Machu Picchu buchen ist wirklich kompliziert...

Weil viele mich fragen wie es mir so geht, hier ein Update zu meiner nicht enden wollenden Krankheitsstory. Meinen Kopfschmerzen des vergangenen Sonntags half es sehr, einfach von mittags bis zum Montagmorgen durchzuschlafen. So konnte ich wieder zur Arbeit starten, denn es ging mir wieder gut. Ein bisschen schwach und langsam fühlte ich mich, aber das lag glaub eher an der unfreiwilligen Diät, die ich die letzten Tage eingelegt hatte. Mein Magen hat sich aber tatsächlich wieder vollständig erholt, dafür ist aus anfänglichem Hüsteln ein ordentlicher Husten geworden. Das ist aber verkraftbar. Also abgesehen davon geht es mir gerade ganz gut. :)

So, nun zu den Geschehnissen der letzten Woche. Gefühlt ist einiges passiert, denn die Woche war ziemlich stressig. Nicht wegen der Arbeit, sondern wegen allem, was drum herum passiert ist. Unsere Stunden im CEDIF verbrachten wir nämlich ab 13 Uhr nur wartend am Handy. Von Mittwoch bis Freitag gab es für die Kinder am Nachmittag mal wieder gar keine Betreuung. Auch Montag wurden sie eine halbe Stunde später nach Hause geschickt, da Liz’ Geburtstag gefeiert wurde. Von jedem Mitarbeiter wurde 1 Sol eingesammelt und Inka-Cola und Torte gekauft. Ihr wurden Glückwünsche ausgesprochen und gesungen, auch ein Geschenk gab es. Sogar die Kinder wollten am Vormittag unbedingt ein Geschenk für sie kaufen, total goldig. So bekam sie knallpinken Nagellack, ein kitschiges Armband und eine Kette mit passenden Ohrringen. Liz hatte ja sehr gut darauf geachtet, dass wirklich jeder von ihrem Geburtstag Bescheid weiß. Mich beschäftigte an diesem Tag viel mehr, dass das WLAN, das ich nach dem Wochenende im Nirgendwo so dringend brauchte, nicht funktionierte und sich auch keiner darum zu kümmern schien. Bis auf Montag, wo das WLAN nicht funktionierte, nutzten wir aufgrund des Mangels an Arbeit das Internet aus und verbrachten den ganzen Nachmittag an unseren Mobilfunkgeräten. Nur am Dienstag sollten wir eine halbe Stunde lang auf eine Gruppe aufpassen. Am Mittwoch konnte ich so endlich mit meinen Eltern telefonieren! Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Verbindung zustande kommt, aber es klappte richtig gut, wir hatten sogar Bild. Es tat mir unglaublich gut nach etlichen Wochen mal wieder mit Zuhause zu telefonieren. Unter anderem hatte sich nämlich das Problem ergeben, dass mein Laptop mir am Dienstag offenbarte, dass nur noch ca. 2 GB Speicherplatz übrig seien. Na super… denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen vollen Speicher, da ich ja noch lange nicht fertig bin mit Fotografieren. Also hab ich irgendwelche Filme gelöscht, die ich anscheinend drauf hatte, was mir 10 GB mehr Speicher verschaffte. So ein Mist ehrlich, jetzt muss ich mir hier noch eine Festplatte besorgen, wo ich dich überhaupt keine Ahnung von sowas habe… Am Donnerstag wollte ich mit Jasmin telefonieren, doch da klappte es mit der Verbindung lange nicht so gut. Leider waren uns nur einige Minuten vergönnt, danach brach die Verbindung immer wieder ab und meine Witze verhallten irgendwo zwischen Peru und Deutschland… So ein Müll. 

Naja, zurück dazu, warum die Woche so hektisch war. Dies rührte daher, dass unsere Kollegen plötzlich von einem unglaublichen Ehrgeiz gepackt wurden, was Fußball angeht. Sie verabreden sich ja des Öfteren mal Freitagnachmittag nach der Arbeit zu einer Partie, doch diese Woche sollten wir plötzlich mitkommen und sie wollte außer Donnerstag jeden Tag spielen gehen. Das war mir eindeutig zu viel. Am Montag war ich noch dabei, aber zugegeben, es machte mir nicht wirklich sonderlich viel Spaß. Die Peruaner können einfach nicht verlieren, was dazu führte, dass ordentlich gefoult wurde und besonders Ruth mit einer nicht unbedeutenden Aggression spielte. Regelmäßig schrie irgendwer vor Schmerzen auf oder lag auf dem Boden. Ich berührte so gut wie nie den Ball, was zum Einen daran lag, dass ich irgendwie immer am falschen Ort stand und zum Anderen daran, dass wenn er mal auf mich zuflog, ich den Ball trotz hochgerissenem Bein nicht traf. Einwurf wurde mir auch nicht zugetraut, stattdessen wurde immer geschrien, ich hätte den Ball noch berührt. War nicht der Fall, das hätte ich gewusst. Aber egal. Irgendwann verließ mich die Motivation und ich drehte mich nur noch verzweifelt im Kreis. Ich bin einfach nicht gemacht für diese Sportart. Bis ich reagiert habe ist die Chance schon lange wieder rum. Ich hörte immer nur immer ärgerlicher werdende Rufe mit: „Emily!!! Renn! Schieß!“ und so weiter. Am Ende gewann mein Team trotzdem, keine Ahnung wie, und ich war der Lacher des Tages. Wenigstens hatte ich unverletzt überlebt, die anderen kamen die ganze Woche entweder gar nicht mehr zur Arbeit oder klagten ständig über irgendwelche Schmerzen. Unglaublich wie wehleidig die sind. Die Miete des Platzes wurde nicht, wie zu vermuten wäre, gerecht unter allen aufgeteilt, nein, die Verlierer mussten jeder 3 Sollen zahlen, die Gewinner nur einen. Mein Glück, auch wenn ich nicht viel dazu beigetragen hatte. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich die nächsten Tage nicht schon wieder Lust auf dieses Massacker hatte. Am Dienstag hieß es, würden wir gegen ein anderes Team speilen. Carmen hatte auch nicht so große Lust und so schlichen wir uns nach der Arbeit heim. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine Zeit, denn ein Blogartikel war längst überfällig. Ich konnte mich so schon an manche Dinge nicht mehr erinnern. Zuerst dachten wir, wir wären dem Spiel entkommen, doch da hatten wir nicht mit unseren Kollegen gerechnet. Es kam tatsächlich noch ein Anruf von Liz, in dem sie meinte, wir sollen ganz schnell kommen. Zum Glück konnte ich sie abwimmeln, auch wenn sie etwas beleidigt wirkte. Am nächsten Tag erschein sie erst mittags auf der Arbeit, am Donnerstag gar nicht… Mittwoch ging Carmen tatsächlich wieder mit, ich entschuldigte mich, da ich mich dringend um meine baldige Reise nach Cuzco kümmern wollte. Ich habe nämlich nun die Bestätigung von Aprode bekommen, dass ich nicht zuerst nach Lima zurückkehren muss. Somit kann ich direkt losreisen. Mein erstes Ziel: Cuzco. Dafür buchte ich Machu Picchu (Yeahhh!!! Ich gehe nach Machu Picchu!) vor, meine Übernachtungen und die Züge, die mich dahinrinnen sollten. Die Stadt Auges Calientes, von wo man nach Machu Picchu startet, ist nämlich ausschließlich per Zug zu erreichen. Also verbrachte ich 1 1/2 Stunden im Internet-Café, da die Buchung alles andere als unkompliziert ist und die Planung der Abfolge der unzähligen Sehenswürdigkeiten rund um Cuzco eine logistische Meisterleistung ist. Dazu kommt, dass das erlaubte Gepäck im Zug 5 kg nicht überschreiten darf. Unglaublich, oder?! Jedenfalls dachte ich dann, dass ich alles zusammenhatte und war super glücklich. Ich müsste nur noch in Cuzco an einem Schalter meine Zugtickets abholen und pünktlich überall auftauchen. So einfach war es dann doch nicht wie sich herausstellen sollte. Zudem hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil ich innerhalb so kurzer Zeit, so viel Geld ausgegeben hatte! Das teuerste war mit Abstand die Zugfahrt und ich fühlte mich richtig schlecht. Auf der anderen Seite freue ich mich aber einfach riesig darauf! Ein bisschen Angst schwingt aber auch mit… Ich hoffe einfach, dass alles klappt. Ich weiß einfach nicht wie das so ist alleine rumzureisen.

Am Donnerstag stand dann ein Großputz unseres Zimmers an, ein Telefonat mit Jens, der auch mal Bescheid wissen wollte, wie es so aussieht und wann ich wieder bei ihnen reinschneie. Es ist einfach so unglaublich, was die alles für mich tun und bei ihnen kann ich mir zu 100% sicher sein, dass ich wirklich immer kommen kann und herzlich empfangen werde. So wurde ich auch zu Weihnachten eingeladen und quasi dazu gezwungen, das Fest mit ihnen zu verbringen, was mich wirklich unglaublich froh und glücklich macht. So muss ich Weihnachten nicht alleine verbringen. Immerhin kann ich schon keinen Adventskalender haben, bin an meinem Geburtstag alleine, mir steckt keiner was an Nikolaus in meine Schuhe, ich kann auf keinen Weihnachtsmarkt gehen und so weiter. Schon traurig irgendwie… Aber ich hab noch eine gute Nachricht am Donnerstag erhalten. Mein verschollen geglaubtes Paket ist bei Jens angekommen und wartet nun dort auf mich. Izzy ist schon ganz neugierig und möchte unbedingt das Päckchen öffnen. Anfangs war ich wegen der Einladung zu Weihnachten ein wenig unsicher, da ich mich nicht aufdrängen wollte. Immerhin kommt auch Jens Tochter Svenja aus Deutschland und ich werde dieses Familienfest total sprengen. Aber Jens und auch Milli versichern mir immer wieder, dass ich dort wie zu Hause bin und quasi zur Familie gehöre. Ich kann ihnen gar nicht genug danken. So habe ich zwar weniger Zeit zum Reisen, kann aber „nach Hause“ kommen nach so einer langen Reise. 

Am Freitag war dann ja theoretisch wieder Fußball angesagt, aber um 16 Uhr, als die Arbeit fast zu Ende war, hieß es, wir sollen alle nach Andahuaylas kommen um Chicha zu verteilen. Carmen und ich waren höchst unmotiviert, bekamen aber von den anderen die Anweisung, mit zu müssen. Dort angekommen sagte uns Reneé, dass wir nicht mithelfen müssten. Na super, hatte ich mir schon gedacht. Aber gut, so konnte ich mein Ticket nach Cuzco kaufen und Carmen ein Buch ergattern. 

Meine SIM-Karte hat diese Woche irgendwie rumgesponnen und es hat ständig Geld abgezogen und gesagt, mein Internet wäre alle, obwohl ich es gerade erst aufgeladen hatte und kaum benutzt hatte. Jetzt funktioniert es glaub wieder, hoffe ich zumindest. Die Trulla im Claro Laden konnte mir jedenfalls nicht weiterhelfen. 

Um 22:15 Uhr spielte am Freitagabend außerdem Peru gegen Neuseeland, was ein riesiges Event war. Schließlich geht es um die Qualifizierung zur WM in Russland. Bisher konnten sie ja nicht wirklich glänzen, was sich auch bei diesem Spiel nicht ändern sollte. Es ging 0:0 aus, womit die Chancen für Peru schwinden, denn es war das Auswärtsspiel und ich habe mir sagen lassen, dass Tore dort mehr zählen. Am Mittwoch spielen sie ein weiteres Mal, dieses Mal entscheidet sich wirklich, ob es für sie zur WM geht oder nicht. Wir haben das Spiel übrigens nicht gesehen, da es so spät war und wir keinen Fernseher ein unserem Zimmer haben und unsere Gastfamilie es bei sich im Zimmer ansah. Aber egal, mir war schlafen eh wichtiger. Und unser Fußballtreffen fiel aufgrund des Chichaverteilens auch aus. Mir war’s recht. 

So, jetzt versteht ihr vielleicht, weshalb meine Woche so stressig war. Jeden Tag war ich bis 17 Uhr auf der Arbeit (auch wenn es oft nichts zu tun gab) und jeden Tag war irgendein Programm danach, sodass ich den ganzen Tag auf Achse war. 

Juana habe ich dafür weniger gesehen, da sie die ganze Woche nicht auf Arbeit war und laut eigener Aussage auch nächste Woche noch Urlaub hat. Anscheinend plagen sie heftige Kopfschmerzen, weshalb sie die ganze Woche zu Hause blieb und nur bei ihrer Versicherung und irgendwelchen Ärzten war. Sie meinte, sie hätte noch nie Urlaub gehabt und jetzt würden sie sie dazu zwingen sich auszuruhen. Der Arzt meinte wohl, sie solle sich drei Monate ausruhen… Jedenfalls beklagt sie sich rund um die Uhr über ihre Kopfschmerzen und kam somit nicht auf die Arbeit. An Mittwochabend hat sie dafür wieder für meine Erheiterung gesorgt. Beim Abendessen erzählte ich von meinen getätigten Buchungen, woraufhin sie anfing zu erzählen, dass sie mich vermissen würde wenn ich weg wäre und wenn Carmen gehen würde wäre es noch schlimmer. Ich solle sie immer anrufen auf meiner Reise und ihre erzählen wo ich so bin. Am Besten sollte ich auch noch ihre Tochter in Cuzco besuchen und kennenlernen. Ich bin froh, wenn ich weg bin, da werde ich sie sicher nicht anrufen. Eher blockiere ich ihre Nummer. Also was sie da von sich gelassen hat war wirklich zum schießen… Als ob sie mich vermissen würde? Die ganzen drei Monate hat sie nicht interessiert was ich mache oder wie es mir geht und jetzt auf einmal soll ich sie immer anrufen, obwohl es sie gar nichts mehr angeht. Auch wenn sie im Moment wirklich nett ist und es echt gut erträglich ist hier. Manchmal würde ich sie echt gerne mögen, sie kann richtig liebevoll gucken. Aber bei dem was sie sich alles geleistet hat, ist das echt schwer. Ich hasse sie nicht, aber ich brauche sie nicht länger als nötig in meinem Leben. Man sagt ja immer, man soll sich von allen negativen Personen, die einem Kraft rauben, fern halten. Und sie war schon viel zu lange zu präsent. Trotzdem, in letzter Zeit war sie wirklich ganz nett, wir durften essen, duschen etc. und haben auch nicht ganz alles falsch gemacht. Dafür ist ihr Sohn umso schlimmer geworden. Der lügt, dass sich die Balken biegen. Nachdem wir ein paar Tage WLAN hatten und es praktisch 24/7 an war, wurde heute bei meinem Handy angezeigt, dass das Passwort geändert wurde. Als ich ihn darauf ansprach, war das WLAN sogar an und Carmen konnte es nutzen. Mir sagte er aber, es gäbe keines mehr und NEIN, das Passwort wurde nicht geändert. Als ich ihn nochmal darum bat mir das Passwort einzugeben, sagte er wieder es gäbe keins. Auf weiteres Nachfragen meinte er dann nur irgendwann, er wüsse es nicht, da sein Vater es geändert habe. So ein Pisser, ehrlich. Auch als Carmen und ich beim Frühstück saßen kam er irgendwann reingeschneit und schrie mich an: „Emily, du hast das ganze Brot aufgegessen!“ Dabei hatte ich gerade mal zwei gegessen, Carmen dagegen bestimmt vier. Aber ich wurde angemeckert. Er meint immer er wäre der Schlauste. Als Juana dann kam meinte sie nur, wir sollen neues kaufen gehen. Sie gab uns Geld und die Sache war erledigt. Ich weiß also ehrlich nicht was er hat. 

Samstagabend erzählte Juana uns irgendwelche Gruselgeschichten von der Freiwilligen vor uns, was sie für eine schlechte Gastmutter hatte und wie sehr sie geweint und gelitten hat. Ich glaube, sie wollte uns irgendwie sagen, dass wir es gut bei ihr haben. Aber ich weis einfach nicht, wie viel ich davon glauben kann. Außerdem hasse ich es mit der vorigen Freiwilligen verglichen zu werden. Aber sie wollte gar nicht mehr aufhören zu erzählen, eine Stunde hat sie geredet. Zudem meinte sie noch, dass sie alle am Freitag mit mir nach Cuzco fahren würden, da ihre Nichte dort ihren Abschluss vom Studium feiert. Aber da sie auch am Samstag nach Pampachiri wollten und es natürlich nicht gemacht haben, glaube ich nicht, dass es soweit kommt. Zwar müssen wir auch immer mehr im Haushalt übernehmen, sodass sie eigentlich kaum noch was macht, aber wenigstens trägt sie uns das in einem netteren Ton auf. Zu Küche putzen, kochen, einkaufen und Geschirr spülen kam jetzt auch noch ihre Wäsche auf- und abhängen und Bad putzen. Aber in einer Woche wird sie mal merken, was ich alles für sie gemacht habe. Sie macht praktisch gar nichts mehr außer uns herumzukommandieren und ständig irgendwo hin zu fahren. Andahuaylas, sagt sie immer. Es ist zudem wirklich UNGLAUBLICH wie viel Wäsche diese Familie produziert. Die wäscht jeden Tag so viel Wäsche, das können die drei theoretisch gar nicht alleine schmutzig machen. Aber es hört nicht auf. 

Eine Sache hat mich wieder geärgert diese Woche. Denn sie meinte so: „Stimmt’s, wir haben noch nie Sachen von euch angefasst?“ und hat mit einem „Nein, natürlich nicht!“ genau die Antwort erhalten, die sie hören wollte. Dabei hat sie doch erst Mitte der Woche einfach unsere halbe Ananas gegessen, die Carmen und ich gekauft haben und im Kühlschrank gelagert hatten. Kein Wort darüber, kein Fragen. Ich wollte sie eigentlich unbedingt darauf ansprechen, weil ich es unmöglich finde, aber ich habe mich dann doch nicht getraut. 

Viele fragen auch wie es so mit Gabriele ist, der neuen Freiwilligen. Ein paar Eckdaten: sie ist 57 Jahre alt, ebenfalls Vegetarierin, laktoseintolerant, verträgt kein Weizen, bleibt vier Wochen, spricht kein Spanisch und ist Geologin, die sich ein Jahr Urlaub gönnt. Zudem ist sie eine sehr komplizierte Persönlichkeit. Sie lebt bei einer anderen Gastfamilie, was ich ja glaube ich schon erzählt hatte. Da sie kein Spanisch spricht ist die Kommunikation mit den Kindern etwas schwierig, aber trotzdem will sie ihnen die ganze Zeit Deutsch beibringen, anstatt ihnen englische Wörter zu zeigen… Sie ist also nicht wirklich eine Hilfe, Donnerstag und Freitag war sie auch schon krank und somit gar nicht auf der Arbeit. Samstag war sie trotzdem in Sondor, übrigens ohne uns zu fragen, ob wir vielleicht mitwollen. (Fand ich ein bisschen mies, wir haben sie schließlich auch direkt mit nach Pampachiri genommen.) Generell redet sie auch den ganzen Tag ziemlich viel und glaubt alles besser zu wissen. Deswegen gab es am Mittwoch auch schon eine kleine Auseinandersetzung mit ihr. Sie ist so eine Person, die was Essen angeht sehr kompliziert ist und in ein Restaurant spaziert und nicht etwas von der Karte aussucht, sondern erstmal zum Koch läuft und dem ihren Wunsch aufdrückt. Irgendwas ohne alles. Reis isst sie nämlich auch nicht, was das Essen in Peru etwas schwierig macht. Im CEDIF wird halt nicht extra für uns zwei Vegetarier gekocht, da gibt es halt einfach das, was es gibt. Wenn das Fleisch extra ist, lassen die Köchinnen es schon immer weg. Wenn es halt im Eintopf drin ist, dann muss man es halt rauspopeln. Sie findet das aber nicht in Ordnung und hätte gerne, dass sie für sie etwas ohne Fleisch zubereiten. Ihr Argument war, weil man das Fleisch ja sonst wegschmeißen müsse. Dabei interessiert es sie auch überhaupt nicht, dass sie jeden Mittag ihren kompletten Reis wegschmeißt und morgens nie ihr Brötchen isst, anstatt einfach zu sagen, dass sie weniger oder das gar nicht haben will. Sowas nervt mich. Man kann doch nicht erwarten, dass sich alle einem anpassen, wenn man in eine Einrichtung kommt, wo hunderte von Leuten bekocht werden und zudem noch alle Allesesser sind. 

Naja, jedenfalls gibt es im CEDIF die bescheuerte Regel, dass alle Kinder aufessen müssen. Am Mittwoch hatte Betza, eines der Kinder, alles gegessen, nur die paar Erbsen und Karotten übrig gelassen. Deshalb sagte ich ihr, sie solle auch das Gemüse essen, sie wüsse, dass das nicht ginge. Sie weigerte sich aber strikt und keine Methode half. Gabriele sah uns nur zu und ging einfach irgendwann. Als sie weg war, fing Betza an zu weinen und meinte, ihr würde das Essen schmecken, sie möge nur nicht essen. Ihre Mutter würde sie schlagen, wenn sie Gemüse isst. Nachdem wir sie beruhigen konnten und ihr versicherten, dass ihr hier nichts passieren würde, aß sie ganz von alleine ihr Gemüse… Gabriele bekam das alles ja nicht mehr mit. Später kam sie zu uns und meinte, sie fände es sehr hart, wie wir mit ihr umgegangen wären und ob man uns auch so erzogen hätte. Und dann meinte sie doch tatsächlich: „Genau mit so einem Verhalten zieht man magersüchtige Kinder groß.“, fände sie nicht gut und ging. Mir blieb der Mund offen stehen. 1. wie konnte sie sich anmaßen über unser Verhalten zu urteilen, wenn sie doch selbst gar nichts machte; 2. sie war nicht bis zum Ende da und hat gar nicht alles mitbekommen; 3. weiß sie nicht, wie es im CEDIF abläuft und wir die Kinder unter anderem deshalb zum Aufessen bringen wollen, damit sie keinen Riesenärger von Frida oder sonst wem bekommen und 4. WTF? Wir erziehen magersüchtige Kinder??? Ist die dumm? Das hat mich echt gewurmt. 

In der Mittagspause habe ich wie beschrieben eben mit meinem Eltern telefoniert und musste natürlich erstmal in ein riesiges Fettnäpfchen treten. Ganz zum Schluss von unserem Gespräch kamen wir auch Gabriele und ich erzählte meiner Mutter schockiert von dem Vorfall, ohne zu wissen, dass Gabriele mich beim Telefonieren belauschte. Meine Mutter meinte dann am Telefon irgendwas davon wie alt sie sei und dass sie eben so ein Öko sei. Ich sagte dann, ich könne nicht über sie reden, weil ich nicht wüsse, ob sie mich hört oder gleich um die Ecke kommt. Da schoss sie an, verabschiedete sich und ging einfach mit den Worten: „Ich bin übrigens diese Gabriele.“. Sie grinste in mein Handy zu meinen Eltern und zischte davon. Mir war das so unglaublich peinlich und unangenehm, das kann man sich gar nicht vorstellen! Warum muss auch immer mir sowas passieren? Ich hab mich so über mich selber geärgert, aber auch über Gabriele, die diese Situation durch ihre dumme Aussage am Mittag ja irgendwie provoziert hatte. Jedenfalls war es mir so unangenehm und ich bereute so sehr was ich gesagt hatte, dass ich ihr auf WhatsApp schrieb und mich entschuldigte. Lange kam keine Antwort, doch irgendwann meinte sie, wir würden am nächsten Tag nochmal drüber reden. Aber da war sie ja krank und so kam es nie dazu. Ich wusste nur nicht, wie sie mit der Situation umgehen würde und ob sie es wie eine erwachsene Person nehmen könne. Erst schien es so, doch am Freitag schickte sie mir zuerst ein Bild mit dem Spruch: „Was den einen nährt, bringt den anderen um.“, den ich schon nicht ganz in dem Zusammenhang verstand und auch nicht wusste, was ich darauf antworten solle. Kurze Zeit später kam dann noch hinterher: „Die waren den meisten von uns schon um Einiges voraus.“ OHA! Was soll das denn heißen? Ich habe nicht darauf geantwortet… 

Soviel zu Gabriele und meinen Erlebnissen mit ihr… So ein Mist ey. Ich hab mich richtig über mich selbst geärgert. Naja, kann man jetzt auch nicht mehr rückgängig machen, aber in einer Woche muss ich sie nie wieder sehen. 

Ja, nur noch eine Woche!!! Bzw. jetzt wenn der Artikel online geht sogar nur noch viel weniger als eine Woche und die drei Monate sind schon rum. Ich kann dann endlich anfangen zu reisen und muss mich nie wieder über Juana oder Aprode ärgern. Die nerven mich nämlich so dermaßen, das könnt ihr mir gar nicht glauben. Eigentlich stand dieser Sonntag, der 12.11., schon ewig als Datum für die Alpakaadotion fest. Edwin hatte diese organisiert und uns ganzen Freiwilligen versprochen, an diesem Tag nach Huancabamba zu fahren, um dort jeder einzelne Pate von einem Baby-Alpaka zu werden. Mit Urkunde und allem drum und dran. Wir hätten sie taufen dürfen, wären auf dem Laufenden gehalten worden, wie es sich so entwickelt und hätten mach seiner ersten Schur ein Kleidungsstück aus seiner Wolle bekommen. Wir haben uns alle riesig darauf gefreut und ich war richtig froh, gerade noch dabei sein zu können. Mitte der Woche fragten dann mehrere von uns, wann er kommen würde und so weiter. Keiner erhielt jemals eine Antwort. Am Samstag eröffnete er uns dann, dass er nicht kommen würde und die Adoption verschoben werden würde. Ich war nicht nur sauer und enttäuscht sondern auch richtig traurig, weil ich somit nicht dabei sein werde, obwohl er es mir versprochen hatte und ich mich echt gefreut hatte. Aber er hat mir auch versprochen eine neue Gastfamilie zu finden… Diese blöde Organisation macht einfach nicht ihren Job und kümmert sich überhaupt nicht um uns. Deswegen bin ich auch noch nicht sicher, ob ich zum Abschlussseminar erscheinen werde. Wenn es mir nicht in meinen Zeitplan passt, dann gar nicht. Wenn die sich nicht an Vereinbarungen halten, sehe ich nicht ein warum ich das tun sollte. Ich kann nur jeden vor VoluNation und Aprode Peru warnen! Beides sind Halunken. Und Edwin ist der Größte. Er redet viel, tut nichts, verspricht alles, hält nichts. 

Den extra freigehaltenen Sonntag verbrachten Carmen und ich, da es regnete und zum Chillen einlud, lange im Bett und dann auch nur entspannend zu Hause. 

Am Samstag dagegen konnte ich richtig viel erledigen. Zuerst wuschen wir Tonnen von Wäsche. Ich checkte nochmal meine Unterlagen für Cuzco und wunderte mich, warum immer noch nicht das Geld für Machu Picchu abgebucht wurde. Auf meinem Ausdruck stand nämlich, dass die Zahlung innerhalb von 3 Stunden erfolgen müsse, sonst würde die Reservierung verfallen. Ich dachte halt, über die Kreditkarte würde es automatisch abgebucht werden. Wurde es aber nicht. Also rief ich dort an und die Frau sprach Englisch mit mir, was mich komplett überforderte. Ich bin so an das Spanische gewöhnt, mir fallen so spontan gar keine englischen Wörter ein. Alles in meinem Kopf war durcheinander. Jedenfalls konnte sie mir sagen, dass meine Reservierung tatsächlich verfallen war und ich es nochmal machen müsse oder ich könne meinen Eintritt auch noch einen Tag vorher in Cuzco kaufen. Das war mir aber eindeutig zu riskant. Ich war richtig niedergeschlagen… Es ist wirklich sehr kompliziert mit dieser Machu Picchu Buchung. Ich glaube sie wollen gar nicht, dass man kommt. Gegen 12 Uhr waren wir dann auf der Bank um unsere großen Scheine in kleine wechseln zu lassen und ich stellte fest, dass sie noch eine ganze Stunde offen hatte. Also ergriff ich die Chance, zog Carmen in das gegenüberliegende Internet-Café und machte erneut eine Reservierung. Diesmal wusste ich dank der Dame am Telefon, dass ich die Rechnung innerhalb von drei Stunden bezahlen musste und das am besten bei der Banco de la Nación machte und nicht per Kreditkarte, weil sie da wohl sehr zimperlich seien. Also sprintete ich mit meiner neuen Reservierung zurück zur Bank und bezahlte dort direkt meine Rechnung in bar. Die Frau am Schalter blickte mich mit großen Augen an und ich dachte schon, sie sagt mir, es ist nicht möglich dort zu bezahlen. Sie sah aus als hätte sie das noch nie gemacht und keine Ahnung. Nach einem kurzen Telefonat ging es dann doch und ich konnte zurück im Internet-Café mein schlussendliches Ticket ausdrucken. So hatte mich das Ganze weniger als eine Viertelstunde gekostet, aber wenn man nicht weiß, wie es funktioniert, ist es fast unmöglich an sein Ticket zu kommen. Ich war heilfroh und erleichtert, dass ich dort überhaupt angerufen hatte und herausgefunden hatte, dass meine Reservierung verfallen war. Sonst wäre ich ohne ein Ticket dagestanden… 

Danach war ich auf jeden Fall sehr glücklich und erleichtert. Wir fuhren am Nachmittag nach Andahuaylas und ich besorgte einige Geschenke zum Abschluss. Für Liz Lidschatten, für Anghelo einen Fidget Spinner, da er auf sinnlose Spielzeuge steht, für Juana einen Schlüsselanhänger mit irgendeinem Christusspruch und Schaumküsse und für die Kinder Lollis mit Leuchtstab. Die aus Kressbronn mitgebrachten Karten habe ich auch schon geschrieben, jetzt kann ich mich verabschieden. Danach waren wir noch im Kino und haben uns „How to be Single“ auf Spanisch angeschaut. Überraschenderweise war er echt relativ schwer zu verstehen im Vergleich zu „Pitch Perfect“ und „Colonia Dignidad“. War aber trotzdem gut, ich mag das Kino hier. 

Ich habe im Moment riesigen Spaß daran zu planen und zu überlegen, was ich machen möchte, wenn ich im Januar wiederkomme. Es gibt so viele Dinge, die ich im Moment vermisse… Diese Woche hatte ich aufgrund des ganzen Rumsitzens ziemlich Heimweh, aber mir hilft es zu überlegen, was ich alles vorhabe. Dazu gehören natürlich meine Freunde wiedersehen und so banale Dinge wie einkaufen mit Mama, aber auch einige neue Filme anzusehen, Klamotten shoppen, Praktikum machen, und so weiter. Zudem glaube ich endlich zu wissen, was ich studieren möchte. Der Studiengang heißt Internationale Beziehungen und verbindet alles, was mich interessiert und klingt einfach perfekt! Ich bin absolut begeistert. Außerdem kann man damit genau die Berufe machen, die ich mir vorgestellt habe. Es ist an keiner Privatuni, perfekt! Mein Traumstudium glaube ich also endlich gefunden zu haben, was die Vorfreude irgendwie noch größer macht. 

Jetzt bin ich aber trotz einiger Bammel erstmal gespannt auf meine Reise durch Peru und freue mich riesig, die Sehenswürdigkeiten, die ich bisher nur von Bildern kenne, endlich in echt anschauen zu können! Fünf Wochen habe ich Zeit bis Weihnachen. Ich hoffe das reicht…

Morgen geht’s also los, die letzten fünf Tage brechen an. Ich kann es gar nicht glauben, es ging so unglaublich schnell rum. In einem Monat habe ich Geburtstag!!! Und dann ist bald das Jahr vorbei, krass! 

Traurig, dass die Zeit hier schon vorbei ist, bin ich auf jeden Fall nicht, denn die Arbeit mit Kindern ist einfach nichts für mich habe ich festgestellt. Sie können zwar manchmal echt süß sein, aber meistens gehen sie mir eher auf die Nerven und regen mich auf, weil sie mich weder ernst nehmen, noch auf mich hören noch motiviert sind. Ich könnte einfach ausarten wenn sie sich nicht  bemühen oder sich dumm stellen und ich ihnen ihre Hausaufgaben quasi diktieren muss und sie es trotzdem falsch aufschreiben. Oder wenn sie mich nur auslachen, ignorieren oder anlügen. Es macht einfach keinen Spaß und ich bin, so leid es mir tut, echt jeden Tag unmotiviert und hab gar keine Lust auf die vier Stunden mit den Kindern am Vormittag. Sie sind einfach nur rotzfrech und hören überhaupt nicht auf das, was Carmen und ich sagen. Ich hab mir die Arbeit mit ihnen irgendwie auch anders vorgestellt, aber leider hat es mir nicht so großen Spaß gemacht und ich bin froh, wenn mein letzter Arbeitstag vorbei ist. 

Emily 

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Wenig Arbeit, große Erlebnisse

Die neue Woche begann ich mit den Gedanken: „Nur noch drei Wochen! YEAH!!!“ und „Mittwoch ist wieder Feiertag!“. Vielleicht kann man hieran schon meine nicht vorhandene Motivation erkennen was das Arbeitengehen und weitere Verweilen in Andahuaylas angeht. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Carmen schon total genervt ist von meinen ständigen Gedankenblitzen, in denen ich ihr freudestrahlend eröffne, wie wenig Tage ich nur noch rumkriegen muss. Aber ich freue mich einfach so sehr auf den Tag, an dem ich endlich aus dieser blöden Familie gehen darf und nie wiederkommen muss. Im Moment ist es zwar wirklich ganz erträglich, aber da auch die Arbeit nicht wirklich Spaß macht, hält mich nicht mehr wirklich viel an diesem Ort… Ich hatte mir das echt anders vorgestellt und so sehr auf eine nette Gastfamilie gehofft, in der ich mich richtig wohl fühle, aber das war mir leider nicht vergönnt. 

Wie oben bereits erwähnt, mussten wir eben nur am Montag und Dienstag arbeiten, bis am Mittwoch schon Wiede Feiertag war. Am Montag erfuhren wir zudem, dass noch eine weitere Freiwillige aus Deutschland nach Andahuaylas kommen würde. Wir konnten es beide nicht fassen und waren total sprachlos. Wo solle die denn noch unterkommen? Und was für eine Arbeit solle sie noch machen. Man sagte uns, sie würde nur 4 Wochen bleiben, aber trotzdem waren wir geschockt und hatten nicht sonderlich große Lust auf jemand Neuen. Auf unser Nachfragen hin wo sie leben würde, bekamen wir natürlich keine wirklich befriedigende Antwort. Es hieß nur: „woanders“. Ich machte Edwin aber auch deutlich klar, dass bei uns nicht noch jemand Platz habe und auch Juana nicht noch jemanden akzeptieren würde. Aber anscheinend konnte ja eine andere Gastfamilie in San Jeronimo aufgetrieben werden, weshalb wir natürlich direkt fragten, ob wir auch umziehen dürfen. Daraufhin bekamen wir gar keine Antwort mehr… So viel dazu. Diese verblödete Organisation macht einfach nicht ihren Job, steckt sich aber ordentlich Geld ein… Carmen und ich mussten also erstmal die Neuigkeit verdauen und uns in Geduld üben. Wo wir bei Verdauung wären… Meine spinnt nämlich seit Sonntag. Grippe los, dafür schon wieder Durchfall, Magenschmerzen und Übelkeit. So ein Mist. Juana erzählte ich davon nichts, die war froh, dass ich wieder gesund war und meinte nur, ich wäre ja schneller als Carmen wieder fit geworden. 

Am Mittwoch war, wie in Deutschland auch, Feiertag in Peru; genauer gesagt der „Día de los Vivos“ (also der Tag der Lebenden). Auch wenn das Wetter nicht optimal war, entschieden wir uns dazu nach Pacucha zu fahren und dort einen entspannten Tag zu verbringen. Wir steckten uns Bücher, Kopfhörer und Snacks ein und machten uns auf den Weg. Es war wirklich nicht ganz so schön, da es auch ziemlich windig und kalt war. Aber wir entschieden uns trotzdem zu einer halbstündigen Bootsfahrt und ließen uns ein wenig in einer Nussschale über den See kutschieren. Wir legten uns ein bisschen in die Wiese und unterhielten uns, bis ich, haltet euch fest, ein vierblättriges Kleeblatt fand!!! Einfach so! Ich lag auf der Wiese und sah etwas, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich rechnete nicht wirklich mit so einem Glücksfund, aber tatsächlich war es ein Kleeblatt mit vier Blättern. Ich konnte es nicht fassen, dass ich einfach so ins Gras gegriffen hatte und eines gefunden hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben. Und dafür musste ich extra nach Peru reisen. 

Meine Mutter stellte die Vermutung an, ich hätte mir trotz Impfung vielleicht Hepatitis A eingefangen, was bei all dem Streetfood hier auch gut sein könnte. Ich bin ja ein absoluter Gegner des Trends seine Krankheiten zu googeln, aber da ich keine Ahnung von Hepatitis A hatte, wagte ich trotzdem einen Blick ins Online-Lexikon. Und tatsächlich trafen alle Symptome zu. Da ich aber nicht noch einmal hier zum Arzt gehen werde (denen traue ich nicht mehr über den Weg), werde ich es also niemals herausfinden was es war. Anscheinend kann man es eh nur einmal bekommen und ist danach immun dagegen. Also halb so wild der ganze Spaß. 

Jedenfalls haben wir dann irgendwann noch Mittag gegessen und uns danach in den Windschatten gesetzt, wo jede ihren Gedanken nachgehangen ist. Irgendwann wurden es immer weniger Menschen um uns herum undicht befürchtete, mal wieder Schwierigkeiten mit dem Nachhauseweg zu bekommen. Das merkte ich auch an und meinte zu Carmen, dass ich schon seit Ewigkeiten keinen Bus mehr gesehen hätte. Außerdem sah es nach Regen aus und wurde sehr kalt. Doch Carmen interessierte das alles nicht die Bohne und antwortete nur, sie würde gerne noch bleiben. Damit hatte sich die Sache für sie auch erledigt. Als der Guten dann kalt wurde, wollte sie dann doch plötzlich gehen. Natürlich war weit und breit kein Auto zu sehen und wir stiefelten wieder in eine Richtung los (die wohlgemerkt Carmen vorgeschlagen hatte und meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn machte). Nach Ewigkeiten kamen zwar zwei Busse sogar in die richtige Richtung angedüst, doch die waren beide schon voll besetzt. Carmen wollte daraufhin wieder umdrehen und wieder zurück ans Ufer laufen. Da kam natürlich auch nichts, aber irgendwann stellte ich mich dann an eine Ecke und konnte nach einigen Minuten glücklicherweise einen Taxifahrer anhalten, der uns mitnahm. 

Am Donnerstag hieß es eigentlich, sei vormittags trotz Feiertag (diesmal der „Dîa de los Muertos“, der Toten) ganz normal Betreuung, doch als wir pünktlich um 8 aufschlugen, waren bis auf die eine Köchin und noch eine Mitarbeiterin niemand anderes da. Es gab nichtmal Frühstück und Kinder kamen auch keine. Als irgendwann auch Señor Reneé und Juana eintrudelten fragten wir, ob es irgendeine Arbeit für uns gäbe, doch wir wurden einfach wieder entlassen und konnten nach Hause gehen. Damit hatte sich das auch schon erledigt. Da an diesem Tag irgendein Autorennen stattfinden sollte, war ganz Andahuaylas in heller Aufruhr. So wie ich informiert wurde war dies ein fünftägiges Rennen von Ayacucho bis Cuzco, das an diesem Tag durch Andahuaylas führte. Deshalb wollten natürlich alle die Autos anschauen und unsere Gastfamilie nahm uns sogar mit. Zwar etwas spontan, sodass keine Zeit für nichts blieb und ich mich unter anderem auch nicht mehr eincremen konnte. Die Sonne schien aber ordentlich, weshalb ich am Abend richtig schön rot war und mein Gesicht mir richtig weh tat. Wenigstens fragten sie uns, ob wir mitwollten. Auf der Ladefläche ging es dann einen sehr holprigen Berg hoch bis nach Pacucha, wo schon hunderte andere Leute mit Essen, Trinken, Ständen, Kind und Kegel angekommen waren und sich ein Lager bauten. Nach Ewigkeiten des Diskutieren und Suchens einigte man sich dann auch auf ein Plätzchen, das eher bescheiden lag, aber was hab Ich schon zu melden. Zuerst wurden Inka Kola, Kartoffeln, Käse und Chicharron ausgepackt und etwas gesnackt. Dann wurde gebannt auf das mitgebrachte laut dröhnende Radio gelauscht und verfolgt, wo sich die Rennfahrer gerade befanden. Irgendwann kam der erste um die Ecke gefahren, aller waren begeistert. Nach und nach trudelten immer mehr ein, immer mit einigen Minuten Abstand. Zum Glück warteten wir nicht auf alle Fahrer, sondern brachen nach den ersten zehn wieder auf. 

Erwähnenswert ist, dass mich Juana an diesem Tag zum ersten Mal verteidigt hat. Sonst ist mein Verzicht auf Fleisch immer Schuld an meinen Krankheiten, doch heute meinte sie zu ihren Bekannte, dass ich mich viel schneller erholt hätte und Carmen immer noch krank sei…

Zuhause wurde schon wieder gegessen (!) und Carmen und ich brachen in die Stadt auf, um Geld zu holen und bei der Post nach Carmens Paket zu fragen. Tatsächlich war ihres bereits dort und konnte direkt von ihr mitgenommen werden. Ich freute mich für sie, da sie nun gut mit Süßigkeiten versorgt war und liebevolle Briefe und Bilder bekommen hatte. Aber ich war auch ein wenig traurig, da mein Päckchen nie angekommen ist und es jetzt irgendwie aus Lima gerettet werden muss… Unsere Gastfamilie war natürlich auch wie immer außer Haus, doch wir hatten das Türchen offen gelassen, so dass wir wieder ins Haus kamen. 

Während dem Spektakel in Pacucha erhielt ich mehrere Anrufe von den verschiedensten Personen, unter anderem auch Gabriele, der neuen Freiwilligen. Wie sich herausstellte, war sie ganz allein in den Bus gesetzt worden und am Vormittag in Andahuaylas angekommen. Ihr hatte man gesagt, ich würde sie abholen, doch ich wusste davon überhaupt nichts. Ich konnte sie auch nicht mehr erreichen. Irgendwann rief mich Señor Reneé an und fragte, ob ich sie holen kommen könne. Ich verstand ihn nur ganz schlecht, aber über WhatsApp konnte ich ihm dann deutlich machen, dass ich nicht kommen könne. Aber anscheinend hatte er sie schon zu ihrer Unterkunft gebracht und ich war damit aus dem Schneider. War mir aber ehrlich gesagt auch herzlich egal, was konnte ich machen, wenn mir niemand Bescheid gab. Jedenfalls hörten wir den ganzen Tag nichts mehr von ihr und auch Reneés Versprechungen, wir konnten auch zu der Familie ziehen verliefen bisher im Sand. Mittlerweile ist es mir aber auch Wurst, jetzt brauche ich auch nicht mehr die Familie zu wechseln. Für Carmen ist es jetzt halt eine schwierige Entscheidung, aber für mich macht es keinen Sinn mehr. 

Am Freitag trafen wir morgens dann zum ersten Mal auf Gabriele. Ich hätte nie damit gerechnet auf eine 57-jährige Frau zu treffen, die kein Wort Spanisch spricht und weder Reis noch Weizen isst… Ich weiß immer noch nicht genau, was ich von ihr halten soll. Sie ist sehr speziell und kompliziert, will den Kindern anstatt Englisch Deutsch beibringen und ist unglaublich nervig. Zum Glück muss ich nur zwei Wochen mit ihr verbringen. Da seit Dienstag die zweite Köchin wieder aus dem Urlaub zurück ist, war Liz mal wieder ab und zu anwesend und wir teilweise vier Betreuerinnen für vier Kinder. Fragt. Mich. Nicht. Warum. 

Carmen und ich hatten für das Wochenende einen Ausflug nach Pampachiri geplant, weshalb wir schon um 1 Uhr mittags am Freitag aus Andahuaylas mit dem Bus abfahren wollte. Gabriele mussten wir natürlich anbieten mitkommen zu können, ich hätte aber nie gedacht, dass sie direkt zusagt und sich an uns dranhängen würde. Doch genau so war es und so waren wir plötzlich zu dritt. Nach einem vorgezogenen Mittagessen stiefelten wir also direkt los, um sie wieder zu treffen, da sie im Gegensatz zu uns natürlich keine Sachen für das Wochenende dabei hatte. 

Die Geschichte mit dem Bus klappte so einwandfrei wie noch nie. Er füllte sich schneller als gedacht und wir kamen sogar schon 5 Minuten vor 1 los. Nach kurzer Zeit schon verließen wir die befestigte Straße und sollten sie auch so schnell nicht wieder sehen. Ich rechnete eigentlich mit einer etwas größeren Stadt, doch der Name Pampachiri sagt eigentlich schon alles über dieses Dörfchen aus. Nach knappen 3 1/2 Stunden Fahrt waren wir die letzten Verbliebenen im Bus, der Rest war irgendwo nach und nach mitten im Nirgendwo ausgestiegen. Empfangen wurden wir mit Regen und so suchten wir als Erstes eine Bleibe für die Nacht. Nachdem wir in der ersten ewig auf eine verantwortliche Person über 10 Jahren gewartet haben und es uns eindeutig zu teuer gewesen wäre, machten sich Gabriele und Carmen auf die Suche nach etwas billigerem. Tatsächlich wurden sie fündig und wir bekamen ein Dreibettzimmer (es war richtig schön warm da drin!), theoretisch heiße Duschen, aber kein WLAN. Aber gut, man kann ja nicht alles haben. Also schlugen wir zu und machten uns dann auf die Suche nach einem warmen Abendessen. Mir stand der Sinn eigentlich nicht nach Nahrungsaufnahme, unter Anderem weil ich immer noch Probleme mit meinem Verdauungstrakt hatte. Trotzdem servierte man mir bei dem Chinesen Arroz Chaufa mit Gemüse, das mir ordentlich auf den Magen schlug. Mir war kotzübel und ich wollte mich am liebsten gar nicht mehr bewegen. Die nächsten zwei Tage hatte ich auch ordentlich zu kämpfen und konnte so gut wie nichts zu mir nehmen. Ich war die Scheißerei ja schon von den letzten Tagen gewohnt, aber es wollte einfach nicht besser werden. 

Für den Samstag hatten wir uns aber schon einen Mototaxifahrer organisiert, der uns zum Basque de Piedras, den Casas de los Pitufos und den heißen Quellen bringen sollte. Der wollte schon sehr früh los und so brachen wir um (schon wieder pünktlich) 8 Uhr in Richtung Pampa auf. Diese Gefährte sind nicht gerade die komfortabelsten und so wurden wir ordentlich durchgeschüttelt, es war ziemlich laut und wir hatten nicht den besten Blick nach draußen. Nichtsdestotrotz war die Landschaft, durch die wir fuhren, absolut atemberaubend und einmalig schön. Wir waren alle drei beeindruckt und hin und weg vom Anblick. Überall lagen Steine rum, ragten spitze Felsformationen in den Himmel und die Sonne schien zu unserer großen Freude auch (nur um mein Gesicht machte ich mir etwas Sorgen, da der Sonnenbrand schicke Bläschen auf meiner Nase hinterlassen hatte und mein Gesicht immer noch krebsrot war). Aber von all dem ließ ich mich nicht aufhalten. Angekommen am Basque de Pietas blieb uns förmlich die Spucke weg. Es war wunderschön und da Gabriele als Geologin arbeitet, konnte sie uns auch etwas über die Entstehung der Landschaft erzählen. Dazu die Ruhe, da wir weit und breit die einzigen Menschen waren - einfach perfekt. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei, doch unser werter Fahrer hatte es ziemlich eilig. Nicht weit entfernt hielten wir dann bei den „Schlumpfhäusern“, in denen tatsächlich Mensch leben. Mitten in dieser Einöde, neben bildhübschen Steppenpferden, Lamas und Schweinen. Hier nutzten wir die Zeit ein bisschen, um die Natur zu erkunden und betrachteten die surreal wirkenden Felsformationen. Im Anschluss wollte unser Fahrer direkt weiter zu den heißen Quellen, doch uns wurde von mehreren Leuten schon erzählt, dass man da besser nicht am Tag sondern erst am Abend hingehen sollte. Also kehrten wir nach Pampachiri zurück und verabredeten uns auf 17 Uhr nochmal. In der Zwischenzeit aßen die anderen beiden Mittag (ich konnte immer noch gar nichts essen), wir entspannten ein wenig im Zimmer und pflegen unsere sozialen Kontakte, so gut es bei dem miserablen Netz ging. 

Pünktlich ging es dann los zu den Thermalquellen und wir waren alle richtig heiß auf ein warmes Bad. Meiner Meinung nach war es sehr schade, dass das Wasser nicht naturbelassen wurde, sondern man in Schwimmbecken schwamm, doch die absolut perfekte Wassertemperatur machte das tausendmal wieder wett. Es tat so gut ein warmes Bad zu nehmen nach den etlichen kalten Duschen zu Hause. Wir wollten gar nicht mehr raus aus dem Wasser, doch unser Chauffeur hatte es mal wieder eilig und uns blieb nur eine halbe Stunde in diesem hammelähnlichen Gewässer. Ein bisschen schwefelig rochen wir danach schon, doch Carmen und ich wollte gar nicht mehr dieses wohlige Gefühl loswerden und es mit einer Dusche versauen. So ansprechend war die nämlich auch nicht. 

An dem Tag war zudem noch Liz’ Geburtstag, weshalb sie am Freitag meinte, sie würde mit ihren Freunden auch kommen um sich zu baden. Am Samstag wollte sie mir Bescheid sagen. Tat sie natürlich nicht und so hakte ich nach. All die netten Pläne waren natürlich wieder nicht wirklich handfest und so wunderte es mich nicht wirklich, als sie mir offenbarte, dass sie doch nicht kommen würde. Auch okay. Nur konnten wir uns so leider nicht die Fahrtkosten sparen. Denn hinzukommt, dass die Busse aus Pampachiri nur zu äußerst ungünstigen Uhrzeiten nach Andahuaylas abfahren. Entweder um 3 Uhr morgens, 5 Uhr morgens oder erst wieder um 17 Uhr. Den wollten wir ursprünglich nehmen, doch wussten wir nach dem Tag nicht mehr wirklich was wir noch einen ganzen Tag in diesem Kaff anstellen sollten und außerdem wären wir dann erst sehr spät angekommen. 

So klingelte am Sonntag früh unser Wecker bereits um 4 Uhr und wir warteten in der Kälte auf das eintreffen unseres Busses. Bereits am Vorabend hatten wir unsere Reise bezahlt, doch darauf würde ich mich nicht immer verlassen. Glücklicherweise bekamen wir aber unsere uns zustehenden Plätze im Bus, es gab sogar Kopflehnen, etwas mehr Beinfreiheit als auf dem Hinweg wo es praktisch keine gab und Decken. Der Bus füllte sich zu unserer Erleichterung auch ohne Schwierigkeiten und wir konnten beinahe pünktlich starten, nachdem wir bis um 4:50 Uhr gewartet hatten und Carmen sichtlich Angst hatte, er würde nicht kommen. 

Die Rückfahrt Gin um einiges schneller als die Hinfahrt und nach 2 1/2 Stunden waren wir schon wieder in Andahuaylas. Keine Ahnung wie der Fahrer das angestellt hat, denn er ist teilweise echt geschlichen. Aber die meisten Zeit haben wir eh schlafend verbracht, während die ganzen Peruaner sich schon munter unterhielten. Da wir nicht damit gerechnet hatten so früh zu Hause anzukommen, erledigten wir noch unseren Obsteinkauf auf dem Markt und fuhren dann wieder zurück. Unsere Gastfamilie war gütigerweise zu Hause geblieben, sodass wir ins Haus kamen. Wir wuschen auch direkt unsere Wäsche, da es sonnig war, ich sprang unter die Dusche und danach wollten wir eigentlich in Ruhe was kochen. Doch aus in Ruhe wurde nichts. Eigentlich hatten wir das nur für uns geplant, doch Juana übernahm direkt das Ruder und schrieb uns vor, was wir machen würden. Carmen schickte sie wieder fünfmal zum Einkaufen, schmiss zehnmal ihren Plan um und dirigierte uns herum. Schlussendlich kam sie dann darauf, Gemüsereis mit Hühnchen, Kartoffeln und Brokkoli machen zu wollen. Als alles auf dem Herd stand verabschiedete sie sich und meinte, wenn es fertig sei würde sie uns anrufen und wir sollen einfach ohne sie essen. Okeeey… warum durften wir dann nicht kochen was wir wollten wenn sie eh nicht mitaßen? Naja egal, es war super lecker und Carmen und ich fanden es richtig gut. Auch wenn sie mittendrin in die Küche stürmte und meinte, wir hätten den Reis zu früh ausgemacht. Nach ihrer Intervention war er angebrannte, aber psssst. 

Meinem Magen ging es zwar etwas besser, aber schon beim Duschen hatte ich irgendwie Aussetzer im Gesichtsfeld, danach wurde beim Essen meine Hand wieder taub und schlussendlich wurde das Ganze noch von einem Migräneanfall gekrönt. Um kurz nach zwei quälten mich dann heftigste Kopfschmerzen, wie ich sie wirklich selten erlebt habe. Als säße ein Specht in meinem Kopf und würde ihn mit einem Hammer und nicht mit seinem Schnabel bearbeiten. Ich hielt die Schmerzen nicht mehr aus und legte mich schlafen, was aber nichts brachte. Also nahm ich eine Aspirin, was auch nicht half. Somit legte ich mich wieder hin und schlief praktisch bis 22 Uhr durch, als ich aufwachte und merkte, dass ich mich überhaupt nicht bettfertig gemacht hatte. Teilweise holte ich das dann noch nach, schlief aber ansonsten bis morgens durch, wo es mir dann zum Glück wieder gut ging. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich zu wenig gegessen und geschlafen hatte… aber ich weiß es nicht, ich war froh, dass es Montagmorgen wieder weg war. 

Emily 

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Krank sein ist ätzend

Die neue Woche startete ganz gewöhnlich. Es gab kein Frühstück und so mussten wir uns mit zwei trockenen Broten im CEDIF zufrieden geben. Die Kinder am Vormittag waren gewohnt anstrengend, wir konnten sie allerdings kurze Zeit gut mit Galgenmännchen beschäftigen und somit ein paar neue Englischvokabeln üben. Aber zu mehr hatten sie leider keine Lust. Irgendwie verlieren sie so schnell die Lust an etwas! Selbst wenn wir Memory spielen, hören sie teilweise einfach mitten im Spiel auf, weil sie keinen Spaß mehr  daran haben oder merken, dass sie verlieren. Bis auf einen kleinen Zwischenfall, in dem ich fast vom umkippenden Schrank begraben wurde, gab es keine größeren Vorkommnisse. 

Der Nachmittag dagegen war komplett sinnlos. Erstmal warteten wir ewig, bis überhaupt etwas geschah oder man uns sagen würde, was passiert. Wir stellten fest, dass die Kinder schon wieder direkt nach dem Mittagessen nach Hause geschickt wurden und es für sie keine Betreuung geben würde. Den Grund wussten wir allerdings noch nicht. Eine Schülerin fragte mich total süß als sie mich begrüßte, warum ich vergangene Woche geweint hatte und ob es wegen ihnen gewesen wäre. Total rührend, wie ich schon mehrmals darauf angesprochen wurde, ob sie etwas falsch gemacht hätten und wie es mir ginge. Irgendwann kam Juana schreiend die Treppe runtergerannt, zog etliche Handys ein und forderte alle Anwesenden dazu auf, doch gefälligst oben mitzuhelfen und fragte, warum wir alle nichts machen würden. Also stiefelten wir nach oben und begannen, die Steine und den Dreck, den wir einige Wochen zuvor mühsam nach oben geschleppt hatten, wieder nach unten zu befördern. Auch die Jugendlichen mussten ordentlich mit anpacken und Juana kannte kein Erbarmen. Sie schrie munter weiter und verteilte Befehle, während sie selbst in der Küche an ihrem Handy saß. Es war echt anstrengend, voll beladen ständig die Treppen hoch und runter zu laufen und die Luft war unglaublich staubig. 

Danach hieß es, Liz würde uns einen Tanz beibringen, den wir dann bei dem Treffen am Donnerstag mit den anderen CEDIFs vorführen müssten. Wir warteten ewig bis etwas geschah und als endlich der Großteil der Mitarbeiter versammelt war, begann die Diskussion, was wir vorführen wollen. Einen Tanz, ein Lied, ein Theater,… Man wurde sich nicht wirklich einig, keiner hatte Ideen oder Lust und die meiste Zeit wurde videoschauend am Handy verbracht. Nach einer Stunde waren wir nicht viel weiter und ich wollte einfach nur nach Hause, da es mir immer schlechter ging. Mir schmerzten alle meine Glieder, mein Kopf tat mir weh und mir war übel. Zudem war mir unglaublich kalt, ich war müde und hatte Husten bekommen. Eigentlich wollten Carmen und ich noch in ein Internet Café, doch dieses Vorhaben verwarfen wir, da wir uns beide nicht wirklich fit fühlten. Die Zeit verging nur schleppend, man saß die ganze Zeit nur rum und wartete, bis es 17 Uhr wurde. Bis dahin hatten wir zumindest mal beschlossen, auf was für ein Lied wir tanzen wollten und wer welche Rolle einnimmt. Ich bekam die glorreiche Rolle der „Novia“ zugeteilt. Mein Part war also die ganze Zeit in der Mitte zu tanzen, während die anderen um mich herum tanzen sollten. Ich war zwar nicht scharf auf diese Sonderrolle, aber gut. Ich war einfach nur froh, als es hieß, wir können nach Hause gehen. Sofort kochte ich Tee und wir schmissen uns beide ins Bett. Mir ging es gefühlt immer schlechter. Mir war unglaublich kalt und ich hatte heftige Kopfschmerzen. Ich ahnte schon, dass ich krank werden würde, wagte es aber nicht zu hoffen. Juana interessierte das nicht die Bohne und sie schrie, als sie wieder nach Hause kamen, mehrmals meinen Namen, nur um wieder irgendwelche Kommandos zu verteilen und ich quälte mich jedes Mal aus dem Bett. Carmen sah gar nicht ein mir zu helfen… Als wir zum Abendessen gerufen wurden, stellte dann auch meine Gastmutter fest, dass ich krank war und meinte, wie Carmen und ich es vorausgesagt hatten, dass es an der heißen Dusche am Abend liegen würde und daran, dass ich ja anscheinend nichts essen würde. 1. dusche ich nie warm und 2. esse ich ordentlich. Aber sie war der festen Überzeugung, dass es genau daran liegen würde und verbot mir, abends und mehr als einmal die Woche zu duschen… Großartig. Jetzt muss ich morgens duschen, ich hasse das und hab auch gar keine Lust, weiß Gott wann aufzustehen deswegen. Dann muss ich mit nassen Haaren auf die Arbeit… 

Auch erzählte sie uns aufs Neue davon, wie schlecht es ihr doch gehe und was ihr alles wehtun würde. Sie meinte, ich solle diese und jene Medikamente nehmen, doch ich wiegelte sie ab und meinte, Ibuprofen sei genau das Richtige. Die Peruaner haben glaube ich großen Spaß daran, sich zum Einen Krankheiten einzubilden und sie heraufzubeschwören und zum Anderen, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen und sich allerlei Medikamente und Tabletten einzuschmeißen. Sie fürchten sich wirklich alle sehr davor krank zu werden. Ich bin jedoch eher der Vertreter von möglichst wenigen Medikamenten und machte ihr klar, nicht dieses ganze Zeug zu kaufen. 

Carmen ging es wieder gut, ich dagegen sah glaube ich wirklich recht miserabel aus. Die Nacht schlief ich super unruhig und schlecht, wurde von Fieberträumen geplagt und am Morgen war mein Bettlaken quasi nicht mehr da und die Decken hingen sonst wo. Den Husten konnte ich mit einem Hustenbonbon ganz gut kontrollieren, doch alles andere machte die Nacht sehr lange. Am Morgen sah es nicht wirklich besser aus. Mir tat immer noch alles weh und ich wollte mich gar nicht bewegen. Ich hatte auch ziemlich sicher Fieber bekommen, wenigstens war aber die Übelkeit verschwunden, der das aufgezwungene Abendessen tags zuvor nicht wirklich gut getan hatte. Zum Glück konnte ich zu Hause im Bett bleiben und musste nicht arbeiten gehen. Das hätte ich beim besten Willen nicht überlebt. Ich verbrachte also den ganzen Tag in meinem Bett, lesend, schlafend und schreibend. Zu mehr war ich wirklich nicht in der Lage, auch wenn die anderen aus dem CEDIF wollten, dass ich nachmittags komme, um den Tanz einzustudieren. Mir war das bloße Existieren aber schon unangenehm und das Fieber ließ mich schrecklich schwitzen, ich hatte keine Kraft und meine Kopfschmerzen nervten mich ungemein. 

Die Nacht auf Mittwoch schlief ich genauso schlecht und fühlte mich am Morgen immer noch nicht besser. Jede Bewegung war zu viel und strengte mich dermaßen an, dass ich einfach nur liegen bleiben wollte. Doch Juana kannte kein Erbarmen und zwang mich regelrecht zum Arzt zu gehen. Also zog ich mich an und schleppte mich zum „Centro de la Salud“, da es mir immer noch nicht besser ging und mir Ibuprofen diesmal nicht wirklich zu helfen schien. Nur am Nachmittag waren die Schmerzen etwas erträglicher. In der Notaufnahme angekommen, schockierten mich zuerst einmal die altertümlichen Methoden, mit denen man hier noch arbeitete. Der Puls wurde mit Blick auf die Handyuhr gezählt, Blutdruck von 80 zu 70 als normal empfunden und die Waage noch per Hand ausgerichtet. Meine Körpertemperatur hatte sich dank der Ibu normalisiert, weshalb sie meinten, ich hätte kein Fieber. Nach dem Check der Krankenschwestern tauchten Juana und Liz auf, um mit mir und Carmen zu warten. Warum ich von allen drei begleitet wurde lässt sich mir nur so erklären, dass weder Juana noch Liz Lust hatten zu arbeiten und mein Aufenthalt beim Arzt eine gute Entschuldigung war. Somit wartete ich neben den beiden, die munter eine Modezeitschrift nach der nächsten durchblätterten oder mal wieder telefonierten. Carmen musste irgendwie auch nicht arbeiten, ich wollte nur in mein Bett. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich dann gerufen, um meine Patientenakte mit den notwendigen Daten auszufüllen und wurde wieder zum Warten verdonnert. Für Juana musste ich mich wirklich fremdschämen, da sie aufgrund mangelnder Geduld irgendwann durch den Ausgang in das Behandlungszimmer des Arztes gelaufen ist und meinte, ich müsse jetzt dran genommen werden. Dort redete man nicht mit mir, überprüfte aber die genau gleichen Körperfunktionen wie zwei Stunden vorher schon einmal die Schwester. Ein weiteres Mal wurde ich gebeten zu warten, wieder in einem anderen Raum. Es schien gar nicht voran zu gehen und wir saßen ewig in diesem Vorraum, der sich nicht wirklich leerte. Irgendwann verlor Juana wieder die Lust und schob mich zu dem Arzt ins Zimmer; sofort kam ich dran. Anstatt mich alleine mit ihm reden zu lassen, blieb sie einfach im Raum stehen und holte auch Carmen dazu. Ziemlich unverschämt meiner Meinung nach, was geht sie meine Diagnose an. Ich hatte ihr immerhin nicht erlaubt oder gebeten mit reinzukommen. Der Arzt war der Überzeugung, ohne ein Antibiotikum würde es niemals besser werden und ich könnte nicht gesund werden, wenn ich es nicht nehmen würde. Er stellte das Ganze ziemlich dramatisch dar. Ich hoffte, dem Antibiotikum noch entgehen zu können, indem ich einwarf, dass ich mit meiner Medikation an Antiepileptika ja nicht alles nehmen könne. Nachdem ich ihm den Namen meines Medikamentes aufgeschrieben hatte und er es gegoogelt hatte, meinte er, es wäre gar kein Problem und ich könne es bedenkenlos nehmen. Zweimal zwei Tabletten, fünf Tage lang, dazu Paracetamol bei Schmerzen und irgendein Zeugs gegen den Schnupfen (oder den Husten?), auch zweimal täglich für fünf Tage. Danach ließ Juana auch Carmen Platz nehmen, der eigentlich bis auf einer Erkältung nichts fehlte. Diese war dementsprechend verwirrt, bekam aber auch direkt 3 Tabletten verschrieben. In der dortigen Apotheke bekam ich das Antibiotikum und das Paracetamol in die Hand gedrückt und durfte endlich wieder nach Hause, Carmen und die anderen beiden gingen zur Arbeit. Interessehalber fragte ich meine Mutter, ob ich diese ganzen Medikamente überhaupt nehmen dürfe und nach einem Anruf in der Apotheke stand fest: der Arzt war noch unfähiger als gedacht. Er hatte mir doch tatsächlich ein Antibiotikum verschrieben, dass ich nicht nehmen durfte. Und auch das Zeug gegen den Schnupfen empfand sie als völlig sinnfrei. Den besorgten Peruanern erzählte ich natürlich, dass ich ganz fleißig meine Pastillen nahm. Ohne würde ich schließlich sterben! Carmen fragte ihre Eltern auch, was es mit ihren Medikamenten auf sich hatte. Das eine war in Deutschland verboten und das andere so gegen ziemlich alle üblen Krankheiten dieser Welt, aber nicht gegen eine Erkältung. Super erfolgreich also der Besuch im Krankenzentrum, ich weiß warum ich mich nicht von denen untersuchen lassen wollte…

(Heute ist Sonntag, ich habe die Grippe mit nicht mehr als 2 Ibuprofen und 2 Paracetamol überlebt, bin geheilt und wieder fit. Hier würde mir das keiner glauben.) 

Am Nachmittag wagte ich es doch tatsächlich angesichts angenehmer Außentemperaturen und sturmfreier Bude (bis auf Anghelo) zu duschen, da der letzte Kontakt mit der wundersamen Flüssigkeit namens Wasser schon einige Zeit zurück lag. Als Juana zurück nach Hause kam, kassierte ich dafür einen Riesenärger. Wie könne ich es wagen, sie hätte es mir doch verboten, es würde alles nur noch schlimmer machen… Anghelo, die dumme kleine Petze, hatte mich verpfiffen. War mir aber egal, ich war wieder sauber und ansehnlich. 

Carmen bekam auf der Arbeit meine Rolle der „Novia“ für den Tanz zugeteilt und durfte die Nachmittage übend verbringen. Juana erzählte anscheinend jedem, der es hören wollte oder nicht, dass ich doch tatsächlich gewagt hatte zu duschen und, was mich wirklich auf die Palme brachte, dass Carmen und ich unsere Unterwäsche nicht waschen würden! Wie dreist ist diese Frau eigentlich, was fällt der noch alles ein?! 

Was mich allerdings noch mehr nervte war die Befürchtung, wahrscheinlich nicht am Donnerstag mit auf den Ausflug nach Curahuasi gehen zu können. Am liebsten wäre ich wieder gesund gewesen, da ich wirklich ungern darauf verzichten wollte, er aber ja ungünstigerweise von der Vorwoche auf diese verlegt wurde. Ich hatte also schon vorsichtshalber damit begonnen mich mit dem Gedanken anzufreunden alleine zu Hause zu bleiben. 

In der Nacht auf Donnerstag hatte ich aber zum ersten Mal wieder gut geschlafen und wachte weniger gerädert auf. Ich war zwar immer noch weit entfernt von fit, aber im Vergleich zu den vergangenen Tagen ging es mir schon besser und ich wusste deshalb überhaupt nicht was ich machen sollte. Sollte ich zu Hause mit Juana bleiben und mich womöglich ewig darüber ärgern nicht dabei gewesen zu sein oder sollte ich mich, so schlecht wie es mir auch ging, mitschleppen. Ich wusste es nicht. Schlussendlich entschied ich mich dazu mitzufahren, wohlwissend, dass egal welche Entscheidung ich getroffen hätte, ich sie bereut hätte. Schon beim Frühstück wurde ich mit Fragen zu meinem Befinden überhäuft, dabei sah man mir an, dass es mir nicht gut ging. Im Bus warteten wir ewig vor dem CEDIF darauf, dass es alle mal schaffen würden einzusteigen. Ich bekam überhaupt keine Luft, weder durch die Nase noch durch den Mund, und war schon wieder todmüde. Ich stellte meinen Sitz also zurück und versuchte zu schlafen, ich war jetzt schon total fertig. Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich keine gute Idee sein würde mitzugehen, aber der Gedanke mit Juana zu Hause bleiben zu müssen, erschien mir noch schlimmer. Denn ob sie nun mitkam oder nicht stand bis zur allerletzten Minute nicht fest. Sie hatte sich glaube ich schon sechsmal umentschieden und sechs verschiedene Begründungen geliefert. Erst wollte sie mit, dann nicht, weil sie krank war und zu ihrer Tochter nach Cuzco wollte, dann doch mit, dann wieder nicht, weil kein Bock. Am Morgen verabschiedete sie sich sogar von uns und wünschte uns eine gute Reise. Am Mittwoch meinte sie noch die ganze Zeit zu mir, ich könne doch bestimmt mit bla bla. An dem Morgen, als ich dann vor ihr stand um zu gehen, meinte sie, es würde so doch nur schlimmer werden. Diese Frau kann sich einfach nicht entscheiden, immer sagt sie etwas anderes! Anfangs schien es also so, als wären uns zwei ruhige Tage vergönnt, doch in letzter Minute sprang sie noch inklusive Anghelo ins Auto und Carmen und ich entgleisten die Gesichter. Jetzt kam sie also tatsächlich doch mit und wir waren sie doch nicht los. Und sogar die Nervensäge war dabei. Er machte seinem Namen auch direkt alle Ehre und fing an zu singen, schreien, reden und laufen. Ich konnte es nicht fassen, nie konnte er leise sein. 

Die Fahrt ging also los, wir legten innerhalb kürzester Zeit schon etliche Stops ein um in der Apotheke was gegen Reiseübelkeit zu kaufen, Wasser zu besorgen oder oder oder. You name it… Als stände nicht schon lange genug fest, dass wir verreisen würden, wurde noch alles auf den letzten Drücker gekauft. Verstand ich nicht. 

In Kishuara hielten wir um das CEDIF dort anzuschauen und natürlich schon wieder Essen zu kaufen, ich stieg allerdings nicht aus. 

In Curamba wurde gestoppt um Fotos zu machen.

In Abancay wurde Frida aufgegabelt. 

Beim Mirador machten wir ein Häuschen um dort Mittag zu essen.

Kurz vorm Ziel wurde schon wieder Essen gekauft (und beim Abendessen nichts angetastet, sondern alles entweder weggeschmissen oder in Plastiktüten zum Mitnehmen verpackt, was meiner Ansicht nach einfach unhöflich ist).

Dann kamen wir endlich an!!! Nach etlichen Stunden Fahrt für eine Strecke, die man in 4,5 Stunden absolvieren könnte. Mittlerweile war es auch schon 17 Uhr abends und als wir im CEDIF ankamen, wurde erstmal wieder gewartet. Man traf sich für die Vorführungen in einer Art Hinterhof, doch dort wurde es ohne Licht irgendwann zu dunkel und man konnte die Vorführungen nicht mehr erkennen. So zogen wir um auf den Plaza de Armas, auf dem wenigstens einige Lichter brannten und verlagerten die Tänze auf die Straße, einige Schüler sangen. Der Tanz, den Carmen und Co. vorführten war göttlich, sie sah so albern in ihrer Verkleidung aus! Es war wirklich witzig und ich glaube auch bei den anderen kam sie gut an. Kurz bevor es losging stellte man irgendwie noch fest, dass der „Zapatero“ fehle und Juana meinte, ich könne den doch schnell machen und man solle es mir noch schnell zeigen. Ich wehrte nicht aber vehement dagegen, ich tanzte an diesem Abend nirgendwo. Was dachte die sich eigentlich dabei? Mir ging es echt nicht gut, inzwischen schmerzten auch meine Ohren wie verrückt, da sie aufgrund der verschlossenen Nase mit dem ganzen Druckausgleich nicht zurechtgekommen waren. Immerhin waren wir ja ständig bergauf und bergab gefahren. Außerdem war ich mittlerweile echt hundemüde. 

Kurz nach unserer Vorstellung entfernte man sich einfach von dem Getummel und brachte uns zurück ins CEDIF, wo es Abendessen gab. 

Nach einigen Reden wurde angefangen, ein Hostel zu suchen. Man wollte aber nicht mehr als 10 Sollen ausgeben, also war die Suche etwas schwieriger. Wir fanden dann doch noch was, Carmen und ich bekamen ein Doppelzimmer. Reneé fragte uns, ob es okay für uns sei, in so einem billigen Hostel zu schlafen und wir verstanden sein Problem gar nicht. Trotzdem sehr lieb von ihm uns anzubieten, auch in einem besseren schlafen zu können. Wir hatten damit aber kein Problem, es gab auch wirklich keinen Grund dafür. Die Betten waren sauber, das Gemeinschaftsbad ebenfalls. Mehr braucht man für eine Nacht ja auch nicht. 

Uns blieb nicht mehr Zeit, als die Zimmer zu begutachten, denn gleich darauf ging es wieder zu „heißen Quellen“. Fast wäre der Bus ohne uns losgefahren, denn als wir nach unten rannten, war dieser genau vor unserer Nase losgefahren und die Insassen machten sich bestimmt über meinen Auftritt lustig. Freundlicherweise kehrte er aber nochmal um und ließ uns einsteigen. Beim Abendessen schon fragte mich Anghelo, ob ich baden gehen würde und ich erwiderte, dass ich höchstwahrscheinlich schon ins Wasser gehen würde, wenn es denn warm sei. Diese unerhörte Information gab er natürlich unverfroren an seine Mutter weiter. 

Angekommen an den etwas entfernt liegenden Quellen, wurde ich aus meinem Schlaf gerissen und begutachtete die Schwimmbecken. Leider war das Wasser nur lauwarm, weshalb ich mich dagegen entschied ein erholsames Bad zu nehmen. Ich glaube kaum, dass es eine gute Idee gewesen wäre sich länger in diesem lauwarmen Wasser aufzuhalten, auch wenn die Luft warm war. Also legte ich mich in den Bus und schlief, mit einigen Unterbrechern, bis wir um 12:15 Uhr die Rückfahrt antraten. Da ich nicht gebadet hatte, musste ich auch nicht zahlen, aber Carmen war zu faul ihr Handtuch zu suchen, weshalb sie mich um meines bat, das ich gerade frisch gewaschen hatte. Widerstrebend gab ich es ihr, war aber schon etwas genervt, da ich jetzt kein Handtusch mehr hatte und es schon wieder waschen musste, nur weil sie ihres nicht suchen wollte. Das klingt jetzt vielleicht kleinlich, aber bei Handwäsche überlegt man sich dreimal was man wäscht und was nicht. Ist nämlich sauanstrengend. 

Schon schade, dass ich nicht mit gebadet habe, aber ich war so müde und einfach noch nicht fit, dass es wahrscheinlich besser so war, aber trotzdem irgendwie schade, dass ich die Gelegenheit verpasst habe. Anghelo fragte mich am nächsten Morgen direkt, ob ich mich gebadet hätte oder nicht, der kleine Spion… Juana schimpfte nur mit mir, ich hätte doch im Hostel bleiben sollen. 

Am Freitag wachte ich ziemlich gerädert und müde auf, was bei dem zerrütteten Schlaf auch nicht verwunderlich war, zudem war es auch noch sehr früh am Morgen. Ich fühlte mich, als wäre ein Zug über mich drübergerollt und wollte überhaupt nicht aufstehen. Doch mir blieb ja nichts anderes übrig, schließlich stand noch etliches auf dem Tagesprogramm. Also quälte ich mich in meine Klamotten und wartete ewig mit Carmen auf ein Zeichen, das zum Aufbruch aufrufen würde. Schließlich hieß es tags zuvor, es würde um 08:30 Uhr Frühstück geben. Aber selbst um diese Uhrzeit dachte noch keiner an ein Gehen. Also warteten wir, bis wir schließlich merkten, dass keiner mehr da war. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, hatte man uns nicht Bescheid gesagt. Wir spurteten also nach unten, doch von Stress war weit und breit nichts zu sehen. Im CEDIF war das Frühstück auch noch nicht fertig, also von dem her war unser spätes Eintreffen eh egal. Zu Essen gab es gefühlt alles, was man in der Küche noch gefunden hatte, alles nacheinender serviert. Zuerst trinkbaren Milchreis, dann Gemüsereis mit Hühnchen, dann Tamales Duces (irgendeine süße Maispampa mit Milch im Bananenblatt serviert), dann Uauas und zuletzt Brötchen. Ruth meinte beim Milchreis, den ich aufgrund Magenschmerzen und Übelkeit nicht anrührte, das sei das einzige, was es geben würde. Hahaha, dass ich nicht lache. Ruth merkt man ihre Verwandtschaft zu Juana deutlich an, denn sie ist nach ihr die zweitgrößte Lügnerin und auch ihr kann man KEIN einziges Wort glauben. Egal was sie sagt, es stimmt nicht. So meinte sie später zu Carmen, die sich ein Wasser kaufen wollte, dass es hier in den Tiendas 5 Sollen anstatt 3 kosten würde, da die Läden am Plaza teurer wären. Was hat sie bezahlt? Ich glaube, ich kann mir die Antwort sparen. Sie tut einfach immer so als hätte sie Ahnung und wüsste alles, dabei labert sie den ganzen Tag nur Stuss. Ich komme aber auch deshalb nicht so gut mit mir klar, da sie mir die ganze Zeit sagen will, was ich ich zu tun habe, aber sie ist eben doch nur die Putzfrau. Außerdem muss sie einen IMMER berühren, ich hasse das. Sie stützt sich auf einem ab, rempelt einen immer an, geht nicht an einem vorbei sondern rennt in einen rein, etc. Damit komme ich nicht klar. 

Jedenfalls setzte ich mich nach den Frühstück ins Auto, um ein bisschen meine Ruhe zu haben und mich auszuruhen, während die anderen an einer Versammlung teilnahmen, um Erfahrungen auszutauschen. Wie sich herausstellen sollte, gab es einfach nur zwei Präsentationen, eine über Finanzen und eine über die Statistiken. Das war es also, weshalb wir diesen Aufriss machten. Jedenfalls tat mir die Ruhe sehr gut und ich konnte mich wirklich mal entspannen. Der Fahrer brachte den Bus inklusive mir zum Reifenwechsel und danach wieder zum Hostel, um sich zu duschen. Ich wartete die ganze Zeit im Bus, schrieb eine Email und aß Mangos und Bananen. Irgendwann setzte sich der Fahrer zu mir und fragte mich einige Dinge, wir unterhielten uns ganz bis er meinte, so könne er Stunden verbringen… Das fand ich eine äußerst seltsame Äußerung und so antwortete ich auf seine Frage, ob ich zurückwolle, dass das doch keine schlechte Idee sei. Dort war die Besprechung auch schon zu Ende und der Bus setzte sich plötzlich erneut in Bewegung, mit Carmen und mir als unbeabsichtigte Passagiere. Keine Ahnung warum, aber Liz, Frida und Ruth kauften sich etwas zum Mittagessen auf dem Markt, danach kehrten wir auch schon wieder zurück zum CEDIF, wo es, oh Wunder, Mittagessen gab. Wir kamen natürlich zu spät und es tat uns sehr leid, aber wir konnten ja nicht wirklich was dafür. Verstanden, was die Aktion sollte, haben wir nicht wirklich. 

Danach machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg und ich hoffte, nicht schon wieder so viele Stopps einlegen zu müssen. Zum Glück zeigte der Fahrer diesmal in dieser Hinsicht Erbarmen und fuhr relativ zielstrebig durch, allerdings war sein Fahrstil nur als halsbrecherisch zu bezeichnen. Mit welchen Geschwindigkeiten er die Kurven nahm und an welchen ungeeigneten Stellen er zu überholen versuchte, war wirklich lebensgefährlich. So fanden Carmen und ich nicht wirklich unsere Ruhe und waren heilfroh, als wir lebend in Andahuaylas ankamen. Ich konnte es die letzten zwei Stunden fast nicht mehr aushalten, da mir mein Magen mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte und mir schlecht war und es unangenehm zu brodeln schien. Ich wollte am liebsten rausspringen und ein Klo aufsuchen, aber so einfach ging das natürlich nicht und ich musste mich zusammenreißen. Hinzu kam noch, dass uns Ruth von unseren Plätzen geschmissen hatte und Carmen und ich nun auf der hinteren Bank sitzen mussten, für die wir 1. zu groß waren, weswegen die Kopflehne sehr unangenehm war und 2. konnte man die Sitze nicht nach hinten lehnen. Zwar hatten vier Sitze für uns beide, doch das änderte nichts daran, dass wir einfach keinen Halt fanden. Irgendwann gabelte unser Fahrer dann noch irgendeine Fremde auf, die unbedingt mitgenommen werden musste und sich natürlich genau zwischen uns platzierte. Super war das. Eine Stunde vor zu Hause wurde mir so übel, dass ich schnell um eine Tüte bot, die man mir auch schnell durchreichte, doch mein Bauch beruhigte sich zum Glück wieder. Meine Kolleginnen hatten gegen Reiseübelkeit ja ordentlich vorgesorgt und sich etliche Pillen eingeworfen. Manchen schlug die Fahrt trotzdem ziemlich auf den Magen… (gut, sie sind alle zugegeben sehr wehleidig und quengeln gerne und viel).

Angekommen, durften wir nicht einmal mehr ins Bad und mussten die Toilette unter freiem Himmel benutzen (dadurch wird man natürlich gar nicht krank, besonders wenn man schon angeschlagen ist…). Zu viel mehr waren wir nicht mehr im Stande und so schmissen wir uns direkt ins Bett und verzichteten auf ein Abendessen, da uns beiden der Sinn nicht nach Nahrungsaufnahme stand. 

Am Samstagmorgen wachte ich unangenehm früh auf, obwohl Wochenende war und ich gerne ausgeschlafen hätte. Aber wenigstens ging es mir wieder gut, nur mein Magen war immer noch verstimmt. Was die Grippe jedoch anging, fühlte ich mich kuriert und gut. Nicht mehr fiebrig, keine Schmerzen mehr und auch nicht mehr so schlimm schlapp. Zu früh ertönte ein spitzer Schrei, der uns zum Frühstück aufforderte. Wir beide wären durchaus lieber im Bett liegen geblieben anstatt trockenes Brot zu frühstücken. Außerdem graute es uns vor dem langen Tag der bei einem Anfang um 7 Uhr auf uns wartete. 

Am Morgen wusch ich Wäsche und machte mich dann auf den Weg in ein Internet-Café, um endlich mal wieder Zugang zu funktionierendem WLAN zu haben. Schließlich wollte ich möglichst zeitnah ein Hostel für Kanada buchen, da ich nun endlich auch einen Flug für den 09.01.18 habe! Vorher ohne die Daten konnte ich natürlich auch nichts weiteres buchen. Aber nachdem das mit dem Visum geklappt hatte, konnte ich mich nach Flügen erkundigen und habe zum Glück ein Angebot erhalten, das nur die Hälfte von dem gekostet hat, mit was ich eigentlich gedacht hatte rechnen zu müssen. Da habe ich natürlich direkt zugeschlagen. Nun habe ich auch noch die Übernachtungen in einem  wunderschönen, luxuriösen Hostel gebucht und freue mich schon riesig darauf, dort zu übernachten. Des Weiteren wollte ich mich über die Vorausbuchung von Machu Picchu informieren, doch das scheint sehr kompliziert und verwirrend zu sein dorthin zu kommen. Zu einem akzeptablen Preis kommt man da natürlich nicht hin, aber deswegen haben mich die Preisunterschiede umso mehr verwirrt, wenn das Angebot doch nahezu dasselbe schien. Sehr unübersichtlich das Ganze und so richtig verstehe ich das auch noch nicht, wie das mit der Buchung jetzt funktionieren soll. Man kann nämlich nicht einfach ein Ticket kaufen und zack, biste drin. So läuft das da nicht leider. Eigentlich wollte ich sich noch skypen, aber Skype gab es nur auf arabisch, was mir die Orientierung etwas erschwerte und es mir unmöglich machte, mich anzumelden. So habe ich also meine Zeit im Internet verbracht, weniger produktiv als erhofft, aber was soll’s. Bei einem Preis von 0,25 Cent pro Stunde ließ sich das gerade so verkraften, dass ich die angedachte Stunde um eine halbe verlängern musste. Carmen war auch irgendwann dazugestoßen und nachdem auch sie fast zeitgleich fertig war, zogen wir wieder ab. Zum Mittagessen holten wir uns eine Art Riesenkrokette an einem Straßenstand, die wir schön länger mal probieren wollte. Sah aus wie eine frittierte Kartoffel, war aber gefüllt mit allerlei Zeugs (leider auch Fleisch, das ich mühsam rauspopeln musste…) und schmeckte echt gut. Machte mich nur nicht satt. Am Vormittag hatte ich mir in einer Juguería einen Saft aus Ananas, Apfel, Orange und Karotte bestellt, doch was ich bekam war Karottensaft mit einem halben entsafteten Apfel und einem Stück Rote Beete. Ich glaube es war gut gemeint, entsprach aber nicht so direkt meinem Wunsch nach einem Fruchtsaft… 

Da ich noch Obst einkaufen wollte, entschlossen wir uns dazu, dies auf dem Markt in Andahuaylas zu erledigen und so fuhren wir in die Stadt und kauften dort bei deutlich mehr Auswahl als in den Tiendas ein. Ein kurzer Regenschauer verwandelte die ganze Feria in ein einziges Matschfeld und meine mühsam geputzten weißen Chuck sahen schlimmer aus als vor der Wäsche. 

Zuhause wollte ich sehr gerne duschen, da ich es zuvor ja verboten bekommen hatte und es jedoch mal wieder für nötig empfand, mich zu säubern. Als ich fragte, ob ich duschen dürfe, eröffnete Juana mir, dass die Dusche kaputt sei und ich mir deshalb einen großen Eimer schnappen und diesen mit Wasser füllen müsse. Jetzt gibt es also nichtmal mehr eine Dusche… Zu meiner Überraschung war die Wäsche aber angenehmer als gedacht, weil man genau wusste, wo das Wasser nun hingeht und man sich nicht so sehr über das kalte Wasser erschrak. Der Eimer plus kleinerer Eimer zum über sich drüber schütten war also gar nicht so eine üble Methode sich zu waschen, es gibt echt Schlimmeres. 

Den Nachmittag verbrachten wir nur entspannend zu Hause in unserem Zimmer, machten nichts besonderes mehr. Um 20 Uhr hatte uns immer noch niemand zum Abendessen gerufen und wir fragten uns, ob es noch was geben würde. In der Küche bekamen wir tatsächlich etwas Reis und Kartoffeln ab. 

Am Sonntag schliefen wir richtig lange, Carmen durfte die Waschmaschine benutzen und

eigentlich wollten wir nach Pacucha fahren, doch das Wetter hielt nicht und genau zur Mittagszeit als wir aufbrechen wollten, fing es an zu regnen und wollte auch nicht mehr wirklich aufhören. Mir ging es wieder richtig gut, außer dem Husten ist nichts mehr übrig geblieben von der Grippe. Das war der erste Tag, an dem ich mich wieder zurück unter den Lebenden gefühlt habe und fit war. Nach einem Mittagessen hatte der Regen leider immer noch nicht nachgelassen und der Ausflug nach Pacucha machte keinen Sinn. Wir überlegten ewig was wir stattdessen machen konnten. Viele Ideen hatten wir nicht, uns fiel nur Kind, Internet-Café oder zuhause ein und letzteres wollten wir gerne vermeiden. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass wir im Internet unser Deutschland-Projekt, das wir mit den Kindern machen wollten, anfangen konnten. Also suchten wir Bilder raus und druckten sie aus, gestalteten einen Test und nutzten die verbleibende Zeit mit unnötigen Gogglereien. 

Das Wochenende war viel zu schnell wieder vorbei, auch wenn ich praktisch 6 Tage nicht gearbeitet hatte. 

Emily

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Willkommen zurück "zu Hause"...

So, zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass meine Berichte immer so negativ klingen und das Bild vermitteln, es ginge mir hier total schlecht. Denn das tut es nicht. Im Großen und Ganzen geht es mir nämlich sehr gut und ich darf viele schöne Dinge erleben. Die Ereignisse, die ich hier immer schildere, sind auch tatsächlich so geschehen, ohne Verschönerung und ohne Verdramatisierung, aber ich habe das Gefühl, dass die negativen Eindrücke oft die positiven Erlebnisse überschatten. Das tut mir leid, da ich wirklich schöne Sachen erlebe und es mir an sich nicht schlecht geht, aber wenn ich alles aufschreibe was mich beschäftigt, dann kann ich es irgendwie besser verarbeiten und mit dem Ganzen abhaken. Ich selber möchte mich nämlich mehr auf die schönen Erlebnisse konzentrieren und lange davon zehren. In manchen Momenten gelingt es mir besser, in manchen schlechter. Aber ich versuche so oft es geht das Positive zu sehen, gebe Juana immer noch eine Chance, schenke ihr immer wieder ein Lächeln und eine Begrüßung und bleibe immer bei der Wahrheit. 

Auch habe ich das Bedürfnis, mich vor allem bei meinen Freunden zu bedanken, die das hier lesen (oder auch nicht ;D). Von euch erhalte ich die aufbauendsten und liebsten Nachrichten der Welt, die mich immer wieder bestärken und die mein Herz einen Hüpfer machen lassen. Ich bin so froh mit jedem Einzelnen von euch befreundet zu sein!

Jetzt aber zu den Geschehnissen der letzten paar Tage. Wie schon im letzten Artikel erzählt, kamen wir Mittwochmorgen von unserer Reise zurück und ich schlief so gegen 5 Uhr nochmal ein. Um 8:30 Uhr war ich dann vollends ausgeschlafen und stand auf, während Carmen noch im Land der Träume verweilte. Auch wenn das Bad und diesmal auch tatsächlich die Küche abgeschlossen waren, war es sehr angenehm in Ruhe aufstehen zu können, sein Zeug wieder auszuräumen und ein paar Dinge erledigen zu können. Da wir weder Tee kochen konnten, noch Teller, Tisch oder andere praktische Dinge zur Hand hatten, kauften wir uns eben das nötigste im Laden nebenan und frühstückten eher spät auf der Terrasse, die sonst eigentlich nur zum Wäsche aufhängen dient. Aber die Sonne schien so schön, das wollten wir auf jeden Fall ausnutzen. Mittags kam Juana ungewohnt früh nach Hause (wie sich herausstellte nur um die Wäsche abzuhängen), würdigte uns jedoch keines Blickes, sagte uns weder „Hallo“ noch fragte sie irgendetwas über unsere Reise. Als wir sie darauf ansprachen, warum die Küche zugeschlossen war, obwohl sie uns doch so oft versichert hatte, sie würde immer offen stehe, stellte sie uns nur vor vollendete Tatsachen und meinte, da ihr Nachbar am Sonntag überfallen worden sei, würde sie nun immer alles abschließen und nichts mehr offen lassen, sowie auch das kleine Fenster in der Tür, durch das wir immer nach drinnen kamen. Außerdem würde sie kein Geld mehr von Aprode erhalten und somit den Strom nicht bezahlen können, weshalb es ab dem nächsten Tag keinen Strom mehr geben würde. Die Sache mit dem Strom verunsicherte mich, aber ich wagte nicht zu hoffen, dass sie es so weit kommen ließe. Immerhin würden sie den Strom ja auch brauchen und wie ich gelernt habe, stimmt es nicht immer, was die Peruaner und vor allem meine werte Gastmutter sagen. Da sie mich aber schon so oft angelogen hatte, kaufte ich ihr die Story mit dem Überfall nicht ganz ab. Natürlich kann es gut sein, aber aus ihrem Mund stammende Geschichten glaube ich einfach nicht mehr. Carmen und ich wussten gar nicht, was wir dazu sagen sollten. Denn auch der Fernseher am Abend zeigte an, dass wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden zahlen würde, das Kabelfernsehen abgeschaltet werden würde. Wir mussten uns beide furchtbar aufregen und waren wütend, sowie verzweifelt. Wie kann man nur so gemein sein? Uns nicht mal darüber zu informieren? Es kann doch nicht sein, dass sie uns immer mehr streicht! Erst das Bad, dann Essen, dann den Eintritt ins Haus, dann Strom. Wie sollte es weiter gehen? Wir konnten uns ja wirklich mit vielem arrangieren, aber so langsam macht es einfach keinen Spaß mehr und verliert immer mehr an Lebensqualität. Und ohne Strom sowie ohne Küche konnten wir ja nichtmal am Wochenende selbstständig ein ordentliches Frühstück und Tee zubereiten, noch wäre es uns möglich, das Haus zu verlassen, da wir nicht wieder reinkommen würden. Denn Bescheid geben wohin sie gehen tun sie ja so oder so nicht. Völlig geschockt verließen wir nach dem Mittagessen im CEDIF das Haus, um in Andahuaylas bei der Paketstation vorbeizuschauen, ob mein Paket angekommen war. Das erste Postoffice schickte uns zu einem anderen, das aber erst in 1,5 Stunden aufmachen sollte. Völlig deprimiert entschieden wir uns dazu, erstmal Percy anzurufen, um ihm von den neusten Entwicklungen zu erzählen und dringend um eine andere Gastfamilie zu bitten. Er hatte zwar Verständnis, doch ungünstigerweise war er gerade in Piura, einer Stadt im Norden Perus, und nicht in Lima, sodass er Juana zwar anrufen würde, doch erstmal nicht viel machen konnte. Das Telefonat war so nichtssagend, dass wir danach eher noch schlechter drauf waren und dringend eine Abwechslung brauchten. Da wir beide nicht so schnell wieder nach Hause wollten, aber noch eine Stunde warten mussten, entschieden wir uns dazu, nochmal ins Kino zu gehen. Da schauten wir „Colonia“ an, einen Film über die Diktatur in Chile, der auf wahren Begebnissen beruhte und unglaublich schrecklich war. Er war so brutal und schockierend, was unsere Laune somit leider noch weiter drückte anstatt sie zu heben. Danach hatte wenigstens die Post geöffnet, doch leider war auch dort mein Päckchen nicht angekommen… Es schien, als würde an diesem Nachmittag nichts funktionieren. Zwar konnte ich meine Nummer hinterlassen, doch machte mich die Tatsache einfach richtig traurig, dass auch nach vier Wochen noch keine Spur von der Sendung zu sehen war. Also kehrten wir nach Hause zurück und mussten uns mit dem Gedanken anfreunden, morgen wieder arbeiten gehen zu müssen, da der Ausflug nach Curahuasi nicht stattfand. 

Unser erster Arbeitstag verlief ganz normal was die Arbeit betraf, die Kinder waren unverändert anstrengend. Doch Juana war bekloppter als je zuvor und trieb es an diesem Tag auf den Gipfel. Wir entschieden, mit Señor Reneé zu reden und ihn um Hilfe zu bitten. Auch Liz wirkte ernsthaft besorgt, nachdem ich ihr unsere Situation schilderte. Wir erklärten, dass es so, wie es momentan war, nicht weitergehen konnte und wir dringend eine neue Gastfamilie wollten. Wir schilderten einige Vorkommnisse und Reneé reagierte als erster wirklich verständnisvoll. Er meinte ebenfalls, dass sie keine einfache Person sei, anders als alle anderen sei und man sie nicht ändern könne. Wir erzählten von unseren Bemühungen, es ihr immer Recht zu machen und er versprach sofort, uns zu helfen und sich umzuschauen (bis heute ist aber leider immer noch nichts passiert). Nach dem Gespräch ging es mir irgendwie viel besser, denn ich hatte die Hoffnung, er würde tatsächlich etwas finden können. Denn er reagierte so lieb und nett wie noch nichtmal Aprode. 

Am Nachmittag sollte sich die Situation aber nochmal ordentlich ändern. Carmen und ich wurden von den zwei „Praktikantinnen“, die sich wie die größten Besserwisser verhalten, jeweils einer Gruppe Jugendlicher zugeteilt, weil alle anderen Mitarbeiter irgendwie etwas besseres zu tun hatten. Wir waren also jeweils alleine und ich hatte keine Ahnung, was ich mit ihnen anstellen sollte. Sie meinten zu mir, sie hätten alle keine Hausaufgaben und würden gerne ins Stadion gehen, doch Señor Reneé gestattete es uns nicht. Ich schrieb also Percy noch einmal, dass Juana zu uns gesagt hat, sie hätte keinen Anruf von ihm erhalten, obwohl er es uns ja versprochen hatte. Also gab ich ihm ihre Nummer und erhielt kurz darauf eine Nachricht von ihm, er hätte zwar mit ihr gesprochen, sie aber sehr schlecht verstanden, weswegen er das Gespräch verschieben müsse, bis er wieder in Lima ist. Ich dankte ihm trotzdem für den Versuch und dachte, damit wäre die Sache erledigt. Jedoch erhielt ich eine weitere Nachricht, in der er mir sagte, dass Juana ihm erzählt habe, ich würde unerzogen sein und auf unverschämte Weise Essen von ihr anfordern, das mir gar nicht zustehe. Denn am Wochenende müssten wir selbst für unser Essen aufkommen, ich jedoch würde auf eine sehr unerzogene Weise Essen von ihr fordern und verlangen, dass sie für mich kocht. Ich konnte gar nicht glauben was ich da las. So eine dreiste Lüge! Abgesehen davon, dass wir am Wochenende immer auf Ausflügen sind und IMMER essen gehen, weil wir nicht wissen, ob sie da sind und es was gibt, fand ich es eine bodenlose Frechheit zu behaupten, dass ich unerzogen wäre und unverschämt mit ihr reden würde. Mir fiel nichts besseres ein als zu antworten, dass es nicht der Wahrheit entspräche und ich noch nie so etwas gemacht hätte. Seine Antwort beruhigte mich keinesfalls, auch wenn er meinte, dann wäre sie eine Lügnerin und er mir versicherte, man würde nie wieder mit ihr zusammenarbeiten. Denn ich wusste einfach nicht, ob er mir glaubte und es bringt mir ja auch gar nichts, wenn sie in Zukunft nicht mehr mit ihr arbeiten werden. Ich leide immer noch unter der Situation und sie scheinen nicht wirklich etwas daran zu ändern. Zuletzt meinte er nur nochmal, ich solle mir keine Sorgen machen und er würde sie nochmal anrufen. Doch ich war total aufgelöst und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich schloss mich im Klo ein, aber mir wurde bewusst, dass ich mit jemandem darüber reden musste. Also lief ich tränenüberströmt zu Carmen, die völlig aufgelöst mit Liz angerannt kam und fragte, was passiert sei. Grob schilderte ich ihr, was Percy mir gerade geschrieben hatte und auch sie war fassungslos. Sie konnte so wenig wie ich nachvollziehen, was sie zu so einer dreisten Lüge gebracht hatte. Beide konnten wir uns an kein einziges Mal erinnern, wo wir auch nur am Wochenende zu Hause gegessen hätten, geschweige denn was von „ihren“ Lebensmitteln. Un noch weniger redeten wir unverschämt mit ihr. Wir waren beide total geschockt und wussten nicht wirklich, was wir tun sollten. Wir hatten beide Angst nach der Arbeit nach Hause zu gehen und wollten das Haus am liebsten gar nicht mehr betreten. Später fragte auch Liz nochmal, was passiert sei und ob es mir besser gehe, doch mir stiegen erneut die Tränen in die Augen. Meine Schüler waren mittlerweile mindestens so aufgelöst wie ich und verstanden die Welt nicht mehr. Sie gaben sich selbst die Schuld für meinen Tränenausbruch und einige von ihnen, sowie auch sämtliche Mitarbeiter, bekamen Wind davon und sprachen mich noch Tage danach darauf an. Jedenfalls nahm Liz mich nur in den Arm und versuchte mich zu beruhigen und mir zuzureden, dass sie mich kennen würden und wissen würden, dass ich nicht schlecht erzogen sei. Trotzdem gingen mir die Zeilen nicht mehr aus dem Kopf und beschäftigten mich noch lange. Warum war sie nur so gemein? Deshalb schrieb ich Percy am nächsten Morgen auch nochmal, erhielt aber keine Antwort. Juana erwähnte das Gespräch kein einziges Mal und zu unserer endgültigen Verwirrung, bot sie uns am kommenden Wochenende ständig Essen an, als sei es das normalste der Welt. Oder sie ließ uns Einkäufe für sich erledigen und tagein tagaus die Küche putzen, die wir teilweise ja nicht einmal betreten durften. Und trotzdem waren wir diejenigen, die jeden Morgen fegten und wischten.

Am Freitag hatten wir nachmittags eine Besprechung und es sollte festgelegt werden, ob die Exkursion in der folgenden Woche stattfinden sollte. Und tatsächlich hatte man es irgendwie hinbekommen diesen Trip zu organisieren. Ich habe zwar keine Ahnung wo wir schlafen werden, noch wie das Ganze ablaufen soll, aber jetzt steht es zumindest fest, dass wir vom 26.-27. fahren werden. Morgens um 7 geht’s los und am Freitagmittag machen wir uns schon wieder auf den Rückweg. Es bleiben also nicht viel mehr als 24 Stunden, um sich mit all den anderen CEDIFs auszutauschen und die vorbereiteten Programme vorzuführen. Viel mehr als das weiß ich allerdings auch nicht, da es den anderen wichtiger erschien, sich darüber zu unterhalten, was sie essen wollen würden. Nach etlichen Minuten hatte man also viel geredet, aber wenig beschlossen. Typisch für die Peruaner. Am Abend eröffnete Juana mir, dass sie nicht fahren würde, weil sie sich den Magen verdorben hätte und nach Cuzco fahren würde. Die anderen hatten ja schon angekündigt, dass sie selten an solchen Aktionen teilnahm, also überraschte es mich wenig. Ich freute mich, als wir endlich Feierabend hatten, denn obwohl ich nur zwei Tage arbeiten musste, war ich gut geschafft. 

Am Wochenende hatte ich eigentlich nicht sonderlich große Lust etwas zu unternehmen, ich wollte mich eigentlich nur ausruhen. Irgendwie war ich total geschafft. Zum Glück überredete Carmen mich dann trotzdem am Samstag etwas zu unternehmen und so entschieden wir uns dazu nach Kishuara zu fahren. Besser gesagt wollten wir nach Curamba, einer Inkastätte in der Nähe von Kishuara. Nachdem wir morgens ganz entspannt aufgestanden waren, kamen wir erst zur Mittagszeit los, denn mal wieder hatte der Bus über eine halbe Stunde Verspätung. Nachdem wir dann nach 1,5 Stunden Fahrt ankamen und mitten im Nirgendwo rausgeschmissen wurden, fragten wir uns zuerst einmal, wo den dieses archäologische Meisterstück sein sollte. Denn außer der kargen Langschaft war nicht viel zu sehen. Wir beschlossen also, einfach mal drauf los zu stapfen und nahmen den einzigen Trampelpfad, der zu sehen war. Schon nach wenigen Minuten tauchte dann auch tatsächlich zu unserer großen Freude die Ruine Curamba zu unserer Linken auf. Weit und breit war wirklich nichts anderes, keine Häuser oder andere Merkmale einer Zivilisation. Wir genossen die absolute Stille und erkundeten die Stufenpyramide, schossen ein paar Fotos und genehmigten uns Avocadobrote an diesem für die Inkas bestimmt heiligen Ort. Im Internet habe ich gelesen, dass es jedes Jahr am 22. Juni ein großes Fest dort geben soll. Und auch wenn es nicht viel mehr als diese eine Pyramide gab, so war es doch faszinierend und spannend, sie zu sehen. Immerhin bezweifle ich, dass viele Touristen es jemals zu Gesicht bekommen, da es wirklich sehr abgelegen liegt. Um einen besseren Blick von oben zu erhaschen, bestiegen wir dem am Rande liegenden Berg und blickten auf die Ruine hinab. Es war wirklich ein toller Ausblick! 

Der Rückweg gestaltete sich etwas komplizierter als gedacht, wie schon damals in Sondor. Meiner Meinung nach sollte man hier mal ein wenig an den Transportmitteln feilen, denn auch wenn man irgendwie überall hinkommt, ist es meistens doch sehr schwierig wieder wegzukommen. Man hatte uns vorher gesagt, wir müssten uns einfach an die Straße setzen und warten. Der nächste Bus würde uns mitnehmen. Doch nachdem wir gefühlt ewig gewartet hatten und mehrere Busse einfach an uns vorbeigefahren waren und uns nur doof zugehabt hatten, wuchs so langsam die Verzweiflung in mir. Die Sonne fing an unterzugehen, es war kalt und es wurden immer weniger Fahrzeuge, die an uns vorbeifuhren. Wir fingen also an in Richtung Kishuara zu laufen, um eventuell dort zu Fuß anzukommen und von dort aus dann ein Taxi oder einen Bus nehmen zu können. Mir war sehr wohl noch von de Hinfahrt bewusst, dass es bis Kishuara selbst mit dem Auto fast eine halbe Stunde war, doch in meiner Verzweiflung dachte ich ernsthaft, wir könnten es schaffen. Zum Glück hielt irgendwann dann doch noch ein gütiger Busfahrer an und nahm uns, zwar etwas widerwillig, da der Bus bereits voll war, bis nach Kishuara mit. Wir hätten es zu Fuß wirklich niemals geschafft. Dort fanden wir dann ein Auto inklusive Fahrer, das anscheinend nur zwischen Andahuaylas und Kishuara pendelt und uns somit nach Hause bringen konnte. Als er meinte, er würde „Jetzt“ losfahren, glaubte ich eigentlich gar nicht daran, da die Peruaner eine sehr wage Vorstellung von Zeit haben und oft auch erst losfahren, wenn das Auto voll ist, aber dieser Mann hielt tatsächlich sein Wort und wir fuhren direkt los. Und das auch noch günstiger als auf dem Hinweg! Ich war erleichtert und froh zu wissen, dass wir doch noch an diesem Abend nach Hause kommen würden. 

Bevor wir nach Hause zurückkehrten, aßen wir noch etwas in einem Restaurant, da Percy uns ja unmissverständlich klargemacht hatte, dass das Essen an den Wochenenden nicht im Deal enthalten sei und Juana sich ja darüber beschwert hatte. Wir wollte also nicht riskieren entweder nichts zu bekommen oder uns Ärger einzuhandeln. Außerdem kauften wir noch für den nächsten Tag Gemüse ein, da wir am Sonntag für alle kochen wollten (bzw. Juana schon zum tausendsten Mal danach gefragt hatte und wollte, dass wir deutsches Essen für sie machten). Als wir nach Hause kamen waren schon alle Türen geschlossen und so zogen wir uns direkt in unser Zimmer zurück. 

Da am Sonntag die Volkszählung durchgeführt wurde (die nur alle 10 Jahre stattfindet!), hatten alle Peruaner Ausgangssperre und durften von 7-17 Uhr ihre Häuser nicht verlassen. Somit hatten natürlich auch alle Läden geschlossen und es fuhren weder Taxis noch Busse. Also konnten wir nicht wirklich etwas unternehmen und blieben auch den ganzen Tag zu Hause. Mir graute schon die ganze Zeit davor, da ich ungern so viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte. Als ich mich dann doch dazu überwinden konnte aufzustehen, wurde ich nicht gerade herzlich begrüßt. Stattdessen fragte Anghelo noch vor einem Morgengruß, ob wir heute weggehen würde. Und Juana schalt uns, warum wir gestern Abend nicht zu Hause gegessen hatten. Es hätte doch extra etwas für uns gegeben bla bla. Ganz ehrlich, was erwartet sie denn nach ihrer Aktion? Wir trauen uns ja schon gar nicht mehr auch nur zu fragen, ob es etwas geben würde. Den Vormittag verbrachten wir auf jeden Fall damit, unsere Wäsche zu waschen, was dringend nötig war. Natürlich war aber auch dieses Vorhaben falsch, denn Juana meinte, sie würde sonntags Wäsche waschen, da können wir das nicht auch noch machen. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln bei solchen Aussagen… jedes Mal aufs Neue bin ich fasziniert, was sie sich ausdenkt, was wir wieder falsch machen würden. Denn als ich meine Wäsche aufhängen wollte, schimpfte sei erneut mit mir, weil ich das natürlich auch falsch gemacht hatte und klärte mich zudem noch auf, dass man ja Unterwäsche nicht mit Waschmittel wäscht sondern mit Seife. Und meine Schuhe müsse ich jede Woche waschen. Als ich sie dann einmal mit Juana ansprach, hielt sie mir einen Vortrag, ich dürfe sie nicht so nennen, sondern müsse immer SEÑORA Juana sagen und auch alle anderen Erwachsenen so ansprechen. Hat sie nicht immer wieder betont, ich sei wie eine Tochter für sie? Und dann muss ich sie mit Señora ansprechen? Naja, solche Aktionen bin ich ja mittlerweile gewöhnt, kann aber jedes Mal aufs Neue nicht fassen, was ich da höre. Den Nachmittag verbrachte ich lesend, am Abend kochten Carmen und ich zusammen. Doch außer Anghelo war niemand da und wir wussten nicht so recht, wann sie wiederkommen würden und ob sie dann etwas von unserem Essen haben wollen würden. Denn Anghelo meinte, es würden Gäste kommen und es würde nochmal Suppe geben. Deswegen erlaubte er uns auch nicht mal, etwas von den übriggebliebenen Kartoffeln und Yucas zu essen (heute ist Dienstag, sie liegen immer noch in der Küche…), denn die würden für die Suppe gebracht werden. Also gab es für Carmen und mich nur Gemüse. Anfänglich fand ich das etwas traurig, doch es war super lecker und endlich mal etwas anderes. Wir waren also rundum zufrieden. Nur hatten wir natürlich für 5 Personen gekocht und nicht für 2. Aber Anghelo wollte nichts und als dann mitten in unser Essen Juana reinplatzte, sagte auch sie, sie wolle nur probieren. Natürlich freuten wir uns, dass mehr für uns blieb (wir waren am Ende pappsatt), aber auf der anderen Seite war es nicht wirklich freundlich, uns erst zum Kochen zu bringen und dann nichts davon essen zu wollen. Wir kamen uns zumindest ein wenig verarscht wir. Ich verstehe einfach nicht was diese Frau von uns will. Nach Anghelos schlauen Kommentaren musste ich lachen, als Juana uns sogar Kartoffeln anbot und es natürlich keine Gäste an diesem Abend gab. Vielen Dank für die fachmännische Auskunft. Er ähnelt seiner Mutter in dem Verhalten sehr, wie man vielleicht merkt. Jedenfalls wollte ich dann abends wie immer noch duschen, doch nachdem man mir ja verboten hatte, ohne zu fragen ins Bad zu gehen, kündigte ich es diesmal vorher an. Daraufhin bekam ich nur zu hören, dass ich morgens und nicht abends duschen solle. Also hatte sich das zuerst einmal erledigt, doch eine halbe Stunde später ertönte ein schriller Schrei, dass sie noch nach Andahuaylas gehen würden und ich mich beeilen solle mit dem Duschen. Ich bekam somit doch noch die Gelegenheit, mich unter die kalte Dusche zu stellen und auch Carmen nutzte die Gelegenheit. Als wir danach Zähne putzten, sah ich schon, dass Carmen den Boden nicht gewischt hatte und es super dreckig und nass war. Aber da ich sie nicht herumkommandieren wollte, hielt ich meine Klappe. Um halb zehn lagen wir bereits im Bett und ich war schon fast eingeschlafen, da ertönte schon wieder ein spitzer Schrei und ich hörte meinen Namen. Ich solle doch gefälligst das Bad wischen. Zum ersten Mal musste ich mich wirklich über Carmen ärgern, da ich Juanas Zorn abbekam und erneut das Bad wischen durfte, während sie nichts unternahm und  nur meinte, sie hätte es ja gewischt. Also ich fand es schon ein bisschen mies, aber ich konnte eh nichts machen, da Juana mir nicht glaubte, als ich sagte, dass ich es bereits gesäubert hätte. 

Leider war das Wochenende damit auch viel zu schnell schon wieder rum und ich war froh, den Tag überstanden zu haben. Außer den gewohnten Zurechtweisungen hatten wir es doch ganz gut überstanden. Zwar schickte sie uns über den Tag verteilt noch gefühlt zehnmal los um irgendwas zu kaufen, aber auch das war ja nichts Neues.

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Von Cuzco über Puno und Bolivien

Am Freitagabend ging es für uns also los nach Puno.  Armen und ich hatten alle Tickets schon vorher gebucht, sodass wir uns darüber keine Sorgen mehr machen mussten. Nur die Übernachtung von Sonntag auf Montag in Copacabana (Bolivien) fehlte uns, doch da wollten wir spontan entscheiden, in welchem Hostel wir übernachten würden. Von Andahuaylas aus nahmen wir also den ersten Bus um 8 Uhr abends über Nacht. Zwischen 4 und 5 Uhr am Morgen sollten wir dann in Cuzco ankommen. Die Fahrt war wirklich schrecklich. Es war kalt und unbequem, alles tat weh und wir konnten beide kaum schlafen. Wobei Carmen glaube ich noch mehr Schlaf abbekommen hat als ich, die wirklich kein Auge zubekommen hat. Jedenfalls war es alles andere als eine angenehme Fahrt und wir kamen pünktlich um 4 Uhr völlig übermüdet und gerädert in Cuzco an. Ich bedauerte diesmal zum allerersten Mal die Pünktlichkeit, da wir so vier Stunden auf den nächsten Bus nach Puno warten mussten. Und vier Stunden an einem Busbahnhof am frühen Morgen zu verbringen ist echt sehr viel Zeit. Außerdem war mir leider total schlecht, ich hätte Magenkrämpfe und fühlte mich überhaupt nicht gut. Die Stunden zogen sich außerdem sehr und wir wollten einfach nur schlafen. Also warteten wir 2 1/2 Stunden im Wartebereich mit Stöpseln in den Ohren und hofften, dass die Zeit und die Übelkeit vorbeigehen würde, da auch Carmen nichts essen konnte. Als schließlich endlich der Schalter von Cruz del Sur öffnete erfuhren wir auch, dass unser Bus von einer anderen Haltestelle abfahren würde. Also suchten wir diese auf und fanden sie zum Glück auch sehr schnell und unkompliziert. Dort warteten wir dann noch die letzten 1 1/2 Stunden in einem sichtlich gepflegteren und schöneren Terminal. Zu uns gesellten sich immer mehr Leute, jedoch offensichtlich nur Touristen, grösstenteils aus Europa würde ich sagen. Da merkte man schon, dass das die beste Firma unter den Bussen ist und die meisten Peruaner nicht mit dieser reisen. Leider verging meine Übelkeit nicht und auch Carmens Magen fühlte sich noch nicht besser an. 

Meine Hoffnung war, dass diese Fahrt besser werden würde als die erste, da sie kürzer war und wir eben mit einem besseren Unternehmen unterwegs waren. Doch leider plagte mich die Höhenkrankheit „soroche“ dermaßen, dass ich die ganzen 6 1/2 Stunden Grill vor mich hin litt. Aufgrund einer idiotischen Sitzplatzverteilung saßen wir auch nicht nebeneinander. Ich saß neben einem fremden Mann und Carmen hinter mir alleine. Für sie war die Fahrt wie sie mir berichtete sehr angenehm, sie konnte viel Schlaf nachholen und es ging ihr gut. Mir dagegen schmerzte mein Magen ungeheuerlich und ich konnte kein Auge zutun. Die letzten Stunden würde es immer schlimmer und als wir die Stadt Juliaca durchfuhren, hoffte ich inständig, es sei schon Puno. Doch zu meiner Verzweiflung sollte es noch dauern bis wir ankamen. Meine Übelkeit wurde immer schlimmer und ich dachte, wenn wir nicht gleich ankommen würden, würde es nicht mehr auszuhalten sein. Auf den letzten Metern als wir sogar schon in Puno waren ging es schließlich nicht mehr und ich musste mich übergeben. Leider hatte die Plastiktüte, die ich noch schnell aus meinem Rucksack gezogen hatte, ein Loch… Der Mann neben mir versorgte mich schnell mit einer neuen und ausreichend Feuchttüchern, sodass ich mich wenigstens sauber machen konnte. Mein ganzer Körper kribbelte wie verrückt und ich ärgerte mich, dass ausgerechnet ich noch auf den letzten Metern so eine sauerei veranstalten musste. Auch nachdem wir den Bus verlassen hatten, ging es mir immer noch nicht besser. Auf dem Klo entlud sich dann der Rest und mein Magen war etwas ruhiger. Wir kauften direkt für den nächsten Tag die Busfahrt nach Copacabana plus Rückkehr, damit wir auch diese schon sicher hatten. So mussten wir uns um nichts mehr kümmern und ließen uns zu unserem Hostel fahren. Dies war glücklicherweise ein absoluter Erfolg und ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Das WLAN funktioniert dort so schnell wie nirgends hier in Peru, die Zimmer sind sauber, die Bäder ebenfalls, es gibt warme Duschen und Tee 24/7. Außerdem haben wir für ein Bett in einem reinen Mädchenzimmer für vier Personen inklusive Frühstück nur 8,50€ pro Person gezahlt! Wie genial ist das denn bitte! Die Betten sind warm und wir haben uns richtig zu Hause gefühlt. In der ersten Nacht haben wir uns das Zimmer sogar nur mit einer anderen geteilt. Am Abend bin ich zu Hause geblieben, weil ich ständig aufs Klo rennen musste und sich mein Magen wirklich nicht gut anfühlte. Carmen zog nochmal los und sah sich den Plaza de Armas von Puno im Dunklen an und suchte sich was zu essen. Wir. Eide duschten nach Ewigkeiten mal wieder warm und genossen funktionierendes Internet.

Am nächsten Morgen mussten wir zeitig aufstehen, da der Bus nach Copacabana schon um 7 Uhr abfuhr. Also reichte die Zeit gerade so für ein schnelles Frühstück, was meinem Magen nicht gerade gut tat. Die Fahrt nach Bolivien verlief aber vergleichbar ruhig und die 3 1/2 Stunden waren gut zu überstehen. Die Einreise verlief ohne weitere Schwierigkeiten und so kamen wir mittags in Copacabana an, wo wir direkt eine Tour auf die Isla del Sol buchten. Nachdem uns dann zum Glück die Zeitverschiebung aufgefallen war, hatten wir nur noch kurz Zeit uns ein Hostel auszusuchen, ein Teil unseres Gepäcks dazulassen, uns eine völlig überteuerte Pizza zum Mitnehmen zu kaufen und dann zum Bootsanleger zu gehen. Beim Hostel fiel unsere Wahl auf das „Hostal Estrella del Lago“, das von außen ganz einladend aussah und zudem nur umgerechnet 3€ pro Person kostete. Wir hatten nämlich beide nicht so viel Geld gewechselt, sodass wir sehr genau darauf achten mussten, wieviel wir für was ausgaben. Für mehr reichte unser Geld nicht und so entschieden wir uns dafür. Am Pier gab es dann ein wenig durcheinander mit unseren Tickets, aber schlussendlich durften wir die Nussschale dann doch betreten und schipperten mit einer halben Stunde Verspätung los. Nach 1 1/2 Stunden kamen wir dann auf der Isla del Sol an und hatten leider nur eine Dreiviertelstunde Zeit, ein wenig herumzulaufen. Das war echt schade, dass uns nicht mehr Zeit blieb, aber wir mussten an dem Tag wieder zurück an Land. Also liefen wir nur einige Treppenstufen den Hang nach oben und genossen den Blick und die Tatsache, dass wir auf der berühmten Isla del Sol im Titicacasee waren. Die Rückfahrt wurde leider pünktlich angetreten und der Wellengang war ordentlich! Meinem Magen tat das Geschaukle gar nicht gut und ich war gottfroh als wir noch einen 15-minütigen Stopp bei Ruinen einlegten. Mein Bauch konnte sich etwas beruhigen und ich überstand die Fahrt glücklicherweise unbeschadet. Aus welchem Grund auch immer fuhr das Boot diesmal nur im Schneckentempo und wir brauchten gefühlt ewig. Zurück in Copacabana wollten wir die Zeit, die wir hier hatten, wenigstens so gut es ging ausnutzen und liefen so noch etwas am See lang. Als es dunkel und damit auch kalt wurde, setzten wir uns noch zum Stand „Carmencita“, wo Carmen so h noch ein Abendessen bestellte. Ich bekam leider immer noch nichts runter. 

Im Hostel legten wir uns dann trotz früher Stunde direkt ins Bett, da wir beide total geschafft waren. Wir unterhielten uns zwar noch, doch da leider auch das WLAN nicht bis zu unserem Zimmer im obersten Stock reichte, konnten wir das leider nicht mehr nutzen und es hielt uns nichts mehr vom Schlafen ab. In der Nacht regnete es wie aus Eimern und da unsere Zimmertür nicht dicht war, war der ganze Boden am nächsten Morgen praktisch geflutet und eine riesige Pfütze. Aber was sollten wir auch für 3€ erwarten… Die Betten waren aber warm, das Klo sauber und somit reichte es für die Nacht völlig aus und wir hätten nichts besseres gebraucht. Das Geniale war, dass wir ausschlafen konnten, da der Bus zurück nach Puno erst um ein Uhr mittags abfuhr. Mir ging es an dem Tag zum ersten Mal wieder besser und ich freute mich auf ein Frühstück. Leider bleiben uns zusammen aber nur umgerechnet 2,50€ für dieses, weshalb wir etwas suchen mussten bis wir was fanden. Das Wetter war im Gegensatz zum Vortrag herrlich und die Sonne schien, auch wenn es sehr kalt war. Tatsächlich reichen unsere 20 Bs dann genau für zwei mickrige Brötchen mit etwas Gemüse. Nicht sehr sättigend, aber wir fanden heraus, dass wir auch mit Soles bezahlen konnten und so entschieden wir uns dazu, uns dann vor der Rückfahrt nochmal ein ordentliches Mittagessen zu gönnen. Den Vormittag liegen wir durch die Straßen Copacabanas und ersteigerten jeder einen Alpaka Pulli in den Mustern, wie wir sie schon lange haben wollten. Die nette Frau machte uns zudem noch ein unschlagbares Angebot und so waren wir den ganzen Tag noch beflügelt von unserem Kauf. Außerdem schauten wir uns die Kathedrale an und schlenderten durch die Straßen und Märkte. 

Mittags waren wir dann in einem hippen Restaurant essen, das sogar von Carmens Reiseführer vorgeschlagen wurde und ein veganes Menü anbot! Da musste ich rein! Zudem war der Preis unglaublich gut und das Menü mit Fleisch war sogar noch günstiger. Also gab’s für mich eine Quinoa-Gemüse-Suppe und einen Quinoa-Burger mit Pommes. Nichts für meinen empfindlichen Magen, aber lecker! Das ist der Vorteil an diesen touristischen Orten: es gibt überall vegetarisches Essen und jedes Restaurant wirbt damit. Nicht wie in Andahuaylas, wo das ein Fremdwort ist. Dafür zahlt man aber auch sehr viel mehr und selbst ich muss sagen, ich finde es sehr schade, keine „Pollerias“ zu sehen, sondern nur Restaurants mit Pizza, Pasta und Co. Deswegen bin ich doch nicht in Peru! Das war schon sehr schade an Puno und Copacabana, da beides sehr auf Touristen ausgelegt ist. Auch wird man ständig auf Englisch angesprochen und wenn man aus Routine auf Spanisch antwortet, ist jeder verwirrt. Keiner der dort arbeitenden Menschen rechnet mit Touristen, die ihre Sprache beherrschen. Da lobe ich mir doch Andahuaylas, wo wir wirklich Peru kennenlernen. Dieses touristische hat uns beiden gar nicht gefallen. 

Wie immer dauerte auch bei diesem Mittagessen wieder alles ein bisschen länger, sodass wir am Ende ziemlich in Stress gerieten, weil wir zum Bus mussten. Angekommen an dem Büro unserer (eigentlich doch vertrauenswürdigen) Busfirma, stellten wir fest, dass dieses geschlossen war… Auch von einem Bus war weit und breit nichts zu sehen. Also fragten wir eine Frau einer anderen Firma und diese meinte nur, heute würde kein Bus dieses Unternehmens fahren. Als ich ihr klarmachte, dass wir unbedingt heute noch nach Puno zurück mussten, rief sie irgendwen an und schickte uns zu einem etwas wackelig aussehenden Bus, der uns stattdessen mitnehmen sollte. Dieser Umstand machte mich total nervös und ich hatte große Angst, da ich mich vor genau solchen Situationen gefürchtet hatte. Zu spät am Bus angekommen, dieser war trotz Vorausbuchung nicht da und wir mussten auf irgendeine andere Firma ausweichen, die uns aber zum Glück ohne Widerwillen mitnahm. Zudem kam die Sorge mit der Grenzüberschreitung und dem Visum… Zum Glück war die Grenze nur 10 Minuten entfernt und ich wurde schnell erlöst. 

Schon auf bolivianischer Seite geriet ich an einen sehr unfreundlichen und miesepetrigen Beamten, der mich blöd anmaulte. Aber abgesehen davon klappte alles gut. Auf peruanischer Seite wurde es dann brenzlig. Der Beamte war wohl auch schlecht gelaunt und gab mir nur weitere 60 Tage Aufenthaltsgenehmigung. Daraufhin fragte ich, ob ich nicht 90 bekommen könnte und er fragte mich, warum ich so lange bleiben wolle. Ich stammelte etwas davon, dass ich einen Freund in Lima habe, den ich besuchen wolle und er meinte so: „Einen Verlobten?“ Ich so: „Nein nein, …“, da gab er mir schon einen neuen Zettel zum Ausfüllen und bewilligte mir danach 90 Tage. Was für eine Erleichterung, ich war so froh! Carmen hatte direkt die 90 Tage bei einem anderen Grenzbeamten bekommen. Ich glaube die machen das nach Gefühl und Wellenschlag, wieviele Tage sie dir reinschreiben. Denn Carmen hat am Flughafen sogar nur 30 bekommen und hatte richtig Glück, dass wir dieses Wochenende schon nach Bolivien ausgereist sind, da der Monat bei ihr genau zu diesem Zeitpunkt zu Ende war. Also ich weiß nicht wonach sie das entscheiden, ich war nur heilfroh und unglaublich erleichtert, dass es geklappt hatte und ich diese Sorge los war. Jetzt muss ich das nie wieder machen und kann unbesorgt sein. Endlich habe ich es hinter mir, wovor ich so lange Befürchtungen hatte. Meine Sorgen waren aber wie ich feststellen musste ja nicht ganz unbegründet. Jetzt ist es aber geschafft und ich super erleichtert. 

In Puno angekommen regnete es wie verrückt und de Straßen hatten sich in Flüsse verwandelt. Also luden wir erstmal wieder unser Gepäck ab und machten uns dann, als es aufgehört hatte zu schütten, noch auf den Weg zum Plaza de Armas, der nicht weit entfernt war. So konnte Carmen ihn noch mal im Hellen betrachten und auch ich bekam die Chance dazu. Danach liefen wir noch durch die vielen Souvenirläden und Fußgängerzonen, bis wir uns schließlich wieder auf die Suche nach Essen machten. Mein Hungergefühl war nämlich wieder zurück und mein Magen hatte sich beruhigt. Die Restaurants in Puno sind wirklich unverschämt teuer im Vergleich zu dem, was wir gewöhnt waren, und so suchten wir etwas nach einer günstigeren Alternative. Irgendwann fanden wir dann ein Restaurant, das echt nett aussah und für fast die Hälfte des Geldes statt nur einem Hauptgericht ein Drei-Gänge-Menü inklusive Getränk anbot. Leider waren die Portionen ernüchternd winzig und wir wurden nicht richtig satt. Also dafür war das Geld auf jeden Fall auch noch zu viel. Leider regnete es auch wieder wie aus Eimern als wir uns auf den Heimweg machten und wir kamen klatschnass im Hostel an, wo wir uns nochmal einen Tee und Bananen gönnten. Danach tat die warme Dusche wieder unglaublich gut (es gibt nichts Schöneres!), das Internet wurde wieder ausgenutzt und früh geschlafen. Als wir schon im Bett lagen, kamen noch zwei andere Mädels und wir waren doch nicht alleine die Nacht, was man aber kaum gemerkt hat und uns somit überhaupt nicht störte. 

Am Morgen standen wir wieder zeitig auf, um in Ruhe frühstücken zu können, da wir es diesmal ausnutzen wollten und der Bus erst um 8 Uhr abfuhr. Die Rückfahrt von Cuzco nach Puno war zum Glück um einiges angenehmer. Mir war nicht mehr übel und wir waren nicht mehr ganz so müde. Also verbrachte ich die Fahrt mit einem Film (Anjuli, wir haben „Begabt“ gesehen, wo wir noch im Kino waren!), einem Podcast, dem Schreiben vom Blogartikel und so weiter. Auch konnte ich die unglaublich schöne und atemberaubende Landschaft genießen, durch die wir fuhren. Der Großteil der Strecke führte durch eine Hochebene und an teils schneebedeckten Bergen vorbei. Dazwischen grasten Lamas und Alpakas, aber wir konnten auch Flamingos erhaschen. Ich konnte die Fahrt also wirklich nutzen und genießen.

Um 3 Uhr kamen wir dann völlig ausgehungert in Cuzco an und suchten erstmal nach einem Restaurant mit erschwinglichem Mittagsmenü. Nach kurzer Suche wurden wir auch fündig und ließen es uns am Salat-Buffet richtig gut gehen, das es zum üblichen Rest dazugab. Danach beschlossen wir, da es regnete und uns noch einige Stunden blieben, ins ChocoMuseum zu gehen. Der erste Taxifahrer zockte uns leider voll ab und setzte und an der falschen Adresse aus und so mussten wir noch eines nehmen. Diesmal hatten wir aber einen sehr freundlichen Taxifahrer. Der Verkehr in Cuzco ist fast so verrückt wie in Lima und wir waren es gar nicht mehr gewohnt aus Andahuaylas. Ich muss aber zugeben, dass ich den Reiz, der von dieser Stadt ausgeht, absolut nachvollziehen kann, denn sie ist wunderschön anzusehen und sauber, mit richtigen Häusern. Da aber wirklich alles auf Touris ausgelegt ist, ist es auch dementsprechend teuer und voll und Taxifahrer sprechen dich gar nicht erst auf Spanisch an. Leider haben es auch bereits KFC, McDonald’s und Starbucks nach Peru geschafft und die landestypischen Pollerias und Meerschweinchen Restaurants vertrieben, doch die Architektur und das Straßenbild sind wunderschön. 

Im Schokoladenmuseum machten wir eine kurze Führung mit, probierten allerlei Sorten der leckersten Schokolade, die ich jemals gegessen habe (die aber leider auch seinen Preis hat) und lernten, dass sie ihren Ursprung bei den Mayas hatte. Es gab sogar eine Sorte mit Coca! 

Danach blieb uns immer noch Zeit und so schlenderten wir durch die unzähligen Souvenirläden und landeten schließlich als es schon dunkel war am Plaza de Armas. Dieser hatte um die Uhrzeit einen wunderbaren Charme und war sehr schön anzusehen. Ich bin schon gespannt darauf ihn am Tage zu erkunden. 

Um 8 Uhr traten wir dann den letzten Teil unserer Reise an und fuhren los in Richtung Andahuaylas, auch wenn wir beide überhaupt keine Lust auf die achtstündige Fahrt über Nacht hatten und einfach nur da sein wollten und schlafen. Zudem hatten wir auch noch die Sitze abbekommen mit der wenigsten Beinfreiheit. Dabei waren wir bestimmt mit Abstand die Größten im ganzen Bus. Glücklicherweise war aber auch diese Fahrt gar nicht so schlimm wie erwartet, sondern erstaunlich angenehm. Wir unterhielten uns lange und als wir einschliefen, konnten wir ziemlich gut schlafen und wurden erst geweckt, als kurz vor San Jeronimo die Polizei eine Kontrolle durchführte und den Pass jedes Passagiers kontrollierte. 

Kurz darauf trafen wir an unserer Endstation ein und fanden nach dem dritten Versuch auch ein günstiges Mototaxi, das um diese unchristliche Zeit kein Vermögen von uns verlangte. Auch dieser Fahrer war wieder äußerst freundlich. 

Zuhause angekommen war ich ehrlich gesagt gar nicht so müde, wir schliefen aber trotzdem beide nochmal ein paar Stunden und standen ganz langsam und ruhig auf. 

Als Fazit kann ich also nur sagen, dass mir der Trip trotz der Anstrengung und der Übelkeit echt gut gefallen hat und es gut tat, mal so lange von Juana weg zu sein. Leider hatten wir echt Pech mit dem Wetter und sind immer ins schlechteste Wetter reingefahren und haben Copacabana bei schönstem Sonnenschein und Wärme verlassen, aber es hat sich auf jeden Fall alles gelohnt und wir dürfen nun bis Januar hierbleiben. Außerdem haben wir in kürzester Zeit zwei bekannte Städte Perus bereist, waren in Bolivien, sind durch atemberaubende Landschaften gefahren und haben den Titicacasee sowie die Isla del Sol gesehen. Was für ein Erlebnis! Erfolgreich trotz aller Ängste, aber ich bin froh, diese Sorge losgeworden zu sein. Auch bin ich etwas traurig, dass es jetzt schon vorbei ist, da wir jetzt nicht mehr so schnell Urlaub haben werden. 

Soviel also zu meinem verlängerten Wochenende,

Emily 

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Keine neue Familie...

Am Mittwoch habe ich ja meinen Bericht mit der Unwissenheit abgeschlossen, was Edwin herausfinden würde und ob er überhaupt eine andere Familie finden könne. Über WhatsApp kontaktierte er mich am Abend noch und sagte mir, er würde doch nicht wie geplant am Abend wieder zurück nach Abancay fahren, sondern noch in Andahuaylas bleiben um uns eine neue, nette Familie zu suchen. Am Donnerstagmorgen allerdings erfuhr ich von ihm, dass er sich doch auf dem Weg gemacht hatte, da er Freitag in Lima sein musste. Er hatte natürlich keine neue Bleibe gefunden, meinte aber er hätte mit Juana gesprochen… Über was und ob es was gebracht hat weiß ich nicht. Er versprach, in zwei Wochen wiederzukommen. Doch das nützt mir wenig, da meine Zeit da schon fast rum ist. Also werden Carmen und ich uns wohl damit abfinden müssen, die ganzen drei Monate bei Juana und Co. zu verbringen. Aber wir werden das schon schaffen, zusammen ärgert es sich besser. Wenigstens gibt es wieder Essen für uns! Das ist schonmal eine große Verbesserung. Allerdings bin ich es wirklich nicht mehr gewohnt abends mehr als eine dünne Suppe zu essen und so macht ein ordentliches Abendessen mit Reis und irgendwas meinem Magen ganz schön zu schaffen. Aber wer weiß wie lange diese Phase der Güte anhält, deswegen nutze ich die lieber mal aus. Auch wenn die Auswahl limitiert ist und es zum Beispiel für uns nur altes Brot gibt und nicht das frische und auch keine Avocado oder Marmelade mehr freut man sich doch schon über alles, was es überhaupt für uns gibt. 

Am Donnerstag ging es Carmen gesundheitlich zwar schon besser und die Kopfschmerzen waren weg, aber die war immer noch müde und schlapp und blieb deshalb nochmal zu Hause um sich auszuruhen. Ich war also alleine auf der Arbeit und da Juana der festen über war, sie habe Fieber, scheuchte sie mich wie wild durch die Gegend und ließ mich alles machen, was an Arbeit anfiel. Ich hätte auch ohne ihre Anweisungen Carmens Teller mit abgewaschen, das ist ja kein Problem. Aber so wie sie es immer rüberbringt ist es lediglich unverschämt. Außerdem tut sie immer als wären wir blöd und könnten und wüssten nichts. Als ich dann an einem Abend Carmen einen Tee. Ringen sollte und die Tasse zu Boden viel, schimpfte sie mit mir als hätte die nur darauf gewartet, dass mir so etwas passiert. Sie fragte mich, die wievielte Tasse es sei, die ich kaputt machte und als ich meinte die einzige und dass es mir Leid täte, schüttelte sie mir abwertend den Kopf. 

Außerdem verbot sie uns öfter als dreimal pro Woche zu duschen, was ich aber so oder so nicht tat. Und am Freitag betonte sie erneut, dass sie in der Familie doch alles teilen würden. Dass ich nicht lache…. Carmen und ich mussten einfach beide nur lachen über so einen blöden Spruch. 

Am Freitag ging es ihr zum Glück wieder gut und sie konnte wieder mit auf die Arbeit kommen. Es schüttete wie aus Eimern und war plötzlich super kalt geworden. Es war schon ziemlich spät fürs Frühstück, aber als wir gerade alle am Tisch saßen und anfangen wollten zu essen, schickte Juana mich nochmal los um frisches Brot zu kaufen. Warum konnte sie nicht einmal selbst gehen? Stattdessen musste ich durch den Regen rennen und Brot kaufen, von dem ich nachher dann nur ein verkokeltes abbekam, das nicht nach mehr als Ruß schmeckte. Alle anderen saßen derweil ganz gemütlich im Trockenen. Und als wäre das nicht schon genug, brachte sie uns noch einmal zum Aufregen. Carmen und ich putzten gerade (wohlgemerkt draußen im Regen) unsere Zähne, während sie sich ihre Haare flechten ließ, als gerade dass Müllauto am Haus vorbeifuhr. Wenn das der Fall ist, muss immer gerannt werden und alle Mülleimer an die Straße gebracht werden. Carmen war gerade fertig mit Zähneputzen als die markante Musik ertönte. Da schrie Juana, Carmen solle sich beeilen und ganz schnell den Mülleimer rausbringen. Ich stand noch mit der Zahnbürste im Mund am Waschbecken, als sie dann auch mich anscheuchte, ich solle den Mülleimer aus dem Bad holen und vorbringen. Und das SCHNELL! Ich, genervt und mit einer Zahnbürste im Mund, musste also den Mülleimer, in den jeder sein Klopapier warf, an die Straße bringen und den Müllmännern in die Hand drücken. Es war nicht nur eklig, sondern wir mussten uns einfach beide so darüber ärgern, dass sie sich in aller Ruhe die Haare flechten ließ und uns herumscheuchte, während ich sogar noch am Zähneputzen war. Zu dem Zeitpunkt war es dann schon zu spät um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, doch Juana wies mich noch an eine neue Mülltüte aus der Küche zu holen und in den Mülleimer zu stecken. Ich wusste allerdings nicht wo sie die Tüten verstaute und so stand ich verloren in der Küche, bis sie mir eine Tüte in die Hand drückte und mich rügte, ob das denn so schwer sei und dass es doch ganz schnell ginge. Sie schnappte sich ihre Handtasche und ging zur Arbeit, um nicht noch später zu kommen, während ich dann noch mit ihrem Auftrag beschäftigt war. Wie dreist war das denn? Wir kamen wegen ihr also zu spät und sie ließ uns ihre Arbeit machen, damit sie früher als wir kamen. Wenn es so schnell geht, dann kann sie es doch auch eben selber machen. 

Ansonsten war der Freitag aber relativ entspannt, da es am Nachmittag gar nichts zu tun gab und wir komplett vergeblich nach der Mittagspause und CEDIF zurückkehrten. Bei der Putzorgie standen wir nur blöd in der aufgewirbelten Staubwolke rum und danach verabschiedeten sich nach und nach recht früh alle Mitarbeiter. Nur uns sagte man nicht Bescheid, ob wir gehen konnten oder nicht und wurden auch von Juana einfach sitzen gelassen. Ganz nebenbei stellte sich noch heraus, dass der Ausflug nach Curahuasi anscheinend nicht stattfinden würde, man uns aber nicht darüber informiert hatte. Da das aber nur zwei Mädels meinten, die für zwei Wochen da sind, gegen wir immer noch die Hoffnung, dass es doch nicht ausfällt. Wir hatten uns so auf eine freie Woche gefreut und wollten Donnerstag und Freitag einfach nicht arbeiten. Da Señor Reneé aber irgendwie auch verschwunden war könnten wir nicht nachfragen. Tags zuvor sagte er mir aber noch, dass es Donnerstag losginge und wir Freitag wiederkommen würden. Ich bin also leicht verwirrt. Und auch etwas angesäuert, da wir scheinbar nicht wirklich als Mitarbeiterinnen angesehen werden und an keiner besprochen teilnehmen dürfen. Dabei arbeiten wir mal mit Abstand am meisten und die anderen beiden, die für zwei Wochen gekommen sind, dürfen ja irgendwie auch teilnehmen. Wir werden stattdessen mit den Kindern alleine gelassen und nicht einmal über die Ergebnisse informiert. Am Freitag sagte man uns zudem, dass man uns Bescheid sagen würde, wenn das Mittagessen fertig sei. Wir fragten uns schon warum wir nicht einfach wie immer um 12 Uhr hochkommen durften. Als ich nach oben schaute sah ich, wie sich alle Mitarbeiter inklusive der Köchin am Tisch versammelt hatten und aßen. Wie unverschämt war das denn! Die Kinder mussten warten und hatten somit, da es immer später wurde, immer weniger Zeit zum Essen, während sich die Verantwortlichen in ihrer Arbeitszeit ein Festmahl gönnten. Es wurde nämlich nicht das normale Mittagessen aufgetischt, sondern allerlei besondere Sachen. Und Carmen und ich waren natürlich wieder nicht mit von der Partie und mussten dann, nachdem es schon ziemlich spät war, an einen anderen Tische ausweichen und die Kinder schon wieder anweisen, schneller zu essen. 

Am Morgen gab es dagegen einen, meiner Meinung nach sehr amüsanten, Zwischenfall. Wie jeden Morgen putzten sich die Senioren am Waschbecken ihre Zähne, doch irgendwie schien das Wasser sich nicht mehr abstellen zu lassen. Vielleicht durch den starken Regen, ich hab keine Ahnung. Auf jeden Fall hielt einer der Opis irgendwann sogar den Zudrehhahn in der Hand und das Wasser schoss ungebremst aus dem Wasserhahn und ließ sich nicht mehr abstellen. In kürzester Zeit war also der Boden geflutet, alle Senioren nass, das Wasser spritzte in alle Richtungen und machte auch alle umliegenden Wände klatschnass. Keiner wollte sich der Fontäne unbedingt nähern und ich musste einfach nur lachen, hatte aber auch keine Ahnung wie man das Wasser abstellen könnte. Carmen wagte sich irgendwann vor um den Stecker des Fernsehers zu ziehen, die Kinder schrien vor Aufregung und ich rief, sie solle den Wäschekorb der da irgendwie rumstand über den Hahn stülpen. So lief das Wasser wenigstens teilweise ins Waschbecken und man konnte sich wieder dem Spektakel nähern. Carmen war klatschnass und auch die Untermieter standen schon auf der Matte, da ihnen das ganze Wasser in die Wohnung lief. Mit der Zeit war dann das ganze CEDIF versammelt und versuchte das Wasser abzustellen, was aber nicht möglich war. Irgendwie konnte der Hahn dann wieder angebracht werden und die Fontäne versiegte, aber es war alles nass und sehr witzig gewesen. 

Am Abend um 8 ging dann unsere Reise nach Puno mit Zwischenstopp in Cuzco los... 

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Was passiert als nächstes?

Jedes Mal aufs Neue wenn ich diese Berichte verfasse bin ich überrascht, wie sehr sich mein Leben innerhalb von einer Woche hier verändert. In der einen Woche ist es ganz gut ertragbar, in der nächsten denke ich wieder, ich bin im falschen Film.

Diese Woche jedenfalls startete damit, dass Carmen und ich eigentlich nach der Arbeit noch die letzte Übernachtung buchen wollten, doch mussten wir leider feststellen, dass das WLAN nicht funktionierte. Auf meine Nachfrage hin, ob Anghelo müsse, was los sei, meinte er nur ganz trocken, Juana hätte es nicht bezahlt und somit gebe es vorerst keines mehr. Mir blieb die Kinnlade beinahe offen stehen. Man hätte uns ja wenigstens mal darüber informieren können, oder? Jedenfalls gab es also kein WLAN mehr, es wurde keine Übernachtung gebucht. Stattdessen durchstöberten wir unsere Reiseführer, um uns eine Reiseroute für danach zurechtzulegen, bis wir vom Küchentisch vertrieben wurden, weil der Neffe von Juana gekommen war. Also verzogen wir uns in unser Zimmer, bis ich es nochmal in die Küche wagte, um zu fragen ob und wann wir zu Abend essen würden. Da wurde ich so blöd von ihr angemacht, dass ich doch sehen würde, dass sie nur Tee trinken würden. Das war mir durchaus bewusst, nur wollte ich eine Auskunft über den weiteren Verbleib haben, da ich Hunger hatte. Das war aber schon zu viel verlangt und ich wurde nur angemotzt. Ich hätte am liebsten zurück gestänkert, da ich an dem Nachmittag das Obst, das sie ja vor uns versteckt, vergammelt im Mülleimer gefunden habe… Warum muss sowas sein? Bevor es vergammelt kann sie es doch uns geben, ich hätte es mit Sicherheit gegessen! Jedenfalls gab es dann kurz nachdem ich gefragt hatte doch Abendessen. Allerdings war dieses nicht sonderlich befriedigend. Carmen und ich erhielten beide nur ein ganz klein bisschen Reis mit etwas von der Soße, was uns beide nicht wirklich sättigte. Als Carmen nach einem Nachschlag fragte, bekam sie als Antwort wie auch ich schon einige Male zuvor zu hören, dass es nicht für alle reichen würde, wenn sie sich nochmal nehmen würde. Ich wusste also, dass ich es gar nicht erst versuchen brauchte, auch wenn ich wusste, dass am Morgen trotzdem noch etwas übrig sein würde… Tee bekamen wir auch nicht mehr ab und auch am nächsten Morgen war es nicht besser. Wir bekamen beide nur zwei trockene Brote, mehr durften wir uns nicht nehmen und auch Tee wurde uns nicht mehr als eine Tasse gestattet. Im Laufe des Vormittags bin ich also fast verhungert und als ich auf der Arbeit in der Küche nach einem Brot fragte, wurde ich auch nur wieder dumm angefahren, dass ich doch frühstücken solle… Generell sagt man mir hier die ganze Zeit ich solle mehr essen und müsse zunehmen und auch Juana meint das ständig, aber außer dem Mittagessen bekomme ich irgendwie nicht wirklich was anständiges, wenn ich mich nicht selbst drum kümmere. Keine Ahnung, was deren Problem ist. 

Ich habe ja auch schon davon erzählt, dass wir ständig andere Informationen bekommen und je nach Gemütslage andere regeln herrschen, aber mittlerweile darf ich noch nicht einmal spezielle Tassen benutzen. Es gibt nämlich zwei größere Tassen und die darf ich nicht mehr benutzen, weil ich sie kaputt machen könnte… Carmen soll gefälligst ihr Bett vor dem Duschen machen und nicht danach, mit mir schimpfte sie zum vierten Mal, dass ich das Bad falsch wischen würde und wenn wir unser Geschirr nicht abtrocknen würden, würden wir alle krank werden. Das ist nämlich ihr Lieblingsspruch. Egal was wir ihrer Ansicht nach falsch machen, es heißt immer, wir würden alle davon krank werden oder sterben. Deswegen müssen wir jetzt auch jeden Tag unser Zimmer sauber machen, obwohl das überhaupt keinen Sinn macht und wir das auch vorher schon regelmäßig gemacht haben, aber gut. Wie immer versuchen wir einfach es ihr immer recht zu machen, auch wenn es nicht anerkannt wird. Denn egal was wir machen, ich habe das Gefühl, dass sie sich einfach irgendwas raussucht um daran rumzumeckern und uns zu sagen, dass wir es falsch machen würden. Einfach nur um zu schimpfen. 

Zum Glück kam am Dienstag aber tatsächlich endlich Edwin hier an, dem wir dann kurz und sehr grob die größten Probleme schilderten, während der ganze Rest Perus wahrscheinlich schon vor dem Fernseher hing. Es stand nämlich das Spiel Peru vs. Kolumbien an und wenn Peru gewonnen hätte (haben sie nicht, es ging 1:1 aus), wäre dies ihr Eintritt zur WM 2018 in Russland gewesen. Also haben wir uns auch irgendwann dazu gesellt und das Spiel mitverfolgt. Mein Ehrgeiz war geweckt, da wenn sie gewonnen hätten, wir am Mittwoch frei gehabt hätten. Also verlegten wir das Gespräch mit Juana, um das wir gebeten hatten und das dringend notwendig war, auf den nächsten Tag. Um Edwin zu beeindrucken gab es tatsächlich auch mal was Anständiges zu essen, aber mein Magen war es gar nicht mehr gewöhnt abends so viel zu essen, weshalb ich dann ordentlich Bauchschmerzen bekam, die auch am nächsten Morgen noch nicht sonderlich besser waren. Was aber der absolute Höhepunkt (oder besser Tiefpunkt) des Abends war, war als Juana am Esstisch plötzlich zu Edwin meinte, er solle eine andere Familie für uns suchen. Edwin war sichtlich geschockt und meinte, wir würden morgen reden. Aber auch ich und Carmen waren geschockt über diese Aussage und konnten nicht glauben, was wir da eben gehört hatten. Sie will einfach nicht mehr, dass wir bei ihr wohnen bleiben. Das brachte sogar Carmen, die eigentlich der Meinung war hier bleiben zu wollen, dazu zu sagen, dass sie jetzt auch gerne weg wolle. 

Da Edwin mit uns am Mittwoch nach Huancabamba wollte, hatten wir trotz Unentschieden frei und Juana kam nur um 8 Uhr in unser Zimmer und fragte unnötigerweise, ob wir zum Arbeiten gehen würden oder mit Edwin gehen würden. Ich glaube es war offensichtlich, da wir beide noch im Bett lagen, dass wir beide nicht arbeiten gehen würden. Dazu ging es Carmen auch noch schlecht und sie hatte Kopfschmerzen, weshalb sie sich dazu entschloss, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und zu schlafen. Ich hoffte einfach, dass sie kein Fieber hatte und am Freitag wieder fit sein würde um nach Puno zu fahren. Also machte ich mich so gegen 10:30 Uhr alleine mit Edwin auf den Weg nach Huancabamba, einen abgelegenen Örtchen, das noch zu Andahuaylas gehört. Man kommt auf dem Weg dahin am Flughafen vorbei und kann die faszinierende Landschaft begutachten. Huancabamba dagegen hat nicht sonderlich viel zu bieten. Ungeteerte Straßen, Lehmhäuser und unglaubliche Ruhe. Also wirklich sehr ländlich und noch sehr ursprünglich. Außer der Platz natürlich, der wie überall ordentlich und sauber war. Da der Bürgermeister, zu dem Edwin wollte, in einer Besprechung war, beachten wir die örtliche Grundschule und Edwin berichtete ganz motiviert von seinen vielen Plänen, mehr Touristen und auch andere Freiwillige dorthin zu bringen. Der Direktor schien mir nicht ganz so begeistert, doch trotzdem wurden wir der sechsten Klasse vorgestellt und Edwin schwang mal wieder eine ausschweifende Rede. Danach war der Bürgermeister immer noch nicht fertig und si warteten wir noch eine Weile. Irgendwann kamen dann drei Männer und eine Frau aus dem Rathaus und stiegen in ein Auto. Edwin sagte nur, ich solle mich dazusetzen, wir würden in ein anderes Dörfchen fahren und schnell wieder zurückkehren. Also befand ich mich Sekunden später mit vier Unbekannten in einem Auto auf dem Weg in ein noch kleinere Dörfchen, um den Bau des dortigen Platzes zu begutachten. Das Dorf war so unglaublich abgelegen und bestand wirklich nur aus einfachsten Hütten und Matschwegen. Man hatte auch kein Netz und es war beinahe totenstill. Tatsächlich sollte Edwin jedoch mal Recht behalten und wir kehrten ziemlich schnell wieder zurück. Dann hatte der Bürgermeister auch kurz Zeit für ein Gespräch mit uns, was glaube ich nicht zu Edwins Zufriedenheit verlief, aber ich fand den Mann sehr nett. Danach wollten wir eigentlich endlich Mittagessen, aber der Speisesaal war zu und so entscheiden wir uns dazu, wieder nach Andahuaylas zurückzukehren. Nachdem wir ziemlich lange im Taxi gewartet haben sind wir dann aber doch um 3 angekommen und ich habe zu Hause essen können. 

Eigentlich hatten Edwin und ich uns dann für 4 Uhr verabredet um mit Juana zu sprechen, jedoch tauchte er erst um viertel nach fünf auf um uns mitzuteilen, dass er alleine mit ihr gesprochen hatte, was ich eigentlich um jeden Preis verhindern wollte. So wusste ich nämlich nicht, was er ihr erzählt hatte und was sie über uns gesagt hatte. Er meinte nur, es gäbe im Moment keine andere Familie und wir würden erstmal hier bleiben müssen. Um die Problematik mit dem Schlüssel zu lösen würden sie ein Bad draußen für uns bauen wollen, so wie sie es schon dreimal meinten, aber nie gemacht haben. Aber ganz ehrlich, das löst ja auch nicht alle Probleme und ich will auch nicht draußen duschen, da es ja eh nur kaltes Wasser gibt. DABEI wird man dann tatsächlich krank und ganz nebenbei auch nicht sauber. Und wir müssten dann ohne ein Dach überm Kopf Zähne putzen und das Klo hätte keine Spülung. Mal ganz abgesehen davon, dass das Bad dann mitten im Hof wäre und alle Nachbarn einem zuschauen würden und wir bei Regen eine Matschgrube hätten. Finde ich also eher eine blöde Idee. Irgendwas meinte Edwin dann noch davon, dass er in einem Monat nochmal suchen würde, aber da wäre meine Zeit ja schon fast wieder zu Ende, es würde sich für mich also nicht mehr lohnen. Irgendwann erwähnte er ganz nebenbei in einem Nebensatz, dass ihm Juana gesagt hätte, sie würde sich schlecht fühlen, da wir sie anschreien würden und laut werden würden. Das war dann echt zu viel für mich und ich konnte mich nicht mehr zusammenreißen. Warum redete sie so schlecht über uns und erzählte solche Lügen? Die Einzige, die immer rumschreit und laut wird ist sie und nicht wir. Ich will gar nicht wissen, was sie noch alles für falsche Geschichten erzählt hat. Edwin war sichtlich mitgenommen und meinte nur, er würde ja gerne, dass wir in eine andere Familie kämen, aber es gäbe gerade keine. Aber anscheinend tat es ihm so leid, dass er sich nochmal auf den Weg machte, um etwas zu suchen. Fragt mich nicht wie er das anstellen will nur indem er durch San Jeronimo eiert, aber es schien ihm echt arg zu sein. Ich glaube er wusste selber nicht genau was er tun sollte als ich meinte, ich hätte Angst davor, was sie machen würde, wenn er wieder weg sei. Also verabschiedete er sich kleinlaut und meinte, er suche nochmal etwas… Jetzt sitze ich hier und bin gespannt was passiert. 

Auf der Arbeit hatten wird diese Woche eben Mittwoch schonmal frei und Dienstagnachmittag wurden wieder alle Kinder nach Hause geschockt, damit wir Plakate basteln konnten, diesmal für den kommenden Montag, der anscheinend der Tag der Ernährung ist. Vormittags haben wir mit den Kindern selbst ein Memory Spiel gebastelt, um ihnen spielerisch Englisch zu vermitteln. Auf die eine Karte wurde also immer das englische Wort geschrieben und auf die andere ein passendes Bild gemalt. Natürlich haben wir nur Wörter genommen, die wir ihnen schonmal beigebracht hatten. Ich war ganz verwundert, wie eifrig sie die Bilder malten, denn eigentlich mögen sie nicht so gerne malen. Doch irgendwie waren alle total begeistert. Auch als das Spiel dann fertig war und wir eine Runde spielten, waren sie richtig gut dabei und hatten offensichtlich eine Menge Spaß daran. Als wir es dann am Dienstag nochmal spielten, hatte ich auch wirklich das Gefühl, dass sich die meisten schon einige Wörter gemerkt hatten. Also in der Hinsicht ist das ein richtiger Erfolg gewesen. Und das Gute ist auch, dass man das Spiel ja mit immer mehr Wörtern erweitern kann und sie es eher spielen, als dass sie sich die Wörter in ihrem Heft nochmal anschauen (da sie die Zettel so oder so meistens verlieren oder wegschmeißen). 

Soviel dazu für alle, die sich fragen was mit dem Wechsel und der Gastfamilie los ist. Mal schauen, was jetzt passiert. Ich hoffe mal ganz abgesehen davon, dass Carmen am Freitag wieder fit ist, mein Paket endlich ankommt und der Trip nach Puno so klappt wie erhofft. 

Emily

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Halbzeit

So, die fünfte Woche hier in Andahuaylas ist vorbei und es liegen noch weitere sechs vor mir, von denen ich allerdings eine Woche frei haben werde. Somit habe ich jetzt genau die Hälfte geschafft und muss sagen, es ging echt super schnell vorbei. Die Arbeit ist Alltag geworden und auch alles andere ist irgendwie normal geworden. Heimweh ist immer noch keines in Sicht zum Glück, mir geht es wieder ein bisschen besser und ich fühle mich nicht mehr so schlapp und kränklich. Ich bin zwar immer noch nicht in Bestform, aber wenigstens fühle ich mich wieder gut. Sport vermeide ich trotzdem, auch wenn ich den Kindern gerne Karate beibringen würde. Aber ich glaube das ist keine so gute Idee, ich bin schon nach Treppensteigen immer total am Ende. 

Mit der Gastfamilie ist es im Moment ganz gut erträglich, an die alltäglichen Schikanen gewöhnt man sich und sie sind auch besser zu verdauen, da wir ja jetzt zu zweit sind. Zum Abendessen werden wir nämlich generell nicht gerufen, aber wenn wir dann die Reste abbekommen sind wir wenigstens zu zweit, die später essen und nicht alleine. Ansonsten ist nicht viel passiert. Aprode ist noch am Organisieren. Keine Ahnung was das bedeutet, viele Infos rücken sie nicht raus. Ich weiß also nicht genau, was mit mir passiert. Aber wie gesagt eilt es auch nicht, weil es gerade wirklich in Ordnung ist. Zwar werden wir regelmäßig ohne Schlüssel, Bad und WLAN zurück gelassen und zur Zeit gibt es nicht mal Gas um den Herd für Teewasser oder sonstiges zu bedienen, aber man improvisiert halt. Leider wissen wir aber auch nie, wo sie hingegangen sind oder wann sie zurückkommen, was das Ganze noch etwas schwieriger macht. Nachdem mich die Gastmutter am Anfang der Woche nach unserer Auseinandersetzung komplett ignoriert hat und mich nicht einmal mehr angeschaut hat, wurde es im Laufe der Woche wider besser und sie redete wieder normaler mit mir. Zuerst rief sie immer nur nach Carmen und sprach auch nur sie an, fragt mich nicht warum. Jetzt ist es aber wieder besser und ich kann im Moment gut mit der Situation leben. 

Außerdem haben wir diese Woche unsere Reise nach Puno geplant, die Busse gebucht und zwei der drei Übernachtungen. Wie genau wir dann die Tage füllen und nach Bolivien kommen wissen wir noch nicht, aber ich hoffe einfach inständig, dass alles reibungslos klappen wird. Am 13. geht es über Nacht los nach Cuzco, von dort aus dann weiter nach Puno. Am Morgen des 18. kommen wir dann wieder hier an und verlassen Andahuaylas am nächsten Tag sich schon wieder für einen Ausflug mit allen Mitarbeitern des CEDIFs. Dieser Trip geht nach Curahuasi, um eine andere Einrichtung zu besichtigen, ein deutsches Krankenhaus zu besuchen und in heißen Quellen zu baden. Darauf freue ich mich am meisten! Es wird bestimmt sehr stressig werden, keine Frage, aber so haben wir eine Woche frei, die ich mir durch meine ständigen Überstunden auf jeden Fall verdient habe finde ich. Danach sind es dann nur noch vier Wochen für mich und dann sind die drei Monate einfach schon wieder rum! Wie lange genau der Ausflug mit der Arbeit dauert weiß keiner so genau, aber ich hoffe wir kehren so zeitig zurück, dass noch etwas Zeit zum Entspannen bleibt nach der Woche Action. 

Zur Arbeit gibt es nicht viel Neues zu erzählen, außer dass es teils sehr frustrierend ist zu sehen, wie unmotiviert und umkoordiniert gearbeitet wird. Man sieht all seine Bemühungen förmlich dahinschmelzen, wenn man sieht, dass die angeblichen Lehrerinnen nicht einmal gerade und ungerade Zahlen zuordnen können und es Mittwoch bis Freitag für die Kinder am Nachmittag einfach keine Betreuung gibt, nur um irgendwelche Plakate und Bilder im Essenssaal aufzuhängen… Bei diesen Bastelaktionen kann ich teilweise auch nur den Kopf schütteln. Man sitzt stundenlang zu mehr als zehn Personen an einem Tisch, die Hälfte tut gar nichts und die anderen kleben Klebeband auf gekaufte Plakate. Eine reine Materialverschwendung meiner Meinung nach. Dazu kommt, dass ich am Freitag die Plakate, die ich bereits zweimal abgeschrieben hatte und von denen ich auch schon berichtet hatte, noch ein drittes Mal abschreiben musste, da ihnen plötzlich die Farbe des Randes nicht mehr gefiel. Statt blau sollte es rot werden. Also nochmal alles abgeschrieben und angemalt… Warum macht man sich hier zu nichts vorher Gedanken? Auch die Bilder, die eigentlich schon an der Wand hingen (wohlgemerkt mit Heißkleber…), wurden mindestens dreimal wieder abgerupft und an einer andren Stelle platziert. Dabei geht so viel unnötige Zeit drauf, Materialien werden verschwendet und mein Öko-Herz blutet und zu allem Überfluss sieht es nach dem dritten Versuch einfach nur noch schlimmer aus, da ja bei jedem Abreißen Putz mitkommt, das Plakat irgendwann auch kaputt geht und die Überkleberei der Plakate auch nicht unbedingt zu dessen Verschönerung beiträgt. Aber die Mitarbeiter hier scheinen großen Spaß daran zu haben, mit Klebeband jedes einzelne Bild zu bekleben. Diejenigen, die nicht an der Bastelaktion beteiligt sind telefonieren stundenlang während ihrer Arbeitszeit oder tauschen sich rege über Gott und die Welt aus. Ich finde es schockierend, dass sie dafür bezahlt werden und die Kinder ihre Betreuung nicht erhalten, nur weil der Nachmittag anderweitig genutzt wird. So viel Zeit streicht auch einfach ins Land ohne dass auch nur irgendwas passiert. Alle warten nur darauf bis irgendwas passiert. Klar für mich sind die Nachmittage so sehr entspannt gewesen und da ich auch teilweise vormittags dafür eingeteilt wurde an der Dekoration zu arbeiten, war die ganze Woche sehr ruhig für mich. Aber deswegen bin ich ja eigentlich nicht hier. Ich bin absolut der Meinung, dass man das CEDIF einladender gestalten sollte, aber dazu sollte man doch die Hilfe der Kinder heranziehen und nicht ganze Tage auf die Betreuung verzichten. Ich habe diese Woche also sehr wenig mit den Kindern gearbeitet und die meiste Zeit ließ man Carmen mit ihnen alleine. Als wir an einem Vormittag mit ihnen raus durften, war es auch mir gestattet an dem Spaziergang teilzunehmen und ich war froh, auch die Sonne genießen zu können. Im Moment haben wir richtig Glück mit dem Wetter, es ist immer noch richtig schön sonnig und warm, aber nicht mehr so unerträglich wie letzte Woche. 

Carmen und ich überlegten auch die ganze Woche fieberhaft, was wir noch mit ihnen anstellen konnten, um ihnen spielerisch Wissen zu vermitteln. Da uns aber zwar Ideen kamen, diese sich aber nicht so leicht mit dem ernüchternden Wissensstand der Kinder umsetzen ließen, starteten wir am Montag ein anderes Projekt. Jedes Kind sollte sich ein Boot basteln und dieses nach seinen Wünschen anmalen und später seinen Namen sowie sein Geburtsdatum draufschreiben. Dazu sollten sie ein Plakat als Meereslandschaft gestalten, worauf man die Schiffe dann später kleben könne. So würde der Raum etwas Farbe und Persönlichkeit erhalten. Zum Glück waren sie begeistert davon die Schiffe zu falten, nur das Plakat zu bemalen schien ihnen keinen Spaß zu machen und so wurde es schlussendlich leider sehr hässlich… Sie gaben sich einfach keine Mühe und versudelten es absichtlich.

 Manchmal sind sie ja echt alle sehr süß, aber manchmal sind sie auch einfach nur anstrengend, nervig und frech. Da ich ja auch keine ausgebildete Pädagogin bin, habe ich auch keine Ahnung, wie man am besten auf trotziges Verhalten reagiert. Sie bringen mich dann einfach nur zur Weißglut und wenn gar nichts hilft, muss man nur mit einem Gespräch mit Señora Juana drohen und alle gehorchen. Mehr oder weniger gut. Da aber auch nicht alle Kinder immer ehrlich sind und die Wahrheit sagen, ist die Arbeit generell immer etwas schwierig. Woher sollen wir wissen, was für Hausaufgaben sie haben, wenn sie es uns nicht sagen? 

So viel jedenfalls zu meinem Life-Update was die Arbeit und die Gastfamilie betrifft. 

Das Wochenende wollten Carmen und ich hier verbringen und nicht großartig viel unternehmen, da die nächsten beiden ja aufregend genug werden würden. Deshalb machten wir uns am Samstagmorgen erstmal auf die Suche nach einer Bank, da sich das Geldabheben und -wechseln irgendwie schwieriger als erwartet gestaltete. Die einzige Bank in San Jeronimo jedenfalls hatte zum Einen sehr merkwürdige Öffnungszeiten (wir standen abends um 6 vor verschlossener Tür), zum Anderen keinen Geldautomaten, sondern nur einen Schalter. Man sagte uns, wir könnten mit unseren Karten hier kein Geld abheben und Carmen konnte auch kein Geld wechseln. Also mussten wir wohl oder übel eine andere Bank finden. Das erinnert mich gerade daran, dass eines Abends Juana und Victor bei uns im Zimmer standen und fragten, ob wir ihnen 200 Soles leihen würden. Abgesehen davon, dass ich sie nicht bar hatte, hätte ich sie ihnen niemals im Leben geliehen. Das sind immerhin 50€, die verleihe ich doch nicht an jemanden, dem ich nicht 100%ig vertrauen kann.

Am Samstag fuhren wir also nach Andahuaylas, fragten in zig Banken, doch keine hatte einen Geldautomaten noch wollten sie die anscheinend zu hässlichen Scheine von Carmen wechseln. Als wir irgendwann dann mal eine stichhaltige Aussage bekamen, wo sich ein Wechselstudio und Geldautomaten befanden, war es schon fast wieder ein Uhr, wo alles zumachte. Auf dem Weg zu den Banken fanden wir dann tatsächlich einen Geldautomaten, an dem wir abheben konnten; und das sogar kostenlos! Wie genial! Fast daneben befand sich auch ein Wechselstudio, das dann auch noch die letzten Scheine wechselte und wir hatten aller erledigt. So einen reibungslosen Ablauf war ich gar nicht mehr gewohnt. Eigentlich wollte ich dann noch die großen Scheine, die ich bekommen hatte, in kleineres Geld wechseln, da die Peruaner nie Rückgeld rausgeben können, aber es war 13:03 Uhr und somit wurde ich nicht mehr in die Bank gelassen… Naja, dann eben nicht. Nachdem dann auch noch alle Schulden beglichen wurden machten wir uns wieder auf den Heimweg, da man uns gesagt hatte, Anghelo würde um 13:30 Uhr aus der Schule wiederkommen und habe einen Schlüssel. Wir wollten nämlich eigentlich nicht die ganze Zeit mit dem Geld herumlaufen. Nachdem wir fast eine Stunde gewartet hatte war er aber immer noch nicht aufgetaucht und so entschieden wir uns, etwas essen zu gehen. In dem Restaurant waren wir so etwas wie eine Attraktion und wurden wie VIPs behandelt, jede Angestellte wollte Fotos mit uns machen und es wurde alles getan, um es uns recht zu machen. 

Da wir ja nicht wieder nach Hause konnten, entschieden wir uns ins Kino zu gehen. Jetzt ist aber ein Kino hier in Peru etwas anderes als was ihr vielleicht erwarten würdet. Da lauen nämlich nicht die neuesten Filme, nein, man kann dort einfach zu jeder beliebigen Uhrzeit aufschlagen, sich aus einigen Katalogen einen Film aussuchen und wird dann in eine kleine Kammer geschickt, in der ein Fernseher und ein Sofa steht. Dort kann man dann ganz in Ruhe den Film ansehen, Popcorn mampfen (das sogar zu seinem persönlichen Geschmack mehr oder weniger gesalzen wird) und entspannen. Leider sind die Wände sehr hellhörig, sodass man auch teilweise die anderen Filme nebenan aus der Box mithören kann, sich die Filmmusik vermischt und man trotz aufgedrehter Lautstärke Probleme hat, die Protagonisten zu verstehen. Wir haben uns für Pitch Perfect entschieden, da wir etwas Leichtes für den Anfang wollten. Einen Film, den wir schon kannten und der einfach zu verstehen war. Es war echt ein Erlebnis auf Spanisch und sehr unterhaltsam. Außer dass der Film zwischendurch einfach ausgegangen ist und wieder vorgespielt werden musste, verlief alles einwandfrei und wir waren begeistert! Danach waren wir richtig happy über diesen gelungenen Tag und hatten richtig gute Laune, was bestimmt auch an dem Film lag. Im Kombi, dem hier preisgünstigsten Fortbewegungsmittel, sorgen wir jedes Mal aufs Neue für Aufsehen, da alle Peruaner darin stehen können, nur wir einfach viel zu groß dafür sind. Außerdem sind wir natürlich „Gringas“, die man hier nicht so oft sieht und die echt was besonderes sind. Zum Glück war die Tür als wir wiederkamen offen, auch wenn niemand da war. Leider konnten wir aber weder Tee noch etwas zu essen kochen, da das Gas für den Herd alle war… 

Auch am nächsten Morgen gab es immer noch kein Neues und so mussten wir uns ohne zufrieden geben und auf Tee verzichten. Den Vormittag verbrachten wir damit, allerlei Dinge zu erledigen. Carmen wusch Wäsche und telefonierte, ich pflegte soziale Kontakte und schreib an meinem Blogartikel. Mittags hätten wir eigentlich gerne gekocht, aber das ging ja leider nicht. Also verließen wir wieder ohne Schlüssel das Haus und suchten ein neues Lokal auf. Auch hier waren wir wieder etwas sehr besonderes und man wollte wieder unbedingt Fotos von und mit uns machen. Da das Mittagsmenü immer nur aus drei verschiedenen Gerichten besteht und alles mit Hühnchen war, fragte ich die Bedienung, ob ich auch etwas ohne Fleisch haben könne. Darauf antwortete sie mir, sie hätten Hühnchen… Na super, danke. Nachdem ich ihr klargemacht hatte, dass auch das Fleisch sei, rief sie den Chef, da sie selbst sichtlich überfordert war. Dieser stellte mir dann ein spezielles Gericht extra für mich zusammen und fragte mich, ob dies in Ordnung sei. Das fand ich echt unglaublich lieb, der war so zuvorkommend! Sowas ist mir noch nie passiert, dass man sich so um meine Zufriedenheit bemühte. Super nett also der Herr. Gleichzeitig lief im Fernsehen die WM Qualifikation, bei der gerade Deutschland gegen Aserbaidschan spielte. Was für ein Zufall. (Ich glaube, wir haben 5:1 gewonnen, aber es wäre egal gewesen, da wir uns schon qualifiziert hatten und Aserbaidschan keine Chance mehr auf eine Teilnahme hatte) Danach entscheiden wir uns noch etwas zu unternehmen und fuhren mit einem Bus zum Mirador, also dem Aussichtspunkt von San Jeronimo. Da dort aber außer ein paar Tischen und Stühlen nicht viel vorzufinden war, wollten wir noch ein wenig spazieren gehen und nahmen uns einen Berg vor, der nicht allzu hoch schien und an dessen Fuße ein Weg lag. Dieser endete irgendwann jedoch leider, sodass wir unseren Aufstieg über irgendwelche Felder fortsetzten. Wir wollten nämlich unbedingt auf die Spitze des Hügels. Es war echt anstrengend, aber oben angekommen hatten wir echt einen wunderschönen Ausblick und der Schweiß hatte sich auf jeden Fall gelohnt! Runter ging es dann wieder über irgendein Feld und ich kam mir wie eine richtige Abenteurerin vor, die gerade einen Berg erklommen hatte, den noch nie zuvor jemand erobert hatte. Klingt etwas euphorisch, aber ich war echt stolz auf mich. Einfach off-road einen Berg hochgekraxelt fand ich gar nicht übel und schon ziemlich mutig. Auf dem Weg bergab konnten wir uns wenigstens wieder unterhalten, da es nicht mehr ganz so anstrengend war und wir liefen einfach auf gut Glück so einen Pfad lang und hofften, er würde zur Straße führen. Wo er auch tatsächlich endete, was für ein Glück. Irgendwann kam dann auch ein Bus vorbei und gabelte uns auf, sodass wir nicht den ganzen Weg zurück laufen mussten. 

Am Abend erlebte ich das heftigste Gewitter meines Lebens, ich war echt froh wieder zu Hause zu sein. Es hat so gewittert und geregnet, das kann man sich gar nicht vorstellen. Der Himmel wurde alle zwei Sekunden von Blitzen erleuchtet, das Donnerrollen war so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten konnte und der Regen schien wie in einem Wasserfall vom Himmel zu stürzen. Kurzzeitig fiel sogar der Strom aus und es gab keinen Empfang mehr, aber wenigstens ging der Gaskocher wieder und es gab Tee! Da das Dach in der Küche nicht ganz dicht ist, tropfte es auch da immer wieder von der Decke, aber ansonsten überstanden wir alles gut. Aber es war echt heftig laut und die Blitze waren echt einschüchternd. Ich glaube kaum, dass es hier sowas wie Blitzableiter oder sowas gibt. Ich war also froh, zu Hause zu sein und schon geduscht zu haben, da es bei Gewitter glaub keine so gute Idee wäre, sich unter unsere Dusche zu stellen… Nach dem Weltuntergang war ich außerdem sehr froh festzustellen, dass es diesmal nicht in unser Zimmer geregnet hatte, da auch dieses ein undichtes Dach hat… Zur Feier des Tages gab es mal wieder Suppe (stöhn, ich kann es nicht mehr sehen, die gibt es einfach JEDEN verblödeten Abend…) und das Wochenende war schon wieder rum. Aber ich muss echt sagen, dass es wieder super schön war, auch wenn alles so spontan und ungeplant war. 

Emily

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Aniversario de San Jeronimo und endlich in Sondor

Am Samstag den 30. September war der 484. Jahrestag meiner kleinen Stadt San Jeronimo und es wurde, wie jedes Jahr, ein großes Fest gefeiert um die Gründung durch die Spanier zu feiern. Was für ein Glück, dass ich genau in diesem Zeitraum da bin! Obwohl der eigentliche Feiertag der Samstag war, wurde schon am Freitag groß gefeiert und "vorgeglüht". Da wir unglaubliches Glück mit dem Wetter hatten, die Sonne schien und es ausnahmsweise mal richtig warm war, war es auch einfach perfekt für so eine Art der Veranstaltung. Nachdem wir also schnell mit den Kindern ihre Hausaufgaben zu Ende gebracht hatten, sind wir ins örtliche Stadion gegangen, wo schon Essensstände, Spielbuden und Hüpfburgen/-rutschen sowie eine riesige Bühne aufgebaut waren. Die Männer auf der Bühne bemühten sich sehr um ein unterhaltsames Programm, weshalb sie ununterbrochen in ihr mir eindeutig zu lautes Mikrofon plärrten, aber meinen Blick zog es viel mehr auf die Tänze, die von den Kindern in traditionellen Trachten aufgeführt wurden. Es fing bei den ganz kleinen an und endete mit den bereits Älteren, wobei nicht nur die Mädels tanzten, sondern auch mindestens genauso viele Jungs ihr Tanzbein schwungen. Performt wurden die verschiedensten Tänze in allerlei bunten Trachten mit sehr unterhaltsamer und stimmungsvoller peruanischer Musik. Ich glaube, dass von den Schulen aus dem Ort jeweils die einzelnen Stufen immer zusammen etwas aufgeführt haben. Es war einfach super schön anzusehen und verbreitete richtig gute Stimmung, ich wippte die ganze Zeit schon mit. Die Kinder vergnügten sich derweil damit Münzen zu werfen, Karussell zu fahren und Gummitiere aus einem Planschbecken zu angeln. Nachdem wir sie dann alle wieder eingesammelt hatte, konnten wir auch wieder aufbrechen um Mittag zu essen. Auf dem Rückweg grinste ich die ganze Zeit vor mich hin und hatte einen Moment absoluter Zufriedenheit und des Glücks. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber ich war einfach total ruhig und erfüllt von dem Moment, auch wenn er an sich alles andere als perfekt war. Die Kinder schrien und rannten in alle Himmelsrichtungen davon, aber ich war einfach nur total beseelt von der Musik und den Tänzen. 

Das Mittagessen gestaltete sich mal wieder sehr schwierig, da ich zwei Kinder habe, die einfach nie essen wollen, die Betreuer aber in dieser Woche beschlossen hatten, plötzlich militärische Ordnung im CEDIF einführen zu wollen. Die Kinder sollen also gezwungen werden aufzuessen und sich besser benehmen. Gegen ein bisschen ehr Ordnung hätte ich ja nichts einzuwenden, aber von den Methoden, wie die sie hier anwenden, halte ich nicht viel. Man merkt auch genau, dass es überhaupt nichts bringt, sie immer wieder anzuschreien und die beiden Kandidaten, die sich weigern zu essen, tausend mal daran zu erinnern. Jimmy ist so ein Junge, der glaube ich nicht blöd ist, sondern genau weiß, wie er das bekommt was er will. Wir ermahnen ihn ständig sich zu beeilen, doch anstatt auf uns zu hören wird er immer langsamer und hat am Ende der Zeit nicht einmal die Hälfte des Tellers gegessen. Er sitzt immer als letzter noch da, während die anderen schon lange zur Schule aufgebrochen sind. Generell ist er immer auf Antihaltung, was das Arbeiten mit ihm wirklich sehr anstrengend macht, weil er nie tut, was man ihm sagt oder um was man ihn bittet. Die Erziehungsmethoden, die jetzt Zucht und Ordnung in den Laden bringen sollen, bringen aber auch nicht wirklich was. Aber seit unserem Besuch in Kishuara in einem anderen CEDIF ist Juana ganz heiß darauf, Marionetten aus den Kindern zu machen und Ordnung einkehren zu lassen. Meiner Meinung nach wird es aber nicht klappen, da die Betreuer selbst die schlechtesten Vorbilder sind und man einfach nicht das nötige Durchhaltevermögen an den Tag legt. Aber gut, das soll mal nicht mein Problem sein... IN sieben Wochen sehen die mich nie wieder.

Jedenfalls gab es für die Kinder am Nachmittag keine Betreuung und Carmen und ich warteten ewig mit den anderen Lehrern, bis etwas passierte. Es wurden ein paar Zementsäcke, Erde und Steine nach oben zur Küche getragen und dann wieder gewartet, bis schließlich alle zu einer Besprechung zusammengetrommelt wurden. Dabei besprach man wer die Köchin, die die nächsten drei Wochen im Urlaub sein sollte, vertreten könne. Danach verbrachten Carmen und ich noch ein bisschen Zeit mit einigen der Lehrern im Stadion am Tischkicker. Man verabredete sich für acht Uhr zum Tanzen, wozu es jedoch nie kommen sollte... 

Wir erholten uns also kurz zu Hause und warteten auf den Anruf von Liz. Da es immer später wurde und wir von Juana nur die Erlaubnis hatten bis zehn Uhr draußen zu bleiben, entscheiden wir einfach schon mal loszugehen. Außer nach heißen Fett riechenden Essensständen und einem schlechten Entertainer hatte das Programm aber noch nicht viel zu bieten, und es hatte auch merklich abgekühlt. Zwar waren schon echt viele Menschen da, aber getanzt hat keiner. So ging die Stunde sehr schnell vorüber und wir gingen wieder zurück nach Hause, wo wir uns mit Juana verabredet hatten, da wir keinen Schlüssel hatten, um wieder reinzukommen. Aber wie sollte es auch anders sein, sie tauchte nicht auf und wir standen vor verschlossener Tür. Alleine, im Dunkeln, in Peru, nachts um zehn. Nachdem sie auch das zehnte Mal nicht an ihr Handy ging, rastete ich total aus. Es konnte doch nicht sein, dass wir uns immer an irgendwelche Vereinbarungen halten mussten und sie einfach machen konnte, was sie wollte! So funktioniert ein Zusammenleben nicht.  Entweder sie hätte es uns erlauben können, länger unterwegs zu sein, uns einen Schlüssel geben können oder pünktlich und wie verabredet vor der Tür erscheinen sollen. Diese Aktion brachte das Fass bei mir einfach zum Überlaufen und ich musste mich so sehr aufregen, weil es einfach nicht fassen konnte, wie man so asozial sein konnte! Wir hatten ihr doch nichts getan! Als sie auch nach einer halben Stunde warten noch nicht da war, entschieden wir uns wieder auf das Fest zurückzugehen um sie zu suchen. Was sollten wir auch anderes machen... Davor rief ich noch Liz an um zu fragen, was aus der Tanzerei wurde und wo sie alle seien, aber diese sagte mir nur, dass ihr Sohn krank sei und sie nicht gehen würde. Das hätte sie mir ja auch irgendwie mal mitteilen können finde ich. Aber es tat mir trotzdem leid, sie nachts um halb elf angerufen zu haben.

Im Stadion startete ich dann noch einen letzten verzweifelten Versuch Juana per Handy zu erreichen und sie nahm tatsächlich ab, sodass sie mir mitteilen konnte, wo sie sich befand. Als wir sie dann endlich fanden, war ich so außer mir, dass mir jegliches Spanisch vergangen war und ich es der deutlich ruhigeren Carmen überließ zu sprechen. Wir bekamen also einen Schlüssel und das überflüssige Angebot noch länger zu bleiben. Ich wollte aber einfach nur nach Hause und war froh, dass auch Carmen dieser Meinung war. 

Etwas enttäuscht war ich schon, da wir das Feuerwerk nicht mitbekommen hatten, doch als wir gerade in unserem Zimmer verschwunden waren, hörten wir, wie es losging und konnten das Spektakel doch noch bewundern. Auch fällt mir dazu ein, dass man hier die schönsten Sternenhimmel der Welt zu sehen bekommt, da es nicht viele sonderlich hellen Lichter gibt und bei einer wolkenlosen Nacht ganz viele Sterne zu erkennen sind, von denen ich jedes Mal aufs neue fasziniert bin. 

Da es mir aber aufgrund dieser bodenlosen Frechheit endgültig reichte, beschloss ich mir bis zum nächsten Morgen zu überlegen, ob ich mir das weiterhin antun wolle oder ob ich Percy fragen solle, ob ich die Familie wechseln könnte. 

Am Samstagmorgen beschloss ich dann, dass es mir reichte und ich schreib Percy, dass ich eine andere Familie wolle, da ich nicht länger bei Juana leben wolle. Es tat mir wirklich leid für Carmen, aber es war einfach genug. Basta.

Als ich dann hörte, dass auch Juana da war, ging ich zu ihr, um auch ihr von meiner Entscheidung mitzuteilen. Sie reagierte zuerst nicht wirklich überrascht, meinte nur, dass ich das gerne machen könne. Als ich dann sagte, dass ich es gestern Abend absolut nicht okay von ihr fand, rastete sie komplett aus und schrie mich an, beschimpfte mich und meinte, sie hätte keine Zeit für Leute wie mich, die nicht auf sie hören würden und die alles zu einem Problem machen würden. Sie dreht alles so hin, als wäre ich das Problem oder würde an allem meckern, bzw. schob die ganze Schuld auf mich. Ich fragte sie warum sie überhaupt Freiwillige aufnehme, wenn sie weder Zeit noch Lust auf sie hatte und sagte ihr, dass sie mir das Gefühl gab, dass sie mich nicht haben wolle. Sie wurde immer wütender und eskalierte total, bis ich einfach nur noch heulend in mein Zimmer rannte, womit ich dann Carmen weckte. Von draußen hörte ich, wie sie der Köchin vom CEDIF irgendwelche Lügen über mich erzählte und ich hätte sie am liebsten zurück angeschrien. Carmen kam total erschrocken zu mir und nachdem ich mich dann wieder beruhigt hatte, konnte ich ihr erklären was passiert war. Dann kam auch schon Juana ins Zimmer gestiefelt und fragte Carmen nach der Nummer von Edwin, würdigte mich dabei allerdings eines Blickes und redete auch nicht mit mir. Stattdessen fragte sie Carmen, ob sie bleiben wolle oder auch wechseln wolle und meinte, es gäbe in ganz Andahuaylas keine andere Gastfamilien sondern lediglich Zimmer, die vermietet wurden. Mir ist ehrlich ganz egal was ich bekomme, Hauptsache was anderes und ein Bett und eine Dusche. Mehr brauche ich gar nicht. 

Nachdem Carmen dann meinte, sie würde hierbleiben, fing Juana aufs Neue an, eine große Rede zu schwingen und meinte die ganze Zeit, sie würde mein Problem nicht verstehen. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass die Aktion am vorherigen Abend einfach nicht in Ordnung war, aber sie meinte nur, sie hätte ihr Telefon wegen des Lärms nicht gehört und ich solle mich nicht so anstellen. Sie hätten erst um zehn vor zehn das Haus verlassen und wären ja auch um elf wieder zurück. Meinen Einwurf, dass wir um zehn verabredet waren und es doch klar war, dass sie ihr Handy nicht hören würde, beachtete sie gar nicht.Es war einfach der Gipfel. 

AUs heiterem Himmel fing sie dann wieder an vom Essen zu sprechen und dass sie Küche doch immer offen sei, bla bla bla. Da dachte ich dann wirklich, ich werd nicht mehr. Ich hatte noch nie an dem Essen gemeckert noch irgendein anderes Problem diesbezüglich gehabt und vor Allem waren wir gerade thematisch bei etwas ganz anderem. Sie wurde aber nicht müde uns zu erklären, dass sie nicht für unser Essen zuständig sei und wir uns auch was kochen könnten. Als Carmen dann irgendwas von Vegetarier sein in den Raum warf, meinte Juana es wäre alles mit Fleisch und ich würde noch verhungern. Ganz ehrlich verstand ich ihr Problem nicht und hatte auch keine Lust, über solch Belangloses zu quatschen (Mal ganz abgesehen davon, dass man hier wirklich glaubt, ohne Fleisch würde man entweder verhungern oder aufgrund eines Mangels sterben. Dabei macht Fleisch bei den Mittagsmahlzeiten im CEDIF meistens nur einen minimalen Teil aus, der größte Teil sind Bohnen, Reis und Kartoffeln. Und nur weil ich dass kleine Häufchen Fleisch weglasse verhungere ich noch lange nicht, aber gut.) Nachdem ich dann nur noch geheult habe und sie weder mich verstehen wollte, noch ich ihre Argumentation nachvollziehen konnte, lies sie mich endlich in Ruhe und verlies das Haus, um auf den Platz zum Fest zu gehen. 

Wir brunchten derweil in Ruhe und tischten das geilste Frühstück seit langem auf, wuschen unsere Wäsche (per Hand...) und machten uns dann auch auf dem Weg aufs Fest. Da war Juana allerdings schon wieder zurück und meinte, es wäre schon zu Ende. Wir gingen trotzdem los, es war wieder super heiß und sonnig, womit ich hier gar nicht mehr gerechnet hätte. Auf dem Plaza angekommen war die Prozession noch lange nicht zu Ende und wir konnten sie uns noch eine ganze Weile anschauen. So wie ich das verstanden habe, ist da irgendwie jede Schule, Universität und Einrichtung des Ortes langmarschiert (ja marschiert, nicht gelaufen) und wurde von einem Herren auf der Bühne vorgestellt. Zum Schluss kam dann noch die Polizei, Soldaten und die Kapelle, die ohne Unterlass ohrenbetäubend laut Marschmusik spielte. Um halb zwei war dieses Spektakel dann zu Ende und wir holten uns zu Hause einen Schlüssel und ein Mittagessen ab. Danach machten wir uns auf nach Andahuaylas um unsre Busticktes nach Cuzco zu kaufen und einige Erledigungen zu machen. Endlich fand ich auch Lucuma, eine Frucht, die ich schon ewig mal probieren wollte. Leider hatte ich meinen Pass zum ersten Mal nicht dabei, sodass wir mein Ticket zwar reservieren konnten, aber ich nochmal wiederkommen musste, um es zu kaufen. 

Zurück in San Jeronimo schauten wir dann nochmal auf dem Platz vorbei, aber noch war keine richtige Party im Gange. Es waren zwar viele Menschen da, aber außer einer Band gab es nicht viel zu sehen und auch getanzt wurde nicht. Also kehrten wir wieder zurück und verbrachten den Abend ruhig. Liz meinte zwar, wir würden statt Freitag dann an dem Samstag was machen, aber auch daraus wurde nichts und wir hatten beide irgendwie keine Lust mehr, abends noch tanzen zu gehen. Also schliefen wir relativ früh und verzichteten darauf, mit den Peruanern in die Nacht zu tanzen. Die Musik lief gefühlt das ganze Wochenende durch, denn immer wenn ich aufwachte war sie immer noch zu hören. 

Am Freitag hatte ich sogar noch eine Verabredung zu der er es nie kam. Ein 16-jähriges schwangeres Mädchen aus dem CEDIF hatte mir am Donnerstag gemeint, ihr Freund komme und sie wolle mich anrufen, um mit mir spazieren zu gehen. Sie schreib mir zwar den ganzen Tag munter Nachrichten, doch zu dem Spaziergang kam es nie. 

Am Sonntag standen wir etwas früher auf als am Samstag, aber wir hatten immerhin auch viel vor: endlich sollte es nach Sondor gehen, der Inka Stätte hier in der Nähe, zu der ich schon seit drei Wochen wollte. Zuvor holten wir uns noch ein paar Snacks für unterwegs, versuchten vergeblich Dollar in Soles umzutauschen, holten mein Busticket ab und suchten Ewigkeiten einen Bus nach Sondor. Da sonntags der eigentlich schon tägliche Markt noch viel größer ist, war gefühlt komplett Andahuaylas von Ständen überfüllt, es tummelten sich viel zu viele Menschen dort und es war wieder unersäglich heiß. Da uns niemand genau sagen konnte, von wo die Busse abfuhren, mussten wir uns durchfragen, doch wird man leider aufgrund unseres doch sehr auffälligen Aussehens ständig versucht über den Tisch zu ziehen. Ein Taxifahrer wollte uns für 100 Soles hin und zurückfahren, doch da lehnten wir dankend ab. Was für ein unverschämt hoher Preis. Also suchten wir weiter, kämpften uns durch die Stände an lebendigen Tieren vorbei, fragten jeden ersichtlichen Polizisten und landeten schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit an den richtigen Gefährten. Der Kombi sah zwar alles andere als vertrauenswürdig aus und ich bezweifelte, dass wir wirklich in zehn Minuten losfahren würden, aber es klappte dann doch mehr oder weniger. Das Auto fiel nicht auseinander, nur die Abfahrt verzögerte sich etwas. Auch die Fahrt an sich dauerte länger als erwartet, weil ständig Leute aus und einstiegen, aber irgendwann kamen wir dann tatsächlich in Sondor an, und das für 5 Soles. Das nennt man doch mal einen Unterschied. Es war wie gesagt echt heiß und auch auf der Fahrt wurde es nicht besser, ich bekam mal wieder einen Migräneanfall und fühlte mich plötzlich gar nicht mehr fit. Nachdem sich das aber wieder gelegt hatte, wurden wir mit dem Blick auf die Ruine belohnt. Also wir ausstiegen, sahen wir ein paar Alpakas oder Lamas, keine Ahnung was es war, um ein paar Steinreste stehen und waren komplett aus dem Häuschen. So nah hatte ich diese Diese noch nie gesehen und es war echt cool wie sie da einfach grasten. Kurzzeitig meinte dann meine Hand noch komische Sachen machen zu müssen und wurde total taub und kribbelig. Es fing bei dem Dauen an und ging von Finger zu Finger, bis in die Handfläche. Aber es verschwand auch genauso schnell wieder wie es gekommen war. Komische Sache auf jeden Fall...

Für 2 Soles Eintritt und einer Eintragung im Gästebuch begannen wir dann unseren Aufstieg auf den Berg, der wie eine Stufenpyramide angelegt ist. Leider kann ich zu der Geschichte nicht viel berichten, da es keine Informationsschilder gäbe, aber ich fand es gut, dass weder viel los war, noch irgendwelche künstlichen Dinge in diese wunderschöne Landschaft gebaut wurden. Wir begutachteten also in aller Ruhe die Ruine, machten zahlreiche Fotos und genossen oben angekommen die atemberaubende Aussicht. Wir setzten uns einfach an den Rand des Weges und überblickten das vor uns liegende Tal und die Berge, die so endlos und riesig wirkten. Einfach beeindruckend. Die Temperaturen in dieser Höhe waren auch viel erträglicher als die in Andahuaylas, die Sonne schien, wir hatten blauen Himmel, aber es wehte ein angenehmer Wind und die Temperatur war warm, aber nicht erschlagend. So ließ sich der Aufstieg trotz ordentlichen Schnaufens überstehen. Nach einer Pause erklommen wir dann noch den Felsen in der Mitte der obersten Treppe. 

Irgendwann beschlossen wir uns dann wieder auf den Rückweg zu machen, allerdings gab es weder ein Taxi noch einen Bus, der in Sondor wartete. Also liefen wir den Berg hinunter, weil man uns sagte, dass da mehr Autos fahren würden. Fehlanzeige. Wir liefen und liefen 1 1/2 Stunden lang in brütender Hitze einen staubigen Weg entlang und hofften, einem Auto in unsere Richtung zu begegnen. Doch uns kamen, wenn überhaupt, nur Fahrzeuge entgegen und wir begegneten in dieser Abgeschiedenheit weder Menschen noch Autos. Die Einziegen Augen, die uns immer wieder anstarren, waren die von den Schweinen und Kühen am Straßenrand. Irgendwann dachte ich wirklich, es würde nichts mehr kommen, die Sonne ging langsam unter und unsere Füße taten uns weh. Der nächste Ort Pacucha war aber noch ewig entfernt, wir mussten einmal um den ganzen See laufen. Als uns mal wieder ein Kombi entgegenkam hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass er anhalten würde, doch glücklicherweise war es der Busfahrer, mit dem wir schon hergekommen waren. Dieser war so unglaublich lieb, dass er anhielt und fragte, ob wir nach Andahuaylas wollen. Überglücklich und erleichtert stiegen wir ein, auch wenn er erstmal in die falsche Richtung unterwegs war. Wir fuhren dann einmal um den kompletten See rum, dritten Runden in Pacucha bis der Bus voll war und kehrten schlussendlich nach einer etwas längeren Fahrt wieder nach Hause zurück. 

Für mich war es ein unglaublich schöner Tag und die Ruhe dort oben, das Wetter und die Aussicht hatten mich richtig glücklich gemacht. Im Bus war ich wieder ausnahmslos glücklich und zufrieden, auch wenn es staubig und dreckig war, ich Durst hatte und von der Sonnencreme klebte. Es war einfach ein genialer Ausflug und es tat gut, meine Gastfamilie fast das ganze Wochenende fast nicht gesehen zu haben.

Der Ausflug hatte sich also mehr als gelohnt und auch wenn es anstrengend war, war es ein absolut einmaliges Erlebnis!

Emily 

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Arbeit top, Zuhause flop

Vom Montag habe ich ja bereits berichtet und aus dem vorletzten Post konnte man auch schon erahnen, dass sich diese Woche wieder etwas schwieriger gestaltete als es mir recht wäre. 

Aber beginnen wir mit dem Positiven. Nachdem mich die Arbeit letzte Woche total erledigt hat und mir nicht sonderlich Freude bereitet hat, ist es diese Woche wieder viel besser. Vielleicht auch, weil es viel entspannter ist. Aber ich brauche grade eher unanstrengende Beschäftigungen, ich hänge immer noch total durch und mein Energielevel ist unangenehm niedrig. Ich fühle mich immer noch langsam, jede Bewegung ist anstrengend und mir ist teilweise schwindelig. Keine Ahnung warum ich so am Ende bin. Deshalb bin ich eigentlich ganz froh, dass die Arbeit wieder mehr Spaß macht und mich nicht mehr verzweifeln lässt. Nachdem der Montag ja schon sehr entspannt startete, verlief auch der Dienstag einigermaßen ruhig. Am Morgen hatte Carmen die grandiose Idee, Bingo auf Englisch zu spielen. Zu meiner großen Verwunderung verstanden sie nicht nur die Spielregeln, sondern es machte ihnen unglaublichen Spaß und sie wollten gar nicht mehr aufhören. Nebenbei lernten sie hoffentlich noch ein bisschen die Zahlen auf Englisch, aber alleine schon in diese glücklichen Gesichter zu sehen, bereitete mir große Freude. Endlich hatten wir etwas gefunden, womit man sie sinnvoll beschäftigen konnte. Liz glänzte mal wieder mit Abwesenheit, aber es machte mir nicht mehr so viel aus, da ich ja glücklicherweise nicht mehr alleine mit den Kindern war. Am Nachmittag begannen wir erneut mit dem Ausmalen von Bildern, bis ich dazu verdonnert wurde, Plakate mit Verhaltensregeln und Motivationssprüchen zu schreiben. Außerdem wäre es ja langweilig, wenn es einmal genügen würde, nein, man entschied sich nachdem ich fertig war, dass die Plakate doch zu klein seien und ich alles nochmal abschreiben solle. Ich habe ja auch sonst nichts zu tun... Am Mittwoch durften wir Juana nach Kishuara begleiten, ein kleines Dörfchen 45 Minuten von Andahuaylas entfernt, um uns ein anderes CEDIF anzuschauen. Erst hieß es, es sei nur für einen von uns Platz, aber schlussendlich durften wir doch beide mit, nachdem wir schon wieder zwei Stunden gearbeitet hatten und ich weiter mit den Plakaten beschäftigt gewesen war. Das CEDIF in Kishuara ist wirklich viel schöner als unseres muss ich sagen, denn es hängen viele Bilder von den Kindern an der Wand, bunte Fahnen an der Decke und es stehen die Namen der Kinder mit dem jeweiligen Geburtsmonat an der Wand. Es sieht viel mehr danach aus, dass dort Kinder ein und aus gehen und es wirkt viel gemütlicher. Anders als bei uns kommen aber nur nachmittags Kinder, wir trafen allerdings so gegen 10:45 Uhr ein, weshalb es noch sehr ruhig war und wir Zeit hatten, uns alle Räume anzuschauen. Auch die Unterrichtssääle waren sehr viel einladender gestaltet, was vielleicht auch an dem besseren Zustand des Gebäudes lag, aber definitiv auch an all den Basteleien. Carmen und ich beschlossen also auch bei uns etwas ändern zu wollen. Als um ein Uhr alle Schüler gleichzeitig zum Mittagessen eintrafen, waren diese so unglaublich gut erzogen, dass uns fast die Spucke wegblieb. Alle grüßten zu allererst die Küche, dann alle Lehrer und Betreuer inklusive uns, setzten sich danach ordentlich auf ihre Plätze und begannen einstimmig zu beten, nachdem alle ihr Essen vor sich stehen hatten. Auch wir wurden natürlich nicht vergessen vorzustellen, was uns eher peinlich berührte. Generell waren wir aber sehr beeindruckt, wie es laufen könnte und wie ruhig und geordnet es dort zuging. Fragt mich nicht wie die die Kinder dazu gebracht haben. Ich war echt beeindruckt, immerhin kannte ich bis dahin nur unser Chaos. Zu meiner Verwunderung belief sich unser Besuch nur auf einige Stunden und wir machten uns gegen viertel nach eins schon wieder auf den Rückweg, sodass wir pünktlich zur Nachmittagsbetreuung wieder zurück waren. Glücklicherweise gönnte man uns vorher noch eine kleine Verschnaufpause bevor es weiterging. Aber generell macht die Arbeit schon viel mehr Spaß seit Carmen da ist und wir zu weit sind, da es mich nicht mehr so überfordert und auch wenn Liz nicht da ist, ich nicht ganz alleine bin. So können wir uns mit dem Unterrichten abwechseln und die Aufgaben aufteilen. Es ist also echt viel besser als die letzte Woche, die mich so fertig gemacht hat. Und auch wenn ich am Anfang nicht so begeistert war von der Nachricht, dass noch eine Freiwillige kommen soll, muss ich sagen, dass ich ganz froh darüber bin, da wir uns echt ganz gut verstehen. Man merkt zwar sofort, dass man weniger Spanisch spricht als alleine, aber wenn Juana mal wieder blöd ist (was ja leider ziemlich oft der Fall ist) habe ich wenigstens jemanden, bei dem ich mich auskotzen kann und der meine Sprache spricht. Man fühlt sich einfach nicht mehr so alleine, sondern eher verstanden, wenn auch sie nur den Kopf schütteln kann. Ich habe zwar das Gefühl, dass ich alles aus ihr rauskitzeln muss und sie nicht von alleine ein Gespräch anfangen würde, aber so erfahre ich wenigstens etwas über sie. Denn Rückfragen stellt sie eher selten. Wir haben uns aber schon viel unterhalten und ich habe das Gefühl, wir haben echt viele Gemeinsamkeiten. Zwar ist es etwas komisch keine Privatsphäre oder keinen Rückzugsort mehr zu haben, aber ich komme gut damit klar, dass wir uns ein Zimmer teilen. 

Was allerdings komisch ist, ist dass Juanas Verhalten sich seit ihrer Ankunft um 180 Grad gedreht hat. Die Wochen zuvor ist sie jeden Tag zu spät zu Arbeit gekommen, immer nach mir los und ist um 8 Uhr noch unter die Dusche gehüpft. Diese Woche dagegen, hatte sie es besonders eilig und hat das Haus immer vor uns verlassen. Plötzlich konnte sie gar nicht früh genug loskommen. Auch frühstückten wir plötzlich nicht mehr zusammen, mussten unser eigenes Brot für das Frühstück kaufen und bekamen andere Aussagen zu hören, als ich die Wochen zuvor. Mich irritierte das schon sehr, lehrte mich aber, mich nicht mehr auf ihre Worte zu verlassen und alles erstmal kritisch zu hinterfragen. 

Juanas Verhalten wurde von Tag zu Tag immer seltsamer und ich bekomme schon gar nicht mehr alle merkwürdigen und gemeinen Aktionen zusammen. An einem Morgen meinte sie aber auf jeden Fall, ich solle die Küche fegen, sie müsse jetzt schnell los zur Arbeit. Somit ließ sie mich mit dem Besen in der Hand stehen und rannte davon. Sie kam natürlich pünktlich, nur ich kam aufgrund dieser bodenlosen Frechheit zu spät zu Arbeit. Carmen war so nett und wartete, wunderte sich aber ebenfalls darüber, dass sie nicht mal Tschüss sagen konnte. 

Im Laufe der Woche lies sie mich auch immer wieder aufs Neue spüren, dass sie von Carmen eindeutig begeisterter war als von mir. Für mich fand sie immer wieder einen Grund mit mir zu schimpfen oder mich anzuschreien, sei es auch nur, weil ich meine benutzte Tasse ins Waschbecken gestellt habe anstatt sie zu spülen, weil es kein Wasser gab… Oder sie lobten Carmen, spaßten und scherzten und machten dann blöde Witze auf meine kosten, ärgerten und provozierten mich. Es war echt gemein und wirklich auffällig, ich fühlte mich ziemlich beschissen. An einem Abend trieben sie es so weit, dass aus meinem Ärger echte Verletztheit wurde. Sie ritten mal wieder auf meinen Essgewohnheiten rum, Juana meinte die ganze Zeit, ich würde es nicht wollen, dass ihr Mann sich die Plakate im CEDIF anschauen kommt und lauter so blödes Zeug, dass ich ja gar nichts wolle. Ihr boten sie Ausflüge an, mich fragten sie nicht einmal. Genauso wie in Kishuara, als sie Carmen fragte, ob sie dort eine Woche verbringen wolle. Sie wurde gefragt, ich nicht. Als ich dann meinte, ich fände es auch cool, tat sie Einen auf Verblüfft. Oder an einem anderen Morgen, als wir zwar mal wieder nicht zum Essen gerufen wurden. Carmen erkundigte sich also, ob es etwas gäbe und tatsächlich wurde Reis mit frittierter Yuka aufgetischt. Allerdings wurde nur Carmen gefragt, ob sie etwas wolle und ein Teller hingestellt. Somit saßen alle am Tisch mit ihrem Essen vor der Nase nur ich nicht. Das war auch wieder so ein Moment, in dem ich mich richtig mies gefühlt habe. Mir stiegen schon die Tränen in die Augen und ich fragte, warum alle etwas zu essen bekommen würden nur ich nicht. Da meinte sie zu mir, ich würde es ja so oder so nicht wollen. Ich war total entrüstet, weil ich es so unverschämt fand. Fleisch boten sie mir immer wieder an, aber Reis mit Yuka nicht oder wie?! Auf mein Nachfragen hin wurden dann noch ein paar Reste zusammengekratzt und ich bekam widerstrebend doch etwas ab. Genauso fragte sie mich an einem Morgen, warum wir unser Brot nicht in der Küche lagern würden, sie würde doch auch alles mit uns teilen. Diese Aussage überging ich ganz galant, weil ich es gar nicht einsehe, mein Brot mit ihr zu teilen, sie aber ihr Obst vor mir versteckt. Meines Wissens nach funktioniert Teilen nur wenn beide Parteien mitmachen, aber da ihr Part fehlt, sehe ich das überhaupt nicht ein. Und da sie ihre Meinung eh 1000 mal ändert, mache ich es einfach so, wie ich es für richtig halte. Absprachen sind ihr nämlich immer suuuper wichtig und sie erwartet auch immer, dass man sich daran hält, aber die Einzige, die sich nicht am Deal beteiligt, ist sie. Weswegen ich es eigentlich gar nicht einsehe, mich auch daran zu halten, aber auf ihr Niveau will ich mich nicht auch begeben. Mir kann sie so nämlich keine Vorwürfe machen, wobei sie trotzdem immer was findet oder die Geschichte so dreht, dass doch ich Schuld habe.

Die ständigen Vergleiche mit Carmen nerven aber trotzdem, dafür kann sie gar nichts, aber es ist echt ätzend ständig zu hören, wie großartig sie doch ist. Ich fühle mich echt ausgegrenzt. Carmen gibt mir aber wenigstens auch Recht, dass das Verhalten unserer Gastmutter nicht ganz normal ist und sie wundert sich ebenso über ihr merkwürdiges Handeln. 

Ich habe mich WIRKLICH sehr lange um ein gutes Verhältnis bemüht und alles gemacht, um sie zufrieden zu stellen, aber egal was ich tue, es ist mir nicht möglich und da alle Bemühungen von mir auszugehen scheinen und meine Gastmutter sich wie eine Hexe verhält, gehen diese ins Leere und ich kann nun wirklich nichts mehr daran ändern, dass wir nicht so gut miteinander klarkommen. Sie hat einfach keine Lust auf mich und das kann ich leider nicht ändern…

Außer diesem wachsenden Problem verlief der Rest der Woche eigentlich ganz ruhig, wir spielten nochmal Bingo mit den Kindern, verbrachten am Donnerstagvormittag eine Stunde im Stadion, das für das Fest hergerichtet wurde und ärgerten uns darüber, dass unsere mühsam ausgemalten Bilder verschwunden waren. Als wir sie Juana in die Hand drückten, ahnten wir schon, dass sie verloren gehen würden und niemals im Essenssaal aufgegangen werden würden. Schade, dass unsere Arbeit so wenig wertgeschätzt wird und von großen Vorhaben nie etwas in die Tat umgesetzt wird. Es ärgerte mich schon etwas, da wir es jauch schon geahnt hatten, aber was sollten wir anderes machen, als uns ergeben. Generell habe ich das Gefühl, dass all die Arbeit auf uns beiden Freiwilligen abgewälzt wird und der Rest der Angestellten den ganzen Tag mit anderen Dingen beschäftigt ist. Ich frage mich wirklich, was die ohne uns machen… 

Am Donnerstagnachmittag quatschte ich die ganze Zeit mit einem 16-jährigen Mädchen, dem ich zuerst bei den Englischaufgaben holt und das mich danach über mein ganzes Leben ausquetschte. Sie erzählte mir aber auch viel von sich, ihrem Freund und ihrem Baby und ihren Zukunftsplänen. Am Ende hatte sie meine Handynummer und ich eine Person mehr, die mich auf WhatsApp nervte. 

Nach der Arbeit waren Carmen und ich eigentlich immer in unserem Zimmer, planten die Reise nach Puno, unterhielten uns oder hörten Musik. Wenn wir dann ausnahmsweise mal zum Abendessen gerufen wurden, speisen wir alle zusammen, wenn nicht bekamen wir Reste oder wurden angewiesen, uns selbst etwas zu machen. Dargestellt wurde dies auch wieder als Problem, wobei es für uns keines war. 

Gut belassen wir es bei diesem Bericht dabei, nicht ganz so chronologisch wie die anderen, aber ich hoffe man versteht, was hier so abgeht. Als Fazit würde ich sagen, dass es mir ganz gut geht und guttut, mit Carmen über die Dinge zu sprechen, die Situation aber noch ausbaufähig ist. 

Emily

 

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