Gefühlsupdate

Am Montag hat die neue Arbeitswoche gestartet und es gab auch eigentlich nichts neues, was die Arbeit angeht. Außer, dass eigentlich der ganze Nachmittagsunterricht ausfiel, weil eine Besprechung mit allen Mitarbeitern anstand und sogar extra zwei Menschen von außerhalb deshalb kamen, die das Ganze geleitet haben und nicht wirklich begeistert klangen. Soweit ich das richtig verstanden habe war auf jeden Fall die Unpünktlichkeit ein großes Problem für sie und noch irgendwas anderes, aber ich habe keine Ahnung. Während des Meetings haben ungefähr hundert Handys geklingelt, aber das schien irgendwie niemanden zu stören. Es gab auf jeden Fall ein paar Probleme so wie ich das verstanden habe und der arme Chef, Señor Renee, wurde für alles verantwortlich gemacht, dabei ist der so ein Lieber. Sogar ich wurde am Ende von der Frau von außerhalb begrüßt und herzlich Willkommen geheißen.

Am Morgen hatte mir auch Señor Percy, also der Präsident von Aprode Peru geschrieben und mich gefragt, wie es mir gehe. Da habe ich ganz ehrlich geantwortet und gesagt, dass es die erste Woche nicht so cool war und es einige Probleme gab. Ich habe ihm die Situation grob geschildert und er war direkt total besorgt und meinte, er würde mit der Gastmutter telefonieren und das klären und auch Señor Renee anrufen; wir würden für alles eine Lösung finden. Also wirklich super lieb von ihm und ausnahmsweise ging das alles wirklich schnell und er hat sofort reagiert. Das fand ich schon wirklich lieb und ich muss sagen, dass ich ihm das gar nicht zugetraut hätte, aber er wirklich an meinem Wohlergehen interessiert ist. Er konnte mir dann auch über WhatsApp direkt ein paar Fragen beantworten und mir z.B. sagen, dass ich eigentlich für kein Essen oder Wasser mehr bezahlen muss. Also war meine Info schon korrekt und auch am Telefon später mit meiner Gastmutter hat er es ihr so gesagt (denke ich mal), aber als wir danach geredet haben, hat sie sich das wieder anders zurechtgelegt und gemeint, da sie an den Wochenenden nicht da ist, sondern irgendwo auf dem Feld ist, muss ich da irgendwo auf der Straße essen gehen. Und mein Wasser bezahle ich auch immer noch selber. Weil man soll es nicht glauben, aber das ist hier erstens teurer als alles andere und zweitens, besitzen die einfach keinen Milliliter Trinkwasser in ihrem Haushalt. Aber ich habe keine Lust mehr mit der über sowas zu diskutieren, weil es eh nichts bringt und ich zu sehr Angst vor ihr habe. Über alles andere wollte er eben mit ihr am Telefon reden und ich entschloss mich am Montag Abend auf den Rat einiger Freunde hin, mit ihr persönlich zu sprechen und zu sagen, dass ich mich unter Anderem deshalb so ausgeschlossen gefühlt habe und traurig war, weil sie die ganze Zeit Quechua sprechen und ich nichts verstehe. Daraufhin meinte sie wie immer, ich sei wie eine Tochter mehr für sie und sie wolle nicht, dass ich mich schlecht fühle, aber für sie wäre da natürlich so normal wie für mich Deutsch, aber sie würde sich ab sofort bemühen langsamer zu sprechen. Und sie meint, Quechua reden sie, damit ihr Sohn das lernt, weil man das anscheinend sprechen muss, wenn man hier einen Job bekommen will. Und deshalb wollen die jetzt, dass ich auch Quechua lerne. An sich habe ich damit ja kein Problem, aber erstmal will ich Spanisch lernen und zum Anderen ist Quechua einfach so verdammt schwer, ich konnte mir bis jetzt noch keinen einzigen Satz merken. Trotzdem klang sie ganz einsichtig und verständnisvoll, weshalb ich mich dazu entschloss, der Familie und der ganzen Situation nochmal eine zweite Chance zu geben und einen Neustart zu versuchen. Ich habe mir einfach gedacht, dass ich mir selber nicht die ganze Zeit alles durch meine schlechte Laune vermiesen lassen will, sondern positiv an das ganze rangehen will, lächeln und gut gelaunt. Außerdem will ich mir die drei Monate schon gar nicht von ihr, also der Gastmutter, versauen lassen und mich davon abbringen lassen, weshalb ich eigentlich hier bin und was mir ja auch Spaß macht. Also bin ich mit einem guten Gefühl, neuer Energie und positiven Gedanken aus dem Gespräch gegangen (zum Glück habe ich das Gespräch gesucht, bevor der Anruf von Percy kam, da sie danach eher verärgert war, weil ich ihm gesagt hatte, dass es mir die erste Woche nicht gut ging).  

Am nächsten Tag habe ich Señor Percy dann auf jeden Fall direkt geschrieben, dass ich eben mit ihr geredet habe und sie einsichtig klang, er schrieb mir jedoch am Abend, dass er eine andere Familie suchen will, weil er nicht will, dass es mir schlecht geht. Ich will aber gar nicht in eine andere Familie und das nicht, weil es hier so schön ist, sondern weil ich zu große Angst habe, dass die neue Familie noch schlimmer sein könnte. Immerhin weiß man es vorher nie und schlimmer geht immer, wie man so schön sagt. Da finde ich mich doch lieber mit der jetzigen Situation ab. Außerdem könnte ich Señora Juana dann auf der Arbeit nicht mehr unter die Augen treten, ich hätte zu große Angst, das sie total beleidigt ist, immerhin arbeiten wir in der gleichen Einrichtung. Abgesehen davon, müsste ich mich dann nochmal an eine neue Unterkunft gewöhnen, wo ich mich ja gerade erst nach zwei Wochen hier eingelebt habe. Bevor ich aber antworten konnte, kam auch schon meine Gastmutter zu mir ins Zimmer gestiefelt um mit mir zu reden. Offensichtlich hatte sie gerade den Anruf von Percy erhalten. 

Sie sagte mir, er hätte erzählt, dass es mir schlecht ginge und er eine andere Familie suchen wolle. Ich sagte ihr, dass ich nicht gesagt habe, dass ich in eine andere Familie will, sondern lediglich gefragt habe, wofür genau ich jetzt bezahlt habe, dass das mal klar ist und ehrlich geantwortet habe, dass die erste Woche aus verschiedenen Gründen dezent beschissen war. Sie war sichtlich aufgebracht, aber ich konnte sie beruhigen und wir konnten auf einen Nenner kommen. Sie meinte, wie immer, ich solle nicht nicht schlecht fühlen oder traurig sein und mit ihr reden, wenn mich was stören würde und wir würden jetzt einfach jeden Tag kommunizieren, damit keine Missverständnisse entstehen. Ich war eigentlich echt zufrieden mit der gesamten Situation, weil sich meine Einstellung verändert hatte und ich einfach offener und positiver gestimmt war und die ganzen Probleme jetzt mal geklärt waren, zumindest in der Theorie und ich musste nur noch abwarten, wie sich die ganze Sache entwickelt. Weil eigentlich hatte das Gespräch und die Telefonate nichts an dem Verhalten ihrerseits geändert, sondern lediglich meine Einstellung hatte sich verändert. Señora Juana dagegen wirkte eher geknickt, vielleicht weil man ihr mal gesagt hatte, dass einiges schief läuft. Aber ich weiß es nicht, sie fand es auf jeden Fall nicht so lustig, dass man an ihr Kritik geübt hatte und ich Hilfe bei der Organisation gesucht hatte. Ich habe das Gefühl, dass seitdem ich das alles angesprochen habe und es versuche zu klären, damit es mir besser geht (das ist ja was sie laut eigener Aussage will), indem ich mir Hilfe bei anderen hole, geht es mir besser und ich bin besser gelaunt, sie dagegen eher schlechter, ist genervter und verhält sich ganz komisch mir gegenüber. 

Auch gab es auf einmal eine neue WhatsApp Gruppe mit den Leuten von Aprode Peru und mir, wo man sich wieder um mein Wohlergehen informieren wollte und mir versicherte, ich könne immer schreiben, wenn es ein Problem geben sollte.

Außerdem wurde ich gebeten, Fotos von meiner Arbeit und den Kindern zu schicken, was diese natürlich super fanden. Die finden mein Handy nämlich absolut faszinierend und haben sich bereitwillig fotografieren lassen, für gemeinsame Selfies posiert, aber auch alleine sehr lustige Fotos geschossen. Also konnte ich die direkt an Edwin weiterleiten, der auch mein Ticket von der Reise von Lima nach Abancay haben wollte. Da ich das aber schon in mein Reisetagebuch geklebt hatte, habe ich einfach gesagt, dass ich es nicht mehr habe. Ups…

Außerdem waren wir am Vormittag noch mit den Kindern im Stadion, sie haben gespielt, die Mädels haben mit meinem Handy Fotos gemacht und sich meine Bilder angeschaut (bestimmt schon zum dritten Mal) und ohne zu fragen im Internet YouTube Videos angeschaut und mein Internet aufgebraucht… Bei der Gelegenheit habe ich Liz von meiner Familie erzählt, ihr Fotos gezeigt, von meinem Aufenthalt in Lima berichtet und so weiter. Ich kann wirklich gar nicht sagen wie glücklich ich bin, dass ich mit ihr zusammen arbeiten kann. Sie ist einfach so unglaublich lieb, herzlich und fürsorglich. Sie ist die Einzige, bei der ich das Gefühl habe, dass sie es wirklich ernst meint, wenn sie mich fragt, wie es mir geht, dass ich mich immer bei ihr melden kann und über alles mit ihr reden kann. Sie war immerhin auch die erste, die mir sofort ihre Nummer gegeben hat und sich wirklich richtig mit mir unterhält. Sie hat mir sogar angeboten, dass wir auch mal was zusammen unternehmen können, ich brauche sie nur anzurufen oder wenn ich mich alleine oder traurig fühle, kann ich immer zu ihr kommen. Ist das nicht lieb? Jedenfalls hab ich ihr an dem Morgen auch von den Schwierigkeiten erzählt und sie meinte, dass Señora Juana ein bisschen schwierig ist und ich mich aber nicht runterziehen lassen soll, sondern z.B. mit ihr oder Señor Renee darüber reden soll und ich mich auf keinen Fall schlecht fühlen soll. Und wenn es gar nicht mehr gehen würde, solle ich die Familie wechseln, sie würde mir immer dabei helfen, eine bessere zu suchen. Danach hat sie auch immer wieder gesagt, dass sie es besser finden würde, wenn ich zu einer anderen Gastfamilie ziehen würde.

Da am Donnerstag ja schon wieder Feiertag ist und ich überlegt hatte, zu den irgendwo in der Nähe liegenden Lagunen zu gehen, habe ich sie gefragt, wo die liegen würden und sie hat direkt gemeint, wir können zusammen gehen und sie würde mich begleiten. Ich hab mich wirklich so krass gefreut und war total happy! Weil ich alleine nicht hätte gehen können, da ich keine Ahnung hatte, wo die ist und weil ich das einfach so unglaublich lieb von ihr finde! Auch habe ich ihre anscheinend sehr gute Freundin Rita kennengelernt, die ebenfalls Lehrerin im CEDIF ist, die ich aber an dem Dienstag zum ersten Mal gesehen habe. 

Der Mittwoch startete nicht so dolle, da ich Señora Juana von dem Ausflug am nächsten Tag erzählte, sie jedoch ganz anders reagierte, als ich erwartet hätte. Zum Einen offenbarte sie mir, dass sie doch nicht zu diesem anderen katholischen Fest gehen würden, von dem sie mir erzählt hatte und zum Anderen, verbot sie mir jegliche Unternehmungen mit meinen „Kollegen“ vom CEDIF. Sie verbot mir also nicht nur den Ausflug mit Liz zu den Lagunen, sondern auch alles andere. Sie meinte ich darf mich weder mit ihnen treffen, noch etwas mit ihnen unternehmen noch irgendetwas anderes machen, das nicht mit der Arbeit zu tun hat. Sie fragte mich sogar, was ich mit Liz gesprochen hatte. Sie meinte, es hätte Probleme mit anderen Freiwilligen vor mir gegeben, die etwas mit den Kolleginnen von der Arbeit gemacht haben und sie wolle nicht, dass ich irgendetwas mit denen mache. Außerdem hätte sie die Verantwortung für mich und wolle keine Probleme, irgendwelche hohen Tiere der Stadtverwaltung oder so hätten auch ein Problem damit. Ich dürfe nur etwas mit ihr unternehmen und müsse so etwas immer mit ihr machen. Ich war damit am Boden zerstört, da ich mich wirklich so sehr auf diesen Ausflug gefreut hatte und sie mir diese klitzekleine Freude jetzt auch zerstört hatte. Außerdem hieß das ja nicht nur, dass wir nicht zu der Lagune können, sondern dass ich gar nichts mit Liz machen darf. Dabei war sie doch die einzige, die mir angeboten hatte, dass ich immer zu ihr kommen könne, sie immer anrufen könne und wenn ich mich alleine oder traurig fühle, sie immer für mich da ist und wir gerne Ausflüge machen können, sie mir ihre Familie vorstellen will, wir zusammen kochen oder einen Film schauen können. Ich sagte auch Señora Juana, dass es mir doch gar nicht möglich ist, andere Personen kennenzulernen außer die auf der Arbeit. Sie ließ sich trotz meiner Tränen nicht von ihrer Meinung abbringen und meinte, sie würde jemanden von der Stadt engagieren, um mich nach Pacucha zu begleiten. Sie nannte noch ein paar andere blöde Gründe, weshalb sie es mir nicht erlauben würde und ich konnte sie mit nichts umstimmen.

Total geknickt ging ich also zur Arbeit und berichtete Liz von dem Gespräch. Diese meinte, sie würde mal mit Señor Renee, also dem Chef vom CEDIF sprechen, weil das überhaupt keinen Sinn machen würde und alle Freiwilligen vorher auch schon Ausflüge machen durften. Das Ganze war mir sehr unangenehm, aber auf der anderen Seite ist es einfach so schön zu wissen, dass sie hinter mir steht und sich für ich einsetzt. Ich kann ihr wirklich gar nicht genug danken! Und ich bin echt froh, dass sie das gemacht hat, da sich die ganze Situation dadurch geändert hat.

Im Laufe des Vormittags rief mich dann Señor Renee in sein Büro und fragte mich, wie es mir gehe. Ich berichtete ihm grob davon und er meinte, er hätte mit meiner Organisation gesprochen und es gäbe überhaupt kein Problem damit, dass ich mit Liz zu den Lagunen fahren will. An Wochenenden und Feiertagen kann ich machen, was und mit wem ich will. Sie kann mir da gar nichts verbieten, ich müsse mich lediglich mit ihr absprechen, wann ich zurückkomme. Auch er bot mir seine Unterstützung an und versicherte mir, ich könne mich immer bei ihm melden, wenn etwas ist. Auch wolle er mit meiner Gastmutter sprechen und ihr sagen, dass sie mir diese Sachen nicht verbieten kann. Ich war ihm und Liz echt unglaublich dankbar. Zum Einen einfach, weil es mir die Hoffnung auf schöne Tage und die Freude zurückgab und zum Anderen zeigte, dass ganz viele Leute wirklich daran interessiert sind, dass es mir gut geht und mir helfen. Dem Plan für Donnerstag stand also nichts mehr im Wege und ich war echt erleichtert. Bis jetzt kann ich immer noch nicht verstehen, warum meine Gastmutter mir das verbieten wollte und ich bin froh, das Liz nachgehakt hat und ich ihr somit zeigen konnte, dass sie mich nicht komplett kleinkriegt. Und natürlich war es sehr angenehm, dass nicht ich das Gespräch mit ihr führen musste.

Ich war also wieder guter Dinge, meine Gastmutter dagegen wirkte sichtlich geknickt und mitgenommen. Sie ging mir offensichtlich absichtlich aus dem Weg, redete noch weniger mit mir als sowieso schon und sah echt total fertig aus. Sie schaute mir nicht mehr in die Augen und sprach mein Vorhaben oder das Gespräch auch nicht mehr an. Ich war nach dem Gespräch mit meinem Chef viel glücklicher, mir ging es viel besser und ich war besser gelaunt, aber sie schien es nicht gewohnt zu sein, ihren Willen nicht durchsetzen zu können. Ich schätze mal, dass sie es gewohnt ist, dass man immer das macht, was sie befiehlt und dass noch niemand vor mir sich so für seine Rechte eingesetzt hat. Aber zum Glück hat mir Liz dabei geholfen, weil alleine hätte ich mich nicht getraut, aber es ist ein gutes Gefühl gewesen, ihr zu zeigen, dass ich mich gegen sie durchsetzen kann und nicht einfach kleinmachen lasse. Ich bin immerhin keine Bedienstete, die man durch die Gegend scheuchen kann. 

Obwohl ich sagen muss, dass ich sie wahrscheinlich nie super nett finden werde, tat sie mir fast ein bisschen leid. Aber auf der anderen Seite war sie auch selber Schuld. Wer so einen Mist abzieht, der muss auch mit den Konsequenzen leben und vor Allem akzeptieren, dass sie mir nicht allen Spaß verderben kann und mir nicht alles verbieten kann, was sie will. 

Am Abend sprach sie dann doch noch ganz knapp den Ausflug an und meinte, wenn ich nach 5 Uhr zurückkommen würde, würde sie mich nicht mehr reinlassen. Ich könne also bis dahin wegbleiben, aber sie wolle nicht, dass ich später wiederkomme. Okay, akzeptiert. Auch wenn es ein wenig affig war. 

Immer wenn ich Liz von den Aktionen erzähle, schüttelt diese auch nur den Kopf und lacht, weil es so blöde ist. Sie schrieb mir auch knallhart, dass sie eine böse bzw. schlechte Person sei und ich mir keinen Kopf machen solle.  

Am Donnerstag hatte ich mich dann also um 10 Uhr mit ihr verabredet und bin deshalb morgens, nachdem ich wie immer um 6 Uhr von dem doofen Gockel aufgeweckt wurde, noch im Bett liegen geblieben. Als ich aufgestanden bin um zu frühstücken war allerdings weit und breit niemand zu sehen. Mir hatte man also nicht Bescheid gesagt, dass man das Haus verlassen würde und dass ich alleine sein würde (obwohl sie wussten, dass ich wach war, weil sie mich schon gesehen haben). Und es war nicht nur so, dass ich alleine war, leider war auch die Küche und das Haus abgeschlossen. Ich konnte also weder ins Bad noch was frühstücken. Also bin ich erstmal einkaufen gegangen und das Frühstück fiel etwas spärlich aus, da ich ja weder Messer, noch irgendwas anderes wie Schüsseln hatte. Dafür habe ich aber die leckersten und süßesten Bananen meines Lebens erwischt und auch die Mandarinen waren richtig süß und saftig und das Brot war noch warm. In der Hinsicht also ein Volltreffer.

Kurz bevor ich dann aufbrechen wollte, kamen meine Gasteltern nach Hause und Señora Juana meinte, die Küche wäre doch die ganze Zeit offen gewesen. Aber woher sollte ich wissen, dass das Schloss, das an der Tür hing, kaputt ist und sich öffnen lässt?! Naja, egal. Über so Aktionen kann ich nur noch lachen und ungläubig den Kopf schütteln. 

Um 10 Uhr ging es dann also los, meine Gasteltern waren auch wieder weg, keine Ahnung wo sie waren, denn man verriet es mir nicht. Liz traf ungefähr mit 20 Minuten Verspätung am Treffpunkt ein, aber für die Peruaner ist das ja noch fast überpünktlich. Mit einer Mischung aus Taxi und Bus sind wir dann nach Pacucha gefahren, das gar nicht so weit von uns entfernt liegt. Pacucha ist der Ort, in dem die Lagune liegt. Allerdings stellt man sich wirklich was anderes unter dem Wort Lagune vor, ich zumindest. Denn was wir dort antrafen war zwar ein wunderschöner See, aber auch nicht mehr. Das kleine Örtchen war wie ausgestorben, weil alle auf diesem „Fiesta del Señor Huanca“ waren. Es waren also so gut wie keine Menschen oder Autos zu sehnen. Wir sind dann praktisch den ganzen Tag eigentlich nur ein klein bisschen am Seeufer entlanggelaufen, haben auf der Wiese gelegen und geredet und tausende von Fotos gemacht. Liz ist ganz heiß auf Fotos und wollte mich mit allem Möglichen ablichten und hat auch immer zwanzig mal abgedrückt. Leider ist sie eine nicht sonderlich begabte Fotografin und die Fotos, die sie von mir geschossen hat, konnten mich nicht ganz zufrieden stellen, aber es war trotzdem nett. Irgendwann im Laufe des Vormittags gesellte sich dann auch noch irgendein Freund von ihr zu uns, dessen Namen ich allerdings vergessen habe. Es war eigentlich echt entspannt, dass wir so ziemlich die einzigen Menschen weit und breit waren, es war echt ruhig und die Stunden gingen ziemlich schnell vorbei.  Wir haben über Gott und die Welt geredet, am Handy entspannt und in einem ultra verwinkelten Restaurant zu Mittag gegessen. 

Liz hat immer wieder versucht mich zu überzeugen, dass es besser wäre, die Familie zu wechseln, aber ich will das wirklich nicht. Ich hab da einfach zu sehr Angst, dass eine neue Familie noch schlimmer ist oder dass die Frau mir die Arbeit dann versaut, immerhin arbeite ich mit ihr zusammen in der gleichen Einrichtung. Und jetzt habe ich mich an die Situation gewöhnt und komme ganz gut damit klar. Ich würde sagen, seit Donnerstag fühle ich mich viel besser und  könnte behaupten, dass ich mich eingelebt habe und hier angekommen bin. Die Familie ist zwar immer noch nicht wie ein Zuhause für mich, aber ich muss nicht mehr weinen und bin einfach nicht mehr so traurig. Ich habe bessere Laune und komme besser mit Allem klar. Liz schreibt mir auch immer wieder auf WhatsApp wie es mir geht und dass ich mich immer bei ihr melden kann. Krass fand ich trotzdem, dass auch sie meine Gastmutter nicht leiden kann und sagt, sie wäre ein schlechter Mensch. Anscheinend kapselt sie sich auch auf der Arbeit von all den anderen Kollegen ab und ist nie bei gemeinsamen Aktionen dabei. Sie kommt also auch nicht wirklich gut mit ihr klar und hat auch gemeint, sie kann genau nachvollziehen, dass es wahrscheinlich nicht so angenehm ist bei ihr zu wohnen. Immer wenn ich von ihr erzähle, kann sie mir kaum glauben, meint aber, so etwas wäre ihr zuzutrauen. Es tut aber gut zu wissen, dass ich ihr immer davon erzählen kann und sie mir zuhört und auch meint, dass es nicht normal ist. Ich versuche einfach mir das Ganze nicht so sehr zu Herzen zu nehmen, das klappt auch immer besser und manchmal muss man sich auch einfach wehren und sich nicht alles gefallen lassen. Zum Glück bin ich immer den Ganzen Tag auf der Arbeit und nur abends bei ihnen. 

Am Donnerstag bin ich auf jeden Fall trotzdem pünktlich vor fünf nach Hause gekommen und war um halb fünf da, allerdings war nur der Sohn zu Hause. Als ich dann gehört habe wie die anderen gekommen sind, habe ich gar nicht eingesehen Bescheid zu sagen, dass ich wieder da bin, da man mir auch nicht gesagt hatte, dass man wieder da ist geschweige denn zu sagen, wo man war. Also habe ich mich direkt ins Bett gelegt und geschlafen, ich war eh schon sehr müde. Am nächsten Morgen gab es deswegen natürlich Ärger, aber das war mir auch egal. Wenn niemand zu Hause ist kann ich auch niemandem sagen, dass ich wieder da bin. Und wenn man mir nichts sagt, dann mache ich das sicher auch nicht. Basta.

Am Freitag auf der Arbeit hat man mir auch erzählt, dass meine Gasteltern doch auf dem Fest waren, obwohl sie zu mir gesagt haben, dass sie da nicht hingehen würden, weil Anghelo Schule hat und sie arbeiten gehen. Also haben sie mir einfach dreist ins Gesicht gelogen, was ich schon sehr unverschämt fand, aber gut, wenn’s unbedingt sein muss…

Ihr braucht euch also nicht mehr um mich zu sorgen, mir geht es echt schon viel besser! Vielleicht werden auch in Zukunft nicht ehr ganz so häufig Blogposts kommen, so wie diesen Woche, da ich kaum Zeit finde zum Schreiben und auch nicht jeden Tag so viel Neues passiert. Aber ich weiß es noch nicht...

Emily 

3 Kommentare

Ein City Trip & ein entspannter Tag zu Hause

Am Samstag war ich alleine in der Stadt unterwegs, um mir die Stadt, die Läden und den Markt anzuschauen, ein wenig Zeit allein zu verbringen und die Sachen zu kaufen, die Juana mir aufgetragen hatte. Ich wollte nichts großartig anstrengendes machen, einfach nur ein bisschen Abstand gewinnen und rauskommen. Deswegen dachte ich mir, ein Trip nach Andahuaylas ist genau das Richtige. Kurze Anmerkung damit ihr nicht verwirrt seid: ich wohne und arbeite in San Jeronimo, einer kleinen Stadt die zwar zu Andahuaylas gehört aber halt ein bisschen außerhalb liegt. Man kann aber gut zu Fuß laufen oder für 50 Céntimos ein Taxi nehmen, es sind nur 1-2km bis nach Andhuaylas und die beiden Orte gehen sozusagen ineinander über. Ich hatte genügend Zeit und wollte eigentlich so spät wie möglich zurückkehren, deshalb bin ich gelaufen. Nachdem ich ganz in Ruhe alles erledigt und mich fertig gemacht hatte, bin ich dann so gegen halb elf losgelaufen und hab mir erst mal einen Smoothie gegönnt. In Andahuaylas angekommen bin ich dann erstmal ein bisschen über den Markt geschlendert. Da kann man von Essen, über Klamotten, Waschmittel, Naturheilmittel und Spielzeug einfach alles kaufen. Also wirklich alles. Ich bin aber nur etwas durch die Reihen gelaufen um zu schauen, und um nach einem Handtuch Ausschau zu halten, da mir gesagt wurde, ich muss mein eigenes kaufen. Da gab es aber nur so Strandtücher mit schrecklich hässlichen Mustern, weshalb ich noch nicht zuschlagen wollte. Danach war ich in einem Supermarkt und hab Waschmittel, Feuchttücher und Snacks gekauft um dann in einer Art Apotheke nach Deo zu fragen. Dazu muss man wissen, dass es hier an jeder Ecke Apotheken gibt, weil man Shampoo, Deo, Klopapier, Zahnbürsten und alle anderen Hygieneartikel nur in diesen Läden bekommt. Die Auswahl war nicht groß und es gab auch nicht wirklich das, was ich wollte. Aber was soll man machen… Also hab ich für 13,90 Soles ein Deo gekauft, das sind ca. 3,50€! Ich hatte aber nur 13,70 Soles klein und die Verkäuferin war , so dachte ich, so nett, mir die 20 Céntimos zu erlassen. Aus dem Laden draußen schau ich auf den Kassenbon und da steht doch tatsächlich 9,90 Soles!!! Wollte die mich knallhart abzocken die Alte. Ich also wieder rein in den Laden und gefragt, was das soll. Daraufhin habe ich auch tatsächlich 3 Soles wiederbekommen. Damit habe ich zwar immer noch zu viel bezahlt, aber mehr Aufstand wollte ich dann auch nicht machen. Aber echt eine Unverschämtheit, erst auf nett zu tun, als würde sie mir 20 Céntimos schenken, dabei aber 4 Soles zu viel verlangen. Nicht mit mir! hahaha 

Danach wollte mich eigentlich Jens anrufen, weshalb ich mich auf so einen Platz gesetzt habe um zu warten und ein bisschen soziale Kontakte zu pflegen. Der Anruf sollte sich jedoch um zwei Stunden verschieben, weshalb ich dann Mittagessen gegangen bin und mich danach auf den Plaza de Armas von Andahuaylas gesetzt habe. Die Sonne hat schön geschienen und ich habe eine Runde mit Jens telefoniert, der mir ein paar Tipps geben konnte, wie ich mich verhalten kann, da ich ja eigentlich für alles bezahlt habe, jetzt aber trotzdem noch voll viel selber zahlen muss.

Als ich aufgelegt habe saß plötzlich so ein alter Mann neben mir auf der Bank und hat mich auf die selbe Art wie schon viele andere angesprochen. Irgendwann wollte er aber zu viel wissen und ich bin seinen Fragen ausgewichen oder habe gar nicht mehr geantwortet. Irgendwann hat er dann angefangen von sich zu erzählen und mich gefragt, ob ich Angst vor den Leuten und ihm habe. Mit der Zeit wurde mir das Gespräch etwas unangenehm und ich wollte mich auf den Weg machen, weil ich noch einige Dinge besorgen musste. Als er mich dann auf meinem Weg begleiten wollte, habe ich ihn abgewimmelt und bin alleine losgezogen. Ich habe dann auch tatsächlich einen Stand mit Handtüchern gefunden, zwar wieder brutal hässlich, aber ich habe das Gefühl, hier gibt es einfach nichts anderes. Nachdem auch er mir erst ein völlig überteuertes Handtuch andrehen wollte habe ich gesagt, dass das doch ganz schön teuer sei, da hat er eingelenkt, er hätte da ja noch andere, die ungefähr nur die Hälfte gekostet haben. Also hab ich das mit dem am wenigsten schlimmen Muster rausgesucht und mitgenommen. Ich lass mich doch nicht noch mal über den Tisch ziehen. 

Danach habe ich auch noch die letzten Sachen besorgt, die ich gebraucht habe und habe mich, wieder zu Fuß, auf den Rückweg gemacht, da ich noch nicht so schnell wieder zu Hause sein wollte. Da war ich zwar schon wieder echt müde und erledigt, aber es war wie gesagt nicht allzu weit. Mitten auf dem Weg lag plötzlich ein alter Mann quer über dem Bürgersteig und niemand hat ihm geholfen. Alle sind einfach dran vorbei gefahren. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihm aufhelfen kann, aber er sprach nur Quechua und ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich war schon erleichtert, dass er noch lebte. Das tat mir genauso leid, wie all die Straßenhunde, die hier rumlaufen…

Zuhause habe ich wieder nicht mehr viel Spannendes gemacht, außer zum ersten Mal diese Woche mit meinen Eltern telefoniert (danke WhatsApp Calls!). Das tat echt super gut und ich muss sagen, ich war echt gut drauf an dem Tag und war echt gut gelaunt. Die Dusche war diesmal auch etwas gnädiger zu mir und hat mich verschont, sodass ich ohne Stromschlag davon gekommen bin. Das warme Wasser hat zwar wieder nicht funktioniert und es war wirklich sehr kalt, aber ich würde von mir behaupten, dass ich schon fast routiniert an die Sache rangegangen bin und nicht mehr so wimmern musste, wie die ersten beiden Male. Das Wasser kam auch wieder aus den für es vorgesehenen Löchern und nicht überall anders raus, sodass es ganz okay war. Man lernt hier wirklich einiges zu schätzen. Warmes Wasser, Sauberkeit, Klopapier und Wärme zum Beispiel. 

Wie sich herausgestellt hat, ist die Dusche hier wohl eine Dusche, die nur mit Strom warmes Wasser erzeugt, und zwar erst im Duschkopf selbst (der nebenbei aus Plastik ist). Deshalb muss man auch eigentlich für warmes Wasser so einen Knopf umlegen, wie bei einer Sicherung, und nach der Dusche wieder abschalten. Die grünen und gelben Kabel führen dann eben zum Duschkopf selbst, weshalb der unter Strom steht, was bekanntlich ziemlich unpraktisch ist, grade in Verbindung mit Wasser. Also keine spaßige Angelegenheit, weshalb mir jetzt verboten wurde, den Hebel auf warmes Wasser umzuschalten, um keinen Strom zu erzeugen. Würde aber ja eh nichts bringen, weil das Ding einen Kurzschluss erlitten hat, sodass es eh keinen Unterschied macht, weil es einfach immer kalt ist. Denn als ich gestern den Hebel vor dem Duschen auf Warm gestellt habe wollte ich ihn danach wieder umstellen, aber die Sicherung ist schon von alleine wieder zurückgesprungen.Naja, wenigstens kann ich überhaupt duschen…

Den Sonntag habe ich bis jetzt ganz ruhig verbracht, lag etwas länger im Bett, hab mit meinen Freunden und Familie geschrieben und telefoniert und Blogartikel geschrieben. Glücklicherweise hatte ich auch viel meine Ruhe, weil die Eltern irgendwie außer Haus waren. Also der Vormittag war total entspannt und ruhig, genau nach was mir war.  

Nur das Schwein der Familie musste heute leiden und es war furchtbar heute morgen im Bett zu liegen und die verzweifelten Schreie voller Angst und Schmerz zu hören, während sie versucht haben es aus dem Käfig zu zerren und zu schlachten. So ein Grunzen hab ich in meinem Leben noch nicht gehört und ich musste mir meine Ohren zu halten, weil das echt schlimm war mit anzuhören. Zum Glück konnte ich mich bei Leti ausheulen (DANKE DIR DAFÜR!), die mich etwas beruhigen konnte und einfach so verständnisvoll und trotzdem beruhigend und hilfreich auf meine Nachrichten geantwortet hat. Da habe ich nämlich wirklich nur alles schlechte abgeladen, das mir bis jetzt hier passiert ist, wahrscheinlich total zusammenhangslos und ungeordnet und sinnlos, aber es tat so gut es einfach nochmal rauszulassen und jemandem zu erzählen, der einen versteht und ermutigt und einfach so tolle und liebe Wort findet. Ich habe wirklich die besten Freunde der Welt!

Der Mittag gestaltete sich etwas chaotischer, nachdem ich zwei Anrufe von Juana erhalten habe, bei denen ich sie einfach nicht verstanden habe. Im ersten meinte sie meiner Meinung nach, ich solle alleine Mittag essen, es gäbe noch Kartoffeln und Avocado, weil sie nicht da seien. Ich also brav wie ich war um Avocado und Kartoffeln gegessen, da bekomme ich noch einen Anruf. Da hab ich gar nicht verstanden was sie von mir wollte. Ich dachte ich soll rauskommen und die Tür öffnen. Da war aber niemand, also hab ich weiter gegessen. Grade als ich fertig war kommen die drei nach Hause, Juana mit einem Teller VOLL mit einem Haufen Nudeln und einer Art Kartoffelsalat, den sie mir vor die Nase stellte und meinte, ich solle essen. Dabei war ich doch grade fertig! Ich habe die Welt nich mehr verstanden. Sie meinte, sie wollte, dass ich zu ihrer Mutter kommen sollte, um dort mit ihnen Mittag zu essen. Aber erstens, woher sollte ich wissen, wo die wohnt und zweitens. ist es einfach voll schwer auf Spanisch zu telefonieren, wenn die Verbindung schlecht ist und ich das einfach nicht verstehe was sie mir sagt. Warum kann sie mich nicht einfach vorher mal über ihre Pläne aufklären, mit mir KOMMUNIZIEREN!!!??? Das würde das Ganze viel einfacher machen. So habe ich halt überhaupt nicht verstanden was sie von mir wollte… Und ich musste nach meinem sehr sättigenden Mittagessen nochmal das essen, was sie mir hingestellt hatte. Echt kompliziert hier alles, auf der einen Seite soll ich alles Essen eigentlich selber bezahlen, auf der anderen Seite zwingen sie mich ständig dazu. 

Am Nachmittag habe ich mich auf jeden Fall wieder in mein Zimmer verzogen und einfach schön entspannt und mir Zeit für mich genommen. Ich habe Podcasts und Musik gehört, gemalt, geschrieben und Vokabeln gelernt. Einfach um zu entspannen und von den ständigen schlechten Gedanken abzukommen. Das tat mir echt gut und am Ende war ich sogar überraschend zufrieden mit meinen Kunstwerken. 

Zwischendurch wurde die Ruhe immer mal wieder durch einen Schrei unterbrochen und ich sollte irgendwas aufputzen und Bohnen von Boden aufsammeln oder der Frau beim ausmisten und aufräumen ihrer Kammer helfen. Gen Abend hab ich dann auch noch eine andere Matratze bekommen - weiß Gott warum, sie sprechen ja nicht mit mir außer in Befehlsform - aber wer denkt, hey wie genial, sorry, ich muss euch enttäuschen, es war eindeutig kein Upgrade sondern eher ein Downgrade (oder wie auch immer  man das nennt). Aber schlafen kann man trotzdem drauf, also alles gut. 

Am Abend wollte ich eigentlich grade ins Bett gehen, weil ich schon wieder so müde war, da haben sie angekündigt, dass ich mich schnell umziehen solle, da wir noch nach Andahuaylas fahren würde. Da war es allerdings schon acht Uhr abends und wer mich kennt weiß, dass ich da keine großen Spirenzchen mehr veranstalten will. Jedenfalls hab ich mich dann natürlich ganz brav innerhalb kürzester Zeit umgezogen, durfte dann aber noch ewig auf die anderen drei warten, die noch geduscht haben und sonst noch was alles. Es wurde also immer später, ich wusste nicht was wir da wollten in Andahuaylas, weil man meine Frage diesbezüglich nicht beantwortet hatte, und eigentlich wollte ich gar nicht mit. Einfach nur schlafen. Und dazu hatte ich noch Hunger, weil es kein Abendessen gegeben hatte. Schließlich klärte man mich dann auf, dass wir was essen gehen wollten und das gleiche Thema wie immer kam auf. Man erklärte mir, man würde in eine „Polleria“ gehen, also ein Hühnchen-Restaurant, wo es nur Hühnchen mit Pommes und Salat gibt und fragte mich, das isst du doch oder. Ich wieder, ja, aber ohne das Hühnchen. Wieder Kopfschütteln, Stöhnen und Augenrollen der anderen Partei. Meine Laune war im Keller. Eigentlich hatte ich wirklich gar keinen Bock mehr dahinzufahren und wäre lieber ohne Essen ins Bett gegangen, als erst nachts wieder nach Hause zu kommen und völlig übermüdet schweigend in einem Restaurant zu sitzen. Aber meine Bitte wurde nicht gehört und ich wurde mitgeschleift, auf der Transportfläche des Autos, auf der es arschkalt war. Und tatsächlich kamen wir auch erst um halb zehn wieder.

Bevor wir losgefahren sind haben wir noch einen Tee getrunken, bei welcher Gelegenheit mich meine Gastmutter fragte, ob es mir gefallen würde hier zu wohnen, weil ich so traurig aussehen würde und nicht viel reden würde und so was. Ich dachte mir so: „Ja du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Mir kamen fast wieder die Tränen, aber ich habe es grade so geschafft sie zurückzuhalten, denn das wollte ich mir nicht geben, jetzt vor ihr und den anderen beiden anzufangen zu heulen. Also hab ich gesagt, dass alles super ist und ich nur müde bin und ich nicht traurig bin. Ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt hat, aber wenn sie es eigentlich doch schon merkt und sieht und zu wissen scheint, dann sollte sie das halt erstens nicht vor allen anderen ansprechen und zweitens sich vielleicht mal in meine Lage versetzen.

Jedenfalls war das mein Wochenende, nicht besonders spannend.

Emily

 

1 Kommentare

Fiesta de "La Virgen de Cocharca"

Wie erwähnt, war der Plan für Freitag auf ein „Fest“ zu fahren, das drei Stunden entfernt stattfinden sollte, weswegen wir um vier Uhr aufstehen mussten. Mir sagte man, es wäre ein Fest auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte und ich war ehrlich gesagt echt gespannt und hatte total Lust darauf, mir das anzusehen. Dementsprechend enttäuscht war ich auch, als man mir am Vorabend offenbart hatte, dass wir doch nicht fahren würden, da es regnete. Ich rechnete also damit, nicht geweckt zu werden und ganz normal bis sechs Uhr schlafen zu können, um dann zu Arbeit zu gehen. Wie sich jedoch herausstellen sollte, war 1. Feiertag und es wurde nicht gearbeitet (hier ist irgendwie ständig Feiertag und keine Arbeit) und 2. sind wir doch gefahren. Ich wurde also nachts um vier aus dem Schlaf gerissen und angebrüllt, wir würden JETZT SOFORT losfahren. Mir blieb also keine Zeit, um großartig zu überlegen, was ich mitnehmen wollte oder mich fertig zu machen. Also zog ich mich nur schnell an, dachte noch an mein Wasser und meine Tablette und Desinfektionstücher (zum Glück hatte ich die dabei!) und dann ging es auch schon los. Da wir ja offensichtlich mitten in den Anden leben und von kilometerhohen Bergen umgeben sind, war die Fahrt auch dementsprechend unentspannt. Da hier irgendwie bei keinem Auto Anschnallgurte zur Grundausstattung gehören, wurde man auf der Fahrt in jeder Kurve durch das ganze Auto geschleudert, von rechts nach links und wieder zurück. Anfangs saß ich noch hintern in der Mitte und Anghelo rechts von mir. Da er jedoch quasi auf meinem Schoß saß, da er unbedingt vorne durch die Scheibe schauen wollte und mit seinen Eltern reden wollte, bat ich ihn, den Platz zu tauschen, so konnte ich wenigstens meinen Kopf am Fenster anlehnen und mich festhalten. Die Fahrt wurde umso schaukeliger, da die Maximalgeschwindigkeit von 30km/h hier (zum Glück) niemanden interessiert, stattdessen wird im Schnitt 80km/h gefahren (sonst würde man nie ankommen, hier braucht man so schon für 100km drei Stunden). Im Gegensatz zu mir ist Juana und Anghelo auf der Fahrt auch total schlecht geworden und wir mussten dreimal anhalten, damit sie sich übergeben konnten. Dabei ist mir dann auch fast schlecht geworden, aber die Kurven an sich haben mir zum Glück nicht viel ausgemacht, im Gegensatz zu den beiden, die das ja eigentlich gewöhnt sein sollten. Auf jeden Fall kamen wir dann circa zweieinhalb bis drei Stunden später im Hellen in diesem winzigen Dorf an, das glaube ich Chinchero heißt und umgeben ist von Bergen und mitten in dem Tal der Berge liegt. Also wirklich nichts als Berghänge drumherum, aber eine wirklich wunderschöne Landschaft! Auch die eindrucksvolle Kathedrale aus der Kolonialzeit konnte mich begeistern, denn sie war wirklich schön anzusehen. Allerdings war meine Laune einfach nicht besonders gut, sodass ich das ganze Fest nicht wirklich genießen konnte. Als erstes stellten wir also unser Auto ab, nachdem wir diese unbefestigte Piste hinunter ins Dorf gemeistert hatten und gingen, einmal quer durch alle Essenstände, zu der Kathedrale, um Kerzen anzuzünden und den Segen dieser Jungfrau von Cocharca zu erhalten. Was es mit dieser Art Maria auf sich hat, habe ich nicht ganz verstanden, auf jeden Fall war es keine Ausgrabungsstätte und auch kein Fest, sondern eine zutiefst religiöse Veranstaltung und hunderte, wenn nicht tausende Menschen kamen an diesem Tag in diesen Ort gepilgert. Meine Gasteltern sind, wie sich herausstellte, auch sehr gläubig und die Mutter musste sogar ständig weinen, fragt mich nicht warum. Auf jeden Fall kam mir diese katholische Veranstaltung eher wie eine Veranstaltung einer Sekte vor, einfach weil diese Atmosphäre und das Verhalten der Menschen so krass war. Jedenfalls haben die sich dann ihren Segen abgeholt, ich bin brav auch zu der Maria gestapft und hab mir das angeschaut, um nicht ganz aus der Reihe zu tanzen, denn ich wurde schon wieder von allen Seiten total dämlich angeschaut, als wär ich eine Außerirdische. Kerzen habe ich allerdings nicht gekauft oder angezündet. Erstens weil mir diese ganze Feuer Sache nicht geheuer war und zweitens wollte ich keinen Cent für diesen Schwachsinn ausgeben. An dem Tag hat mir wirklich mein Herz geschmerzt, da diese Menschen wirklich gar kein Umweltbewusstsein zu haben scheinen. Am Ende des Spektakels war die ganze Wiese voll mit Plastikmüll, weil einfach jeder seinen Müll liegen gelassen hat und auch wirklich alles in doppelt und dreifach in Plastikverpackungen eingewickelt und verkauft wird. Es sah wirklich schrecklich aus, dazu noch die ganzen Wachsreste der Kerzen überall auf dem Platz… Wirklich schrecklich. Im Allgemeinen ist das hier ein sehr großes Problem wie mir scheint. Hier wird kein Müll getrennt, für jeden Mist bekommt man eine Plastiktüte und selbst wenn die noch nicht voll sind werden die Sachen auf drei anstatt eine verteilt. Die ganze Natur, Flüsse, Wiesen und Wegesränder sind voller Müll. Einfach überall liegt der Plastikmüll rum und verschmutzt die Umwelt. Die gut gemeinten Schilder am Straßenrand, auf denen steht, man soll auf die Umwelt achten, bewirken nicht viel und es wird weiterhin munter Plastik verschwendet…

Jedenfalls sind wir nach dem Segen dann erst einmal was frühstücken gegangen, bzw. haben sich die drei eines gegönnt und ich saß dumm daneben. Denn es ist ja nicht so als gab es dort eine Millionen Stände mit allerlei Essen. Nein, da steuert man doch mal munter einen Stand an, an dem es ausschließlich Fleischsuppe gibt, um mich dann zu fragen, ob ich das esse. NEIN, NATÜRLICH NICHT!!! Wie oft noch!? Das fand ich schon ziemlich unverschämt und dreist, man hätte ja wenigstens an einen Stand gehen können, an dem es neben dieser Fleischsuppe noch was anderes gibt. Naja, hat die auf jeden Fall nicht interessiert und sie haben sich ihre Schüssel Suppe schmecken lassen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: in der Schüssel des Sohnes war die Suppe (Brühe mit Mais oder so) und dann einfach ein ganzer Kiefer reingelegt. Mit Zähnen, das ganze Gebiss einfach rinn in die Schale. Ne, danke. Ich durfte mir dann von meinem eigenen Geld einen Becher mit so einer Art Getränk kaufen, das eigentlich nur Zuckerwasser mit ein bisschen Quinoa drin war. Hat also aufgrund der Menge und Art der Zubereitung nicht wirklich satt gemacht, aber gut. Weiter ging es dann zu Verwandten von meiner Gastfamilie, die auch angereist waren. Sie saßen auf einer Wiese und haben an einem Feuer Suppe gekocht. Die war auch direkt fertig als wir ankamen, es wurde also munter der nächste Teller Fleischsuppe verdrückt und wieder auf Quechua über mich abgelästert, warum ich kein Fleisch esse, wo ich herkomme, bla bla bla. Soviel Menschenkenntnis besitze ich nämlich schon, auch wenn ich die Sprache nicht beherrsche, dass ich merke, wann über mich geredet und gelacht wird. Ich höre aus den ganzen Gesprächen nämlich immer nur die Fakten über mich raus und „Gringa“, was soviel wie „Weiße“ bedeutet. 

Von einer der Frauen habe ich dann netterweise aber noch Früchte angeboten bekommen, Chirimoyas. Die sind so süß, dass sie eher wie Süßigkeiten schmecken, aber echt lecker sind. 

Danach haben sie mir ihren Schirm in die Hand gedrückt und mich dann ewig warten lassen. Bei der Gelegenheit hab ich mir dann einfach was zu essen gekauft bis sie wieder gekommen sind. Dann sind wird auf den Platz vor der Kirche gegangen, wo sich zu dem Zeitpunkt auch schon alle anderen befunden haben und es war rappelvoll. Also echt uncool und ich war richtig schlecht drauf, hatte Hunger, war müde, hab mich geärgert, weil ich deren Schirm rumschleppen musste und sie mir den nicht mal auf ein Nachfragen hin abgenommen haben und ich sie ständig verloren habe und sie sich einfach nicht nach mir umgesehen haben oder auf mich gewartet haben. Ich war echt den Tränen schon wieder nahe und habe eigentlich den ganzen dreistündigen Gottesdienst nicht zugehört, weil es mich weder interessiert hat noch ich irgendwie Lust hatte, daran irgendwie teilzunehmen. Es war einfach stinklangweilig, heiß, viel zu voll und laut, unbequem und einfach scheiße (sorry für den Ausdruck). Den Schirm durfte ich natürlich dann, als er gegen die Sonne gebracht wurde, abgeben und ich habe auch kein Plätzchen unter dem Schirm erhalten, ich durfte also in der Sonne brutzeln. Meinen Ärger habe ich wieder an meiner Mutter ausgelassen, weil mich die ganze Sache hier einfach so frustriert hat! Die Sache mit der Gastfamilie, diese Rücksichtslosigkeit und so weiter. Danke Mama, dass du immer für mich da bist und auch nachts um zwei die Nerven hast mir zuzuhören!

Der Mann neben mir war mal wieder einer von denen, die total beeindruckt von meiner äußeren Erscheinung waren und war ganz interessiert an meinem Leben. Nach drei Eis, Schokolade und noch weiterem Mist den sich meine drei Begleiter gegönnt hatten, war der Gottesdienst endlich zu Ende, aber die Zeremonie noch lange nicht. Dann wurde gefühlt nochmal alles auf Quechua übersetzt, gesungen, irgendwelche Parolen geschrien, die Figur der Maria um den Platz geschleppt, beworfen und so weiter. Hat alles ewig gedauert und alle haben geheult und gewunken. Als dann wirklich alles zu Ende war, sind alle auf einmal zu ihren Autos gestürmt um dann gleichzeitig sich auf den Heimweg zu machen. Das hat aber natürlich nicht funktioniert. Es herrschte totales Verkehrschaos und wir standen eine Stunde bei laufendem Motor auf der Stelle, nämlich auf unserem Parkplatz, aber im Auto. Super sinnvoll. Nichts ging voran, die kleine Straße die zu den Ort führt ist halt einfach auch nicht dafür gemacht und wenn alle drücken geht das halt nicht. Aber da war man der Überzeugung, dass hupen und schimpfen hilft. Ich wollte eigentlich nur Heim, aufs Klo und was Essen, was ich dann wenigstens im Auto gefunden habe. Naja, nach der Stunde hat dann der Weg den Berg hoch nochmal zwei Stunden gedauert und wir waren im Prinzip kein Stück weiter gekommen. Außerdem haben wir noch zwei Bekannte auf dem Weg aufgegabelt und somit saßen drei übergewichtige Peruanerinnen und ich auf den hinteren die Sitzen und es war furchtbar eng und heiß. Gleichzeitig staubig, weil das Fenster unbedingt auf sein musste. Irgendwann wollte meine Gastmutter, dass ich ans Fenster gehe und sie hat es sich schön am Fenster gemütlich gemacht. Währenddessen hatten wir nochmal sechs weitere Mitfahrer, die hinten auf der Ladefläche saßen. 

Irgendwann haben wir dann in so einem kleinen Dorf angehalten, um Mittag zu essen und auf der Weiterfahrt waren wir dann zum Glück nur noch zu dritt auf den Rücksitzen! 100 Meter später wurde wieder angehalten, um spontan Holz vom Wegesrand aufzuladen. Danach sind wir dann endlich etwas weiter Richtung Zuhause gekommen, ich wollte wirklich einfach nur nach Hause. Ich war so müde, weil es mittlerweile sechs Uhr abends war und war echt nur müde und genervt. Meine Gastmutter hat sich rechts von mir so ausgebreitet und über die Hälfte des Platzes für sich vereinnahmt, dass die andere Frau und ich total gequetscht da saßen. So eine Frechheit, wirklich!

Schlussendlich haben sie nochmal an einem Markt gehalten um irgendein Zeugs zu kaufen und um halb sieben kamen wir endlich an… Ich bin einfach nur ins Bett gefallen und habe gar nichts mehr gemacht; ich bin sofort eingeschlafen. 

Am Donnerstag ist anscheinend schon wieder Feiertag und nochmal so ein Fest, aber da werde ich sicher nicht mitgehen. 

Vom Wochenende berichte ich im nächsten Post.

Emily

P.S.: Vielen vielen Dank an alle, die mir so aufbauende Worte geschrieben haben nach dem letzten Eintrag und nachdem es mir diese Woche hier nicht so gut ging und es alles nicht so einfach war. Ich bin echt froh eine so tolle Familie und Freunde zu haben, ihr seid sie Besten!

1 Kommentare

Erste Arbeitswoche und Gefühlsachterbahn

Okay, ich will hier ja nicht nur von den schönen Seiten Perus berichten, sondern auch, wie es mir wirklich ergeht. Und diese Woche war eher nicht so geil. Ich hab ja schon von meiner Ankunft hier in Andahuaylas erzählt, die nicht ganz glatt ablief, weil man nicht Bescheid wusste, dass ich ankomme und weil ein ziemlich großes Missverständnis entstanden ist, weshalb ich mich nicht wirklich willkommen gefühlt habe. Die Familie ist im Großen und Ganzen schon nett und die Mutter, Señora Juana, sagt auch immer, dass ich mich nicht schlecht fühlen soll und über alles mit ihr reden kann. Aber das glaube ich ihr einfach nicht so ganz und es ist immer alles so auf Distanz. Ich kann mich nicht wie eine Tochter fühlen, wenn ich mein Klopapier und Waschmittel selber bezahlen muss und wie eine Arbeitskraft behandelt werde, die nicht bezahlt werden muss und die in ihrer Schuld steht, weil sie bei ihr wohnen darf. Es sind so Kleinigkeiten, die einen einfach unwohl fühlen lassen. Abends ging es mir deshalb immer ziemlich schlecht und ich hab viel geweint. Da reichten auch schon ganz banale Dinge, um mich zum heulen zu bringen, wie zum Beispiel geschlachtete und abgezogene Meerschweinchen, die vor ein paar Stunden noch fröhlich im Stall rumgehoppelt sind und die ich immer füttern musste. Es war einfach echt schwer diese Woche, alles war neu, anstrengend und anders. Ich bin wirklich offen hierher gekommen und habe nicht viel erwartet, aber trotzdem sind es so kleine Dinge wie eine Dusche, aus der nur kaltes Wasser kommt und die einem einen Stromschlag verpasst, ziemlich nervenaufreibend. Oder das Gefühl, einfach nicht dazuzugehören, weil ständig auf Quechua geredet wird und nicht auf Spanisch. Ich will hier doch sprechen lernen! Und noch gestaltet sich die Kommunikation echt schwierig, weil außer dem zwölfjährigen Sohn Anghelo niemand auf mich Rücksicht nimmt und langsam und deutlich spricht. Stattdessen wird einfach gar nicht mit mir gesprochen, nur untereinander auf Quechua und über mich gelacht. Wenn dann doch mal mit mir geredet wird eigentlich nur um mir irgendeinen Befehl zu geben, zu fragen, ob ich Geld habe und wieviel dies und jenes gekostet hat oder um mir zu sagen: „Iss, iss!“. Generell scheinen sie ein großes Problem damit zu haben, dass ich weniger esse als sie. Aber mal ganz ehrlich, wer kann den bitte eine riesen Schüssel voll Reis mit Kartoffeln und zur Beilage Brot, Käse und Mais essen. Niemand außer den Peruanern. Also ich zumindest höre einfach auf zu essen, wenn ich satt bin, was die aber nicht akzeptieren wollen, genauso wenig wie dass ich KEIN FLEISCH essen will oder einfach keine Sachen essen und trinken will, die mir nicht schmecken oder bekommen (wie zum Beispiel ein halber Liter Milch am Morgen, nachdem ich den ganzen Tag nichts mehr essen konnte, weil mir so schlecht war). Auch wenn sie immer wieder versuchen mir weiß zu machen, dass Würstchen nicht aus Fleisch sind sondern vegetarisch und Meerschweinchen kein Cholesterin haben und ich doch probieren soll. Mein „Nein, danke.“ wird erst nach dem zehnten Mal akzeptiert oder mit einem Augenrollen als verrückt abgetan. Also irgendwie haben die ein ganz großes Problem damit und ich verstehe nicht warum, weil sie ja nicht mal extra für mich kochen müssen, sondern ich einfach das Fleisch rauslasse. (An dieser Stelle möchte ich Leti und Laura grüßen, denn in solchen Momenten vermisse ich euch noch mehr und wünschte, ich könnte besser Spanisch, um mich zu wehren und zu erklären, aber selbst das wäre wahrscheinlich hoffnungslos, da die Peruaner in dieser Hinsicht völlig ungebildet sind, da sie immer noch glauben, Milch wäre das wichtigste Nahrungsmittel der Welt und ohne Fleisch fehlen einem doch ALLE Nähstoffe. Man fühlt sich fast wie ein Ausgesetzter und richtig schlecht, da man das verneint, aber ich bin hier schon seehehr tolerant.) 

Jedenfalls ist das alles hier herausfordernd, sowohl körperlich als auch mental. Ich habe wirklich kein Problem damit, meine Ansprüche herunterzuschrauben und ich habe auch keine Erwartungen gehabt und bin offen hierher gekommen, aber trotzdem sind so Sachen wie die Tatsache, dass hier zum Beispiel generell kein Klopapier benutzt wird und es teilweise nicht einmal möglich ist, absolute Grundbedürfnisse wie Schlaf, Essen, WASSER, Toilette und Hygiene zu erfüllen, echt echt hart. Schöne Grüße hier auch an alle, die mir nette Tipps mit auf die Reise gegeben haben und gesagt haben, ich soll mir immer die Hände vor dem Essen waschen, danach, wenn man nach Hause kommt etc. und nur gewaschenes Obst essen und so weiter und so fort: das ist schlichtweg nicht möglich. Dann könnte ich Noe was essen oder trinken. Zum Glück verträgt mein Magen bis jetzt alles und ich habe keine Probleme. 

Am Dienstag war auch mein erster Arbeitstag und aus irgendeinem Grund, gab es keinen Unterricht für die Kinder, sondern nur die Omas und Opas waren da. Deshalb musste ich dann mit denen arbeiten, was aber nicht wirklich möglich war, da sie ausschließlich Quechua gesprochen haben dazu noch genuschelt haben wie sonst was. Außerdem ist ihre einzige Beschäftigung das Malen und Sticken, wobei ich natürlich nicht gerade benötigt wurde. Nach vier Stunden des Rumsitzens war dann also Mittagspause, aber da ja keine Kinder für den Nachmittag kamen, gab es irgendwie keine Arbeit, aber man hat mir auch nicht gesagt, was ich machen soll. Also saß ich drei Stunden mit Ruth, der 21-jährigen Putzfrau, die mir leider überhaupt nicht sympathisch ist, weil sie mir zu aufdringlich und körperlich ist, vor dem PC und habe mich weiter gelangweilt, während sie irgendwelche Videos auf YouTube geschaut hat. 

Später ist dann meine Fassade endgültig gesprochen und ich konnte einfach nicht anders als zu weinen, weil ich weder wusste, was ich machen sollte, noch irgendwen verstand, mir kotzübel war und ich einfach komplett überfordert mit der Welt war. Señora Juana hat mich dann versucht zu trösten und mit mir meinem Wochenplan erstellt. Dann konnte ich zum Glück nach Hause gehen, weil ich wirklich nicht wusste, warum ich an dem Tag da war. 

Am Mittwoch war schon ein viel besserer Arbeitstag, denn vormittags war ich mit vier Kindern beschäftigt, mit denen die Arbeit wirklich Spaß gemacht hat! Sie sind einfach so süß und bewundern mich für meine Haut, meine Haare und generell alles. Die habe ich auch super verstanden und ich konnte ihnen bei ihren Aufgaben helfen. Außerdem waren sie ganz aus dem Häuschen, als sie erfahren haben, dass ich ihnen Karate beibringen werde. Das konnten sie alle gar nicht abwarten. 

An dieser Stelle muss ich auch sagen, dass mir persönlich es gar nicht so auffällt, dass ich so anders bin, aber nach etwas Überlegung mir aufgefallen ist, dass ich wahrscheinlich die einzige Person weit und breit bin, die blond, hellhäutig und groß ist. Jede Verkäuferin, jeder Fußgänger oder einfach Personen, denen wir begegnen, sprechen mich an und fragen mit, wo ich herkomme, wie ich heiße, wie alt ich bin, was ich hier mache und wienlange ich hier sein werde. Das ist schon äußerst seltsam, ich musste auch schon für zwei Fotos posieren. Ich werde echt immer lustig angeschaut. Aber genauso interessiert schaue ich wahrscheinlich die Frauen in ihren bunten Trachten an oder die super süßen Kleinkinder, die hier über die Straße stolpern. 

Jedenfalls war der Vormittag ganz gut, auch wenn einer der Kinder, der kleine Kimi, irgendwie einen schlechten Tag hatte, überhaupt nicht reden wollte und auch nicht seine Aufgaben machen wollte. Irgendwann hat er angefangen zu weinen, hat aber nicht geredet und ich wusste nicht warum. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte haben wir seine Hausaufgaben weiter gemacht, was echt anstrengend war und ewig gedauert hat. Die anderen drei haben sich derweil mit den Fotos auf meinem Handy begnügt.

Danach wollten wir eigentlich zum Schwimmbad, wo die Senioren waren, aber irgendwie konnten wir sie nicht finden, also sind wir wieder umgedreht. Die Kinder am Nörgeln und ich bedacht, keinen zu verlieren. Da also der Sport ausgefallen ist, haben wir Farben auf Englisch geübt und Tiernamen übersetzt.

Nachmittags kommen dann immer die älteren und ich sollte einem Jungen bei Mathe helfen. Das war mir aber schlichtweg nicht möglich, da ich die ganzen Wurzel, Brüche und so fort Begriffe einfach nicht auf Spanisch kann und schon gar nicht erklären kann, wenn sie etwas falsch machen, warum es falsch ist. Ich sollte mir dann einfach aus dem Stegreif Aufgaben ausdenken, dabei wusste ich ja gar nicht, was sie können oder was sie in der Schule gemacht haben. Der eine Junge ist in der Abschlussklasse und es hat mich echt schockiert, was die hier rechnen. Die haben noch nie von Graphen gehört und das Schwierigste was sie lösen können sind Brüche zu multiplizieren und eine Wurzel auszurechnen. Aber sie verwenden weder Buchstaben noch haben sie jemals von Graphen gehört. Dementsprechend schwierig war das Ganze für mich und ich habe nach den völlig sinnlosen Stunden gesagt, ich will wenn dann zu den Kleinen oder nur noch Englisch machen. Ich habe nämlich nur rumgegammelt und verzweifelt nach Wörtern gesucht um die Aufgaben zu erklären. Aber irgendwie konnte er mich auch überhaupt nicht verstehen, wenn ich dann mal einen Satz rausgebracht habe und ich habe zu ihm gesagt, das nächste Mal soll er sein Buch mitbringen, weil ich kann ihm nicht ausgedachte Aufgaben geben, von denen er keinen Plan hat, wie man die rechnet. Also das Schulsystem der ist echt eine Katastrophe und das Niveau ein Witz, leider. Er wollte mir tatsächlich erklären, dann man 10x^2 mit 4x zu 14x^2 addieren kann. 

Abends waren wir dann noch mit dem Auto in Andahuaylas, weil Anghelos Computer zur Reparatur musste und wir waren noch irgendwas einkaufen, nur nicht das, was wir eigentlich gebraucht hätten… wie z.B. Klopapier. Im Allgemeinen finde ich es schrecklich, dass sie mir erzählen, dass sie auf der einen Seite kein Geld haben und auf der anderen Seite selbst die 100 Meter (wirklich nicht mehr als 2 Minuten zu Fuß, wenn überhaupt) zum CEDIF (der Arbeit) mit dem Auto fahren. Bzw. fährt der Vater uns dahin und holt uns wieder ab. Mit Pünktlichkeit kennen die sich hier auch nicht wirklich aus, wir kommen und gehen einfach wenn wir wollen und es uns in den Kram passt, hab ich das Gefühl.

Am Donnerstag war eigentlich so der beste Tag der Woche, denn ich war nicht mehr alleine mit den Kindern, sondern die Lehrerin Profesora Liz, mit der ich ab jetzt immer zusammenarbeiten werde, war da und wir waren zu zweit. Wir waren mit den Kiddies, weil keiner Hausaufgaben hatte, an einem Fluss und haben „Der Fuchs geht um“ gespielt, ein bisschen Karate gemacht, was aber für mich super anstrengend war und die Kinder, heute sieben an der Zahl, im Fluss speilen lassen, während wir uns super unterhalten haben. Señora Liz ist wirklich unglaublich lieb, die erste Person, die sich wirklich mit mir unterhalten hat und einfach total nett war! Das war echt super schön und ich bin froh, ab jetzt mit ihr zusammen zu arbeiten. Sie verstehe ich nämlich auch am Besten von allen. 

Am Nachmittag war ich dann erst bei den ganz kleinen Erstklässlern zum Helfen und danach wieder bei den Großen, nur diesmal für Englisch, was viel viel besser war und wobei ich auch wirklich helfen konnte. Allerdings ist das Englisch der Jungs größtenteils echt miserabel, obwohl sie in der Abschlussklasse sind und mein kleiner Zweitklässler besser Englisch spricht.

Die Tage und die Arbeit machen mir also echt Spaß und beschäftigen mich gut, sodass ich danach echt müde bin. Nur die Abende sind immer gleich gewesen, ich lag heulend im Bett und hab meine Mutter wachgehalten. 

Jedenfalls war am Freitag schon wieder Feiertag, also keine Arbeit, und erst hieß es, wir würden auf ein Fest fahren, weswegen wir um vier Uhr aufstehen müssen. Am Abend zuvor hat es allerdings geregnet und man hat mir gesagt, dass wir deshalb nicht fahren. Am Freitagmorgen wurde ich dann trotzdem mit lauten Schreien geweckt und hatte fünf Minuten, um mich mitten in der Nacht fertig zu machen. Dementsprechend unvorbereitet war ich dann auch, aber ich habe wenigstens an meine Tablette und Desinfektionstücher gedacht, die mir noch heilige Dienste leisten sollten.

Wie der Tag dann ablief, berichte ich das nächste Mal.

Emily

3 Kommentare

Mit dem Bus durch die Anden

Am Samstagabend war es endlich so weit! Die Reise nach Andahuaylas ging los - endlich, nach zwei Wochen in Lima. So langsam wollte ich nämlich wirklich wissen was mich erwartet; wie meine Gastfamilie ist, wo ich leben und arbeiten werde und wie die Arbeit ist. Immerhin waren die Wochen bei Jens ja echter Luxus, den konnte ich in den kleinen Städtchen mitten im Nirgendwo nicht erwarten. Nachdem auch Abfahrtszeit sich tausend mal geändert hat und man sich schließlich darauf verständigt hat, dass man sich um vier am Büro trifft, hieß es für mich am Vormittag packen und die letzten Stunden noch entspannen und genießen. Außerdem war ich natürlich für die Reise Proviant einkaufen, um den ich wirklich wirklich sehr froh war. 

Man muss sagen, die peruanischen Reisebusse sich wirklich unerwartet komfortabel. Man hat echt viel Beinfreiheit, mehr als in jedem Flugzeug, es gibt (eigentlich) eine Klimaanlage, man bekommt eine dicke Decke und es wird sich echt Mühe gegeben, die Reise angenehm zu gestalten. Man kann sich das so ein bisschen wie beim Fliegen vorstellen, denn vorher muss man auch durch einen Mini-Sicherheitscheck und sein Gepäck aufgeben; bei Übergewicht muss nachgezahlt werden. 

Ich war wirklich unglaublich nervös, weil die anderen natürlich nicht um vier Uhr wie verabredet am Büro auftauchten, sondern eine halbe Stunde zu spät. Mir ging echt die Düse und ich habe den Bus schon ohne uns abfahren gesehen. Immerhin fehlte auch noch Edwin, der uns auf der Fahrt begleiten sollte und die Taxis waren auch noch nicht da. Totales Chaos also und da selbst der Präsident der Organisation nervös war, waren wir umso mehr verunsichert. Naja, fragt mich nicht wie, aber schlussendlich haben wir es dann doch noch pünktlich zum Busbahnhof geschafft, nachdem wir uns irgendwie mit in drei Taxis gequetscht haben (wir waren was weiß ich wie viele Menschen plus Gepäck für die doppelte Menge an Personen). Am Bahnhof war dann tatsächlich sogar noch Zeit für Fotos - natürlich muss das sein - und wir mussten ewig warten, weil sich die Abfahrt ja doch etwas verzögerte. 

Optimistisch gestimmt aufgrund des unerwarteten Komforts ging also die Fahrt um ungefähr halb sieben los, obwohl man uns gesagt hatte, er würde um fünf abfahren. Nach der ersten halben Stunde wurden auch schon erneut Passagiere aufgenommen und es war echt deprimierend, weil man immer noch in Lima war, aber schon gefühlt ewig in dem Bus rumsaß und sich aber nicht von der Stelle bewegt hat. 

Leider war die Fahrt dann doch nicht ganz so angenehm und mir war die ganze Zeit schlecht, es war unmenschlich heiß (27°!!!) und ich konnte überhaupt nicht schlafen, weil jede Position weh tat.  Pausen gab es übrigens nicht, dafür aber wenigstens ein funktionierendes Klo an Board. Also so richtig dolle war es nicht, aber mein Proviant hat mich gerettet. Wie zu erwarten kamen wir natürlich auch verspätet in Abancay an (halb zwölf muss es ungefähr gewesen sein) und mit uns war absolut nichts mehr anzufangen. Müde, hungrig, ungeduscht, viel zu warm angezogen und mit üblen Kopfschmerzen kamen wir also in dem neuen Zuhause der anderen an. Da empfing uns Sarah, eine weitere Freiwillige, die schon einen Monat in Peru ist. Leider wurde aber aus den Duschen für alle nichts, da das Wasser leer war und das bedeutete: kein Wasser mehr, weder für die Klospülung, noch die Dusche noch das Waschbecken. Man konnte also nicht mal Hände waschen, aber gut. Ich hatte derweil ganz andere Probleme, da sich herausstellte, dass die ursprünglich gedachten 183 Tage Aufenthaltesrecht nur 90 sind und ich somit ein Visumsproblem habe. Das ganze Drama jetzt detailliert niederzuschreiben würde den Rahmen sprengen und ich habe auch gar keine Lust mich erneut darüber zu ärgern, deswegen lass ich das. Ich war auf jeden Fall froh, dass Sarah das gleiche Problem hat und mit der gleichen unfähigen Organisation hierher gekommen ist. 

Nach dem Mittagessen war ich komplett fertig mit der Welt, meine Kopfschmerzen nackten mich komplett aus die Sonne knallt hier in diesen Höhen wie verrückt, weshalb ich mich trotz angenehmen Temperaturen in mein Zimmer verzogen habe und etwas in mein Reisetagebuch geschrieben habe. 

Ich bin auch echt früh ins Bett gegangen, weil ich einfach nicht mehr konnte und wollte und habe darauf verzichtet, mit den anderen IceAge 4 zu schauen, was meiner Meinung nach kein sonderlicher Verlust war.

Am nächsten Morgen bin ich unangenehm früh aufgewacht und habe eigentlich auf Wasser gehofft, aber das gab es leider immer noch nicht. Eigentlich wollte Edwin auch um 9 Uhr fertig sein mit dem Abliefern der Anderen an ihren Arbeitsstellen, um mit mir nach Andahuaylas zu fahren. Aber daraus wurde natürlich auch nichts. Clara, Linda und ich warteten also, ohne zu wissen wann er auftauchen würde. Wir warteten, und warteten und warteten. Eigentlich wollte er die beiden um halb neun abholen, da sie ja auch zu Arbeit mussten, aber um halb zwölf war er immer noch nicht wieder da. Ich war schier am Verhungern, weil wir auch nicht das Hausverlassen konnten, um was zu kaufen, da wir ja nicht wussten, wann er kommen würde und ich keinen Schlüssel hatte.Eigentlich sollten die beiden nämlich auch ihrer Arbeit essen. Wir haben uns also mit Kartenspielen vergnügt und ich habe irgendwann entschieden, mit dem Schlüssel von Clara loszuziehen um Wasser und Obst zu kaufen. Das hat uns auf jeden Fall mal ein Stück weitergebracht. Ich habe, nachdem es dann auch wieder Wasser gab, mich dann doch zu einer Dusche entschieden, obwohl ich kein Handtuch dabei hatte und mir eines ausleihen musste, dass nach gestunken hat, als hätte man zuvor damit den Hund abgetrocknet. Aber gut, besser eiskaltes Wasser und ekliges Handtuch als gar nichts. Danach hab ich angefangen bei Edwin Terror zu machen und ihm Nachrichten zu schreiben. Als er dann meinte er kommt in einer halben Stunde, rechneten wir aber nicht wirklich damit, was sich auch bewahrheiten sollte. Irgendwann gegen halb eins kam er dann, die anderen waren anscheinend auf dem Markt, weil gestreikt wurde und nicht gearbeitet und uns hat man einfach nicht Bescheid gesagt. Ich bin dann auf jeden Fall mit Edwin was Essen gegangen, die anderen beiden haben auf ihre Arbeit verzichtet und sind beleidigt in die Stadt losgezogen und wir konnten endlich die Fahrt antreten. Die hat natürlich auch länger als gedacht gedauert, was sonst. War auch wieder ziemlich heiß, diesmal ziemlich eng und ungemütlich, aber wenigstens bin ich mal endlich in Andahuaylas angekommen. 

Da hat mich Edwin dann abgeladen, nachdem es glaube ich ein paar Missverständnisse gab (hab nicht alles verstanden), weil die Gastmutter nicht mal wusste, dass ich an dem tag ankomme. Ihr hat niemand Bescheid gesagt. Ich hatte aber irgendwie verstanden, dass es Probleme gab mit vorherigen Freiwilligen und sie mich nicht haben will oder so. Auf jeden Fall hatte ich dann einfach mega Angst, ich war müde, verstand nichts und mir war einfach nur zum Heulen zumute. Ich weiß immer noch nicht, was das Problem war, aber ich durfte auf jeden Fall da bleiben ;P Der Sohn Anghelo hat mich auch direkt super herzlich empfangen und mir alles gezeigt, was meine Aufgaben sind und so weiter. Den Vater verstehe ich dagegen überhaupt nicht, der nuschelt richtig krass und die Mutter verstehe ich auch nur, wenn sie langsam spricht. 

Jedenfalls haben sie mir dann noch mein Zimmer gezeigt, das echt riesig ist. Ich habe ein Bett mit ganz vielen Decken, drei Stühle und tausend Kisten und Eimer mit irgendeinem Zeug drin, das mich aber nicht weiter stört. Was mich viel mehr stört ist der dumme Gockel, der jeden Morgen um kurz vor sechs anfängt zu krähen. Naja, jedenfalls gibt es manchmal sogar WLAN und warmes Wasser. Also alles gut, auch wenn man das Bad nicht als viel mehr als eine Nasszelle bezeichnen kann. Es hat nichtmal eine Tür, nur einen Vorhang, wenn man duscht steht das ganze Bad unter Wasser und irgendwie hat man nicht mal Platz um seine Klamotten und sein Handtuch irgendwo hinzustellen. Das Klo ist sozusagen fast unter dem Waschbecken und dieses wiederum hängt fast in der Dusche, da die Dusche ja fast alles ist. Gut egal, ich lebe sogar komfortabler als die drei selbst, denn die wohnen zusammen in einem Zimmer, nur mit Vorhängen voneinander abgetrennt. 

Am Dienstag fängt dann die Arbeit an, ich berichte wieder.

Emily

mehr lesen 1 Kommentare

Andere Freiwillige und dasselbe Seminar nochmal...

Am Donnerstag um 9 Uhr stand für mich wieder ein Treffen mit der Organisation an. Das Programm am Donnerstag und Freitag war wirklich exakt das Gleiche wie am Montag, und ich frage mich echt, warum ich am Montag kommen musste... Das war einfach überflüssig und blöd geplant. Diesmal waren wenigstens auch die anderen fünf Freiwilligen aus Deutschland da, sodass ich nicht komplett hilflos und auf mich alleine gestellt war. In deren Gegenwart habe ich mich sogar direkt viel besser gefühlt, weil ich von uns allen noch am meisten verstanden habe und am besten reden konnte ;P Tatsächlich merke ich auch, dass ich mit jedem tag sichrer im Sprechen wurde und mehr verstehe. Das lag aber auch daran, dass Ana, die Koordinatoren, in Anwesenheit der anderen vieeel langsamer und deutlicher als am Montag gesprochen hat - zum Glück! Alles war auch direkt viel formeller; die Mitarbeiter trugen Westen mit deren Logo, der Präsident hat eine Rede geschwungen, die auf Englisch übersetzt wurde und wir haben Mappen mit Informationsmaterialien bekommen. Generell scheint mir diese Organisation zwar etwas unkoordiniert, aber ich denke mal das ist irgendwie teil des peruanischen Lebensstils. Informationen werden nicht direkt weitergegeben und irgendwie hat keiner so genau eine Ahnung, was wann mit wem passiert. Nachdem es am Montag hieß, wir fahren am Dienstag, hieß es dann wir fahren Freitag und jetzt fahren wir erst Samstag. Die anderen werden in Abancay arbeiten, einer Stadt drei Stunden von andahuaylas entfernt, wo ich glaube ich die einzige sein werde. Mit Elwin, einem ultra verrückten Mitarbeiter dessen Arbeit mir ein Rätsel ist, fahren wir also am Samstag um fünf nach Abancay, kommen Sonntagmorgen dort an und liefern die anderen ab. Am Montag nach dem Mittagessen fahre ich dann mit ihm weiter nach Andahuaylas und am Dienstag fange ich an zu arbeiten. Das wird spaßig, nicht mal einen Tag zum Akklimatisieren zu haben... Immerhin liegt das Örtchen auf knappen 3.000 Meter Höhe. Aber gut...

ZU dem eigentlichen Ablauf gibt es soviel zu sagen, dass wir genau das Gleiche wie am Montag gemacht haben und ich mir den ganzen Quatsch zum zweiten Mal anhören musste. Teil des Programms waren viele Spielchen, Vertrauensübungen, Präsentationen über Peru, die Einrichtungen, die Entwicklung der Kinder in verschiedenen Altersstufen, Viele Mal- und Bastelgeschichten, Projektplanung und Vorbereitung auf die Arbeit und so ein Zeug. Alles wurde feinsäuberlich gefilmt und sofort auf Facebook geteilt (wer sich für die ulkigen Spielchen und eigens angefertigten Kunstwerke von uns interessiert kann also gerne die Facebook-Seite von ONG Aprode Peru besuchen, da kann man literally live miterleben, was wir den ganzen Tag so veranstaltet haben). 

mehr lesen 2 Kommentare

7 Stunden später bin ich auch nicht viel schlauer...

Mein Schädel brummt wie verrückt, ich bin todmüde und nicht besonders schlauer als zuvor, obwohl ich den ganzen Tag in dem Büro der NGO verbracht habe und mich 7 Stunden ausschließlich auf Spanisch habe beschallen lassen. Es war echt mega anstrengend und frustrierend zugleich, weil ich von all dem, was Ana, die Projektkoordinatorin, mir und Stalin, einem anderen Freiwilligen aus Piura, einer Stand im Norden Perus, erzählt hat kaum etwas verstanden habe. Von antworten ganz zu schweigen. Ich war einfach total überfordert und kam mir total blöd vor. Denn natürlich hat Stalin einwandfrei Spanisch gesprochen und hatte kein Problem Anas Worten zu folgen und auch meine Versuche, sie zu bitten etwas langsamer zu sprechen, haben nicht viel Wirkung gezeigt. Die ganzen Spielchen und Übungen, Aufgaben und Informationen waren für ihn auf Spanisch natürlich kein Problem, denn auch wenn er nach Deutschland für seine Freiwilligenarbeit geht, durfte er alles auf Spanisch machen so wie ich ebenfalls, aber mein Spanisch reicht halt einfach noch nicht um Tabu oder irgendwelche Karateübungen zu erklären. Das war echt frustrierend und ich war teilweise echt verzweifelt. (Kurze Anmerkung: er lernt aber gerade etwas Deutsch und hat am Anfang ein bisschen mit mir geredet und mir seinen Instagram-Account gezeigt, die peruanische Landkarte und seine Heimatstadt, seine deutschen Freunde von vorherigen Projekten, denn er hat schon Erfahrung mit Freiwilligen Arbeit und ist auch schon 27, und so weiter und sofort. Also er war schon echt nett, aber ich war einfach mit allem total überfordert, weil auch alles so neu war, ich kannte niemanden und mir wurden einfach komplett unerwartet Aufgaben gestellt, über die ich mir vorher gerne Gedanken gemacht hätte). Z.B. sollten wir erst Ideen sammeln, was wir mit den Kindern für Projekte starten wollen und diese dann in einen Work-Plan eintragen, sodass sie wissen, was wir so die ganze Zeit mit den Kindern treiben. Und das hieß nicht, Ball speilen ist mein Projekt, sondern wir sollten schon für jede Woche irgendwelche speziellere Dinge planen, wie Wettkämpfe oder so was. Darauf war ich einfach überhaupt nicht vorbereitet und so spontan ist mir auch nicht wirklich was eingefallen, geschweige denn wusste ich, wie man das alles auf Spanisch sagt. Glücklicherweise spricht ein so ein Praktikant ein bisschen Englisch und hat mir dann bei der Erstellung des Plans geholfen, aber trotzdem war es echt schwer, sich ordentliche Ideen einfallen zu lassen. Ich dachte das kann man so auf sich zukommen lassen.

Jedenfalls war ich dann echt deprimiert und total fertig nach dem ganzen Quatsch und wusste auch immer noch nicht viel mehr über meine Gastfamilie, das Projekt und die Fahrt nach Andhuaylas, ich kannte die anderen Freiwilligen noch nicht, hatte keine Handynummern von irgendwem und war einfach total... keine Ahnung, einfach so überfordert und ratlos. Ich bin einfach nicht viel schlauer, aber sie wollen mir noch eine Email mit allen wichtigen Informationen schicken. Ich hoffe das passiert dann auch demnächst und dann ml sehen.

Jetzt ist dieser Eintrag irgendwie total traurig geworden, was er eigentlich gar nicht sein sollte, weil die Leute da echt nett sind und mich allein die Tatsache, dass die Organisation existiert, echt beruhigt hat, hahaha. Mir geht es aber echt richtig gut hier, mir gefällt es super, bei Jens zu wohnen ist der Glücksfall überhaupt und ich bin echt positiv gespannt auf das, was mich erwartet. Die Sprachprobleme sind ja ganz normal und ich denke, das wird mit der Zeit auch schnell besser. Ich gebe mir auch echt Mühe und notiere mir ganz viele neue Wörter um sie mir zu merken. Ich bin auch echt froh darüber, dass ich hier so viel erleben darf und mir schon so viel anschauen konnte. 

Es soll auch gar nicht so rüberkommen, als fände ich diese Ungewissheit so schlimm, die stört mich eigentlich am wenigsten und hat mich auch heute gar nicht so fertig gemacht. Es war glaub einfach anstrengend, weil alles auf Spanisch war und so schnell geredet wurde. Das war das Hauptproblem, warum ich mich neben Stalin so schlecht gefühlt habe. Dass die so unorganisiert und langsam in allem sind finde ich echt nicht so schlimm, ich vertraue denen da, dass die das ordentlich hinbekommen, immerhin haben die das ja schon ein paar Mal gemacht. Auch wenn man die meisten Informationen eigentlich nur bekommt, wenn man zum fünften Mal nachfragt hahaha.

so, damit Ende ich das ganze hier und sage nur: mir gehts super, macht euch keine Sorgen, es war nur anstrengend und eventuell klingt der gane Artikel deshalb so melodramatisch, weil ich ihn erst heute (am Samstag) schreibe, weil ich es davor einfach nicht geschafft habe und meine Erinnerung nicht mehr ganz frisch ist und ich den tag jetzt mit den anderen danach vergleichen kann. Das Hirn trickst einen ja immer ein bisschen aus mit dem, was man so in Erinnerung behält und was für Gefühle man mit dem tag verbindet wenn man so rückblickend draufschaut.

Also bis denne, 

Emily

1 Kommentare

Hardcore-Sightseeing am Wochenende

Samstag, 26. August:

Auf dem Inkamarkt konnte ich tatsächlich einen typisch peruanischen Alpaca-Pulli ergattern und schlussendlich blieb das auch der einzige Kauf auf diesem Markt, obwohl ich am liebsten noch viel mehr gekauft hätte. Die Taschen, Pullis, Schale, etc. sind einfach so schön! Nicht so vollgeschrieben mit Peru, Peru, Peru so wie an den ganzen Souvenirständen in Europa. Stattdessen gibt es wirklich geschmackvolle Taschen und Rucksäcke, die man auch nach dem Urlaub noch gut tragen kann, wunderschöne Jacken, die super warm halten sollen und ganz viele Schale und Pullover mit verschiedenen Mustern. Mili ist ganz besorgt, dass ich zu wenige warme Sachen dabeihabe und meinte, ich soll mir für die Nächte noch eine Winterjacke kaufen. Aber ich habe mich dazu entschieden, es bei dem Pullover zu belassen, um unnötige Käufe zu vermeiden. Immerhin ist der Platz in meinem Gepäck ja außerordentlich beschränkt... Und wenn das alles nicht reichen sollte, gibt es in Andahuaylas ja auch Möglichkeiten etwas zu kaufen. Anscheinend soll dort alles super billig sein (tschacka, gut für mich) und nur auf so Märkten verkauft werden. Supermärkte oder Läden gibt es dort nicht hat man mir gesagt, aber das finde ich nicht schlimm, ich finde die Märkte eh viel cooler. :)

Am Vormittag waren wir ja auch noch auf dem Flohmarkt von Isabelas Schule, auf dem echt die Hölle los war. Ich konnte zwei spanische Bücher ersteigern, die mir eine super nette Frau verkauft hat (sie hat mir beide für den Preis von einem gegeben), mit der ich mich auch kurz unterhalten habe. Sie meinte, die Bücher wären leicht zu lesen und auch gut, denn sie hätte sie schon alle gelesen. Ich dachte mir, wenn ich ein Buch auf Spanisch lese, das recht einfach ist, kann ich vielleicht schneller lernen. Mal sehen, ob das hilft.

 

mehr lesen 3 Kommentare

Pachacamac - auf den Spuren der Inkas

AM Donnerstag sind Jens, Izzi und ich nachmittags zum Malecón gefahren, einer Promenade entlang des Pazifiks. Wir sind einfach ein bisschen spazieren gegangen und haben den Blick auf das Meer genossen, aber man kann hier nicht nur entlanglaufen, sondern bei richtiger Wetterlage kann man von hier aus auch mit einem Paraglyder abspringen. Das hätte ich ja sooo gerne gemacht! Man kann einfach einen Tandemsprung machen und über den Ozean und entlang des Ufers fliegen. Das stelle ich mir wirklich hammermäßig vor. 

mehr lesen 4 Kommentare

Jetlag, you hit me hard...

Ich war wirklich überzeugt, mir könne dieser miese fiese Jetlag nichts anhaben und mit meinem ausgeklügelten Plan würde ich diesen Halunken austricksen, aber leider ist dieser nicht so ganz aufgegangen. Nachdem ich gestern den Blogeintrag fertig geschrieben hatte und etwas gelesen habe, war ich plötzlich so müde und ich konnte Meine Augen kaum aufhalten. Also dachte ich, ich meditiere ein bisschen, das ist ja entspannend. Tja, dabei bin ich knallhart eingeschlafen und auch erst zwei Stunden später wieder aufgewacht... Dabei wollte ich gar nicht schlafen! Ich wollte so sehr, dass der Jetlag an mir vorbeigeht. Ich hab mir dann auch von Milli (Jens' Frau) anhören müssen, dass das keine gute Idee war, aber was konnte ich dafür... Abends einschlafen ist kein Problem, aber ich bin immer so früh wach, heute seit 05:30 Uhr. Und am Nachmittag werde ich todmüde. 

genug beschwert und weiter im Text. Jedenfalls waren wir gestern Nachmittag noch in einer Art Café oder sowas und haben einen Tee getrunken, bzw. habe ich meinen runtergewürgt... Ich habe den ekligsten Tee aller Zeiten bekommen, der war so bitter, dass man ihn fast nicht trinken konnte. Glücklicherweise meinte Jens nach einer Tasse, dass er gerne meinen auch probieren möchte und wir doch tauschen sollen. Ich so, na klaro! Sein Kräutertee war nämlich um Welten besser hahaha ;) 

Heute Morgen habe ich dann zusammen mit Jens Izzi in die Schule gebracht und war, wie vorausgesagt, nochmal an meiner neuen Lieblings-Jugueria auf einen Saft. 

Kurz danach hatte Jens dann einen Termin in der Universität für Ingenieure, zu dem er mich mitgenommen hat. Wir wurden von einem Arbeitskollegen abgeholt und sind einmal quer durch das chaotische Lima gefahren. Ich sag's euch, Auto fahren ist hier kein Spaß. Es gibt einfach keine Regeln, keine Schilder, jeder fährt wann und wie er will und generell gilt das recht des Stärkeren. Auf Fußgänger wird auch nicht geachtet, die Autofahrer würden dich knallhart Umbrettern, die werden noch nicht mal langsamer, wenn man über die Straße läuft. Man muss echt immer brutal aufpassen und zehnmal gucken. Nur bei kleinen Kindern sind sie etwas gütiger.

Die Autofahrt war eigentlich ganz interessant, weil man mal ein bisschen mehr von Lima gesehen hat, aber eine schöne Stadt ist es nicht. Kein Haus passt zu dem nächsten, viel ist kaputt und zerfällt oder ist einfach schon sehr alt. Aber wusstet ihr, dass Lima sozusagen mitten in eine Wüste gebaut wurde, die zweittrockenste Stadt der Welt ist und es fast nie regnet, die Luftfeuchtigkeit aber trotzdem hoch ist? Außerdem hat Lima heutzutage knappe 10 Millionen Einwohner, wobei wir bei dem Problem wären, dass die Stadt viel zu klein ist für ihre vielen Einwohner. Da im Westen der Pazifik, im Osten die Anden und im Norden und Süden die Slums die Stadt begrenzen, kann sie sich nicht ausdehnen und kann nur in die Höhe wachsen. Zu hoch darf aber auch nicht gebaut werden, wegen der Erdbebengefahr. Daraus resultiert also das Verkehrsdesaster und der Platzmangel im Allgemeinen. Meiner Meinung nach riecht es auch ziemlich streng und der Himmel ist dauerhaft grau, sodass man die Sonne nicht zu Gesicht bekommt; das liegt allerdings am Winter.

Und während Jens seinen Termin hatte, habe ich mein allererstes richtiges Gespräch auf Spanisch geführt! Was für ein Erfolgserlebnis! Auch wenn es nicht sehr tiefgründig war, immerhin ein Anfang. 

Auf dem Rückweg habe ich dann auch endlich Geld holen können und anschließend haben wir Izzi wieder von der Schule abgeholt. Was wir heute Nachmittag noch machen und ob überhaupt, weiß ich noch nicht, ich berichte dann morgen.

Emily

1 Kommentare