerträglich heiß. Die ganzen Treppen waren so schon anstrengend. Die Gruppe war auch ganz lustig, sie bestand aus zwei Franzosen und einer Familie aus Kanada mit zwei kleinen Kindern, die für ein Jahr durch Amerika reisen und zwei Peruanern. Bunt gemischt, aber sehr interessant, die Frau hat alles super erklärt und auch gut verständliches Spanisch gesprochen. 

Danach blieb noch genug Zeit um alleine herumzulaufen und die typischen Panoramafotos zu schießen. Es war einfach so eine unglaublich geniale Sicht! Wenn ich meine Bilder anschaue, kann ich nicht glauben, dass ich sie gemacht habe. Sie sehen aus wie aus dem Internet und selbst als ich da war, musste ich mir immer wieder bewusst machen, dass ich tatsächlich dort war. Mir kamen die Tränen vor Glück als ich es ansatzweise begann zu realisieren. Dieses ganze Erlebnis lässt sich für mich einfach nicht in Worte fassen, es war unbeschreiblich! Ich war danach so glücklich, es war wirklich perfekt und etwas ganz Besonderes, das ich nie vergessen werde. Kein Bild kann einfangen, was man in dem Moment, wenn man wirklich dort ist, fühlt. Die Wirkung ist einfach so anders, so intensiv! 

Auch da traf ich die Schweizer wieder, fuhr aber alleine wieder zurück, da ich fix und alle war. Mir war so heiß, mein Rucksack zu schwer, ich hatte Durst und meine Füße wollten nicht mehr. Ich aß was und setzte mich danach an den Bahnhof, um auf meinen Zug nach Ollantaytambo zu warten. Das ging ziemlich flott und obwohl ich die niedrigere Klasse als auf dem Hinweg gebucht hatte, war es trotzdem immer noch krass edel! Es war zwar unglaublich laut, aber das lag an einer Gruppe von Mittzwanzigern, die zu viel Bier intus hatten… Wenigstens konnte ich nochmal die Landschaft genießen. In Ollantaytambo angekommen schleppte ich mich zum Hostel, nahm eine (leider arschkalte) Dusche und schlief schon wieder über meinem Handy ein. um 21 Uhr wachte ich wieder auf, putzte Zähne und schlief wieder ein. So ein Mist.

Am Mittwoch konnte ich mal wieder nicht lange schlafen, wartete also bis es Frühstück gab und freute mich über den Sonnenschein. Irgendwie wusste ich gar nicht, dass es im Heiligen Tal so heiß ist… Ich hatte viel zu viele Klamotten dabei. Am Tisch gesellten sich noch drei andere Mädels zu mir, wir unterhielten uns und es war mal wieder echt lustig. Danach trennten wir uns, denn für zwei ging es an dem Tag nach Aguas Calientes, für die andere nach Cuzco. Ich besichtigte die Ruinen von Ollantaytambo, die wirklich riesig sind und sehr beeindruckend. Zudem sehr gut erhalten. Am Nachmittag bestieg ich den gegenüberliegenden Berg, auf dem ein paar Ruinen kostenlos besichtigt werden können. Ebenfalls sehr schön, aber auch anstrengend der Aufstieg, vor allem bei der Hitze. Dort traf ich ein französisches Pärchen, mit denen ich beinahe den nächsten Tag verbrachte hätte, da wir alle über die gleichen Orte nach Cuzco zurückwollten. So hätten wir uns ein Taxi teilen können, aber sie wollten mir zu spät los. War aber trotzdem nett mit ihnen zu quatschen, auch wenn die Verständigung etwas holprig war. Mittags im Hostel unterhielt ich mich mit einem sehr netten Australier, der schon seit elf Monaten durch Südamerika reist und ebenfalls einen Stopp in Abancay und Andahuaylas eingelegt hat. 

Abends spazierte ich noch durch die sehr sehenswerten kleinen Gässchen von Ollantaytambo. Die Stadt ist noch sehr ursprünglich und die Architektur wunderschön. 

Am nächsten Morgen nahm ich einen Kleinbus nach Urubamba, von wo aus ich nach Ramal de Maras fuhr. Dies ist eine Abzweigung, die als Art Umsteigepunkt zum kleinen Dorf Maras dient und auf der Hauptstraße Richtung Cuzco liegt. Dort warteten einige Kleinbusse und alle stürzten sich sofort auf mich. Der eine Fahrer verlangte mir einfach zu fiel und schien auch nicht ganz zu verstehen, was ich vorhatte. Als ich es ihm dann klar gemacht hatte, wollte ich mir aber noch andere Angebote einholen. Die waren aber eher schlechter und so sprach ich noch im letzten Moment zu dem ersten Fahrer in den Bus, der dann auch mit meinen vorgeschlagenen Preis einverstanden war. Im Bus saß noch eine weitere Frau und zwei Männer. Die zwei Herren stiegen irgendwo auf dem Weg aus und so waren wir nur noch zu dritt. Irgendwann hielt der Fahrer an und wir warteten eine halbe Stunde auf die Frau, die irgendwas in einem der Häuser erledigen wollte. Danach ging es endlich nach Moral, einer beeindruckenden kreisförmigen Terrassenanlage der Inkas. Der Fahrer gab mir eine halbe Stunde Zeit und meinte, er würde dann auf mich warten. Etwas verärgert hetzte ich dann in 30 Minuten durch die Anlage, doch der Fahrer war nicht zu sehen. In mir stieg die Panik auf. Ich dachte, wenn ich nicht pünktlich bin, fährt er ohne mich los. Jetzt hatte ich Angst, dass er sich einfach ohne mich aus dem Staub gemacht hatte. Inklusive meinem Rucksack. Meine Wertsachen hatte ich zwar bei mir, aber mein Ladekabel und natürlich alle Klamotten waren da drin. Abgesehen davon waren wir mitten im Nirgendwo… Die Angestellten waren so super lieb und versuchten mich zu beruhigen, da ich komplett aufgelöst war. Ich hatte natürlich weder Namen noch sonst etwas vom Fahrer. Ich wusste nicht mal welche Farbe der Bus hatte… Ein Mitarbeiter brachte mich mit einem Quad zu einem anderen Parkplatz, doch auch da waren sie nicht. Ich lief wie eine Verrückte über den Parkplatz, doch er war einfach nicht da. Der Ticketkontrolleur konnte sich  zum Glück an den Fahrer erinnern und meinte, sie wären zu einem Ort gefahren, von dem sie nur auf dieser Straße zurückkehren konnten. Also wartete ich fast eine halbe Stunde bis endlich der Wagen auftauchte! Mann war ich erleichtert! Der Frau auf dem Beifahrersitz tat es total leid und sie erklärte mir den Grund ihrer Verspätung, aber mein Puls beruhigte sich erst nach einer Weile wieder, als wir bei den Salineras de Maras ankamen. Das sind von den Inkas angelegte Salzterrassen, ich hab gelesen es sind über 3000! Noch heute kratzen Einheimische das Salz dort ab und es wird als besonders gesundes Salz verkauft. Der Berg ist anscheinend sehr salzhaltig und das Wasser, das dort einer Quelle entspringt, ist auch total salzig. In der Trockenzeit verdunstet dann das ganze Wasser und das Salz bleibt getrocknet zurück. Faszinierend, da diese Anlage komplett weiß ist und quasi mitten in fast rötlich schimmernden Bergen auftaucht. Die Dame, deren Name übrigens Carmen ist, begleitete mich durch die Salzterrassen und wir fuhren zum Ramal de Maras zurück. Zufälligerweise wollte sie auch nach Cuzco, also meinte sie, können wir zusammen fahren. Dort nahmen wir den nächsten Bus und stiegen auf dem Weg in Chinchero aus, einem kleinen, trotz der vielen Touristen noch sehr ursprünglichen Dorf aus und aßen erstmal zu Mittag. Danach besuchten wir auch dort die Ruinen und die Kirche, in der gerade eine Beerdigung stattgefunden hatte. Diese Kirche war die schönste, die ich bisher hier besichtigt hatte! Sie war nämlich viel originaler und schlichter. Nicht so viel Gold und so. Auch die Ruinen waren super interessant und glücklicherweise nicht so überlaufen, aber ich kam fast nicht die Stufen hoch und runter, weil mir meine Beine so weh taten… Zudem noch mein Rucksack und ich schlich nur umher. Es war so anstrengend nachdem ich die letzten Tage schon so viel gelaufen war, Treppen gestiegen bin und generell viel unternommen hatte. Trotzdem war es die Anstrengung absolut wert und es war sehr schön. 

Wieder mit dem Bus kehrten wir nach Cuzco zurück und ich war heilfroh, als ich endlich zurück im Hostel war! Carmen und ich tauschten noch Nummern aus, sie hatte gefühlt schon meine nächsten drei Tage geplant und bot mir direkt an, mit ihr am Freitagabend erst durch Cuzco zu laufen und danach in ihr Haus nach Pisaq zu fahren und dort zu übernachten. Oder sie schlug vor mich mit auf ihre Reisen zu nehmen. Sie war wirklich sehr nett, hilfsbereit und offen und wir unterhielten uns auch gut. Ich weiß gar nicht warum sie das alles tat und mich den ganzen Tag begleitete, denn sie hatte ab 19 Uhr Nachtschicht im Krankenhaus. Aber zudem arbeitet sie noch für eine NGO und war deshalb in dem Dorf hinter Moral unterwegs. Auch wenn ich ihr Angebot nicht angenommen habe, da ich an einem anderen Tag nach Pisaq möchte, war sie mir sehr sympathisch und es war wirklich ein schöner Tag, an dem ich viel gesehen habe. 

Im Hostel habe ich nun ein noch größeres Zimmer für mich alleine, diesmal im Obergeschoss. Wenn es also regnen sollte, bin ich zum Glück nicht mehr betroffen. Aber bis jetzt ist das Wetter wunderschön und auf meiner Seite. 

Das ist jetzt zwar noch lange nicht alles, aber wenigstens ein kleiner Einblick in das, was ich die letzten Tage unternommen habe. Es waren wirklich fantastische Tage und großartige Erlebnisse! Auch wenn das Geld auf Reisen viel schneller verschwindet als ich dachte, obwohl ich ja wirklich darauf achte… Aber es lohnt sich sowas von., Peru ist einfach so schön und ich bin so dankbar für diese Reise!

Emily

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Machu Picchu buchen ist wirklich kompliziert...

Weil viele mich fragen wie es mir so geht, hier ein Update zu meiner nicht enden wollenden Krankheitsstory. Meinen Kopfschmerzen des vergangenen Sonntags half es sehr, einfach von mittags bis zum Montagmorgen durchzuschlafen. So konnte ich wieder zur Arbeit starten, denn es ging mir wieder gut. Ein bisschen schwach und langsam fühlte ich mich, aber das lag glaub eher an der unfreiwilligen Diät, die ich die letzten Tage eingelegt hatte. Mein Magen hat sich aber tatsächlich wieder vollständig erholt, dafür ist aus anfänglichem Hüsteln ein ordentlicher Husten geworden. Das ist aber verkraftbar. Also abgesehen davon geht es mir gerade ganz gut. :)

So, nun zu den Geschehnissen der letzten Woche. Gefühlt ist einiges passiert, denn die Woche war ziemlich stressig. Nicht wegen der Arbeit, sondern wegen allem, was drum herum passiert ist. Unsere Stunden im CEDIF verbrachten wir nämlich ab 13 Uhr nur wartend am Handy. Von Mittwoch bis Freitag gab es für die Kinder am Nachmittag mal wieder gar keine Betreuung. Auch Montag wurden sie eine halbe Stunde später nach Hause geschickt, da Liz’ Geburtstag gefeiert wurde. Von jedem Mitarbeiter wurde 1 Sol eingesammelt und Inka-Cola und Torte gekauft. Ihr wurden Glückwünsche ausgesprochen und gesungen, auch ein Geschenk gab es. Sogar die Kinder wollten am Vormittag unbedingt ein Geschenk für sie kaufen, total goldig. So bekam sie knallpinken Nagellack, ein kitschiges Armband und eine Kette mit passenden Ohrringen. Liz hatte ja sehr gut darauf geachtet, dass wirklich jeder von ihrem Geburtstag Bescheid weiß. Mich beschäftigte an diesem Tag viel mehr, dass das WLAN, das ich nach dem Wochenende im Nirgendwo so dringend brauchte, nicht funktionierte und sich auch keiner darum zu kümmern schien. Bis auf Montag, wo das WLAN nicht funktionierte, nutzten wir aufgrund des Mangels an Arbeit das Internet aus und verbrachten den ganzen Nachmittag an unseren Mobilfunkgeräten. Nur am Dienstag sollten wir eine halbe Stunde lang auf eine Gruppe aufpassen. Am Mittwoch konnte ich so endlich mit meinen Eltern telefonieren! Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Verbindung zustande kommt, aber es klappte richtig gut, wir hatten sogar Bild. Es tat mir unglaublich gut nach etlichen Wochen mal wieder mit Zuhause zu telefonieren. Unter anderem hatte sich nämlich das Problem ergeben, dass mein Laptop mir am Dienstag offenbarte, dass nur noch ca. 2 GB Speicherplatz übrig seien. Na super… denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen vollen Speicher, da ich ja noch lange nicht fertig bin mit Fotografieren. Also hab ich irgendwelche Filme gelöscht, die ich anscheinend drauf hatte, was mir 10 GB mehr Speicher verschaffte. So ein Mist ehrlich, jetzt muss ich mir hier noch eine Festplatte besorgen, wo ich dich überhaupt keine Ahnung von sowas habe… Am Donnerstag wollte ich mit Jasmin telefonieren, doch da klappte es mit der Verbindung lange nicht so gut. Leider waren uns nur einige Minuten vergönnt, danach brach die Verbindung immer wieder ab und meine Witze verhallten irgendwo zwischen Peru und Deutschland… So ein Müll. 

Naja, zurück dazu, warum die Woche so hektisch war. Dies rührte daher, dass unsere Kollegen plötzlich von einem unglaublichen Ehrgeiz gepackt wurden, was Fußball angeht. Sie verabreden sich ja des Öfteren mal Freitagnachmittag nach der Arbeit zu einer Partie, doch diese Woche sollten wir plötzlich mitkommen und sie wollte außer Donnerstag jeden Tag spielen gehen. Das war mir eindeutig zu viel. Am Montag war ich noch dabei, aber zugegeben, es machte mir nicht wirklich sonderlich viel Spaß. Die Peruaner können einfach nicht verlieren, was dazu führte, dass ordentlich gefoult wurde und besonders Ruth mit einer nicht unbedeutenden Aggression spielte. Regelmäßig schrie irgendwer vor Schmerzen auf oder lag auf dem Boden. Ich berührte so gut wie nie den Ball, was zum Einen daran lag, dass ich irgendwie immer am falschen Ort stand und zum Anderen daran, dass wenn er mal auf mich zuflog, ich den Ball trotz hochgerissenem Bein nicht traf. Einwurf wurde mir auch nicht zugetraut, stattdessen wurde immer geschrien, ich hätte den Ball noch berührt. War nicht der Fall, das hätte ich gewusst. Aber egal. Irgendwann verließ mich die Motivation und ich drehte mich nur noch verzweifelt im Kreis. Ich bin einfach nicht gemacht für diese Sportart. Bis ich reagiert habe ist die Chance schon lange wieder rum. Ich hörte immer nur immer ärgerlicher werdende Rufe mit: „Emily!!! Renn! Schieß!“ und so weiter. Am Ende gewann mein Team trotzdem, keine Ahnung wie, und ich war der Lacher des Tages. Wenigstens hatte ich unverletzt überlebt, die anderen kamen die ganze Woche entweder gar nicht mehr zur Arbeit oder klagten ständig über irgendwelche Schmerzen. Unglaublich wie wehleidig die sind. Die Miete des Platzes wurde nicht, wie zu vermuten wäre, gerecht unter allen aufgeteilt, nein, die Verlierer mussten jeder 3 Sollen zahlen, die Gewinner nur einen. Mein Glück, auch wenn ich nicht viel dazu beigetragen hatte. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich die nächsten Tage nicht schon wieder Lust auf dieses Massacker hatte. Am Dienstag hieß es, würden wir gegen ein anderes Team speilen. Carmen hatte auch nicht so große Lust und so schlichen wir uns nach der Arbeit heim. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine Zeit, denn ein Blogartikel war längst überfällig. Ich konnte mich so schon an manche Dinge nicht mehr erinnern. Zuerst dachten wir, wir wären dem Spiel entkommen, doch da hatten wir nicht mit unseren Kollegen gerechnet. Es kam tatsächlich noch ein Anruf von Liz, in dem sie meinte, wir sollen ganz schnell kommen. Zum Glück konnte ich sie abwimmeln, auch wenn sie etwas beleidigt wirkte. Am nächsten Tag erschein sie erst mittags auf der Arbeit, am Donnerstag gar nicht… Mittwoch ging Carmen tatsächlich wieder mit, ich entschuldigte mich, da ich mich dringend um meine baldige Reise nach Cuzco kümmern wollte. Ich habe nämlich nun die Bestätigung von Aprode bekommen, dass ich nicht zuerst nach Lima zurückkehren muss. Somit kann ich direkt losreisen. Mein erstes Ziel: Cuzco. Dafür buchte ich Machu Picchu (Yeahhh!!! Ich gehe nach Machu Picchu!) vor, meine Übernachtungen und die Züge, die mich dahinrinnen sollten. Die Stadt Auges Calientes, von wo man nach Machu Picchu startet, ist nämlich ausschließlich per Zug zu erreichen. Also verbrachte ich 1 1/2 Stunden im Internet-Café, da die Buchung alles andere als unkompliziert ist und die Planung der Abfolge der unzähligen Sehenswürdigkeiten rund um Cuzco eine logistische Meisterleistung ist. Dazu kommt, dass das erlaubte Gepäck im Zug 5 kg nicht überschreiten darf. Unglaublich, oder?! Jedenfalls dachte ich dann, dass ich alles zusammenhatte und war super glücklich. Ich müsste nur noch in Cuzco an einem Schalter meine Zugtickets abholen und pünktlich überall auftauchen. So einfach war es dann doch nicht wie sich herausstellen sollte. Zudem hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil ich innerhalb so kurzer Zeit, so viel Geld ausgegeben hatte! Das teuerste war mit Abstand die Zugfahrt und ich fühlte mich richtig schlecht. Auf der anderen Seite freue ich mich aber einfach riesig darauf! Ein bisschen Angst schwingt aber auch mit… Ich hoffe einfach, dass alles klappt. Ich weiß einfach nicht wie das so ist alleine rumzureisen.

Am Donnerstag stand dann ein Großputz unseres Zimmers an, ein Telefonat mit Jens, der auch mal Bescheid wissen wollte, wie es so aussieht und wann ich wieder bei ihnen reinschneie. Es ist einfach so unglaublich, was die alles für mich tun und bei ihnen kann ich mir zu 100% sicher sein, dass ich wirklich immer kommen kann und herzlich empfangen werde. So wurde ich auch zu Weihnachten eingeladen und quasi dazu gezwungen, das Fest mit ihnen zu verbringen, was mich wirklich unglaublich froh und glücklich macht. So muss ich Weihnachten nicht alleine verbringen. Immerhin kann ich schon keinen Adventskalender haben, bin an meinem Geburtstag alleine, mir steckt keiner was an Nikolaus in meine Schuhe, ich kann auf keinen Weihnachtsmarkt gehen und so weiter. Schon traurig irgendwie… Aber ich hab noch eine gute Nachricht am Donnerstag erhalten. Mein verschollen geglaubtes Paket ist bei Jens angekommen und wartet nun dort auf mich. Izzy ist schon ganz neugierig und möchte unbedingt das Päckchen öffnen. Anfangs war ich wegen der Einladung zu Weihnachten ein wenig unsicher, da ich mich nicht aufdrängen wollte. Immerhin kommt auch Jens Tochter Svenja aus Deutschland und ich werde dieses Familienfest total sprengen. Aber Jens und auch Milli versichern mir immer wieder, dass ich dort wie zu Hause bin und quasi zur Familie gehöre. Ich kann ihnen gar nicht genug danken. So habe ich zwar weniger Zeit zum Reisen, kann aber „nach Hause“ kommen nach so einer langen Reise. 

Am Freitag war dann ja theoretisch wieder Fußball angesagt, aber um 16 Uhr, als die Arbeit fast zu Ende war, hieß es, wir sollen alle nach Andahuaylas kommen um Chicha zu verteilen. Carmen und ich waren höchst unmotiviert, bekamen aber von den anderen die Anweisung, mit zu müssen. Dort angekommen sagte uns Reneé, dass wir nicht mithelfen müssten. Na super, hatte ich mir schon gedacht. Aber gut, so konnte ich mein Ticket nach Cuzco kaufen und Carmen ein Buch ergattern. 

Meine SIM-Karte hat diese Woche irgendwie rumgesponnen und es hat ständig Geld abgezogen und gesagt, mein Internet wäre alle, obwohl ich es gerade erst aufgeladen hatte und kaum benutzt hatte. Jetzt funktioniert es glaub wieder, hoffe ich zumindest. Die Trulla im Claro Laden konnte mir jedenfalls nicht weiterhelfen. 

Um 22:15 Uhr spielte am Freitagabend außerdem Peru gegen Neuseeland, was ein riesiges Event war. Schließlich geht es um die Qualifizierung zur WM in Russland. Bisher konnten sie ja nicht wirklich glänzen, was sich auch bei diesem Spiel nicht ändern sollte. Es ging 0:0 aus, womit die Chancen für Peru schwinden, denn es war das Auswärtsspiel und ich habe mir sagen lassen, dass Tore dort mehr zählen. Am Mittwoch spielen sie ein weiteres Mal, dieses Mal entscheidet sich wirklich, ob es für sie zur WM geht oder nicht. Wir haben das Spiel übrigens nicht gesehen, da es so spät war und wir keinen Fernseher ein unserem Zimmer haben und unsere Gastfamilie es bei sich im Zimmer ansah. Aber egal, mir war schlafen eh wichtiger. Und unser Fußballtreffen fiel aufgrund des Chichaverteilens auch aus. Mir war’s recht. 

So, jetzt versteht ihr vielleicht, weshalb meine Woche so stressig war. Jeden Tag war ich bis 17 Uhr auf der Arbeit (auch wenn es oft nichts zu tun gab) und jeden Tag war irgendein Programm danach, sodass ich den ganzen Tag auf Achse war. 

Juana habe ich dafür weniger gesehen, da sie die ganze Woche nicht auf Arbeit war und laut eigener Aussage auch nächste Woche noch Urlaub hat. Anscheinend plagen sie heftige Kopfschmerzen, weshalb sie die ganze Woche zu Hause blieb und nur bei ihrer Versicherung und irgendwelchen Ärzten war. Sie meinte, sie hätte noch nie Urlaub gehabt und jetzt würden sie sie dazu zwingen sich auszuruhen. Der Arzt meinte wohl, sie solle sich drei Monate ausruhen… Jedenfalls beklagt sie sich rund um die Uhr über ihre Kopfschmerzen und kam somit nicht auf die Arbeit. An Mittwochabend hat sie dafür wieder für meine Erheiterung gesorgt. Beim Abendessen erzählte ich von meinen getätigten Buchungen, woraufhin sie anfing zu erzählen, dass sie mich vermissen würde wenn ich weg wäre und wenn Carmen gehen würde wäre es noch schlimmer. Ich solle sie immer anrufen auf meiner Reise und ihre erzählen wo ich so bin. Am Besten sollte ich auch noch ihre Tochter in Cuzco besuchen und kennenlernen. Ich bin froh, wenn ich weg bin, da werde ich sie sicher nicht anrufen. Eher blockiere ich ihre Nummer. Also was sie da von sich gelassen hat war wirklich zum schießen… Als ob sie mich vermissen würde? Die ganzen drei Monate hat sie nicht interessiert was ich mache oder wie es mir geht und jetzt auf einmal soll ich sie immer anrufen, obwohl es sie gar nichts mehr angeht. Auch wenn sie im Moment wirklich nett ist und es echt gut erträglich ist hier. Manchmal würde ich sie echt gerne mögen, sie kann richtig liebevoll gucken. Aber bei dem was sie sich alles geleistet hat, ist das echt schwer. Ich hasse sie nicht, aber ich brauche sie nicht länger als nötig in meinem Leben. Man sagt ja immer, man soll sich von allen negativen Personen, die einem Kraft rauben, fern halten. Und sie war schon viel zu lange zu präsent. Trotzdem, in letzter Zeit war sie wirklich ganz nett, wir durften essen, duschen etc. und haben auch nicht ganz alles falsch gemacht. Dafür ist ihr Sohn umso schlimmer geworden. Der lügt, dass sich die Balken biegen. Nachdem wir ein paar Tage WLAN hatten und es praktisch 24/7 an war, wurde heute bei meinem Handy angezeigt, dass das Passwort geändert wurde. Als ich ihn darauf ansprach, war das WLAN sogar an und Carmen konnte es nutzen. Mir sagte er aber, es gäbe keines mehr und NEIN, das Passwort wurde nicht geändert. Als ich ihn nochmal darum bat mir das Passwort einzugeben, sagte er wieder es gäbe keins. Auf weiteres Nachfragen meinte er dann nur irgendwann, er wüsse es nicht, da sein Vater es geändert habe. So ein Pisser, ehrlich. Auch als Carmen und ich beim Frühstück saßen kam er irgendwann reingeschneit und schrie mich an: „Emily, du hast das ganze Brot aufgegessen!“ Dabei hatte ich gerade mal zwei gegessen, Carmen dagegen bestimmt vier. Aber ich wurde angemeckert. Er meint immer er wäre der Schlauste. Als Juana dann kam meinte sie nur, wir sollen neues kaufen gehen. Sie gab uns Geld und die Sache war erledigt. Ich weiß also ehrlich nicht was er hat. 

Samstagabend erzählte Juana uns irgendwelche Gruselgeschichten von der Freiwilligen vor uns, was sie für eine schlechte Gastmutter hatte und wie sehr sie geweint und gelitten hat. Ich glaube, sie wollte uns irgendwie sagen, dass wir es gut bei ihr haben. Aber ich weis einfach nicht, wie viel ich davon glauben kann. Außerdem hasse ich es mit der vorigen Freiwilligen verglichen zu werden. Aber sie wollte gar nicht mehr aufhören zu erzählen, eine Stunde hat sie geredet. Zudem meinte sie noch, dass sie alle am Freitag mit mir nach Cuzco fahren würden, da ihre Nichte dort ihren Abschluss vom Studium feiert. Aber da sie auch am Samstag nach Pampachiri wollten und es natürlich nicht gemacht haben, glaube ich nicht, dass es soweit kommt. Zwar müssen wir auch immer mehr im Haushalt übernehmen, sodass sie eigentlich kaum noch was macht, aber wenigstens trägt sie uns das in einem netteren Ton auf. Zu Küche putzen, kochen, einkaufen und Geschirr spülen kam jetzt auch noch ihre Wäsche auf- und abhängen und Bad putzen. Aber in einer Woche wird sie mal merken, was ich alles für sie gemacht habe. Sie macht praktisch gar nichts mehr außer uns herumzukommandieren und ständig irgendwo hin zu fahren. Andahuaylas, sagt sie immer. Es ist zudem wirklich UNGLAUBLICH wie viel Wäsche diese Familie produziert. Die wäscht jeden Tag so viel Wäsche, das können die drei theoretisch gar nicht alleine schmutzig machen. Aber es hört nicht auf. 

Eine Sache hat mich wieder geärgert diese Woche. Denn sie meinte so: „Stimmt’s, wir haben noch nie Sachen von euch angefasst?“ und hat mit einem „Nein, natürlich nicht!“ genau die Antwort erhalten, die sie hören wollte. Dabei hat sie doch erst Mitte der Woche einfach unsere halbe Ananas gegessen, die Carmen und ich gekauft haben und im Kühlschrank gelagert hatten. Kein Wort darüber, kein Fragen. Ich wollte sie eigentlich unbedingt darauf ansprechen, weil ich es unmöglich finde, aber ich habe mich dann doch nicht getraut. 

Viele fragen auch wie es so mit Gabriele ist, der neuen Freiwilligen. Ein paar Eckdaten: sie ist 57 Jahre alt, ebenfalls Vegetarierin, laktoseintolerant, verträgt kein Weizen, bleibt vier Wochen, spricht kein Spanisch und ist Geologin, die sich ein Jahr Urlaub gönnt. Zudem ist sie eine sehr komplizierte Persönlichkeit. Sie lebt bei einer anderen Gastfamilie, was ich ja glaube ich schon erzählt hatte. Da sie kein Spanisch spricht ist die Kommunikation mit den Kindern etwas schwierig, aber trotzdem will sie ihnen die ganze Zeit Deutsch beibringen, anstatt ihnen englische Wörter zu zeigen… Sie ist also nicht wirklich eine Hilfe, Donnerstag und Freitag war sie auch schon krank und somit gar nicht auf der Arbeit. Samstag war sie trotzdem in Sondor, übrigens ohne uns zu fragen, ob wir vielleicht mitwollen. (Fand ich ein bisschen mies, wir haben sie schließlich auch direkt mit nach Pampachiri genommen.) Generell redet sie auch den ganzen Tag ziemlich viel und glaubt alles besser zu wissen. Deswegen gab es am Mittwoch auch schon eine kleine Auseinandersetzung mit ihr. Sie ist so eine Person, die was Essen angeht sehr kompliziert ist und in ein Restaurant spaziert und nicht etwas von der Karte aussucht, sondern erstmal zum Koch läuft und dem ihren Wunsch aufdrückt. Irgendwas ohne alles. Reis isst sie nämlich auch nicht, was das Essen in Peru etwas schwierig macht. Im CEDIF wird halt nicht extra für uns zwei Vegetarier gekocht, da gibt es halt einfach das, was es gibt. Wenn das Fleisch extra ist, lassen die Köchinnen es schon immer weg. Wenn es halt im Eintopf drin ist, dann muss man es halt rauspopeln. Sie findet das aber nicht in Ordnung und hätte gerne, dass sie für sie etwas ohne Fleisch zubereiten. Ihr Argument war, weil man das Fleisch ja sonst wegschmeißen müsse. Dabei interessiert es sie auch überhaupt nicht, dass sie jeden Mittag ihren kompletten Reis wegschmeißt und morgens nie ihr Brötchen isst, anstatt einfach zu sagen, dass sie weniger oder das gar nicht haben will. Sowas nervt mich. Man kann doch nicht erwarten, dass sich alle einem anpassen, wenn man in eine Einrichtung kommt, wo hunderte von Leuten bekocht werden und zudem noch alle Allesesser sind. 

Naja, jedenfalls gibt es im CEDIF die bescheuerte Regel, dass alle Kinder aufessen müssen. Am Mittwoch hatte Betza, eines der Kinder, alles gegessen, nur die paar Erbsen und Karotten übrig gelassen. Deshalb sagte ich ihr, sie solle auch das Gemüse essen, sie wüsse, dass das nicht ginge. Sie weigerte sich aber strikt und keine Methode half. Gabriele sah uns nur zu und ging einfach irgendwann. Als sie weg war, fing Betza an zu weinen und meinte, ihr würde das Essen schmecken, sie möge nur nicht essen. Ihre Mutter würde sie schlagen, wenn sie Gemüse isst. Nachdem wir sie beruhigen konnten und ihr versicherten, dass ihr hier nichts passieren würde, aß sie ganz von alleine ihr Gemüse… Gabriele bekam das alles ja nicht mehr mit. Später kam sie zu uns und meinte, sie fände es sehr hart, wie wir mit ihr umgegangen wären und ob man uns auch so erzogen hätte. Und dann meinte sie doch tatsächlich: „Genau mit so einem Verhalten zieht man magersüchtige Kinder groß.“, fände sie nicht gut und ging. Mir blieb der Mund offen stehen. 1. wie konnte sie sich anmaßen über unser Verhalten zu urteilen, wenn sie doch selbst gar nichts machte; 2. sie war nicht bis zum Ende da und hat gar nicht alles mitbekommen; 3. weiß sie nicht, wie es im CEDIF abläuft und wir die Kinder unter anderem deshalb zum Aufessen bringen wollen, damit sie keinen Riesenärger von Frida oder sonst wem bekommen und 4. WTF? Wir erziehen magersüchtige Kinder??? Ist die dumm? Das hat mich echt gewurmt. 

In der Mittagspause habe ich wie beschrieben eben mit meinem Eltern telefoniert und musste natürlich erstmal in ein riesiges Fettnäpfchen treten. Ganz zum Schluss von unserem Gespräch kamen wir auch Gabriele und ich erzählte meiner Mutter schockiert von dem Vorfall, ohne zu wissen, dass Gabriele mich beim Telefonieren belauschte. Meine Mutter meinte dann am Telefon irgendwas davon wie alt sie sei und dass sie eben so ein Öko sei. Ich sagte dann, ich könne nicht über sie reden, weil ich nicht wüsse, ob sie mich hört oder gleich um die Ecke kommt. Da schoss sie an, verabschiedete sich und ging einfach mit den Worten: „Ich bin übrigens diese Gabriele.“. Sie grinste in mein Handy zu meinen Eltern und zischte davon. Mir war das so unglaublich peinlich und unangenehm, das kann man sich gar nicht vorstellen! Warum muss auch immer mir sowas passieren? Ich hab mich so über mich selber geärgert, aber auch über Gabriele, die diese Situation durch ihre dumme Aussage am Mittag ja irgendwie provoziert hatte. Jedenfalls war es mir so unangenehm und ich bereute so sehr was ich gesagt hatte, dass ich ihr auf WhatsApp schrieb und mich entschuldigte. Lange kam keine Antwort, doch irgendwann meinte sie, wir würden am nächsten Tag nochmal drüber reden. Aber da war sie ja krank und so kam es nie dazu. Ich wusste nur nicht, wie sie mit der Situation umgehen würde und ob sie es wie eine erwachsene Person nehmen könne. Erst schien es so, doch am Freitag schickte sie mir zuerst ein Bild mit dem Spruch: „Was den einen nährt, bringt den anderen um.“, den ich schon nicht ganz in dem Zusammenhang verstand und auch nicht wusste, was ich darauf antworten solle. Kurze Zeit später kam dann noch hinterher: „Die waren den meisten von uns schon um Einiges voraus.“ OHA! Was soll das denn heißen? Ich habe nicht darauf geantwortet… 

Soviel zu Gabriele und meinen Erlebnissen mit ihr… So ein Mist ey. Ich hab mich richtig über mich selbst geärgert. Naja, kann man jetzt auch nicht mehr rückgängig machen, aber in einer Woche muss ich sie nie wieder sehen. 

Ja, nur noch eine Woche!!! Bzw. jetzt wenn der Artikel online geht sogar nur noch viel weniger als eine Woche und die drei Monate sind schon rum. Ich kann dann endlich anfangen zu reisen und muss mich nie wieder über Juana oder Aprode ärgern. Die nerven mich nämlich so dermaßen, das könnt ihr mir gar nicht glauben. Eigentlich stand dieser Sonntag, der 12.11., schon ewig als Datum für die Alpakaadotion fest. Edwin hatte diese organisiert und uns ganzen Freiwilligen versprochen, an diesem Tag nach Huancabamba zu fahren, um dort jeder einzelne Pate von einem Baby-Alpaka zu werden. Mit Urkunde und allem drum und dran. Wir hätten sie taufen dürfen, wären auf dem Laufenden gehalten worden, wie es sich so entwickelt und hätten mach seiner ersten Schur ein Kleidungsstück aus seiner Wolle bekommen. Wir haben uns alle riesig darauf gefreut und ich war richtig froh, gerade noch dabei sein zu können. Mitte der Woche fragten dann mehrere von uns, wann er kommen würde und so weiter. Keiner erhielt jemals eine Antwort. Am Samstag eröffnete er uns dann, dass er nicht kommen würde und die Adoption verschoben werden würde. Ich war nicht nur sauer und enttäuscht sondern auch richtig traurig, weil ich somit nicht dabei sein werde, obwohl er es mir versprochen hatte und ich mich echt gefreut hatte. Aber er hat mir auch versprochen eine neue Gastfamilie zu finden… Diese blöde Organisation macht einfach nicht ihren Job und kümmert sich überhaupt nicht um uns. Deswegen bin ich auch noch nicht sicher, ob ich zum Abschlussseminar erscheinen werde. Wenn es mir nicht in meinen Zeitplan passt, dann gar nicht. Wenn die sich nicht an Vereinbarungen halten, sehe ich nicht ein warum ich das tun sollte. Ich kann nur jeden vor VoluNation und Aprode Peru warnen! Beides sind Halunken. Und Edwin ist der Größte. Er redet viel, tut nichts, verspricht alles, hält nichts. 

Den extra freigehaltenen Sonntag verbrachten Carmen und ich, da es regnete und zum Chillen einlud, lange im Bett und dann auch nur entspannend zu Hause. 

Am Samstag dagegen konnte ich richtig viel erledigen. Zuerst wuschen wir Tonnen von Wäsche. Ich checkte nochmal meine Unterlagen für Cuzco und wunderte mich, warum immer noch nicht das Geld für Machu Picchu abgebucht wurde. Auf meinem Ausdruck stand nämlich, dass die Zahlung innerhalb von 3 Stunden erfolgen müsse, sonst würde die Reservierung verfallen. Ich dachte halt, über die Kreditkarte würde es automatisch abgebucht werden. Wurde es aber nicht. Also rief ich dort an und die Frau sprach Englisch mit mir, was mich komplett überforderte. Ich bin so an das Spanische gewöhnt, mir fallen so spontan gar keine englischen Wörter ein. Alles in meinem Kopf war durcheinander. Jedenfalls konnte sie mir sagen, dass meine Reservierung tatsächlich verfallen war und ich es nochmal machen müsse oder ich könne meinen Eintritt auch noch einen Tag vorher in Cuzco kaufen. Das war mir aber eindeutig zu riskant. Ich war richtig niedergeschlagen… Es ist wirklich sehr kompliziert mit dieser Machu Picchu Buchung. Ich glaube sie wollen gar nicht, dass man kommt. Gegen 12 Uhr waren wir dann auf der Bank um unsere großen Scheine in kleine wechseln zu lassen und ich stellte fest, dass sie noch eine ganze Stunde offen hatte. Also ergriff ich die Chance, zog Carmen in das gegenüberliegende Internet-Café und machte erneut eine Reservierung. Diesmal wusste ich dank der Dame am Telefon, dass ich die Rechnung innerhalb von drei Stunden bezahlen musste und das am besten bei der Banco de la Nación machte und nicht per Kreditkarte, weil sie da wohl sehr zimperlich seien. Also sprintete ich mit meiner neuen Reservierung zurück zur Bank und bezahlte dort direkt meine Rechnung in bar. Die Frau am Schalter blickte mich mit großen Augen an und ich dachte schon, sie sagt mir, es ist nicht möglich dort zu bezahlen. Sie sah aus als hätte sie das noch nie gemacht und keine Ahnung. Nach einem kurzen Telefonat ging es dann doch und ich konnte zurück im Internet-Café mein schlussendliches Ticket ausdrucken. So hatte mich das Ganze weniger als eine Viertelstunde gekostet, aber wenn man nicht weiß, wie es funktioniert, ist es fast unmöglich an sein Ticket zu kommen. Ich war heilfroh und erleichtert, dass ich dort überhaupt angerufen hatte und herausgefunden hatte, dass meine Reservierung verfallen war. Sonst wäre ich ohne ein Ticket dagestanden… 

Danach war ich auf jeden Fall sehr glücklich und erleichtert. Wir fuhren am Nachmittag nach Andahuaylas und ich besorgte einige Geschenke zum Abschluss. Für Liz Lidschatten, für Anghelo einen Fidget Spinner, da er auf sinnlose Spielzeuge steht, für Juana einen Schlüsselanhänger mit irgendeinem Christusspruch und Schaumküsse und für die Kinder Lollis mit Leuchtstab. Die aus Kressbronn mitgebrachten Karten habe ich auch schon geschrieben, jetzt kann ich mich verabschieden. Danach waren wir noch im Kino und haben uns „How to be Single“ auf Spanisch angeschaut. Überraschenderweise war er echt relativ schwer zu verstehen im Vergleich zu „Pitch Perfect“ und „Colonia Dignidad“. War aber trotzdem gut, ich mag das Kino hier. 

Ich habe im Moment riesigen Spaß daran zu planen und zu überlegen, was ich machen möchte, wenn ich im Januar wiederkomme. Es gibt so viele Dinge, die ich im Moment vermisse… Diese Woche hatte ich aufgrund des ganzen Rumsitzens ziemlich Heimweh, aber mir hilft es zu überlegen, was ich alles vorhabe. Dazu gehören natürlich meine Freunde wiedersehen und so banale Dinge wie einkaufen mit Mama, aber auch einige neue Filme anzusehen, Klamotten shoppen, Praktikum machen, und so weiter. Zudem glaube ich endlich zu wissen, was ich studieren möchte. Der Studiengang heißt Internationale Beziehungen und verbindet alles, was mich interessiert und klingt einfach perfekt! Ich bin absolut begeistert. Außerdem kann man damit genau die Berufe machen, die ich mir vorgestellt habe. Es ist an keiner Privatuni, perfekt! Mein Traumstudium glaube ich also endlich gefunden zu haben, was die Vorfreude irgendwie noch größer macht. 

Jetzt bin ich aber trotz einiger Bammel erstmal gespannt auf meine Reise durch Peru und freue mich riesig, die Sehenswürdigkeiten, die ich bisher nur von Bildern kenne, endlich in echt anschauen zu können! Fünf Wochen habe ich Zeit bis Weihnachen. Ich hoffe das reicht…

Morgen geht’s also los, die letzten fünf Tage brechen an. Ich kann es gar nicht glauben, es ging so unglaublich schnell rum. In einem Monat habe ich Geburtstag!!! Und dann ist bald das Jahr vorbei, krass! 

Traurig, dass die Zeit hier schon vorbei ist, bin ich auf jeden Fall nicht, denn die Arbeit mit Kindern ist einfach nichts für mich habe ich festgestellt. Sie können zwar manchmal echt süß sein, aber meistens gehen sie mir eher auf die Nerven und regen mich auf, weil sie mich weder ernst nehmen, noch auf mich hören noch motiviert sind. Ich könnte einfach ausarten wenn sie sich nicht  bemühen oder sich dumm stellen und ich ihnen ihre Hausaufgaben quasi diktieren muss und sie es trotzdem falsch aufschreiben. Oder wenn sie mich nur auslachen, ignorieren oder anlügen. Es macht einfach keinen Spaß und ich bin, so leid es mir tut, echt jeden Tag unmotiviert und hab gar keine Lust auf die vier Stunden mit den Kindern am Vormittag. Sie sind einfach nur rotzfrech und hören überhaupt nicht auf das, was Carmen und ich sagen. Ich hab mir die Arbeit mit ihnen irgendwie auch anders vorgestellt, aber leider hat es mir nicht so großen Spaß gemacht und ich bin froh, wenn mein letzter Arbeitstag vorbei ist. 

Emily 

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Wenig Arbeit, große Erlebnisse

Die neue Woche begann ich mit den Gedanken: „Nur noch drei Wochen! YEAH!!!“ und „Mittwoch ist wieder Feiertag!“. Vielleicht kann man hieran schon meine nicht vorhandene Motivation erkennen was das Arbeitengehen und weitere Verweilen in Andahuaylas angeht. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Carmen schon total genervt ist von meinen ständigen Gedankenblitzen, in denen ich ihr freudestrahlend eröffne, wie wenig Tage ich nur noch rumkriegen muss. Aber ich freue mich einfach so sehr auf den Tag, an dem ich endlich aus dieser blöden Familie gehen darf und nie wiederkommen muss. Im Moment ist es zwar wirklich ganz erträglich, aber da auch die Arbeit nicht wirklich Spaß macht, hält mich nicht mehr wirklich viel an diesem Ort… Ich hatte mir das echt anders vorgestellt und so sehr auf eine nette Gastfamilie gehofft, in der ich mich richtig wohl fühle, aber das war mir leider nicht vergönnt. 

Wie oben bereits erwähnt, mussten wir eben nur am Montag und Dienstag arbeiten, bis am Mittwoch schon Wiede Feiertag war. Am Montag erfuhren wir zudem, dass noch eine weitere Freiwillige aus Deutschland nach Andahuaylas kommen würde. Wir konnten es beide nicht fassen und waren total sprachlos. Wo solle die denn noch unterkommen? Und was für eine Arbeit solle sie noch machen. Man sagte uns, sie würde nur 4 Wochen bleiben, aber trotzdem waren wir geschockt und hatten nicht sonderlich große Lust auf jemand Neuen. Auf unser Nachfragen hin wo sie leben würde, bekamen wir natürlich keine wirklich befriedigende Antwort. Es hieß nur: „woanders“. Ich machte Edwin aber auch deutlich klar, dass bei uns nicht noch jemand Platz habe und auch Juana nicht noch jemanden akzeptieren würde. Aber anscheinend konnte ja eine andere Gastfamilie in San Jeronimo aufgetrieben werden, weshalb wir natürlich direkt fragten, ob wir auch umziehen dürfen. Daraufhin bekamen wir gar keine Antwort mehr… So viel dazu. Diese verblödete Organisation macht einfach nicht ihren Job, steckt sich aber ordentlich Geld ein… Carmen und ich mussten also erstmal die Neuigkeit verdauen und uns in Geduld üben. Wo wir bei Verdauung wären… Meine spinnt nämlich seit Sonntag. Grippe los, dafür schon wieder Durchfall, Magenschmerzen und Übelkeit. So ein Mist. Juana erzählte ich davon nichts, die war froh, dass ich wieder gesund war und meinte nur, ich wäre ja schneller als Carmen wieder fit geworden. 

Am Mittwoch war, wie in Deutschland auch, Feiertag in Peru; genauer gesagt der „Día de los Vivos“ (also der Tag der Lebenden). Auch wenn das Wetter nicht optimal war, entschieden wir uns dazu nach Pacucha zu fahren und dort einen entspannten Tag zu verbringen. Wir steckten uns Bücher, Kopfhörer und Snacks ein und machten uns auf den Weg. Es war wirklich nicht ganz so schön, da es auch ziemlich windig und kalt war. Aber wir entschieden uns trotzdem zu einer halbstündigen Bootsfahrt und ließen uns ein wenig in einer Nussschale über den See kutschieren. Wir legten uns ein bisschen in die Wiese und unterhielten uns, bis ich, haltet euch fest, ein vierblättriges Kleeblatt fand!!! Einfach so! Ich lag auf der Wiese und sah etwas, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich rechnete nicht wirklich mit so einem Glücksfund, aber tatsächlich war es ein Kleeblatt mit vier Blättern. Ich konnte es nicht fassen, dass ich einfach so ins Gras gegriffen hatte und eines gefunden hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben. Und dafür musste ich extra nach Peru reisen. 

Meine Mutter stellte die Vermutung an, ich hätte mir trotz Impfung vielleicht Hepatitis A eingefangen, was bei all dem Streetfood hier auch gut sein könnte. Ich bin ja ein absoluter Gegner des Trends seine Krankheiten zu googeln, aber da ich keine Ahnung von Hepatitis A hatte, wagte ich trotzdem einen Blick ins Online-Lexikon. Und tatsächlich trafen alle Symptome zu. Da ich aber nicht noch einmal hier zum Arzt gehen werde (denen traue ich nicht mehr über den Weg), werde ich es also niemals herausfinden was es war. Anscheinend kann man es eh nur einmal bekommen und ist danach immun dagegen. Also halb so wild der ganze Spaß. 

Jedenfalls haben wir dann irgendwann noch Mittag gegessen und uns danach in den Windschatten gesetzt, wo jede ihren Gedanken nachgehangen ist. Irgendwann wurden es immer weniger Menschen um uns herum undicht befürchtete, mal wieder Schwierigkeiten mit dem Nachhauseweg zu bekommen. Das merkte ich auch an und meinte zu Carmen, dass ich schon seit Ewigkeiten keinen Bus mehr gesehen hätte. Außerdem sah es nach Regen aus und wurde sehr kalt. Doch Carmen interessierte das alles nicht die Bohne und antwortete nur, sie würde gerne noch bleiben. Damit hatte sich die Sache für sie auch erledigt. Als der Guten dann kalt wurde, wollte sie dann doch plötzlich gehen. Natürlich war weit und breit kein Auto zu sehen und wir stiefelten wieder in eine Richtung los (die wohlgemerkt Carmen vorgeschlagen hatte und meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn machte). Nach Ewigkeiten kamen zwar zwei Busse sogar in die richtige Richtung angedüst, doch die waren beide schon voll besetzt. Carmen wollte daraufhin wieder umdrehen und wieder zurück ans Ufer laufen. Da kam natürlich auch nichts, aber irgendwann stellte ich mich dann an eine Ecke und konnte nach einigen Minuten glücklicherweise einen Taxifahrer anhalten, der uns mitnahm. 

Am Donnerstag hieß es eigentlich, sei vormittags trotz Feiertag (diesmal der „Dîa de los Muertos“, der Toten) ganz normal Betreuung, doch als wir pünktlich um 8 aufschlugen, waren bis auf die eine Köchin und noch eine Mitarbeiterin niemand anderes da. Es gab nichtmal Frühstück und Kinder kamen auch keine. Als irgendwann auch Señor Reneé und Juana eintrudelten fragten wir, ob es irgendeine Arbeit für uns gäbe, doch wir wurden einfach wieder entlassen und konnten nach Hause gehen. Damit hatte sich das auch schon erledigt. Da an diesem Tag irgendein Autorennen stattfinden sollte, war ganz Andahuaylas in heller Aufruhr. So wie ich informiert wurde war dies ein fünftägiges Rennen von Ayacucho bis Cuzco, das an diesem Tag durch Andahuaylas führte. Deshalb wollten natürlich alle die Autos anschauen und unsere Gastfamilie nahm uns sogar mit. Zwar etwas spontan, sodass keine Zeit für nichts blieb und ich mich unter anderem auch nicht mehr eincremen konnte. Die Sonne schien aber ordentlich, weshalb ich am Abend richtig schön rot war und mein Gesicht mir richtig weh tat. Wenigstens fragten sie uns, ob wir mitwollten. Auf der Ladefläche ging es dann einen sehr holprigen Berg hoch bis nach Pacucha, wo schon hunderte andere Leute mit Essen, Trinken, Ständen, Kind und Kegel angekommen waren und sich ein Lager bauten. Nach Ewigkeiten des Diskutieren und Suchens einigte man sich dann auch auf ein Plätzchen, das eher bescheiden lag, aber was hab Ich schon zu melden. Zuerst wurden Inka Kola, Kartoffeln, Käse und Chicharron ausgepackt und etwas gesnackt. Dann wurde gebannt auf das mitgebrachte laut dröhnende Radio gelauscht und verfolgt, wo sich die Rennfahrer gerade befanden. Irgendwann kam der erste um die Ecke gefahren, aller waren begeistert. Nach und nach trudelten immer mehr ein, immer mit einigen Minuten Abstand. Zum Glück warteten wir nicht auf alle Fahrer, sondern brachen nach den ersten zehn wieder auf. 

Erwähnenswert ist, dass mich Juana an diesem Tag zum ersten Mal verteidigt hat. Sonst ist mein Verzicht auf Fleisch immer Schuld an meinen Krankheiten, doch heute meinte sie zu ihren Bekannte, dass ich mich viel schneller erholt hätte und Carmen immer noch krank sei…

Zuhause wurde schon wieder gegessen (!) und Carmen und ich brachen in die Stadt auf, um Geld zu holen und bei der Post nach Carmens Paket zu fragen. Tatsächlich war ihres bereits dort und konnte direkt von ihr mitgenommen werden. Ich freute mich für sie, da sie nun gut mit Süßigkeiten versorgt war und liebevolle Briefe und Bilder bekommen hatte. Aber ich war auch ein wenig traurig, da mein Päckchen nie angekommen ist und es jetzt irgendwie aus Lima gerettet werden muss… Unsere Gastfamilie war natürlich auch wie immer außer Haus, doch wir hatten das Türchen offen gelassen, so dass wir wieder ins Haus kamen. 

Während dem Spektakel in Pacucha erhielt ich mehrere Anrufe von den verschiedensten Personen, unter anderem auch Gabriele, der neuen Freiwilligen. Wie sich herausstellte, war sie ganz allein in den Bus gesetzt worden und am Vormittag in Andahuaylas angekommen. Ihr hatte man gesagt, ich würde sie abholen, doch ich wusste davon überhaupt nichts. Ich konnte sie auch nicht mehr erreichen. Irgendwann rief mich Señor Reneé an und fragte, ob ich sie holen kommen könne. Ich verstand ihn nur ganz schlecht, aber über WhatsApp konnte ich ihm dann deutlich machen, dass ich nicht kommen könne. Aber anscheinend hatte er sie schon zu ihrer Unterkunft gebracht und ich war damit aus dem Schneider. War mir aber ehrlich gesagt auch herzlich egal, was konnte ich machen, wenn mir niemand Bescheid gab. Jedenfalls hörten wir den ganzen Tag nichts mehr von ihr und auch Reneés Versprechungen, wir konnten auch zu der Familie ziehen verliefen bisher im Sand. Mittlerweile ist es mir aber auch Wurst, jetzt brauche ich auch nicht mehr die Familie zu wechseln. Für Carmen ist es jetzt halt eine schwierige Entscheidung, aber für mich macht es keinen Sinn mehr. 

Am Freitag trafen wir morgens dann zum ersten Mal auf Gabriele. Ich hätte nie damit gerechnet auf eine 57-jährige Frau zu treffen, die kein Wort Spanisch spricht und weder Reis noch Weizen isst… Ich weiß immer noch nicht genau, was ich von ihr halten soll. Sie ist sehr speziell und kompliziert, will den Kindern anstatt Englisch Deutsch beibringen und ist unglaublich nervig. Zum Glück muss ich nur zwei Wochen mit ihr verbringen. Da seit Dienstag die zweite Köchin wieder aus dem Urlaub zurück ist, war Liz mal wieder ab und zu anwesend und wir teilweise vier Betreuerinnen für vier Kinder. Fragt. Mich. Nicht. Warum. 

Carmen und ich hatten für das Wochenende einen Ausflug nach Pampachiri geplant, weshalb wir schon um 1 Uhr mittags am Freitag aus Andahuaylas mit dem Bus abfahren wollte. Gabriele mussten wir natürlich anbieten mitkommen zu können, ich hätte aber nie gedacht, dass sie direkt zusagt und sich an uns dranhängen würde. Doch genau so war es und so waren wir plötzlich zu dritt. Nach einem vorgezogenen Mittagessen stiefelten wir also direkt los, um sie wieder zu treffen, da sie im Gegensatz zu uns natürlich keine Sachen für das Wochenende dabei hatte. 

Die Geschichte mit dem Bus klappte so einwandfrei wie noch nie. Er füllte sich schneller als gedacht und wir kamen sogar schon 5 Minuten vor 1 los. Nach kurzer Zeit schon verließen wir die befestigte Straße und sollten sie auch so schnell nicht wieder sehen. Ich rechnete eigentlich mit einer etwas größeren Stadt, doch der Name Pampachiri sagt eigentlich schon alles über dieses Dörfchen aus. Nach knappen 3 1/2 Stunden Fahrt waren wir die letzten Verbliebenen im Bus, der Rest war irgendwo nach und nach mitten im Nirgendwo ausgestiegen. Empfangen wurden wir mit Regen und so suchten wir als Erstes eine Bleibe für die Nacht. Nachdem wir in der ersten ewig auf eine verantwortliche Person über 10 Jahren gewartet haben und es uns eindeutig zu teuer gewesen wäre, machten sich Gabriele und Carmen auf die Suche nach etwas billigerem. Tatsächlich wurden sie fündig und wir bekamen ein Dreibettzimmer (es war richtig schön warm da drin!), theoretisch heiße Duschen, aber kein WLAN. Aber gut, man kann ja nicht alles haben. Also schlugen wir zu und machten uns dann auf die Suche nach einem warmen Abendessen. Mir stand der Sinn eigentlich nicht nach Nahrungsaufnahme, unter Anderem weil ich immer noch Probleme mit meinem Verdauungstrakt hatte. Trotzdem servierte man mir bei dem Chinesen Arroz Chaufa mit Gemüse, das mir ordentlich auf den Magen schlug. Mir war kotzübel und ich wollte mich am liebsten gar nicht mehr bewegen. Die nächsten zwei Tage hatte ich auch ordentlich zu kämpfen und konnte so gut wie nichts zu mir nehmen. Ich war die Scheißerei ja schon von den letzten Tagen gewohnt, aber es wollte einfach nicht besser werden. 

Für den Samstag hatten wir uns aber schon einen Mototaxifahrer organisiert, der uns zum Basque de Piedras, den Casas de los Pitufos und den heißen Quellen bringen sollte. Der wollte schon sehr früh los und so brachen wir um (schon wieder pünktlich) 8 Uhr in Richtung Pampa auf. Diese Gefährte sind nicht gerade die komfortabelsten und so wurden wir ordentlich durchgeschüttelt, es war ziemlich laut und wir hatten nicht den besten Blick nach draußen. Nichtsdestotrotz war die Landschaft, durch die wir fuhren, absolut atemberaubend und einmalig schön. Wir waren alle drei beeindruckt und hin und weg vom Anblick. Überall lagen Steine rum, ragten spitze Felsformationen in den Himmel und die Sonne schien zu unserer großen Freude auch (nur um mein Gesicht machte ich mir etwas Sorgen, da der Sonnenbrand schicke Bläschen auf meiner Nase hinterlassen hatte und mein Gesicht immer noch krebsrot war). Aber von all dem ließ ich mich nicht aufhalten. Angekommen am Basque de Pietas blieb uns förmlich die Spucke weg. Es war wunderschön und da Gabriele als Geologin arbeitet, konnte sie uns auch etwas über die Entstehung der Landschaft erzählen. Dazu die Ruhe, da wir weit und breit die einzigen Menschen waren - einfach perfekt. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei, doch unser werter Fahrer hatte es ziemlich eilig. Nicht weit entfernt hielten wir dann bei den „Schlumpfhäusern“, in denen tatsächlich Mensch leben. Mitten in dieser Einöde, neben bildhübschen Steppenpferden, Lamas und Schweinen. Hier nutzten wir die Zeit ein bisschen, um die Natur zu erkunden und betrachteten die surreal wirkenden Felsformationen. Im Anschluss wollte unser Fahrer direkt weiter zu den heißen Quellen, doch uns wurde von mehreren Leuten schon erzählt, dass man da besser nicht am Tag sondern erst am Abend hingehen sollte. Also kehrten wir nach Pampachiri zurück und verabredeten uns auf 17 Uhr nochmal. In der Zwischenzeit aßen die anderen beiden Mittag (ich konnte immer noch gar nichts essen), wir entspannten ein wenig im Zimmer und pflegen unsere sozialen Kontakte, so gut es bei dem miserablen Netz ging. 

Pünktlich ging es dann los zu den Thermalquellen und wir waren alle richtig heiß auf ein warmes Bad. Meiner Meinung nach war es sehr schade, dass das Wasser nicht naturbelassen wurde, sondern man in Schwimmbecken schwamm, doch die absolut perfekte Wassertemperatur machte das tausendmal wieder wett. Es tat so gut ein warmes Bad zu nehmen nach den etlichen kalten Duschen zu Hause. Wir wollten gar nicht mehr raus aus dem Wasser, doch unser Chauffeur hatte es mal wieder eilig und uns blieb nur eine halbe Stunde in diesem hammelähnlichen Gewässer. Ein bisschen schwefelig rochen wir danach schon, doch Carmen und ich wollte gar nicht mehr dieses wohlige Gefühl loswerden und es mit einer Dusche versauen. So ansprechend war die nämlich auch nicht. 

An dem Tag war zudem noch Liz’ Geburtstag, weshalb sie am Freitag meinte, sie würde mit ihren Freunden auch kommen um sich zu baden. Am Samstag wollte sie mir Bescheid sagen. Tat sie natürlich nicht und so hakte ich nach. All die netten Pläne waren natürlich wieder nicht wirklich handfest und so wunderte es mich nicht wirklich, als sie mir offenbarte, dass sie doch nicht kommen würde. Auch okay. Nur konnten wir uns so leider nicht die Fahrtkosten sparen. Denn hinzukommt, dass die Busse aus Pampachiri nur zu äußerst ungünstigen Uhrzeiten nach Andahuaylas abfahren. Entweder um 3 Uhr morgens, 5 Uhr morgens oder erst wieder um 17 Uhr. Den wollten wir ursprünglich nehmen, doch wussten wir nach dem Tag nicht mehr wirklich was wir noch einen ganzen Tag in diesem Kaff anstellen sollten und außerdem wären wir dann erst sehr spät angekommen. 

So klingelte am Sonntag früh unser Wecker bereits um 4 Uhr und wir warteten in der Kälte auf das eintreffen unseres Busses. Bereits am Vorabend hatten wir unsere Reise bezahlt, doch darauf würde ich mich nicht immer verlassen. Glücklicherweise bekamen wir aber unsere uns zustehenden Plätze im Bus, es gab sogar Kopflehnen, etwas mehr Beinfreiheit als auf dem Hinweg wo es praktisch keine gab und Decken. Der Bus füllte sich zu unserer Erleichterung auch ohne Schwierigkeiten und wir konnten beinahe pünktlich starten, nachdem wir bis um 4:50 Uhr gewartet hatten und Carmen sichtlich Angst hatte, er würde nicht kommen. 

Die Rückfahrt Gin um einiges schneller als die Hinfahrt und nach 2 1/2 Stunden waren wir schon wieder in Andahuaylas. Keine Ahnung wie der Fahrer das angestellt hat, denn er ist teilweise echt geschlichen. Aber die meisten Zeit haben wir eh schlafend verbracht, während die ganzen Peruaner sich schon munter unterhielten. Da wir nicht damit gerechnet hatten so früh zu Hause anzukommen, erledigten wir noch unseren Obsteinkauf auf dem Markt und fuhren dann wieder zurück. Unsere Gastfamilie war gütigerweise zu Hause geblieben, sodass wir ins Haus kamen. Wir wuschen auch direkt unsere Wäsche, da es sonnig war, ich sprang unter die Dusche und danach wollten wir eigentlich in Ruhe was kochen. Doch aus in Ruhe wurde nichts. Eigentlich hatten wir das nur für uns geplant, doch Juana übernahm direkt das Ruder und schrieb uns vor, was wir machen würden. Carmen schickte sie wieder fünfmal zum Einkaufen, schmiss zehnmal ihren Plan um und dirigierte uns herum. Schlussendlich kam sie dann darauf, Gemüsereis mit Hühnchen, Kartoffeln und Brokkoli machen zu wollen. Als alles auf dem Herd stand verabschiedete sie sich und meinte, wenn es fertig sei würde sie uns anrufen und wir sollen einfach ohne sie essen. Okeeey… warum durften wir dann nicht kochen was wir wollten wenn sie eh nicht mitaßen? Naja egal, es war super lecker und Carmen und ich fanden es richtig gut. Auch wenn sie mittendrin in die Küche stürmte und meinte, wir hätten den Reis zu früh ausgemacht. Nach ihrer Intervention war er angebrannte, aber psssst. 

Meinem Magen ging es zwar etwas besser, aber schon beim Duschen hatte ich irgendwie Aussetzer im Gesichtsfeld, danach wurde beim Essen meine Hand wieder taub und schlussendlich wurde das Ganze noch von einem Migräneanfall gekrönt. Um kurz nach zwei quälten mich dann heftigste Kopfschmerzen, wie ich sie wirklich selten erlebt habe. Als säße ein Specht in meinem Kopf und würde ihn mit einem Hammer und nicht mit seinem Schnabel bearbeiten. Ich hielt die Schmerzen nicht mehr aus und legte mich schlafen, was aber nichts brachte. Also nahm ich eine Aspirin, was auch nicht half. Somit legte ich mich wieder hin und schlief praktisch bis 22 Uhr durch, als ich aufwachte und merkte, dass ich mich überhaupt nicht bettfertig gemacht hatte. Teilweise holte ich das dann noch nach, schlief aber ansonsten bis morgens durch, wo es mir dann zum Glück wieder gut ging. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich zu wenig gegessen und geschlafen hatte… aber ich weiß es nicht, ich war froh, dass es Montagmorgen wieder weg war. 

Emily 

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Krank sein ist ätzend

Die neue Woche startete ganz gewöhnlich. Es gab kein Frühstück und so mussten wir uns mit zwei trockenen Broten im CEDIF zufrieden geben. Die Kinder am Vormittag waren gewohnt anstrengend, wir konnten sie allerdings kurze Zeit gut mit Galgenmännchen beschäftigen und somit ein paar neue Englischvokabeln üben. Aber zu mehr hatten sie leider keine Lust. Irgendwie verlieren sie so schnell die Lust an etwas! Selbst wenn wir Memory spielen, hören sie teilweise einfach mitten im Spiel auf, weil sie keinen Spaß mehr  daran haben oder merken, dass sie verlieren. Bis auf einen kleinen Zwischenfall, in dem ich fast vom umkippenden Schrank begraben wurde, gab es keine größeren Vorkommnisse. 

Der Nachmittag dagegen war komplett sinnlos. Erstmal warteten wir ewig, bis überhaupt etwas geschah oder man uns sagen würde, was passiert. Wir stellten fest, dass die Kinder schon wieder direkt nach dem Mittagessen nach Hause geschickt wurden und es für sie keine Betreuung geben würde. Den Grund wussten wir allerdings noch nicht. Eine Schülerin fragte mich total süß als sie mich begrüßte, warum ich vergangene Woche geweint hatte und ob es wegen ihnen gewesen wäre. Total rührend, wie ich schon mehrmals darauf angesprochen wurde, ob sie etwas falsch gemacht hätten und wie es mir ginge. Irgendwann kam Juana schreiend die Treppe runtergerannt, zog etliche Handys ein und forderte alle Anwesenden dazu auf, doch gefälligst oben mitzuhelfen und fragte, warum wir alle nichts machen würden. Also stiefelten wir nach oben und begannen, die Steine und den Dreck, den wir einige Wochen zuvor mühsam nach oben geschleppt hatten, wieder nach unten zu befördern. Auch die Jugendlichen mussten ordentlich mit anpacken und Juana kannte kein Erbarmen. Sie schrie munter weiter und verteilte Befehle, während sie selbst in der Küche an ihrem Handy saß. Es war echt anstrengend, voll beladen ständig die Treppen hoch und runter zu laufen und die Luft war unglaublich staubig. 

Danach hieß es, Liz würde uns einen Tanz beibringen, den wir dann bei dem Treffen am Donnerstag mit den anderen CEDIFs vorführen müssten. Wir warteten ewig bis etwas geschah und als endlich der Großteil der Mitarbeiter versammelt war, begann die Diskussion, was wir vorführen wollen. Einen Tanz, ein Lied, ein Theater,… Man wurde sich nicht wirklich einig, keiner hatte Ideen oder Lust und die meiste Zeit wurde videoschauend am Handy verbracht. Nach einer Stunde waren wir nicht viel weiter und ich wollte einfach nur nach Hause, da es mir immer schlechter ging. Mir schmerzten alle meine Glieder, mein Kopf tat mir weh und mir war übel. Zudem war mir unglaublich kalt, ich war müde und hatte Husten bekommen. Eigentlich wollten Carmen und ich noch in ein Internet Café, doch dieses Vorhaben verwarfen wir, da wir uns beide nicht wirklich fit fühlten. Die Zeit verging nur schleppend, man saß die ganze Zeit nur rum und wartete, bis es 17 Uhr wurde. Bis dahin hatten wir zumindest mal beschlossen, auf was für ein Lied wir tanzen wollten und wer welche Rolle einnimmt. Ich bekam die glorreiche Rolle der „Novia“ zugeteilt. Mein Part war also die ganze Zeit in der Mitte zu tanzen, während die anderen um mich herum tanzen sollten. Ich war zwar nicht scharf auf diese Sonderrolle, aber gut. Ich war einfach nur froh, als es hieß, wir können nach Hause gehen. Sofort kochte ich Tee und wir schmissen uns beide ins Bett. Mir ging es gefühlt immer schlechter. Mir war unglaublich kalt und ich hatte heftige Kopfschmerzen. Ich ahnte schon, dass ich krank werden würde, wagte es aber nicht zu hoffen. Juana interessierte das nicht die Bohne und sie schrie, als sie wieder nach Hause kamen, mehrmals meinen Namen, nur um wieder irgendwelche Kommandos zu verteilen und ich quälte mich jedes Mal aus dem Bett. Carmen sah gar nicht ein mir zu helfen… Als wir zum Abendessen gerufen wurden, stellte dann auch meine Gastmutter fest, dass ich krank war und meinte, wie Carmen und ich es vorausgesagt hatten, dass es an der heißen Dusche am Abend liegen würde und daran, dass ich ja anscheinend nichts essen würde. 1. dusche ich nie warm und 2. esse ich ordentlich. Aber sie war der festen Überzeugung, dass es genau daran liegen würde und verbot mir, abends und mehr als einmal die Woche zu duschen… Großartig. Jetzt muss ich morgens duschen, ich hasse das und hab auch gar keine Lust, weiß Gott wann aufzustehen deswegen. Dann muss ich mit nassen Haaren auf die Arbeit… 

Auch erzählte sie uns aufs Neue davon, wie schlecht es ihr doch gehe und was ihr alles wehtun würde. Sie meinte, ich solle diese und jene Medikamente nehmen, doch ich wiegelte sie ab und meinte, Ibuprofen sei genau das Richtige. Die Peruaner haben glaube ich großen Spaß daran, sich zum Einen Krankheiten einzubilden und sie heraufzubeschwören und zum Anderen, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen und sich allerlei Medikamente und Tabletten einzuschmeißen. Sie fürchten sich wirklich alle sehr davor krank zu werden. Ich bin jedoch eher der Vertreter von möglichst wenigen Medikamenten und machte ihr klar, nicht dieses ganze Zeug zu kaufen. 

Carmen ging es wieder gut, ich dagegen sah glaube ich wirklich recht miserabel aus. Die Nacht schlief ich super unruhig und schlecht, wurde von Fieberträumen geplagt und am Morgen war mein Bettlaken quasi nicht mehr da und die Decken hingen sonst wo. Den Husten konnte ich mit einem Hustenbonbon ganz gut kontrollieren, doch alles andere machte die Nacht sehr lange. Am Morgen sah es nicht wirklich besser aus. Mir tat immer noch alles weh und ich wollte mich gar nicht bewegen. Ich hatte auch ziemlich sicher Fieber bekommen, wenigstens war aber die Übelkeit verschwunden, der das aufgezwungene Abendessen tags zuvor nicht wirklich gut getan hatte. Zum Glück konnte ich zu Hause im Bett bleiben und musste nicht arbeiten gehen. Das hätte ich beim besten Willen nicht überlebt. Ich verbrachte also den ganzen Tag in meinem Bett, lesend, schlafend und schreibend. Zu mehr war ich wirklich nicht in der Lage, auch wenn die anderen aus dem CEDIF wollten, dass ich nachmittags komme, um den Tanz einzustudieren. Mir war das bloße Existieren aber schon unangenehm und das Fieber ließ mich schrecklich schwitzen, ich hatte keine Kraft und meine Kopfschmerzen nervten mich ungemein. 

Die Nacht auf Mittwoch schlief ich genauso schlecht und fühlte mich am Morgen immer noch nicht besser. Jede Bewegung war zu viel und strengte mich dermaßen an, dass ich einfach nur liegen bleiben wollte. Doch Juana kannte kein Erbarmen und zwang mich regelrecht zum Arzt zu gehen. Also zog ich mich an und schleppte mich zum „Centro de la Salud“, da es mir immer noch nicht besser ging und mir Ibuprofen diesmal nicht wirklich zu helfen schien. Nur am Nachmittag waren die Schmerzen etwas erträglicher. In der Notaufnahme angekommen, schockierten mich zuerst einmal die altertümlichen Methoden, mit denen man hier noch arbeitete. Der Puls wurde mit Blick auf die Handyuhr gezählt, Blutdruck von 80 zu 70 als normal empfunden und die Waage noch per Hand ausgerichtet. Meine Körpertemperatur hatte sich dank der Ibu normalisiert, weshalb sie meinten, ich hätte kein Fieber. Nach dem Check der Krankenschwestern tauchten Juana und Liz auf, um mit mir und Carmen zu warten. Warum ich von allen drei begleitet wurde lässt sich mir nur so erklären, dass weder Juana noch Liz Lust hatten zu arbeiten und mein Aufenthalt beim Arzt eine gute Entschuldigung war. Somit wartete ich neben den beiden, die munter eine Modezeitschrift nach der nächsten durchblätterten oder mal wieder telefonierten. Carmen musste irgendwie auch nicht arbeiten, ich wollte nur in mein Bett. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich dann gerufen, um meine Patientenakte mit den notwendigen Daten auszufüllen und wurde wieder zum Warten verdonnert. Für Juana musste ich mich wirklich fremdschämen, da sie aufgrund mangelnder Geduld irgendwann durch den Ausgang in das Behandlungszimmer des Arztes gelaufen ist und meinte, ich müsse jetzt dran genommen werden. Dort redete man nicht mit mir, überprüfte aber die genau gleichen Körperfunktionen wie zwei Stunden vorher schon einmal die Schwester. Ein weiteres Mal wurde ich gebeten zu warten, wieder in einem anderen Raum. Es schien gar nicht voran zu gehen und wir saßen ewig in diesem Vorraum, der sich nicht wirklich leerte. Irgendwann verlor Juana wieder die Lust und schob mich zu dem Arzt ins Zimmer; sofort kam ich dran. Anstatt mich alleine mit ihm reden zu lassen, blieb sie einfach im Raum stehen und holte auch Carmen dazu. Ziemlich unverschämt meiner Meinung nach, was geht sie meine Diagnose an. Ich hatte ihr immerhin nicht erlaubt oder gebeten mit reinzukommen. Der Arzt war der Überzeugung, ohne ein Antibiotikum würde es niemals besser werden und ich könnte nicht gesund werden, wenn ich es nicht nehmen würde. Er stellte das Ganze ziemlich dramatisch dar. Ich hoffte, dem Antibiotikum noch entgehen zu können, indem ich einwarf, dass ich mit meiner Medikation an Antiepileptika ja nicht alles nehmen könne. Nachdem ich ihm den Namen meines Medikamentes aufgeschrieben hatte und er es gegoogelt hatte, meinte er, es wäre gar kein Problem und ich könne es bedenkenlos nehmen. Zweimal zwei Tabletten, fünf Tage lang, dazu Paracetamol bei Schmerzen und irgendein Zeugs gegen den Schnupfen (oder den Husten?), auch zweimal täglich für fünf Tage. Danach ließ Juana auch Carmen Platz nehmen, der eigentlich bis auf einer Erkältung nichts fehlte. Diese war dementsprechend verwirrt, bekam aber auch direkt 3 Tabletten verschrieben. In der dortigen Apotheke bekam ich das Antibiotikum und das Paracetamol in die Hand gedrückt und durfte endlich wieder nach Hause, Carmen und die anderen beiden gingen zur Arbeit. Interessehalber fragte ich meine Mutter, ob ich diese ganzen Medikamente überhaupt nehmen dürfe und nach einem Anruf in der Apotheke stand fest: der Arzt war noch unfähiger als gedacht. Er hatte mir doch tatsächlich ein Antibiotikum verschrieben, dass ich nicht nehmen durfte. Und auch das Zeug gegen den Schnupfen empfand sie als völlig sinnfrei. Den besorgten Peruanern erzählte ich natürlich, dass ich ganz fleißig meine Pastillen nahm. Ohne würde ich schließlich sterben! Carmen fragte ihre Eltern auch, was es mit ihren Medikamenten auf sich hatte. Das eine war in Deutschland verboten und das andere so gegen ziemlich alle üblen Krankheiten dieser Welt, aber nicht gegen eine Erkältung. Super erfolgreich also der Besuch im Krankenzentrum, ich weiß warum ich mich nicht von denen untersuchen lassen wollte…

(Heute ist Sonntag, ich habe die Grippe mit nicht mehr als 2 Ibuprofen und 2 Paracetamol überlebt, bin geheilt und wieder fit. Hier würde mir das keiner glauben.) 

Am Nachmittag wagte ich es doch tatsächlich angesichts angenehmer Außentemperaturen und sturmfreier Bude (bis auf Anghelo) zu duschen, da der letzte Kontakt mit der wundersamen Flüssigkeit namens Wasser schon einige Zeit zurück lag. Als Juana zurück nach Hause kam, kassierte ich dafür einen Riesenärger. Wie könne ich es wagen, sie hätte es mir doch verboten, es würde alles nur noch schlimmer machen… Anghelo, die dumme kleine Petze, hatte mich verpfiffen. War mir aber egal, ich war wieder sauber und ansehnlich. 

Carmen bekam auf der Arbeit meine Rolle der „Novia“ für den Tanz zugeteilt und durfte die Nachmittage übend verbringen. Juana erzählte anscheinend jedem, der es hören wollte oder nicht, dass ich doch tatsächlich gewagt hatte zu duschen und, was mich wirklich auf die Palme brachte, dass Carmen und ich unsere Unterwäsche nicht waschen würden! Wie dreist ist diese Frau eigentlich, was fällt der noch alles ein?! 

Was mich allerdings noch mehr nervte war die Befürchtung, wahrscheinlich nicht am Donnerstag mit auf den Ausflug nach Curahuasi gehen zu können. Am liebsten wäre ich wieder gesund gewesen, da ich wirklich ungern darauf verzichten wollte, er aber ja ungünstigerweise von der Vorwoche auf diese verlegt wurde. Ich hatte also schon vorsichtshalber damit begonnen mich mit dem Gedanken anzufreunden alleine zu Hause zu bleiben. 

In der Nacht auf Donnerstag hatte ich aber zum ersten Mal wieder gut geschlafen und wachte weniger gerädert auf. Ich war zwar immer noch weit entfernt von fit, aber im Vergleich zu den vergangenen Tagen ging es mir schon besser und ich wusste deshalb überhaupt nicht was ich machen sollte. Sollte ich zu Hause mit Juana bleiben und mich womöglich ewig darüber ärgern nicht dabei gewesen zu sein oder sollte ich mich, so schlecht wie es mir auch ging, mitschleppen. Ich wusste es nicht. Schlussendlich entschied ich mich dazu mitzufahren, wohlwissend, dass egal welche Entscheidung ich getroffen hätte, ich sie bereut hätte. Schon beim Frühstück wurde ich mit Fragen zu meinem Befinden überhäuft, dabei sah man mir an, dass es mir nicht gut ging. Im Bus warteten wir ewig vor dem CEDIF darauf, dass es alle mal schaffen würden einzusteigen. Ich bekam überhaupt keine Luft, weder durch die Nase noch durch den Mund, und war schon wieder todmüde. Ich stellte meinen Sitz also zurück und versuchte zu schlafen, ich war jetzt schon total fertig. Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich keine gute Idee sein würde mitzugehen, aber der Gedanke mit Juana zu Hause bleiben zu müssen, erschien mir noch schlimmer. Denn ob sie nun mitkam oder nicht stand bis zur allerletzten Minute nicht fest. Sie hatte sich glaube ich schon sechsmal umentschieden und sechs verschiedene Begründungen geliefert. Erst wollte sie mit, dann nicht, weil sie krank war und zu ihrer Tochter nach Cuzco wollte, dann doch mit, dann wieder nicht, weil kein Bock. Am Morgen verabschiedete sie sich sogar von uns und wünschte uns eine gute Reise. Am Mittwoch meinte sie noch die ganze Zeit zu mir, ich könne doch bestimmt mit bla bla. An dem Morgen, als ich dann vor ihr stand um zu gehen, meinte sie, es würde so doch nur schlimmer werden. Diese Frau kann sich einfach nicht entscheiden, immer sagt sie etwas anderes! Anfangs schien es also so, als wären uns zwei ruhige Tage vergönnt, doch in letzter Minute sprang sie noch inklusive Anghelo ins Auto und Carmen und ich entgleisten die Gesichter. Jetzt kam sie also tatsächlich doch mit und wir waren sie doch nicht los. Und sogar die Nervensäge war dabei. Er machte seinem Namen auch direkt alle Ehre und fing an zu singen, schreien, reden und laufen. Ich konnte es nicht fassen, nie konnte er leise sein. 

Die Fahrt ging also los, wir legten innerhalb kürzester Zeit schon etliche Stops ein um in der Apotheke was gegen Reiseübelkeit zu kaufen, Wasser zu besorgen oder oder oder. You name it… Als stände nicht schon lange genug fest, dass wir verreisen würden, wurde noch alles auf den letzten Drücker gekauft. Verstand ich nicht. 

In Kishuara hielten wir um das CEDIF dort anzuschauen und natürlich schon wieder Essen zu kaufen, ich stieg allerdings nicht aus. 

In Curamba wurde gestoppt um Fotos zu machen.

In Abancay wurde Frida aufgegabelt. 

Beim Mirador machten wir ein Häuschen um dort Mittag zu essen.

Kurz vorm Ziel wurde schon wieder Essen gekauft (und beim Abendessen nichts angetastet, sondern alles entweder weggeschmissen oder in Plastiktüten zum Mitnehmen verpackt, was meiner Ansicht nach einfach unhöflich ist).

Dann kamen wir endlich an!!! Nach etlichen Stunden Fahrt für eine Strecke, die man in 4,5 Stunden absolvieren könnte. Mittlerweile war es auch schon 17 Uhr abends und als wir im CEDIF ankamen, wurde erstmal wieder gewartet. Man traf sich für die Vorführungen in einer Art Hinterhof, doch dort wurde es ohne Licht irgendwann zu dunkel und man konnte die Vorführungen nicht mehr erkennen. So zogen wir um auf den Plaza de Armas, auf dem wenigstens einige Lichter brannten und verlagerten die Tänze auf die Straße, einige Schüler sangen. Der Tanz, den Carmen und Co. vorführten war göttlich, sie sah so albern in ihrer Verkleidung aus! Es war wirklich witzig und ich glaube auch bei den anderen kam sie gut an. Kurz bevor es losging stellte man irgendwie noch fest, dass der „Zapatero“ fehle und Juana meinte, ich könne den doch schnell machen und man solle es mir noch schnell zeigen. Ich wehrte nicht aber vehement dagegen, ich tanzte an diesem Abend nirgendwo. Was dachte die sich eigentlich dabei? Mir ging es echt nicht gut, inzwischen schmerzten auch meine Ohren wie verrückt, da sie aufgrund der verschlossenen Nase mit dem ganzen Druckausgleich nicht zurechtgekommen waren. Immerhin waren wir ja ständig bergauf und bergab gefahren. Außerdem war ich mittlerweile echt hundemüde. 

Kurz nach unserer Vorstellung entfernte man sich einfach von dem Getummel und brachte uns zurück ins CEDIF, wo es Abendessen gab. 

Nach einigen Reden wurde angefangen, ein Hostel zu suchen. Man wollte aber nicht mehr als 10 Sollen ausgeben, also war die Suche etwas schwieriger. Wir fanden dann doch noch was, Carmen und ich bekamen ein Doppelzimmer. Reneé fragte uns, ob es okay für uns sei, in so einem billigen Hostel zu schlafen und wir verstanden sein Problem gar nicht. Trotzdem sehr lieb von ihm uns anzubieten, auch in einem besseren schlafen zu können. Wir hatten damit aber kein Problem, es gab auch wirklich keinen Grund dafür. Die Betten waren sauber, das Gemeinschaftsbad ebenfalls. Mehr braucht man für eine Nacht ja auch nicht. 

Uns blieb nicht mehr Zeit, als die Zimmer zu begutachten, denn gleich darauf ging es wieder zu „heißen Quellen“. Fast wäre der Bus ohne uns losgefahren, denn als wir nach unten rannten, war dieser genau vor unserer Nase losgefahren und die Insassen machten sich bestimmt über meinen Auftritt lustig. Freundlicherweise kehrte er aber nochmal um und ließ uns einsteigen. Beim Abendessen schon fragte mich Anghelo, ob ich baden gehen würde und ich erwiderte, dass ich höchstwahrscheinlich schon ins Wasser gehen würde, wenn es denn warm sei. Diese unerhörte Information gab er natürlich unverfroren an seine Mutter weiter. 

Angekommen an den etwas entfernt liegenden Quellen, wurde ich aus meinem Schlaf gerissen und begutachtete die Schwimmbecken. Leider war das Wasser nur lauwarm, weshalb ich mich dagegen entschied ein erholsames Bad zu nehmen. Ich glaube kaum, dass es eine gute Idee gewesen wäre sich länger in diesem lauwarmen Wasser aufzuhalten, auch wenn die Luft warm war. Also legte ich mich in den Bus und schlief, mit einigen Unterbrechern, bis wir um 12:15 Uhr die Rückfahrt antraten. Da ich nicht gebadet hatte, musste ich auch nicht zahlen, aber Carmen war zu faul ihr Handtuch zu suchen, weshalb sie mich um meines bat, das ich gerade frisch gewaschen hatte. Widerstrebend gab ich es ihr, war aber schon etwas genervt, da ich jetzt kein Handtusch mehr hatte und es schon wieder waschen musste, nur weil sie ihres nicht suchen wollte. Das klingt jetzt vielleicht kleinlich, aber bei Handwäsche überlegt man sich dreimal was man wäscht und was nicht. Ist nämlich sauanstrengend. 

Schon schade, dass ich nicht mit gebadet habe, aber ich war so müde und einfach noch nicht fit, dass es wahrscheinlich besser so war, aber trotzdem irgendwie schade, dass ich die Gelegenheit verpasst habe. Anghelo fragte mich am nächsten Morgen direkt, ob ich mich gebadet hätte oder nicht, der kleine Spion… Juana schimpfte nur mit mir, ich hätte doch im Hostel bleiben sollen. 

Am Freitag wachte ich ziemlich gerädert und müde auf, was bei dem zerrütteten Schlaf auch nicht verwunderlich war, zudem war es auch noch sehr früh am Morgen. Ich fühlte mich, als wäre ein Zug über mich drübergerollt und wollte überhaupt nicht aufstehen. Doch mir blieb ja nichts anderes übrig, schließlich stand noch etliches auf dem Tagesprogramm. Also quälte ich mich in meine Klamotten und wartete ewig mit Carmen auf ein Zeichen, das zum Aufbruch aufrufen würde. Schließlich hieß es tags zuvor, es würde um 08:30 Uhr Frühstück geben. Aber selbst um diese Uhrzeit dachte noch keiner an ein Gehen. Also warteten wir, bis wir schließlich merkten, dass keiner mehr da war. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, hatte man uns nicht Bescheid gesagt. Wir spurteten also nach unten, doch von Stress war weit und breit nichts zu sehen. Im CEDIF war das Frühstück auch noch nicht fertig, also von dem her war unser spätes Eintreffen eh egal. Zu Essen gab es gefühlt alles, was man in der Küche noch gefunden hatte, alles nacheinender serviert. Zuerst trinkbaren Milchreis, dann Gemüsereis mit Hühnchen, dann Tamales Duces (irgendeine süße Maispampa mit Milch im Bananenblatt serviert), dann Uauas und zuletzt Brötchen. Ruth meinte beim Milchreis, den ich aufgrund Magenschmerzen und Übelkeit nicht anrührte, das sei das einzige, was es geben würde. Hahaha, dass ich nicht lache. Ruth merkt man ihre Verwandtschaft zu Juana deutlich an, denn sie ist nach ihr die zweitgrößte Lügnerin und auch ihr kann man KEIN einziges Wort glauben. Egal was sie sagt, es stimmt nicht. So meinte sie später zu Carmen, die sich ein Wasser kaufen wollte, dass es hier in den Tiendas 5 Sollen anstatt 3 kosten würde, da die Läden am Plaza teurer wären. Was hat sie bezahlt? Ich glaube, ich kann mir die Antwort sparen. Sie tut einfach immer so als hätte sie Ahnung und wüsste alles, dabei labert sie den ganzen Tag nur Stuss. Ich komme aber auch deshalb nicht so gut mit mir klar, da sie mir die ganze Zeit sagen will, was ich ich zu tun habe, aber sie ist eben doch nur die Putzfrau. Außerdem muss sie einen IMMER berühren, ich hasse das. Sie stützt sich auf einem ab, rempelt einen immer an, geht nicht an einem vorbei sondern rennt in einen rein, etc. Damit komme ich nicht klar. 

Jedenfalls setzte ich mich nach den Frühstück ins Auto, um ein bisschen meine Ruhe zu haben und mich auszuruhen, während die anderen an einer Versammlung teilnahmen, um Erfahrungen auszutauschen. Wie sich herausstellen sollte, gab es einfach nur zwei Präsentationen, eine über Finanzen und eine über die Statistiken. Das war es also, weshalb wir diesen Aufriss machten. Jedenfalls tat mir die Ruhe sehr gut und ich konnte mich wirklich mal entspannen. Der Fahrer brachte den Bus inklusive mir zum Reifenwechsel und danach wieder zum Hostel, um sich zu duschen. Ich wartete die ganze Zeit im Bus, schrieb eine Email und aß Mangos und Bananen. Irgendwann setzte sich der Fahrer zu mir und fragte mich einige Dinge, wir unterhielten uns ganz bis er meinte, so könne er Stunden verbringen… Das fand ich eine äußerst seltsame Äußerung und so antwortete ich auf seine Frage, ob ich zurückwolle, dass das doch keine schlechte Idee sei. Dort war die Besprechung auch schon zu Ende und der Bus setzte sich plötzlich erneut in Bewegung, mit Carmen und mir als unbeabsichtigte Passagiere. Keine Ahnung warum, aber Liz, Frida und Ruth kauften sich etwas zum Mittagessen auf dem Markt, danach kehrten wir auch schon wieder zurück zum CEDIF, wo es, oh Wunder, Mittagessen gab. Wir kamen natürlich zu spät und es tat uns sehr leid, aber wir konnten ja nicht wirklich was dafür. Verstanden, was die Aktion sollte, haben wir nicht wirklich. 

Danach machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg und ich hoffte, nicht schon wieder so viele Stopps einlegen zu müssen. Zum Glück zeigte der Fahrer diesmal in dieser Hinsicht Erbarmen und fuhr relativ zielstrebig durch, allerdings war sein Fahrstil nur als halsbrecherisch zu bezeichnen. Mit welchen Geschwindigkeiten er die Kurven nahm und an welchen ungeeigneten Stellen er zu überholen versuchte, war wirklich lebensgefährlich. So fanden Carmen und ich nicht wirklich unsere Ruhe und waren heilfroh, als wir lebend in Andahuaylas ankamen. Ich konnte es die letzten zwei Stunden fast nicht mehr aushalten, da mir mein Magen mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte und mir schlecht war und es unangenehm zu brodeln schien. Ich wollte am liebsten rausspringen und ein Klo aufsuchen, aber so einfach ging das natürlich nicht und ich musste mich zusammenreißen. Hinzu kam noch, dass uns Ruth von unseren Plätzen geschmissen hatte und Carmen und ich nun auf der hinteren Bank sitzen mussten, für die wir 1. zu groß waren, weswegen die Kopflehne sehr unangenehm war und 2. konnte man die Sitze nicht nach hinten lehnen. Zwar hatten vier Sitze für uns beide, doch das änderte nichts daran, dass wir einfach keinen Halt fanden. Irgendwann gabelte unser Fahrer dann noch irgendeine Fremde auf, die unbedingt mitgenommen werden musste und sich natürlich genau zwischen uns platzierte. Super war das. Eine Stunde vor zu Hause wurde mir so übel, dass ich schnell um eine Tüte bot, die man mir auch schnell durchreichte, doch mein Bauch beruhigte sich zum Glück wieder. Meine Kolleginnen hatten gegen Reiseübelkeit ja ordentlich vorgesorgt und sich etliche Pillen eingeworfen. Manchen schlug die Fahrt trotzdem ziemlich auf den Magen… (gut, sie sind alle zugegeben sehr wehleidig und quengeln gerne und viel).

Angekommen, durften wir nicht einmal mehr ins Bad und mussten die Toilette unter freiem Himmel benutzen (dadurch wird man natürlich gar nicht krank, besonders wenn man schon angeschlagen ist…). Zu viel mehr waren wir nicht mehr im Stande und so schmissen wir uns direkt ins Bett und verzichteten auf ein Abendessen, da uns beiden der Sinn nicht nach Nahrungsaufnahme stand. 

Am Samstagmorgen wachte ich unangenehm früh auf, obwohl Wochenende war und ich gerne ausgeschlafen hätte. Aber wenigstens ging es mir wieder gut, nur mein Magen war immer noch verstimmt. Was die Grippe jedoch anging, fühlte ich mich kuriert und gut. Nicht mehr fiebrig, keine Schmerzen mehr und auch nicht mehr so schlimm schlapp. Zu früh ertönte ein spitzer Schrei, der uns zum Frühstück aufforderte. Wir beide wären durchaus lieber im Bett liegen geblieben anstatt trockenes Brot zu frühstücken. Außerdem graute es uns vor dem langen Tag der bei einem Anfang um 7 Uhr auf uns wartete. 

Am Morgen wusch ich Wäsche und machte mich dann auf den Weg in ein Internet-Café, um endlich mal wieder Zugang zu funktionierendem WLAN zu haben. Schließlich wollte ich möglichst zeitnah ein Hostel für Kanada buchen, da ich nun endlich auch einen Flug für den 09.01.18 habe! Vorher ohne die Daten konnte ich natürlich auch nichts weiteres buchen. Aber nachdem das mit dem Visum geklappt hatte, konnte ich mich nach Flügen erkundigen und habe zum Glück ein Angebot erhalten, das nur die Hälfte von dem gekostet hat, mit was ich eigentlich gedacht hatte rechnen zu müssen. Da habe ich natürlich direkt zugeschlagen. Nun habe ich auch noch die Übernachtungen in einem  wunderschönen, luxuriösen Hostel gebucht und freue mich schon riesig darauf, dort zu übernachten. Des Weiteren wollte ich mich über die Vorausbuchung von Machu Picchu informieren, doch das scheint sehr kompliziert und verwirrend zu sein dorthin zu kommen. Zu einem akzeptablen Preis kommt man da natürlich nicht hin, aber deswegen haben mich die Preisunterschiede umso mehr verwirrt, wenn das Angebot doch nahezu dasselbe schien. Sehr unübersichtlich das Ganze und so richtig verstehe ich das auch noch nicht, wie das mit der Buchung jetzt funktionieren soll. Man kann nämlich nicht einfach ein Ticket kaufen und zack, biste drin. So läuft das da nicht leider. Eigentlich wollte ich sich noch skypen, aber Skype gab es nur auf arabisch, was mir die Orientierung etwas erschwerte und es mir unmöglich machte, mich anzumelden. So habe ich also meine Zeit im Internet verbracht, weniger produktiv als erhofft, aber was soll’s. Bei einem Preis von 0,25 Cent pro Stunde ließ sich das gerade so verkraften, dass ich die angedachte Stunde um eine halbe verlängern musste. Carmen war auch irgendwann dazugestoßen und nachdem auch sie fast zeitgleich fertig war, zogen wir wieder ab. Zum Mittagessen holten wir uns eine Art Riesenkrokette an einem Straßenstand, die wir schön länger mal probieren wollte. Sah aus wie eine frittierte Kartoffel, war aber gefüllt mit allerlei Zeugs (leider auch Fleisch, das ich mühsam rauspopeln musste…) und schmeckte echt gut. Machte mich nur nicht satt. Am Vormittag hatte ich mir in einer Juguería einen Saft aus Ananas, Apfel, Orange und Karotte bestellt, doch was ich bekam war Karottensaft mit einem halben entsafteten Apfel und einem Stück Rote Beete. Ich glaube es war gut gemeint, entsprach aber nicht so direkt meinem Wunsch nach einem Fruchtsaft… 

Da ich noch Obst einkaufen wollte, entschlossen wir uns dazu, dies auf dem Markt in Andahuaylas zu erledigen und so fuhren wir in die Stadt und kauften dort bei deutlich mehr Auswahl als in den Tiendas ein. Ein kurzer Regenschauer verwandelte die ganze Feria in ein einziges Matschfeld und meine mühsam geputzten weißen Chuck sahen schlimmer aus als vor der Wäsche. 

Zuhause wollte ich sehr gerne duschen, da ich es zuvor ja verboten bekommen hatte und es jedoch mal wieder für nötig empfand, mich zu säubern. Als ich fragte, ob ich duschen dürfe, eröffnete Juana mir, dass die Dusche kaputt sei und ich mir deshalb einen großen Eimer schnappen und diesen mit Wasser füllen müsse. Jetzt gibt es also nichtmal mehr eine Dusche… Zu meiner Überraschung war die Wäsche aber angenehmer als gedacht, weil man genau wusste, wo das Wasser nun hingeht und man sich nicht so sehr über das kalte Wasser erschrak. Der Eimer plus kleinerer Eimer zum über sich drüber schütten war also gar nicht so eine üble Methode sich zu waschen, es gibt echt Schlimmeres. 

Den Nachmittag verbrachten wir nur entspannend zu Hause in unserem Zimmer, machten nichts besonderes mehr. Um 20 Uhr hatte uns immer noch niemand zum Abendessen gerufen und wir fragten uns, ob es noch was geben würde. In der Küche bekamen wir tatsächlich etwas Reis und Kartoffeln ab. 

Am Sonntag schliefen wir richtig lange, Carmen durfte die Waschmaschine benutzen und

eigentlich wollten wir nach Pacucha fahren, doch das Wetter hielt nicht und genau zur Mittagszeit als wir aufbrechen wollten, fing es an zu regnen und wollte auch nicht mehr wirklich aufhören. Mir ging es wieder richtig gut, außer dem Husten ist nichts mehr übrig geblieben von der Grippe. Das war der erste Tag, an dem ich mich wieder zurück unter den Lebenden gefühlt habe und fit war. Nach einem Mittagessen hatte der Regen leider immer noch nicht nachgelassen und der Ausflug nach Pacucha machte keinen Sinn. Wir überlegten ewig was wir stattdessen machen konnten. Viele Ideen hatten wir nicht, uns fiel nur Kind, Internet-Café oder zuhause ein und letzteres wollten wir gerne vermeiden. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass wir im Internet unser Deutschland-Projekt, das wir mit den Kindern machen wollten, anfangen konnten. Also suchten wir Bilder raus und druckten sie aus, gestalteten einen Test und nutzten die verbleibende Zeit mit unnötigen Gogglereien. 

Das Wochenende war viel zu schnell wieder vorbei, auch wenn ich praktisch 6 Tage nicht gearbeitet hatte. 

Emily

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Willkommen zurück "zu Hause"...

So, zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass meine Berichte immer so negativ klingen und das Bild vermitteln, es ginge mir hier total schlecht. Denn das tut es nicht. Im Großen und Ganzen geht es mir nämlich sehr gut und ich darf viele schöne Dinge erleben. Die Ereignisse, die ich hier immer schildere, sind auch tatsächlich so geschehen, ohne Verschönerung und ohne Verdramatisierung, aber ich habe das Gefühl, dass die negativen Eindrücke oft die positiven Erlebnisse überschatten. Das tut mir leid, da ich wirklich schöne Sachen erlebe und es mir an sich nicht schlecht geht, aber wenn ich alles aufschreibe was mich beschäftigt, dann kann ich es irgendwie besser verarbeiten und mit dem Ganzen abhaken. Ich selber möchte mich nämlich mehr auf die schönen Erlebnisse konzentrieren und lange davon zehren. In manchen Momenten gelingt es mir besser, in manchen schlechter. Aber ich versuche so oft es geht das Positive zu sehen, gebe Juana immer noch eine Chance, schenke ihr immer wieder ein Lächeln und eine Begrüßung und bleibe immer bei der Wahrheit. 

Auch habe ich das Bedürfnis, mich vor allem bei meinen Freunden zu bedanken, die das hier lesen (oder auch nicht ;D). Von euch erhalte ich die aufbauendsten und liebsten Nachrichten der Welt, die mich immer wieder bestärken und die mein Herz einen Hüpfer machen lassen. Ich bin so froh mit jedem Einzelnen von euch befreundet zu sein!

Jetzt aber zu den Geschehnissen der letzten paar Tage. Wie schon im letzten Artikel erzählt, kamen wir Mittwochmorgen von unserer Reise zurück und ich schlief so gegen 5 Uhr nochmal ein. Um 8:30 Uhr war ich dann vollends ausgeschlafen und stand auf, während Carmen noch im Land der Träume verweilte. Auch wenn das Bad und diesmal auch tatsächlich die Küche abgeschlossen waren, war es sehr angenehm in Ruhe aufstehen zu können, sein Zeug wieder auszuräumen und ein paar Dinge erledigen zu können. Da wir weder Tee kochen konnten, noch Teller, Tisch oder andere praktische Dinge zur Hand hatten, kauften wir uns eben das nötigste im Laden nebenan und frühstückten eher spät auf der Terrasse, die sonst eigentlich nur zum Wäsche aufhängen dient. Aber die Sonne schien so schön, das wollten wir auf jeden Fall ausnutzen. Mittags kam Juana ungewohnt früh nach Hause (wie sich herausstellte nur um die Wäsche abzuhängen), würdigte uns jedoch keines Blickes, sagte uns weder „Hallo“ noch fragte sie irgendetwas über unsere Reise. Als wir sie darauf ansprachen, warum die Küche zugeschlossen war, obwohl sie uns doch so oft versichert hatte, sie würde immer offen stehe, stellte sie uns nur vor vollendete Tatsachen und meinte, da ihr Nachbar am Sonntag überfallen worden sei, würde sie nun immer alles abschließen und nichts mehr offen lassen, sowie auch das kleine Fenster in der Tür, durch das wir immer nach drinnen kamen. Außerdem würde sie kein Geld mehr von Aprode erhalten und somit den Strom nicht bezahlen können, weshalb es ab dem nächsten Tag keinen Strom mehr geben würde. Die Sache mit dem Strom verunsicherte mich, aber ich wagte nicht zu hoffen, dass sie es so weit kommen ließe. Immerhin würden sie den Strom ja auch brauchen und wie ich gelernt habe, stimmt es nicht immer, was die Peruaner und vor allem meine werte Gastmutter sagen. Da sie mich aber schon so oft angelogen hatte, kaufte ich ihr die Story mit dem Überfall nicht ganz ab. Natürlich kann es gut sein, aber aus ihrem Mund stammende Geschichten glaube ich einfach nicht mehr. Carmen und ich wussten gar nicht, was wir dazu sagen sollten. Denn auch der Fernseher am Abend zeigte an, dass wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden zahlen würde, das Kabelfernsehen abgeschaltet werden würde. Wir mussten uns beide furchtbar aufregen und waren wütend, sowie verzweifelt. Wie kann man nur so gemein sein? Uns nicht mal darüber zu informieren? Es kann doch nicht sein, dass sie uns immer mehr streicht! Erst das Bad, dann Essen, dann den Eintritt ins Haus, dann Strom. Wie sollte es weiter gehen? Wir konnten uns ja wirklich mit vielem arrangieren, aber so langsam macht es einfach keinen Spaß mehr und verliert immer mehr an Lebensqualität. Und ohne Strom sowie ohne Küche konnten wir ja nichtmal am Wochenende selbstständig ein ordentliches Frühstück und Tee zubereiten, noch wäre es uns möglich, das Haus zu verlassen, da wir nicht wieder reinkommen würden. Denn Bescheid geben wohin sie gehen tun sie ja so oder so nicht. Völlig geschockt verließen wir nach dem Mittagessen im CEDIF das Haus, um in Andahuaylas bei der Paketstation vorbeizuschauen, ob mein Paket angekommen war. Das erste Postoffice schickte uns zu einem anderen, das aber erst in 1,5 Stunden aufmachen sollte. Völlig deprimiert entschieden wir uns dazu, erstmal Percy anzurufen, um ihm von den neusten Entwicklungen zu erzählen und dringend um eine andere Gastfamilie zu bitten. Er hatte zwar Verständnis, doch ungünstigerweise war er gerade in Piura, einer Stadt im Norden Perus, und nicht in Lima, sodass er Juana zwar anrufen würde, doch erstmal nicht viel machen konnte. Das Telefonat war so nichtssagend, dass wir danach eher noch schlechter drauf waren und dringend eine Abwechslung brauchten. Da wir beide nicht so schnell wieder nach Hause wollten, aber noch eine Stunde warten mussten, entschieden wir uns dazu, nochmal ins Kino zu gehen. Da schauten wir „Colonia“ an, einen Film über die Diktatur in Chile, der auf wahren Begebnissen beruhte und unglaublich schrecklich war. Er war so brutal und schockierend, was unsere Laune somit leider noch weiter drückte anstatt sie zu heben. Danach hatte wenigstens die Post geöffnet, doch leider war auch dort mein Päckchen nicht angekommen… Es schien, als würde an diesem Nachmittag nichts funktionieren. Zwar konnte ich meine Nummer hinterlassen, doch machte mich die Tatsache einfach richtig traurig, dass auch nach vier Wochen noch keine Spur von der Sendung zu sehen war. Also kehrten wir nach Hause zurück und mussten uns mit dem Gedanken anfreunden, morgen wieder arbeiten gehen zu müssen, da der Ausflug nach Curahuasi nicht stattfand. 

Unser erster Arbeitstag verlief ganz normal was die Arbeit betraf, die Kinder waren unverändert anstrengend. Doch Juana war bekloppter als je zuvor und trieb es an diesem Tag auf den Gipfel. Wir entschieden, mit Señor Reneé zu reden und ihn um Hilfe zu bitten. Auch Liz wirkte ernsthaft besorgt, nachdem ich ihr unsere Situation schilderte. Wir erklärten, dass es so, wie es momentan war, nicht weitergehen konnte und wir dringend eine neue Gastfamilie wollten. Wir schilderten einige Vorkommnisse und Reneé reagierte als erster wirklich verständnisvoll. Er meinte ebenfalls, dass sie keine einfache Person sei, anders als alle anderen sei und man sie nicht ändern könne. Wir erzählten von unseren Bemühungen, es ihr immer Recht zu machen und er versprach sofort, uns zu helfen und sich umzuschauen (bis heute ist aber leider immer noch nichts passiert). Nach dem Gespräch ging es mir irgendwie viel besser, denn ich hatte die Hoffnung, er würde tatsächlich etwas finden können. Denn er reagierte so lieb und nett wie noch nichtmal Aprode. 

Am Nachmittag sollte sich die Situation aber nochmal ordentlich ändern. Carmen und ich wurden von den zwei „Praktikantinnen“, die sich wie die größten Besserwisser verhalten, jeweils einer Gruppe Jugendlicher zugeteilt, weil alle anderen Mitarbeiter irgendwie etwas besseres zu tun hatten. Wir waren also jeweils alleine und ich hatte keine Ahnung, was ich mit ihnen anstellen sollte. Sie meinten zu mir, sie hätten alle keine Hausaufgaben und würden gerne ins Stadion gehen, doch Señor Reneé gestattete es uns nicht. Ich schrieb also Percy noch einmal, dass Juana zu uns gesagt hat, sie hätte keinen Anruf von ihm erhalten, obwohl er es uns ja versprochen hatte. Also gab ich ihm ihre Nummer und erhielt kurz darauf eine Nachricht von ihm, er hätte zwar mit ihr gesprochen, sie aber sehr schlecht verstanden, weswegen er das Gespräch verschieben müsse, bis er wieder in Lima ist. Ich dankte ihm trotzdem für den Versuch und dachte, damit wäre die Sache erledigt. Jedoch erhielt ich eine weitere Nachricht, in der er mir sagte, dass Juana ihm erzählt habe, ich würde unerzogen sein und auf unverschämte Weise Essen von ihr anfordern, das mir gar nicht zustehe. Denn am Wochenende müssten wir selbst für unser Essen aufkommen, ich jedoch würde auf eine sehr unerzogene Weise Essen von ihr fordern und verlangen, dass sie für mich kocht. Ich konnte gar nicht glauben was ich da las. So eine dreiste Lüge! Abgesehen davon, dass wir am Wochenende immer auf Ausflügen sind und IMMER essen gehen, weil wir nicht wissen, ob sie da sind und es was gibt, fand ich es eine bodenlose Frechheit zu behaupten, dass ich unerzogen wäre und unverschämt mit ihr reden würde. Mir fiel nichts besseres ein als zu antworten, dass es nicht der Wahrheit entspräche und ich noch nie so etwas gemacht hätte. Seine Antwort beruhigte mich keinesfalls, auch wenn er meinte, dann wäre sie eine Lügnerin und er mir versicherte, man würde nie wieder mit ihr zusammenarbeiten. Denn ich wusste einfach nicht, ob er mir glaubte und es bringt mir ja auch gar nichts, wenn sie in Zukunft nicht mehr mit ihr arbeiten werden. Ich leide immer noch unter der Situation und sie scheinen nicht wirklich etwas daran zu ändern. Zuletzt meinte er nur nochmal, ich solle mir keine Sorgen machen und er würde sie nochmal anrufen. Doch ich war total aufgelöst und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich schloss mich im Klo ein, aber mir wurde bewusst, dass ich mit jemandem darüber reden musste. Also lief ich tränenüberströmt zu Carmen, die völlig aufgelöst mit Liz angerannt kam und fragte, was passiert sei. Grob schilderte ich ihr, was Percy mir gerade geschrieben hatte und auch sie war fassungslos. Sie konnte so wenig wie ich nachvollziehen, was sie zu so einer dreisten Lüge gebracht hatte. Beide konnten wir uns an kein einziges Mal erinnern, wo wir auch nur am Wochenende zu Hause gegessen hätten, geschweige denn was von „ihren“ Lebensmitteln. Un noch weniger redeten wir unverschämt mit ihr. Wir waren beide total geschockt und wussten nicht wirklich, was wir tun sollten. Wir hatten beide Angst nach der Arbeit nach Hause zu gehen und wollten das Haus am liebsten gar nicht mehr betreten. Später fragte auch Liz nochmal, was passiert sei und ob es mir besser gehe, doch mir stiegen erneut die Tränen in die Augen. Meine Schüler waren mittlerweile mindestens so aufgelöst wie ich und verstanden die Welt nicht mehr. Sie gaben sich selbst die Schuld für meinen Tränenausbruch und einige von ihnen, sowie auch sämtliche Mitarbeiter, bekamen Wind davon und sprachen mich noch Tage danach darauf an. Jedenfalls nahm Liz mich nur in den Arm und versuchte mich zu beruhigen und mir zuzureden, dass sie mich kennen würden und wissen würden, dass ich nicht schlecht erzogen sei. Trotzdem gingen mir die Zeilen nicht mehr aus dem Kopf und beschäftigten mich noch lange. Warum war sie nur so gemein? Deshalb schrieb ich Percy am nächsten Morgen auch nochmal, erhielt aber keine Antwort. Juana erwähnte das Gespräch kein einziges Mal und zu unserer endgültigen Verwirrung, bot sie uns am kommenden Wochenende ständig Essen an, als sei es das normalste der Welt. Oder sie ließ uns Einkäufe für sich erledigen und tagein tagaus die Küche putzen, die wir teilweise ja nicht einmal betreten durften. Und trotzdem waren wir diejenigen, die jeden Morgen fegten und wischten.

Am Freitag hatten wir nachmittags eine Besprechung und es sollte festgelegt werden, ob die Exkursion in der folgenden Woche stattfinden sollte. Und tatsächlich hatte man es irgendwie hinbekommen diesen Trip zu organisieren. Ich habe zwar keine Ahnung wo wir schlafen werden, noch wie das Ganze ablaufen soll, aber jetzt steht es zumindest fest, dass wir vom 26.-27. fahren werden. Morgens um 7 geht’s los und am Freitagmittag machen wir uns schon wieder auf den Rückweg. Es bleiben also nicht viel mehr als 24 Stunden, um sich mit all den anderen CEDIFs auszutauschen und die vorbereiteten Programme vorzuführen. Viel mehr als das weiß ich allerdings auch nicht, da es den anderen wichtiger erschien, sich darüber zu unterhalten, was sie essen wollen würden. Nach etlichen Minuten hatte man also viel geredet, aber wenig beschlossen. Typisch für die Peruaner. Am Abend eröffnete Juana mir, dass sie nicht fahren würde, weil sie sich den Magen verdorben hätte und nach Cuzco fahren würde. Die anderen hatten ja schon angekündigt, dass sie selten an solchen Aktionen teilnahm, also überraschte es mich wenig. Ich freute mich, als wir endlich Feierabend hatten, denn obwohl ich nur zwei Tage arbeiten musste, war ich gut geschafft. 

Am Wochenende hatte ich eigentlich nicht sonderlich große Lust etwas zu unternehmen, ich wollte mich eigentlich nur ausruhen. Irgendwie war ich total geschafft. Zum Glück überredete Carmen mich dann trotzdem am Samstag etwas zu unternehmen und so entschieden wir uns dazu nach Kishuara zu fahren. Besser gesagt wollten wir nach Curamba, einer Inkastätte in der Nähe von Kishuara. Nachdem wir morgens ganz entspannt aufgestanden waren, kamen wir erst zur Mittagszeit los, denn mal wieder hatte der Bus über eine halbe Stunde Verspätung. Nachdem wir dann nach 1,5 Stunden Fahrt ankamen und mitten im Nirgendwo rausgeschmissen wurden, fragten wir uns zuerst einmal, wo den dieses archäologische Meisterstück sein sollte. Denn außer der kargen Langschaft war nicht viel zu sehen. Wir beschlossen also, einfach mal drauf los zu stapfen und nahmen den einzigen Trampelpfad, der zu sehen war. Schon nach wenigen Minuten tauchte dann auch tatsächlich zu unserer großen Freude die Ruine Curamba zu unserer Linken auf. Weit und breit war wirklich nichts anderes, keine Häuser oder andere Merkmale einer Zivilisation. Wir genossen die absolute Stille und erkundeten die Stufenpyramide, schossen ein paar Fotos und genehmigten uns Avocadobrote an diesem für die Inkas bestimmt heiligen Ort. Im Internet habe ich gelesen, dass es jedes Jahr am 22. Juni ein großes Fest dort geben soll. Und auch wenn es nicht viel mehr als diese eine Pyramide gab, so war es doch faszinierend und spannend, sie zu sehen. Immerhin bezweifle ich, dass viele Touristen es jemals zu Gesicht bekommen, da es wirklich sehr abgelegen liegt. Um einen besseren Blick von oben zu erhaschen, bestiegen wir dem am Rande liegenden Berg und blickten auf die Ruine hinab. Es war wirklich ein toller Ausblick! 

Der Rückweg gestaltete sich etwas komplizierter als gedacht, wie schon damals in Sondor. Meiner Meinung nach sollte man hier mal ein wenig an den Transportmitteln feilen, denn auch wenn man irgendwie überall hinkommt, ist es meistens doch sehr schwierig wieder wegzukommen. Man hatte uns vorher gesagt, wir müssten uns einfach an die Straße setzen und warten. Der nächste Bus würde uns mitnehmen. Doch nachdem wir gefühlt ewig gewartet hatten und mehrere Busse einfach an uns vorbeigefahren waren und uns nur doof zugehabt hatten, wuchs so langsam die Verzweiflung in mir. Die Sonne fing an unterzugehen, es war kalt und es wurden immer weniger Fahrzeuge, die an uns vorbeifuhren. Wir fingen also an in Richtung Kishuara zu laufen, um eventuell dort zu Fuß anzukommen und von dort aus dann ein Taxi oder einen Bus nehmen zu können. Mir war sehr wohl noch von de Hinfahrt bewusst, dass es bis Kishuara selbst mit dem Auto fast eine halbe Stunde war, doch in meiner Verzweiflung dachte ich ernsthaft, wir könnten es schaffen. Zum Glück hielt irgendwann dann doch noch ein gütiger Busfahrer an und nahm uns, zwar etwas widerwillig, da der Bus bereits voll war, bis nach Kishuara mit. Wir hätten es zu Fuß wirklich niemals geschafft. Dort fanden wir dann ein Auto inklusive Fahrer, das anscheinend nur zwischen Andahuaylas und Kishuara pendelt und uns somit nach Hause bringen konnte. Als er meinte, er würde „Jetzt“ losfahren, glaubte ich eigentlich gar nicht daran, da die Peruaner eine sehr wage Vorstellung von Zeit haben und oft auch erst losfahren, wenn das Auto voll ist, aber dieser Mann hielt tatsächlich sein Wort und wir fuhren direkt los. Und das auch noch günstiger als auf dem Hinweg! Ich war erleichtert und froh zu wissen, dass wir doch noch an diesem Abend nach Hause kommen würden. 

Bevor wir nach Hause zurückkehrten, aßen wir noch etwas in einem Restaurant, da Percy uns ja unmissverständlich klargemacht hatte, dass das Essen an den Wochenenden nicht im Deal enthalten sei und Juana sich ja darüber beschwert hatte. Wir wollte also nicht riskieren entweder nichts zu bekommen oder uns Ärger einzuhandeln. Außerdem kauften wir noch für den nächsten Tag Gemüse ein, da wir am Sonntag für alle kochen wollten (bzw. Juana schon zum tausendsten Mal danach gefragt hatte und wollte, dass wir deutsches Essen für sie machten). Als wir nach Hause kamen waren schon alle Türen geschlossen und so zogen wir uns direkt in unser Zimmer zurück. 

Da am Sonntag die Volkszählung durchgeführt wurde (die nur alle 10 Jahre stattfindet!), hatten alle Peruaner Ausgangssperre und durften von 7-17 Uhr ihre Häuser nicht verlassen. Somit hatten natürlich auch alle Läden geschlossen und es fuhren weder Taxis noch Busse. Also konnten wir nicht wirklich etwas unternehmen und blieben auch den ganzen Tag zu Hause. Mir graute schon die ganze Zeit davor, da ich ungern so viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte. Als ich mich dann doch dazu überwinden konnte aufzustehen, wurde ich nicht gerade herzlich begrüßt. Stattdessen fragte Anghelo noch vor einem Morgengruß, ob wir heute weggehen würde. Und Juana schalt uns, warum wir gestern Abend nicht zu Hause gegessen hatten. Es hätte doch extra etwas für uns gegeben bla bla. Ganz ehrlich, was erwartet sie denn nach ihrer Aktion? Wir trauen uns ja schon gar nicht mehr auch nur zu fragen, ob es etwas geben würde. Den Vormittag verbrachten wir auf jeden Fall damit, unsere Wäsche zu waschen, was dringend nötig war. Natürlich war aber auch dieses Vorhaben falsch, denn Juana meinte, sie würde sonntags Wäsche waschen, da können wir das nicht auch noch machen. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln bei solchen Aussagen… jedes Mal aufs Neue bin ich fasziniert, was sie sich ausdenkt, was wir wieder falsch machen würden. Denn als ich meine Wäsche aufhängen wollte, schimpfte sei erneut mit mir, weil ich das natürlich auch falsch gemacht hatte und klärte mich zudem noch auf, dass man ja Unterwäsche nicht mit Waschmittel wäscht sondern mit Seife. Und meine Schuhe müsse ich jede Woche waschen. Als ich sie dann einmal mit Juana ansprach, hielt sie mir einen Vortrag, ich dürfe sie nicht so nennen, sondern müsse immer SEÑORA Juana sagen und auch alle anderen Erwachsenen so ansprechen. Hat sie nicht immer wieder betont, ich sei wie eine Tochter für sie? Und dann muss ich sie mit Señora ansprechen? Naja, solche Aktionen bin ich ja mittlerweile gewöhnt, kann aber jedes Mal aufs Neue nicht fassen, was ich da höre. Den Nachmittag verbrachte ich lesend, am Abend kochten Carmen und ich zusammen. Doch außer Anghelo war niemand da und wir wussten nicht so recht, wann sie wiederkommen würden und ob sie dann etwas von unserem Essen haben wollen würden. Denn Anghelo meinte, es würden Gäste kommen und es würde nochmal Suppe geben. Deswegen erlaubte er uns auch nicht mal, etwas von den übriggebliebenen Kartoffeln und Yucas zu essen (heute ist Dienstag, sie liegen immer noch in der Küche…), denn die würden für die Suppe gebracht werden. Also gab es für Carmen und mich nur Gemüse. Anfänglich fand ich das etwas traurig, doch es war super lecker und endlich mal etwas anderes. Wir waren also rundum zufrieden. Nur hatten wir natürlich für 5 Personen gekocht und nicht für 2. Aber Anghelo wollte nichts und als dann mitten in unser Essen Juana reinplatzte, sagte auch sie, sie wolle nur probieren. Natürlich freuten wir uns, dass mehr für uns blieb (wir waren am Ende pappsatt), aber auf der anderen Seite war es nicht wirklich freundlich, uns erst zum Kochen zu bringen und dann nichts davon essen zu wollen. Wir kamen uns zumindest ein wenig verarscht wir. Ich verstehe einfach nicht was diese Frau von uns will. Nach Anghelos schlauen Kommentaren musste ich lachen, als Juana uns sogar Kartoffeln anbot und es natürlich keine Gäste an diesem Abend gab. Vielen Dank für die fachmännische Auskunft. Er ähnelt seiner Mutter in dem Verhalten sehr, wie man vielleicht merkt. Jedenfalls wollte ich dann abends wie immer noch duschen, doch nachdem man mir ja verboten hatte, ohne zu fragen ins Bad zu gehen, kündigte ich es diesmal vorher an. Daraufhin bekam ich nur zu hören, dass ich morgens und nicht abends duschen solle. Also hatte sich das zuerst einmal erledigt, doch eine halbe Stunde später ertönte ein schriller Schrei, dass sie noch nach Andahuaylas gehen würden und ich mich beeilen solle mit dem Duschen. Ich bekam somit doch noch die Gelegenheit, mich unter die kalte Dusche zu stellen und auch Carmen nutzte die Gelegenheit. Als wir danach Zähne putzten, sah ich schon, dass Carmen den Boden nicht gewischt hatte und es super dreckig und nass war. Aber da ich sie nicht herumkommandieren wollte, hielt ich meine Klappe. Um halb zehn lagen wir bereits im Bett und ich war schon fast eingeschlafen, da ertönte schon wieder ein spitzer Schrei und ich hörte meinen Namen. Ich solle doch gefälligst das Bad wischen. Zum ersten Mal musste ich mich wirklich über Carmen ärgern, da ich Juanas Zorn abbekam und erneut das Bad wischen durfte, während sie nichts unternahm und  nur meinte, sie hätte es ja gewischt. Also ich fand es schon ein bisschen mies, aber ich konnte eh nichts machen, da Juana mir nicht glaubte, als ich sagte, dass ich es bereits gesäubert hätte. 

Leider war das Wochenende damit auch viel zu schnell schon wieder rum und ich war froh, den Tag überstanden zu haben. Außer den gewohnten Zurechtweisungen hatten wir es doch ganz gut überstanden. Zwar schickte sie uns über den Tag verteilt noch gefühlt zehnmal los um irgendwas zu kaufen, aber auch das war ja nichts Neues.

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Von Cuzco über Puno und Bolivien

Am Freitagabend ging es für uns also los nach Puno.  Armen und ich hatten alle Tickets schon vorher gebucht, sodass wir uns darüber keine Sorgen mehr machen mussten. Nur die Übernachtung von Sonntag auf Montag in Copacabana (Bolivien) fehlte uns, doch da wollten wir spontan entscheiden, in welchem Hostel wir übernachten würden. Von Andahuaylas aus nahmen wir also den ersten Bus um 8 Uhr abends über Nacht. Zwischen 4 und 5 Uhr am Morgen sollten wir dann in Cuzco ankommen. Die Fahrt war wirklich schrecklich. Es war kalt und unbequem, alles tat weh und wir konnten beide kaum schlafen. Wobei Carmen glaube ich noch mehr Schlaf abbekommen hat als ich, die wirklich kein Auge zubekommen hat. Jedenfalls war es alles andere als eine angenehme Fahrt und wir kamen pünktlich um 4 Uhr völlig übermüdet und gerädert in Cuzco an. Ich bedauerte diesmal zum allerersten Mal die Pünktlichkeit, da wir so vier Stunden auf den nächsten Bus nach Puno warten mussten. Und vier Stunden an einem Busbahnhof am frühen Morgen zu verbringen ist echt sehr viel Zeit. Außerdem war mir leider total schlecht, ich hätte Magenkrämpfe und fühlte mich überhaupt nicht gut. Die Stunden zogen sich außerdem sehr und wir wollten einfach nur schlafen. Also warteten wir 2 1/2 Stunden im Wartebereich mit Stöpseln in den Ohren und hofften, dass die Zeit und die Übelkeit vorbeigehen würde, da auch Carmen nichts essen konnte. Als schließlich endlich der Schalter von Cruz del Sur öffnete erfuhren wir auch, dass unser Bus von einer anderen Haltestelle abfahren würde. Also suchten wir diese auf und fanden sie zum Glück auch sehr schnell und unkompliziert. Dort warteten wir dann noch die letzten 1 1/2 Stunden in einem sichtlich gepflegteren und schöneren Terminal. Zu uns gesellten sich immer mehr Leute, jedoch offensichtlich nur Touristen, grösstenteils aus Europa würde ich sagen. Da merkte man schon, dass das die beste Firma unter den Bussen ist und die meisten Peruaner nicht mit dieser reisen. Leider verging meine Übelkeit nicht und auch Carmens Magen fühlte sich noch nicht besser an. 

Meine Hoffnung war, dass diese Fahrt besser werden würde als die erste, da sie kürzer war und wir eben mit einem besseren Unternehmen unterwegs waren. Doch leider plagte mich die Höhenkrankheit „soroche“ dermaßen, dass ich die ganzen 6 1/2 Stunden Grill vor mich hin litt. Aufgrund einer idiotischen Sitzplatzverteilung saßen wir auch nicht nebeneinander. Ich saß neben einem fremden Mann und Carmen hinter mir alleine. Für sie war die Fahrt wie sie mir berichtete sehr angenehm, sie konnte viel Schlaf nachholen und es ging ihr gut. Mir dagegen schmerzte mein Magen ungeheuerlich und ich konnte kein Auge zutun. Die letzten Stunden würde es immer schlimmer und als wir die Stadt Juliaca durchfuhren, hoffte ich inständig, es sei schon Puno. Doch zu meiner Verzweiflung sollte es noch dauern bis wir ankamen. Meine Übelkeit wurde immer schlimmer und ich dachte, wenn wir nicht gleich ankommen würden, würde es nicht mehr auszuhalten sein. Auf den letzten Metern als wir sogar schon in Puno waren ging es schließlich nicht mehr und ich musste mich übergeben. Leider hatte die Plastiktüte, die ich noch schnell aus meinem Rucksack gezogen hatte, ein Loch… Der Mann neben mir versorgte mich schnell mit einer neuen und ausreichend Feuchttüchern, sodass ich mich wenigstens sauber machen konnte. Mein ganzer Körper kribbelte wie verrückt und ich ärgerte mich, dass ausgerechnet ich noch auf den letzten Metern so eine sauerei veranstalten musste. Auch nachdem wir den Bus verlassen hatten, ging es mir immer noch nicht besser. Auf dem Klo entlud sich dann der Rest und mein Magen war etwas ruhiger. Wir kauften direkt für den nächsten Tag die Busfahrt nach Copacabana plus Rückkehr, damit wir auch diese schon sicher hatten. So mussten wir uns um nichts mehr kümmern und ließen uns zu unserem Hostel fahren. Dies war glücklicherweise ein absoluter Erfolg und ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Das WLAN funktioniert dort so schnell wie nirgends hier in Peru, die Zimmer sind sauber, die Bäder ebenfalls, es gibt warme Duschen und Tee 24/7. Außerdem haben wir für ein Bett in einem reinen Mädchenzimmer für vier Personen inklusive Frühstück nur 8,50€ pro Person gezahlt! Wie genial ist das denn bitte! Die Betten sind warm und wir haben uns richtig zu Hause gefühlt. In der ersten Nacht haben wir uns das Zimmer sogar nur mit einer anderen geteilt. Am Abend bin ich zu Hause geblieben, weil ich ständig aufs Klo rennen musste und sich mein Magen wirklich nicht gut anfühlte. Carmen zog nochmal los und sah sich den Plaza de Armas von Puno im Dunklen an und suchte sich was zu essen. Wir. Eide duschten nach Ewigkeiten mal wieder warm und genossen funktionierendes Internet.

Am nächsten Morgen mussten wir zeitig aufstehen, da der Bus nach Copacabana schon um 7 Uhr abfuhr. Also reichte die Zeit gerade so für ein schnelles Frühstück, was meinem Magen nicht gerade gut tat. Die Fahrt nach Bolivien verlief aber vergleichbar ruhig und die 3 1/2 Stunden waren gut zu überstehen. Die Einreise verlief ohne weitere Schwierigkeiten und so kamen wir mittags in Copacabana an, wo wir direkt eine Tour auf die Isla del Sol buchten. Nachdem uns dann zum Glück die Zeitverschiebung aufgefallen war, hatten wir nur noch kurz Zeit uns ein Hostel auszusuchen, ein Teil unseres Gepäcks dazulassen, uns eine völlig überteuerte Pizza zum Mitnehmen zu kaufen und dann zum Bootsanleger zu gehen. Beim Hostel fiel unsere Wahl auf das „Hostal Estrella del Lago“, das von außen ganz einladend aussah und zudem nur umgerechnet 3€ pro Person kostete. Wir hatten nämlich beide nicht so viel Geld gewechselt, sodass wir sehr genau darauf achten mussten, wieviel wir für was ausgaben. Für mehr reichte unser Geld nicht und so entschieden wir uns dafür. Am Pier gab es dann ein wenig durcheinander mit unseren Tickets, aber schlussendlich durften wir die Nussschale dann doch betreten und schipperten mit einer halben Stunde Verspätung los. Nach 1 1/2 Stunden kamen wir dann auf der Isla del Sol an und hatten leider nur eine Dreiviertelstunde Zeit, ein wenig herumzulaufen. Das war echt schade, dass uns nicht mehr Zeit blieb, aber wir mussten an dem Tag wieder zurück an Land. Also liefen wir nur einige Treppenstufen den Hang nach oben und genossen den Blick und die Tatsache, dass wir auf der berühmten Isla del Sol im Titicacasee waren. Die Rückfahrt wurde leider pünktlich angetreten und der Wellengang war ordentlich! Meinem Magen tat das Geschaukle gar nicht gut und ich war gottfroh als wir noch einen 15-minütigen Stopp bei Ruinen einlegten. Mein Bauch konnte sich etwas beruhigen und ich überstand die Fahrt glücklicherweise unbeschadet. Aus welchem Grund auch immer fuhr das Boot diesmal nur im Schneckentempo und wir brauchten gefühlt ewig. Zurück in Copacabana wollten wir die Zeit, die wir hier hatten, wenigstens so gut es ging ausnutzen und liefen so noch etwas am See lang. Als es dunkel und damit auch kalt wurde, setzten wir uns noch zum Stand „Carmencita“, wo Carmen so h noch ein Abendessen bestellte. Ich bekam leider immer noch nichts runter. 

Im Hostel legten wir uns dann trotz früher Stunde direkt ins Bett, da wir beide total geschafft waren. Wir unterhielten uns zwar noch, doch da leider auch das WLAN nicht bis zu unserem Zimmer im obersten Stock reichte, konnten wir das leider nicht mehr nutzen und es hielt uns nichts mehr vom Schlafen ab. In der Nacht regnete es wie aus Eimern und da unsere Zimmertür nicht dicht war, war der ganze Boden am nächsten Morgen praktisch geflutet und eine riesige Pfütze. Aber was sollten wir auch für 3€ erwarten… Die Betten waren aber warm, das Klo sauber und somit reichte es für die Nacht völlig aus und wir hätten nichts besseres gebraucht. Das Geniale war, dass wir ausschlafen konnten, da der Bus zurück nach Puno erst um ein Uhr mittags abfuhr. Mir ging es an dem Tag zum ersten Mal wieder besser und ich freute mich auf ein Frühstück. Leider bleiben uns zusammen aber nur umgerechnet 2,50€ für dieses, weshalb wir etwas suchen mussten bis wir was fanden. Das Wetter war im Gegensatz zum Vortrag herrlich und die Sonne schien, auch wenn es sehr kalt war. Tatsächlich reichen unsere 20 Bs dann genau für zwei mickrige Brötchen mit etwas Gemüse. Nicht sehr sättigend, aber wir fanden heraus, dass wir auch mit Soles bezahlen konnten und so entschieden wir uns dazu, uns dann vor der Rückfahrt nochmal ein ordentliches Mittagessen zu gönnen. Den Vormittag liegen wir durch die Straßen Copacabanas und ersteigerten jeder einen Alpaka Pulli in den Mustern, wie wir sie schon lange haben wollten. Die nette Frau machte uns zudem noch ein unschlagbares Angebot und so waren wir den ganzen Tag noch beflügelt von unserem Kauf. Außerdem schauten wir uns die Kathedrale an und schlenderten durch die Straßen und Märkte. 

Mittags waren wir dann in einem hippen Restaurant essen, das sogar von Carmens Reiseführer vorgeschlagen wurde und ein veganes Menü anbot! Da musste ich rein! Zudem war der Preis unglaublich gut und das Menü mit Fleisch war sogar noch günstiger. Also gab’s für mich eine Quinoa-Gemüse-Suppe und einen Quinoa-Burger mit Pommes. Nichts für meinen empfindlichen Magen, aber lecker! Das ist der Vorteil an diesen touristischen Orten: es gibt überall vegetarisches Essen und jedes Restaurant wirbt damit. Nicht wie in Andahuaylas, wo das ein Fremdwort ist. Dafür zahlt man aber auch sehr viel mehr und selbst ich muss sagen, ich finde es sehr schade, keine „Pollerias“ zu sehen, sondern nur Restaurants mit Pizza, Pasta und Co. Deswegen bin ich doch nicht in Peru! Das war schon sehr schade an Puno und Copacabana, da beides sehr auf Touristen ausgelegt ist. Auch wird man ständig auf Englisch angesprochen und wenn man aus Routine auf Spanisch antwortet, ist jeder verwirrt. Keiner der dort arbeitenden Menschen rechnet mit Touristen, die ihre Sprache beherrschen. Da lobe ich mir doch Andahuaylas, wo wir wirklich Peru kennenlernen. Dieses touristische hat uns beiden gar nicht gefallen. 

Wie immer dauerte auch bei diesem Mittagessen wieder alles ein bisschen länger, sodass wir am Ende ziemlich in Stress gerieten, weil wir zum Bus mussten. Angekommen an dem Büro unserer (eigentlich doch vertrauenswürdigen) Busfirma, stellten wir fest, dass dieses geschlossen war… Auch von einem Bus war weit und breit nichts zu sehen. Also fragten wir eine Frau einer anderen Firma und diese meinte nur, heute würde kein Bus dieses Unternehmens fahren. Als ich ihr klarmachte, dass wir unbedingt heute noch nach Puno zurück mussten, rief sie irgendwen an und schickte uns zu einem etwas wackelig aussehenden Bus, der uns stattdessen mitnehmen sollte. Dieser Umstand machte mich total nervös und ich hatte große Angst, da ich mich vor genau solchen Situationen gefürchtet hatte. Zu spät am Bus angekommen, dieser war trotz Vorausbuchung nicht da und wir mussten auf irgendeine andere Firma ausweichen, die uns aber zum Glück ohne Widerwillen mitnahm. Zudem kam die Sorge mit der Grenzüberschreitung und dem Visum… Zum Glück war die Grenze nur 10 Minuten entfernt und ich wurde schnell erlöst. 

Schon auf bolivianischer Seite geriet ich an einen sehr unfreundlichen und miesepetrigen Beamten, der mich blöd anmaulte. Aber abgesehen davon klappte alles gut. Auf peruanischer Seite wurde es dann brenzlig. Der Beamte war wohl auch schlecht gelaunt und gab mir nur weitere 60 Tage Aufenthaltsgenehmigung. Daraufhin fragte ich, ob ich nicht 90 bekommen könnte und er fragte mich, warum ich so lange bleiben wolle. Ich stammelte etwas davon, dass ich einen Freund in Lima habe, den ich besuchen wolle und er meinte so: „Einen Verlobten?“ Ich so: „Nein nein, …“, da gab er mir schon einen neuen Zettel zum Ausfüllen und bewilligte mir danach 90 Tage. Was für eine Erleichterung, ich war so froh! Carmen hatte direkt die 90 Tage bei einem anderen Grenzbeamten bekommen. Ich glaube die machen das nach Gefühl und Wellenschlag, wieviele Tage sie dir reinschreiben. Denn Carmen hat am Flughafen sogar nur 30 bekommen und hatte richtig Glück, dass wir dieses Wochenende schon nach Bolivien ausgereist sind, da der Monat bei ihr genau zu diesem Zeitpunkt zu Ende war. Also ich weiß nicht wonach sie das entscheiden, ich war nur heilfroh und unglaublich erleichtert, dass es geklappt hatte und ich diese Sorge los war. Jetzt muss ich das nie wieder machen und kann unbesorgt sein. Endlich habe ich es hinter mir, wovor ich so lange Befürchtungen hatte. Meine Sorgen waren aber wie ich feststellen musste ja nicht ganz unbegründet. Jetzt ist es aber geschafft und ich super erleichtert. 

In Puno angekommen regnete es wie verrückt und de Straßen hatten sich in Flüsse verwandelt. Also luden wir erstmal wieder unser Gepäck ab und machten uns dann, als es aufgehört hatte zu schütten, noch auf den Weg zum Plaza de Armas, der nicht weit entfernt war. So konnte Carmen ihn noch mal im Hellen betrachten und auch ich bekam die Chance dazu. Danach liefen wir noch durch die vielen Souvenirläden und Fußgängerzonen, bis wir uns schließlich wieder auf die Suche nach Essen machten. Mein Hungergefühl war nämlich wieder zurück und mein Magen hatte sich beruhigt. Die Restaurants in Puno sind wirklich unverschämt teuer im Vergleich zu dem, was wir gewöhnt waren, und so suchten wir etwas nach einer günstigeren Alternative. Irgendwann fanden wir dann ein Restaurant, das echt nett aussah und für fast die Hälfte des Geldes statt nur einem Hauptgericht ein Drei-Gänge-Menü inklusive Getränk anbot. Leider waren die Portionen ernüchternd winzig und wir wurden nicht richtig satt. Also dafür war das Geld auf jeden Fall auch noch zu viel. Leider regnete es auch wieder wie aus Eimern als wir uns auf den Heimweg machten und wir kamen klatschnass im Hostel an, wo wir uns nochmal einen Tee und Bananen gönnten. Danach tat die warme Dusche wieder unglaublich gut (es gibt nichts Schöneres!), das Internet wurde wieder ausgenutzt und früh geschlafen. Als wir schon im Bett lagen, kamen noch zwei andere Mädels und wir waren doch nicht alleine die Nacht, was man aber kaum gemerkt hat und uns somit überhaupt nicht störte. 

Am Morgen standen wir wieder zeitig auf, um in Ruhe frühstücken zu können, da wir es diesmal ausnutzen wollten und der Bus erst um 8 Uhr abfuhr. Die Rückfahrt von Cuzco nach Puno war zum Glück um einiges angenehmer. Mir war nicht mehr übel und wir waren nicht mehr ganz so müde. Also verbrachte ich die Fahrt mit einem Film (Anjuli, wir haben „Begabt“ gesehen, wo wir noch im Kino waren!), einem Podcast, dem Schreiben vom Blogartikel und so weiter. Auch konnte ich die unglaublich schöne und atemberaubende Landschaft genießen, durch die wir fuhren. Der Großteil der Strecke führte durch eine Hochebene und an teils schneebedeckten Bergen vorbei. Dazwischen grasten Lamas und Alpakas, aber wir konnten auch Flamingos erhaschen. Ich konnte die Fahrt also wirklich nutzen und genießen.

Um 3 Uhr kamen wir dann völlig ausgehungert in Cuzco an und suchten erstmal nach einem Restaurant mit erschwinglichem Mittagsmenü. Nach kurzer Suche wurden wir auch fündig und ließen es uns am Salat-Buffet richtig gut gehen, das es zum üblichen Rest dazugab. Danach beschlossen wir, da es regnete und uns noch einige Stunden blieben, ins ChocoMuseum zu gehen. Der erste Taxifahrer zockte uns leider voll ab und setzte und an der falschen Adresse aus und so mussten wir noch eines nehmen. Diesmal hatten wir aber einen sehr freundlichen Taxifahrer. Der Verkehr in Cuzco ist fast so verrückt wie in Lima und wir waren es gar nicht mehr gewohnt aus Andahuaylas. Ich muss aber zugeben, dass ich den Reiz, der von dieser Stadt ausgeht, absolut nachvollziehen kann, denn sie ist wunderschön anzusehen und sauber, mit richtigen Häusern. Da aber wirklich alles auf Touris ausgelegt ist, ist es auch dementsprechend teuer und voll und Taxifahrer sprechen dich gar nicht erst auf Spanisch an. Leider haben es auch bereits KFC, McDonald’s und Starbucks nach Peru geschafft und die landestypischen Pollerias und Meerschweinchen Restaurants vertrieben, doch die Architektur und das Straßenbild sind wunderschön. 

Im Schokoladenmuseum machten wir eine kurze Führung mit, probierten allerlei Sorten der leckersten Schokolade, die ich jemals gegessen habe (die aber leider auch seinen Preis hat) und lernten, dass sie ihren Ursprung bei den Mayas hatte. Es gab sogar eine Sorte mit Coca! 

Danach blieb uns immer noch Zeit und so schlenderten wir durch die unzähligen Souvenirläden und landeten schließlich als es schon dunkel war am Plaza de Armas. Dieser hatte um die Uhrzeit einen wunderbaren Charme und war sehr schön anzusehen. Ich bin schon gespannt darauf ihn am Tage zu erkunden. 

Um 8 Uhr traten wir dann den letzten Teil unserer Reise an und fuhren los in Richtung Andahuaylas, auch wenn wir beide überhaupt keine Lust auf die achtstündige Fahrt über Nacht hatten und einfach nur da sein wollten und schlafen. Zudem hatten wir auch noch die Sitze abbekommen mit der wenigsten Beinfreiheit. Dabei waren wir bestimmt mit Abstand die Größten im ganzen Bus. Glücklicherweise war aber auch diese Fahrt gar nicht so schlimm wie erwartet, sondern erstaunlich angenehm. Wir unterhielten uns lange und als wir einschliefen, konnten wir ziemlich gut schlafen und wurden erst geweckt, als kurz vor San Jeronimo die Polizei eine Kontrolle durchführte und den Pass jedes Passagiers kontrollierte. 

Kurz darauf trafen wir an unserer Endstation ein und fanden nach dem dritten Versuch auch ein günstiges Mototaxi, das um diese unchristliche Zeit kein Vermögen von uns verlangte. Auch dieser Fahrer war wieder äußerst freundlich. 

Zuhause angekommen war ich ehrlich gesagt gar nicht so müde, wir schliefen aber trotzdem beide nochmal ein paar Stunden und standen ganz langsam und ruhig auf. 

Als Fazit kann ich also nur sagen, dass mir der Trip trotz der Anstrengung und der Übelkeit echt gut gefallen hat und es gut tat, mal so lange von Juana weg zu sein. Leider hatten wir echt Pech mit dem Wetter und sind immer ins schlechteste Wetter reingefahren und haben Copacabana bei schönstem Sonnenschein und Wärme verlassen, aber es hat sich auf jeden Fall alles gelohnt und wir dürfen nun bis Januar hierbleiben. Außerdem haben wir in kürzester Zeit zwei bekannte Städte Perus bereist, waren in Bolivien, sind durch atemberaubende Landschaften gefahren und haben den Titicacasee sowie die Isla del Sol gesehen. Was für ein Erlebnis! Erfolgreich trotz aller Ängste, aber ich bin froh, diese Sorge losgeworden zu sein. Auch bin ich etwas traurig, dass es jetzt schon vorbei ist, da wir jetzt nicht mehr so schnell Urlaub haben werden. 

Soviel also zu meinem verlängerten Wochenende,

Emily 

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